Gespräch · · 54:54
„Kunst Macht Markt“

Mitschnitt · 54:53 · 12 Kapitel
Kapitel 1 von 12Das Kunstbüro stellt Sophia Pompéry vor
Sophia Pompéry
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Das Kunstbüro stellt Sophia Pompéry vor
Sophia Pompéry0:00 / 54:53
Sprecher:innen
- Sophia Pompéry · sprichtKünstlerinRedeanteil 77 %
- Regina Fasshauer · sprichtKunstbüro der Kunststiftung Baden-WürttembergRedeanteil 6 %
- Stimme aus dem Publikum · sprichtRedeanteil 4 %
- Norina Quinte · sprichtatoRedeanteil 2 %
- Moderation · sprichtRedeanteil 0 %
- Weitere Stimme · sprichtRedeanteil 0 %
Kurzfassung
Sophia Pompéry, Künstlerin und Lehrende aus Berlin, spricht auf Einladung des Kunstbüros der Kunststiftung Baden-Württemberg darüber, wie Digitalisierung und Pandemie den Kunstmarkt verändern. Sie stellt Zahlen zum Online-Kunstkauf vor, eigene NFT- und E-Commerce-Projekte sowie Beispiele für Genossenschaften, Netzwerke und neue Formen der Kuration. Regina Fasshauer vom Kunstbüro führt ein, zum Schluss fragen das Publikum und Norina Quinte von ato nach.
Transkript
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0:00Das Kunstbüro stellt Sophia Pompéry vor
Regina FasshauerKunstbüro der Kunststiftung Baden-Württemberg
Fangen wir an. Ich bin auch noch zu Gast hier, aus Stuttgart sind wir gekommen, vom Kunstbüro, mein Name ist Regina, trotzdem von mir auch herzlich willkommen, herzlich willkommen Sophia, hallo ato, danke, dass wir da sein dürfen, wir freuen uns sehr über diese Kooperation. Wir haben zusammen für heute und morgen Sophia Pompéry eingeladen, Sophia ist aus Berlin zu uns gekommen und bevor sie einen kleinen Vortrag oder Input hier gibt, möchte ich sie ganz kurz vorstellen.
Sophia ist sowohl Künstlerin als auch Lehrende. Sie hat Bildhauerei studiert an der Kunsthochschule Weißensee und war dann auch noch an der UdK am Institut für Raumexperimente bei Olafur Eliasson.
Wir sind auf sie aufmerksam geworden, vor allem durch ihre Lehrtätigkeit an der Weißensee Kunsthochschule. Dort leitet sie ein Programm eigentlich zum Empowerment, zur Weiterbildung von Absolventen, C-Up oder jetzt C-Kicks. Aber sie ist genauso sehr Künstlerin durch und durch. Ihre Arbeiten waren in großen Häusern schon ausgestellt, am Stedelijk Museum, in der Kunsthalle Baden-Baden, um jetzt nur diese beiden zu nennen.
Für uns ist sie eben so interessant, weil sie in diesem Feld des Empowerments arbeitet für Künstler:innen, was wir auch im Kunstbüro machen. Sie arbeitet daran, Künstler:innen zu unterstützen, ihre Arbeit sichtbar zu machen, sich selber besser aufzustellen, kommunikativ fit zu werden und sich einfach in diesem Kunstfeld souverän zu bewegen. Wir beobachten, was SIAB oder C-Kicks macht und fanden das ganz, ganz großartig und freuen uns, dass sie jetzt zum ersten Mal mit uns auch zusammenarbeitet und jetzt erstmal einen kleinen Input gibt oder einen Vortrag oder über ihre Beobachtung spricht, wie der Kunstmarkt oder das ganze System aktuell aufgestellt ist, was gerade passiert, was vielleicht auch durch die Pandemie passiert ist, was sich da bewegt, was für neue Ideen, Strukturen, Modelle es gibt, sich in diesem Kunstmarkt zu bewegen und ja, so viel vielleicht.
Zum Ablauf, Sophia wird jetzt etwa eine halbe Stunde, eine gute halbe Stunde ihre Gedanken mit uns teilen, ihr könnt gerne Zwischenfragen stellen, im Anschluss gibt es auch nochmal die Möglichkeit, Verständnisfragen zu dem Vortrag zu stellen, dann machen wir eine kurze Pause und gehen dann über in eine Diskussion mit ato, mit Antonia, meiner Kollegin, mit Anna Schiefer, eine ganz tolle Künstlerin aus Stuttgart und Berlin, die heute zu uns gekommen ist und moderiert von Leo. Genau. Dann danke Sophia und viel Spaß.
Sophia PompéryKünstlerin
3:43Wenn ich verspreche, laut und deutlich zu sprechen, geht es dann auch ohne Mikro? Ich finde es so ein bisschen familiärer und sympathischer.
Weitere Stimme
3:51Also wenn du willst, es ist eine Publikation, sollte eine entstehen, dann wäre deine Stimme nicht enthalten.
Nee, gerne. Also gut. Okay, dann also mit. Ja, also herzlichen Dank, Regina, für das sehr warmherzige Intro und Vorstellen. Herzlichen Dank für die Einladung.
4:16Drei Fragen, die Künstler:innen auf jeder Party hören
Sophia PompéryKünstlerin
Kunst macht Markt. Wie verteilen? Also als Künstlerin, wenn man auf eine Party eingeladen ist, ich weiß nicht, wie es euch geht, ihr seid ja viele auch Kollegen, ich kriege da immer drei Fragen. So, wie heißt du? Was machst du? Und kann man davon leben? Und dann antworte ich immer so aus dem Reflex raus, naja, wieso sehe ich eigentlich so verhungert aus, als mir diese Frage gestellt wird? Und eigentlich ist diese Frage gar nicht so banal, weil wir inmitten eines revolutionären Wandels sind, wirtschaftlich, und das natürlich auch unsere Existenz als Künstler stark beeinflusst. Also die Frage, kannst du davon leben, ist eigentlich, also diese Frage zu beantworten, ist eigentlich viel komplexer, als das der Fragende im ersten Moment, wenn er die Frage stellt, überhaupt sich vorstellt.
Regina, als du mich eingeladen hast, hast du mir in einer E-Mail geschrieben, dass du gerne einen Vortrag hättest zu folgendem.
Unter welchen Bedingungen wird Kunst heute produziert, präsentiert, vermittelt und verwertet? Wer verdient an der Kunst und wie können wir Strukturen jenseits des klassischen Kunstsystems bzw. Marktes schaffen, die eine faire Beteiligung aller Mitwirkenden herstellen? Welche neuen Formen der Kooperation, auch interdisziplinär, sind denkbar? Welche bisher nicht mitgedachten gesellschaftlichen Bereiche können heute von Künstler:innen maßstäblich mitgestaltet werden? Das sind wahnsinnig viele Fragen für 45 Minuten und ich werde mir Mühe geben, darauf weitestgehend einzugehen, aber seht es mir nach, dass ich einige Dinge nur sehr oberflächlich streifen werde, weil 45 Minuten wirklich nicht viel Zeit sind für solche wirklich wichtigen rudimentären Fragen. Ich versuche diese Fragen anhand von drei Aspekten zu besprechen. Und zwar erstens, Digitalisierung ist in meinen Augen in erster Linie eine Machtverschiebung.
Also ein paar Worte zu Markt und Herrschaft in der Ökonomie der Unknappheit. Und dann, wenn wir darüber sprechen, was eigentlich die Zeichen der Zeit sind, würde ich gerne kurz darüber sprechen, was sich unter der Pandemie explizit für den Kunstmarkt verändert hat. Wie die meisten Künstler, so bin ich auch in Mathe eher nur Deko gewesen, aber ich habe trotzdem ein paar Statistiken mitgebracht, die ich sehr interessant finde, dass wir uns die mal anschauen, wie sich der Markt gerade verändert. Und dann als drittes habe ich ein paar Beispiele für neue Formen der Teilhabe und Kooperation mitgebracht, wohl wissend, dass ich hier bei ato bin und das auch ein überaus hervorragendes Beispiel dafür wäre, aber dachte ich, bringe ich noch ein paar weitere Beispiele mit.
6:55Digitalisierung verschiebt Macht
Sophia PompéryKünstlerin
Machtverschiebung, was heißt das eigentlich? Wenn wir uns anschauen, wie vor 20 Jahren die DAX-Unternehmen aufgestellt waren und welches die höchst dotiertesten Unternehmen oder wertvollsten Unternehmen weltweit waren, dann waren die meisten Unternehmen entweder Industriekonglomerate oder aus dem Bankensektor oder im Prinzip große Industrien, Banken, Energielieferanten. Und wenn wir uns das heute anschauen, dann sind die richtig großen Player abgelöst und zwar sind das alles Internetgiganten wie Apple, Google, Amazon oder Tencent. Wir alle tragen inzwischen Hochleistungsrechner in unseren Taschen. Unsere Waschmaschine kann man ans Internet koppeln und die Digitalisierung begegnet uns in jedem Bereich des Alltags, hat die Art, wie wir leben und arbeiten stark verändert.
Videokonferenzen sind total normal und alltäglich geworden. Es ist in vielen Berufen längst üblich. Viele kaufen Lebensmittel bereits online. Wir buchen den Urlaub über eine App. Also eigentlich so in jedem Bereich unseres Lebens hat die Digitalisierung Einzug gehalten. Und ja, also der technologische Wandel ist im vollen Gange. Und genauso wird natürlich auch die Wirtschaft geändert. Also es ist keine Seltenheit, dass Einzelteile per 3D-Druck gefertigt werden und von Robotern montiert werden. Und der Vertrieb findet ebenfalls digitalisiert statt.
Genau, und jetzt ist der nächste Schritt so, dass die künstliche Intelligenz das Potenzial hat, Prozesse in der Industrie, aber auch in der Kunst grundlegend zu verändern. Also warum sollte diese Digitalisierung vor der Kunst Halt machen? Ich würde sagen, dass unsere Welt in einem disruptiven Prozess steht. Wir sind da mittendrin. So als kurzen Exkurs. Ich habe dir das gehört, dass die KI DALL-E freigeschaltet worden ist für den allgemeinen Gebrauch. Also vor zwei Tagen ist diese Software für jedermann zugänglich geworden, wo man anhand von ein paar Suchbegriffen dann sich Bilder generieren lassen kann.
Ich habe das einfach mal aus Spaß gemacht. Und ich habe Autumn Evening at WERKstattPALAST Painting bei Lyonel Feininger eingegeben und das waren die Resultate. Und als ich auf dem Weg hierher war, da war ich dann irgendwie doch sehr überrascht, wie nah das eigentlich ist. Also ich bin das erste Mal hier. Ich habe weder Karlsruhe noch den Standort eingegeben. So das ist das, was da innerhalb von zwei Sekunden auf dem Bildschirm erschien. Und dann dachte ich, okay, gut, ich mache das nochmal. Und habe dann eingegeben, Autumn Evening at WERKstattPALAST, new structures people joining a panel talk. Und ich finde, so von der Atmosphäre fängt es das ziemlich gut ein, wenn ich das so jetzt abgleiche mit dem, was hier heute Abend stattfindet.
Und wie ich das gerade sage, habe ich gerade Gänsehaut, weil ich mich frage, warum eine kleine regionale Zeitung noch einen Grafiker engagieren sollte, wenn man auf diese Art und Weise quasi kostenlos gute Illustrationen bekommen kann, die eigentlich eine Stimmung einfangen können. Aber das nur so als kurzen Exkurs. Also wir sehen, der digitale Wandel bringt nicht nur neue Produkte und Dienste, sondern braucht auch Antworten und Lösungen. Und es sind dann so Schlagworte, die dann fallen von intelligenter Vernetzung, leistungsfähige Dateninfrastruktur und dann natürlich auch größtmögliche IT-Sicherheit in der Wirtschaft vor allem. Das rückt da so in den Vordergrund. Und dann kommt auch relativ bald danach das Schlagwort digitale Souveränität, was ich auch einen sehr interessanten Begriff finde.
Also wem gehören eigentlich die Daten, die wir von uns geben? Und wie kann ich eigentlich auf meine digitale Souveränität auch als Privatperson achten? Auch Nachhaltigkeit, das sind dann so die Leitmotive.
Es gibt diverse Studien zu dem Thema, dass Wohlstand und Lebensqualität durch die Digitalisierung wachsen. Also je engagierter wir diese digitale Transformation voranschreiten, umso mehr scheint sich Wohlstand und Lebensqualität zu mehren. Und gleichzeitig, und das ist irgendwie anscheinend kein Widerspruch, sieht man im selben Satz Fachkräftemangel und Arbeitslosigkeit, dass das beides irgendwie kein Widerspruch ist.
Wir sehen, dass dieser digitale Wandel in der Wirtschaft zu einer neuen Einkommens- und Vermögensverteilung führt. Also es gibt eigentlich eine Umverteilung von Geldern im Moment im rasanten Maße. Und gleichzeitig, wenn man dazu Studien liest, sind die sich fast alle einig, dass das eine Ungleichheit bringt. Also dass diese Vermögensverteilung eine ungleiche ist. Kann man mich gut hören? Ist das gut? Gut.
Ich nehme an, dass es daran liegt, dass die Politik ziemlich lange einfach nichts getan hat in dieser Geschichte und diese Digitalisierung wie so eine Naturgewalt aufgefasst hat. Also wie so ein Hurricane, der einen überkommt und das ist auch am Anfang so meine Erfahrung gewesen, so als kleiner Fisch, das kommt alles und ist irgendwie so überwältigend. Und gleichzeitig ist es aber gerade keine Naturgewalt und im Moment findet ein Wandel statt und das ist der Moment, wo wir aktiv werden können und wo wir mitbestimmen können, wie dieser Wandel stattfindet. Also ich sehe darin auch eine ganz große Chance.
In den letzten zwei Jahren haben wir gesehen, dass diese Digitalisierung nur beschleunigt wird. Also unter Covid hat sich diese Digitalisierung nochmal rasant verschnellert. Und unser tägliches Zusammenleben wird maßgeblich davon bestimmt. Die Machtstrukturen ändern sich. Man hört, dass Gatekeeper wegfallen. Also mittels Männer, sagt man eigentlich mittels Frauen, wenn es gegendert wird. Also die fallen anscheinend, können wegfallen. Und es findet eine einzigartige Machtverteilung im Internet statt. Also Machtverhältnisse ändern sich wie lange nicht mehr. Und das ist jetzt eigentlich ein sehr interessanter Moment, weil das ist eine große Chance für mehr Gleichstellung und für mehr Teilhabe und dafür neue und faire Strukturen zu schaffen.
Und es ist eine Chance, um mitzugestalten. Es ist in meinen Augen eine große Möglichkeit, endlich faire Teilhabe zu bekommen.
Also wir sind inmitten in einer Machtverteilungsfrage und die Frage ist tatsächlich, wie verteilen. Und ich sehe darin den Kunstmarkt als besonders symptomatisch, weil diese prekären Verhältnisse dann mit dieser Digitalisierung gekoppelt, eigentlich wie unter dem Vergrößerungsglas sind. Und hier im Kunstmarkt oder im Kunstfeld im weitesten Sinne, zeigt sich vieles noch in viel größerer Deutlichkeit als sonst auch allgemein in der Gesellschaft. Also ich würde sagen, wir können sagen, dass es symptomatisch ist, was auf dem Kunstmarkt passiert, was dann eigentlich gesamtgesellschaftlich betrachtet ebenfalls passiert. Und jetzt ist halt die interessante Frage, was heißt das eigentlich für unser Selbstverständnis als Künstler? Wie müssen wir uns darauf vorbereiten? Also weil, als ich studiert habe, da war das so, okay, also wenn du gute Arbeiten machst, dann kommt irgendwann der Galerist auf dem weißen Pferd dahergeritten und nimmt dich in sein Programm und fördert dich und so.
Und jetzt ist eigentlich diese Berufsrealität von heutigen Absolventen eine ganz andere, als ich studiert habe. Also was bedeutet das für unser Berufsbild? Was bedeutet das für unser Selbstverständnis? Und wie kann man eigentlich die heutige Berufsrealität auffassen und die neuen Hasen darauf vorbereiten?
Genau, so, jetzt habe ich euch, genau, das nochmal ganz kurz.
14:55Was die Pandemie am Kunstmarkt verändert hat
Sophia PompéryKünstlerin
So, was hat sich unter der Pandemie auf dem Kunstmarkt verändert? Ich habe euch ein paar Statistiken mitgebracht, und zwar vom Art Tech Report, der ist initiiert worden von den Macherinnen von Office Impart in Berlin, so eine junge, aufstrebende Galerie, die den Galeriebegriff auch etwas weiter fasst als eine traditionelle Galerie. Und sie haben eine Umfrage gemacht unter 380 Kunstsammler:innen, wie ihr Kaufverhalten im ersten Pandemiejahr war.
Also vielleicht ist es ganz interessant, wenn man das aus künstlerischer Perspektive beantworten will, wie sich dieses Berufsbild ändert, eigentlich das im Spiegel des Marktes mal anzuschauen und sich diese Statistiken reinzuholen. Ich habe mal so die Key Findings dieser Statistik zusammengefasst für uns hier heute Abend. Es lohnt sich aber auch, diese gesamte Umfrage und Gesamtauswertung zu lesen.
Also zwischen Dezember 2020 und Januar 2021, also im Jahreswechsel nach einem Jahr Pandemie, haben sie rund 400 internationale Kunstsammler:innen zu ihrem Online-Kunstkaufverhalten gefragt und die Gesamtheit der Befragten, nee, andersrum. Also Diversität war ihnen wichtig und sie haben deswegen darauf geachtet, dass Hälfte Frauen und Hälfte Männer sind, dass junge Sammler dabei sind, dass unerfahrene Sammler, dass erfahrene Sammler, dass ältere Sammler dabei sind, dass Leute in der Umfrage sind, die unter 1000 Euro ausgeben und Leute, die mehrere, irgendwie fünf- bis sechsstellige Summen ausgeben und auch unterschiedliche Sammlerprofile. Und jetzt kann man natürlich die Kritik sagen, ich glaube 380 Leute waren es, das ist nicht allzu repräsentativ, aber ich denke, das zeigt irgendwie vielleicht in gewisser Weise eine interessante Tendenz.
Und deswegen würde ich mit euch ganz gerne kurz diese Schlüsselaspekte anschauen. Und zwar, das erste ist, Kunst wird online gekauft. 80 Prozent der Befragten haben schon mal online gekauft. Davon 50 Prozent sogar mehr als einmal und 14 Prozent sogar mehr als zehnmal.
Es gibt anscheinend keine signifikanten Unterschiede zwischen dem Alter und den Geschlechtern. Das finde ich auch eine interessante Info. Also nicht nur junge Künstler sammeln online, sondern anscheinend alle Generationen. Gekauft wurde vor allem Malerei, Editionen, Fotografie.
58 Prozent der Online-Käufe fielen auf junge, 27 auf Mid-Career und 15 Prozent auf etablierte Künstler:innen. Das kann aber auch mit dem Angebot zusammenliegen, weil es halt auch das erste Pandemiejahr war und dieser Online-Handel noch relativ neu war.
Das Zweite, was hier herausgefunden war, es gibt den Wunsch, dass man Preise sehen soll. Das ist irgendwie gerne unter der Hand gehalten im klassischen Kunstmarkt, immer nur auf Nachfrage und also irgendwie ist da auch so diese Schwelle zum Kaufen auch irgendwie künstlich hoch und im Online-Kauf will man gerne sofort sehen, ah okay, was kostet es gut, gefällt mir, kaufe ich und teilweise ist dann dieser Prozess auch relativ schnell, also dass man quasi, ich übertreibe mal, in der roten Ampelphase dann auch sich durchklickt und kauft. Also das ist ein ganz anderes Kauferlebnis, als in einer Galerie zu gehen und dann lange beraten zu werden, darüber nachzudenken.
Also neun von zehn Leuten wollen gerne Preise sehen, spricht auch für eine gewisse Transparenz.
In den abgefragten Online-Sales-Formaten, in denen Preise angezeigt werden, wird entsprechend am meisten gekauft, das ist auch interessant. Online-Shops, da waren 66% gekauft, also dort haben 66% gekauft und auch auf Online-Auktionen. Ja, und dann als Zitat, Preistransparenz is extremely helpful in not wasting any of our time. Das ist auch lustig, dass plötzlich so der schnelle Kauf geht. Also, fand ich einfach eine interessante Info. So, Website is key. Also, die Künstler-Webseite scheint das Informationsmedium zu sein, was Sammler:innen sich anschauen. Genau, also die Mehrheit aller Befragten gab an, dass ihnen eine intuitive und ansprechende User Experience wichtig ist, wenn sie sich online bewegen.
Und die Kritik ist, dass viele Galerien das nicht verstehen und zu komplizierte, zu komplexe Webseiten haben mit zu viel Information, wo man sich nicht einfach durchscrollen oder durchklicken kann und die User Experience einfach nicht gut genug ist. Also das war die Kritik. Und die Menschen informieren sich bei 85 Prozent tatsächlich über die Webseite des Künstlers und danach erst über Third-Party-Plattforms oder Online-Magazine. Das ist natürlich für uns Künstler auch eine super wichtige Info, dass eigentlich unsere Webseite an vorderster Stelle steht und danach erst andere Vermittlungsformate.
Ja, ungesehen gekauft. Tatsächlich 78 Prozent der Käufer:innen haben ungesehen gekauft, also haben ein Werk gekauft, was sie vorher physisch nicht gesehen haben.
Also das sind mehr als drei Viertel, das ist eine ganze Menge. Und dabei gibt es keine Unterschiede zwischen der Altersklasse und auch dem Geschlecht. Und das ist insofern erstaunlich, dass ganz viele trotzdem gesagt haben, dass sie es vermissen, irgendwie physisch in Kontakt zu sein und also dieses physische Erlebnis irgendwie vermissen beim Kaufen. Also Zitat, live sehen macht mehr Freude, aber online gekauft habe ich trotzdem.
Genau, also digital und persönlich muss es sein. Zwei Drittel der Nutzerinnen von Online-Sales-Formaten wünschen sich persönliche Kommunikation in Echtzeit. Also du brauchst nicht nur eine gute Webseite, sondern musst irgendwie einen Kanal schaffen, wo die Leute mit dir in Kontakt treten können. Und das Fehlen der persönlichen Kommunikation war entsprechend einer der Hauptgründe, warum dann jemand doch nicht gekauft hat. Also 25% der Befragten wünschen sich einen Videocall oder 24% auch eine Live-Chat. 20% vermissten einen Link zum direkten Messenger. Also der persönliche Kontakt schafft Vertrauen und ist wichtig für den Kauf. Alles andere kann auch irgendwie digital aufrechterhalten werden.
Social Media. Über alle Altersklassen hinweg nutzen 86% der Kunstsammler:innen Social Media. Über alle Altersklassen hinweg. 80% Vorreiter ist Instagram.
Genau. Und 71% nutzen das dabei gezielt im Kunstkontext und lustigerweise Frauen deutlich stärker als Männer. Also 75% der Frauen nutzen Instagram, während Männer nur so bei 51% liegen. Und direkt dahinter befindet sich lustigerweise LinkedIn, wahrscheinlich eher als beruflicher Kanal, also noch vor Facebook oder Twitter.
Wenn ihr Fragen habt, bitte immer dazwischen sprechen, einfach laut rufen, weil ich vielleicht euch auch nicht sehen kann.
So, wie ticken denn die Kunstsammler von morgen?
Interessante News, die Next-Gen Art Collectors, das sind die Sammler unter 40, die sie gefragt haben. Die meisten von denen sind weiblich. Der Frauenanteil der jüngeren Sammlergeneration liegt mit 64% deutlich über demjenigen der Altersgruppe über 40. Das ist ganz interessant. Also Online-Kunst kaufen scheint auch was so im Gender-Bereich zu machen, dass vielleicht Frauen lieber online direkt von der Künstlerin oder vom Künstler kaufen als vom männlichen Galerist. Ich weiß es nicht genau, aber ich finde diese Zahl irgendwie interessant. Über 40% der jungen Kunstsammler:innen planen dieses Jahr mehr Kunst online zu kaufen als letztes Jahr.
Dieser Wert liegt doppelt so hoch wie in den anderen Altersgruppen. Knapp 80% der Next Generation Art Collectors haben 2020 Online-Kunst gekauft, 76% davon ohne das Werk vorher gesehen zu haben, 37% ohne mit den Künstler:innen vorab vertraut gewesen zu sein. Die befragten Next Gen Art Collectors informieren sich im Kunstkontext deutlich stärker als ältere Kunstsammler:innen über soziale Medien. Die Next Generation Art Collectors kaufen mit 66% online vor allem Künstler:innen ihrer eigenen Generationen. Aber ich glaube, das stimmt generell, dass Sammler:innen meistens sich selbst kaufen, also so derselben Thematik und auch im selben Geschlecht wahrscheinlich unterwegs. Genau, und gekauft wurde vor allem Malerei, Editionen und Fotografie.
Die Zukunft bleibt digital. 69 der befragten Kunstsammler:innen werden dieses Jahr gleich viel oder mehr Kunst online kaufen, Frauen dabei mehr als Männer.
Wahrscheinlich wird für zwei Drittel der befragten Kunstsammler:innen die Relevanz von Online-Sales künftig weiter zunehmen. Und Frauen schätzen diese Entwicklung positiver ein als Männer. Das ist auch irgendwie erstaunlich.
Genau. 73% der Befragten attestieren Third-Party-Plattformen künftig das größere Sales-Potenzial als Kunstkauf-Format, gefolgt von Online-Auctions, Online-Shops und Instagram mit 63%. Ja, also ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich fand es irgendwie erstaunlich und erfrischend, dass irgendwie so Online-The-New-Normal ist anscheinend.
Tja, was heißt es denn nun eigentlich für uns?
25:06Sammler:innen werden zu Followern
Sophia PompéryKünstlerin
Eigentlich heißt es, dass vor allem diese Aussage, dass man sich den persönlichen Kontakt zu den Künstler:innen wünscht, heißt eigentlich, dass Sammler Follower sind. Dass wir Künstler darauf achten müssen, dass wir unsere Followerschaft pflegen und diese Kontaktmöglichkeiten herstellen. Dann braucht man eigentlich im Prinzip keine Mittelsmänner, wenn man diese Vermittlung und Kontaktpflege zu seinen Followern selbst übernimmt. Aber das muss man halt auch machen und machen wollen. Wir haben Möglichkeiten, aber das ist auch mehr Verantwortung. Und hier kommt dann halt der Aufbau von Netzwerk dazu und die Pflege von diesem Netzwerk.
25:54Eine NFT-Edition aus Parfumflakons
Sophia PompéryKünstlerin
Zeitgleich mit Corona, also unabhängig jetzt vom Online-Kunstkaufen, von Malerei und so weiter, gab es noch einen zweiten Hype und zwar alles rund um NFTs. Ich weiß nicht, wie sehr ihr bewandert seid und was ihr hier heute schon alles diskutiert habt.
Wenn ihr wünscht, dass ich da irgendwie eine kurze Definition zugebe, dann sagt bitte Bescheid.
Ich würde euch gerne in Bezug auf NFTs ein Beispiel einer eigenen Arbeit zeigen und zwar habe ich eine Edition gemacht, die nennt sich CryptoNode und stellt sich der Frage, wenn Geld nicht stinkt, wie riechen dann Kryptowährungen? Es sind 16 Parfumflakons. Die Form ist entlehnt von einem Logo von Ether, also Ethereum und die enthalten einen Duft und du kannst diesen Duft kaufen, aber man kann den Deckel dieses Flakons nicht öffnen, ohne diesen Flakon zu zerschmeißen. Also nur mit Wertzerstörung kommt man dann an den Duft ran und die logische Konsequenz war für mich, dass die auch in Ether gehandelt werden. Also das erste kostet 0,1, das zweite 0,2. Die Preise sind gestaffelt, weil ich glaube, Kunst und Geld haben gemeint, dass es irgendwie ein Vertrauen in der Gesellschaft gibt, dass es einen Wert hat und Kryptowährungen sind ja total volatil.
Also es spielt so ein bisschen damit, dass auf dem tradierten Kunstmarkt man oft Preise staffelt, damit die Leute schnell kaufen. Im Moment fallen die Kurse total, also kann sein, wenn man später kauft, dass man es dann am Ende doch günstiger gekauft hat als früher.
Ich bin ein bisschen stolz, weil es war das erste, also zusammen mit dem Flakon wird ein NFT verkauft, also juristisch gesehen ist es so, ich verkaufe das NFT und dazu gibt es den Flakon gratis und ich bin ein bisschen stolz, weil es war das erste NFT, was an der AdK in Berlin ausgestellt war und wenn ich jetzt mir so die Verkäufe anschaue, dann stelle ich fest, ja, also das ging, die meisten haben es ungesehen gekauft, also das stimmt tatsächlich. Also ich kann diese Aussage so im Privaten selber verifizieren, ja, also viele haben das ungesehen gekauft, aber keiner der Sammler:innen ist ein Neuzugang, also alle kannten mich schon vorher und nur weil man ein NFT macht, heißt das nicht, dass man sofort einen neuen Markt hat, also das ist irgendwie ein total wichtiger Punkt, weil es gibt halt so viele Glücksritter, die jetzt sagen, okay, mach jetzt NFTs und das ist irgendwie ein neues Potenzial und neue Community und so, Bullshit, also muss man auch pflegen, kann sein, aber das muss man sich aufbauen, also es ist nicht eine, ja, entschuldige, ja, das war OpenSea, also es ist Ethereum, genau, ja, also über meine Kanäle, aber ich bin halt auch, ich komme aus der physischen Bildhauerei und ich bin kein Digital Nomad und so und deswegen sind halt meine Kontakte auch Leute, die halt eher bis jetzt physische Kunst kaufen und, ja, ja, bitte, du dachtest, es gibt es nur einmal, also es gibt 16, es ist eine Edition von 16 und du kannst auch Editionen mit NFTs erstellen, genau, genau, also das ist das, das ist das NFT, sieht auch so ein bisschen aus wie in so einem Super Mario Spiel, so der Kristall, mit dem man dann die Superpower kriegt und man kauft dann halt dieses Video und dazu gibt es das physische Objekt dann halt gratis dazu, genau, genau, also Fazit der ganzen Geschichte ist, nur weil man ein neues Medium macht, also nur weil man jetzt irgendwie Lithographie ausprobiert, heißt das nicht, dass man neue Kunden kriegt und genauso ist es halt auch mit neuer Technologie, nur weil man ein NFT macht, heißt das nicht automatisch, dass man dann eine neue Sammlerschaft hinzuziehen kann, so meine Erfahrung.
30:09Eine eigene Plattform macht Außenseiter zu Trendsettern
Sophia PompéryKünstlerin
Andere Leute machen es ganz clever, Thea ist eine Plattform, die eine eigene Blockchain-Währung hat und zwar Tezos, ich weiß nicht, ob ihr das kennt, das sind ein paar brasilianische Künstler und Informatiker gewesen, die sich zusammengetan haben und gesagt haben, wisst ihr was, wir machen eine eigene Währung und das hat natürlich auch viel Potenzial, wenn sich das entwickelt und der Wert steigt, also es ist eigentlich ein Investment in die eigene Zukunft, wenn man so will, als Modell. Und sie haben dann eine eigene Plattform kreiert, die sieht, wenn man draufklickt, relativ dröge aus, also sehr, so man kann dann halt irgendwie so diverse Objekte oder NFTs drauf googeln. Der Vorteil von dieser Plattform ist, oder warum ich das interessant finde, ist, dass eigentlich so ein Underdog zu einem Trendsetter wird.
Also die Leute, die kommen aus Brasilien, das ist so the Global South und plötzlich dadurch, dass sie sich eine eigene Plattform kreieren mit einer eigenen Technologie und entsprechend auch sehr gut vernetzt sind auf Twitter, sind die plötzlich zu einem Trendsetter geworden und sind auch auf dem westlichen Kunstmarkt total erfolgreich geworden mit dieser Plattform.
Sie nutzen dafür auch eine andere Technologie als zum Beispiel Ethereum, weil Ethereum ist extrem nicht nachhaltig und energieaufwendig. Sie haben eine Proof-of-Stake-Architektur, die sehr nachhaltig ist. Also sowas zu produzieren, ist eigentlich fast klimaneutral. Also es wäre in meinen Augen die bessere Alternative, mit Tezos auf dieser Plattform zu arbeiten als Künstler, denn auf OpenSea oder Nifty Gateway oder diesen ganzen anderen, die halt immer diese Nachhaltigkeitskritik haben. Genau. Einzigartigkeit auf dieser Plattform ist, dass es halt auch von Künstlern gebaut worden ist und entsprechend sind halt auch die Formate total vielfältig. Also sie können halt irgendwie, weiß ich nicht, GIF, JPEG und noch ganz, ganz viele andere Formate mehr als andere.
Genau, und diese ganzen geldsüchtigen Adaptationen von CryptoPunks haben da zur Zeit noch nicht drauf gefunden. Deswegen finde ich das eigentlich eine sehr interessante Alternative, wenn man schon von über NFTs spricht.
Entschuldige bitte, ich muss mich hier ein bisschen mit der Technik hudeln.
Es gibt einen Künstler, Mario Klingemann, auch alias Quasimondo, der alle NFTs zu einem Werk verflochten hat, die jemals auf dieser Plattform publiziert worden sind. Also Stand 25. März 2021, die Daten sind jetzt ein bisschen alt, waren irgendwie über 10.000 NFTs, die er dann zusammengebaut hat. Also auf dieser Here or There Glitch Me kann man halt den aktuellen Stand sehen, wie groß diese Plattform mittlerweile geworden ist.
33:10Eine Genossenschaft für Freiberufler:innen
Sophia PompéryKünstlerin
Genau. Anderes Beispiel. Also wir haben jetzt gerade ein positives Beispiel gesehen von Netzwerk und neuer Technologie. Es gibt auch Netzwerke als Genossenschaft. Ebenfalls sehr aktuell ist das Smart Berlin gerade vor, ich glaube, diese Woche, letzte Woche einen Preis für das soziale Unternehmen der Stadt gewonnen hat. Und zwar ist es eine Genossenschaft für Freiberufler.
Es ist im Prinzip eine Shared Company, also alle Mitglieder teilen sich die administrativen Kosten der Verwaltung innerhalb dieser wirtschaftlichen Leistung. Und es ist deswegen von Vorteil, dass ich quasi als freischaffender Künstler Teil der Genossenschaft werde. Und wenn ich einen Auftrag bekomme, dann läuft er über die Genossenschaft und die Genossenschaft schreibt die Rechnung und schreibt die Mahnung und setzt auch die Konditionen durch und so weiter. Also ich habe diesen ganzen bürokratischen Apparat nicht am Hals. Also Rechnungslegung zum Beispiel, aber auch Auftragsvermittlung. Also es kann auch sein, dass da jemand an diese Genossenschaft herantritt und sagt, hey, ich brauche ein neues Logo oder plane gerade ein Festival und brauche da irgendwie einen Musiker als Act. Könnt ihr nicht jemanden aus eurer Genossenschaft empfehlen? Es ist auch gleichzeitig eine soziale Absicherung, weil die nämlich ermitteln, was so durchschnittlich dein Einkommen ist über diese Genossenschaft und dir das dann monatlich auszahlen.
Also du hast nicht mehr diese Peaks irgendwie in deinem finanziellen Fluss, sondern hast so, also die rechnen halt aus, okay, im Schnitt verdienst du so und so viel, wenn ich das jetzt auf einen Monat umlege und dann kriegst du halt dieses monatlich und nicht irgendwie mal ganz viel und dann wieder monatelang gar nichts. Also es hilft so gegen Durststrecken und zum Beispiel unter Corona sind ja ganz viele in Kurzarbeit gegangen, das kann man ja als Selbstständiger gar nicht, da gibt es ja nur Arbeitslosengeld, aber wenn ich Angestellter einer Genossenschaft bin, dann kann ich halt auch sowas zurückgreifen, also es ist eigentlich ein ganz interessantes Konstrukt.
Ne, alle möglichen, also aus dem Kreativbereich, im Prinzip Musiker, Regisseure, Drehbuchautoren, auch Künstler. Wobei, ich hatte mit der Gründerin gesprochen und die suchen noch eher nach Künstler:innen, beziehungsweise sind da auch noch nicht optimiert in dem System, es ist momentan eher für Dienstleistungen tatsächlich kreative.
Versteht man nicht? So, besser? Genau, also ich hatte mit der Gründerin gesprochen und Künstler:innen ist da jetzt noch nicht so der Fokus oder ist auch ein bisschen schwieriger als tatsächlich kreative Dienstleistungen, meinte sie zu mir, auch wenn die aus der, sozusagen selbst alle aus der Kunst kommen, genau, aber es ist eher für ganz Auftragsarbeiten im klassischen Sinne, ja, nicht unbedingt Verkäufe. Ich hatte das anders gelesen, aber ich glaube, die bedienen ein weites Feld und ich glaube, das ist auch der Vorteil, dass sie sehr branchenübergreifend sind, also es ist ein sehr soziales, breit gefächertes Konstrukt, also lohnt sich das auch mal irgendwie in Ruhe anzuschauen. Also ich gebe euch auch gerne die Folien, wie im Nachgang per Mail, wenn ihr möchtet, zum Nachlesen und Nachschauen.
36:32Ein Verkaufsknopf mit eigenen Ausschüttungsmodellen
Sophia PompéryKünstlerin
Genau, ich würde euch gerne noch ein Projekt vorstellen und zwar, es nennt sich Goldanger.
Das ist ein Tool, was mein Partner und ich gebaut haben und zwar, es ist ein Tool für eigene Ausschüttungsmodelle. Während der Pandemie haben wir gedacht, eigentlich ist es doof, wenn immer nur dieselben von so Digitalisierung und so profitieren und dann wieder die großen Online-Shopify-Leute ihr Geld machen oder so und es ist irgendwie viel cooler, wenn es irgendein kollaboratives E-Commerce-Tool gäbe für uns Künstler. Im Prinzip ist Goldanger ein Knopf, den man auf jede beliebige HTML-Seite einbauen kann und wo man dann einen Verkaufsprozess starten kann, aber im Unterschied zu einem Webshop kann man erstens diesen Knopf überall einbauen und muss nicht einen separaten Shop haben, sondern es macht auch irgendwie keinen Sinn, dann nochmal eine extra Seite, sondern gleich wo der Content ist, da ist ein Video, zack, drunter ist der Knopf zum Verkaufen. Und das andere ist, wir möchten gerne ermöglichen, dass man sich vernetzt untereinander und sich gegenseitig empfiehlt und dann kann man eigene Ausschüttungsmodelle festlegen.
Also wir Künstler könnten zum Beispiel sagen, okay, wir machen jetzt irgendwie Tag der offenen Tür im Atelier, packen das gleiche Zeug, was wir an den Wänden haben, online für das Wochenende und darüber hinaus. Und wenn irgendwas über diese Webseite verkauft wird, dann behalten wir 15 Prozent zurück für die nächste Sommerparty oder für den Kurator oder für jemand, der, ich weiß nicht, für die Freiwillige Feuerwehr, um was zu sagen. Also man kann oder auch für denjenigen, der empfiehlt. Also man könnte zum Beispiel messen, wenn ich zum Beispiel sage, ich habe hier eine neue Edition und meine Kollegin und mein Kollege auch und ich bewerbe die mit. Und wenn über meine E-Mail dann einer meiner Sammler draufklickt und kauft, dann kann ich halt zum Beispiel eine Provision vereinbaren und dann, weiß ich nicht, ich sage, ich hätte gerne 20 Prozent und der andere sagt, okay, und dann fließt es vollautomatisch. Und es ist aber so gemacht, dass es so vom Datenschutz her auch so ist, dass ich gar nicht weiß, wer meiner Sammler was bei dem anderen gekauft hat.
Ich weiß nur, dass da ein Verkauf gemessen wurde und im Sinne des Kontraktes fließen dann halt automatisch diese 20 Prozent. Wir haben diese Sache noch nicht gelauncht, also die steht technisch und haben einen Pilot am Start. Wir haben das getestet, lustigerweise mit Winzern, weil es denen unter Corona genauso schlecht ging wie den Künstlern und da aber mehr Verkäufe passieren als in der Kunst. Und dann konnte man halt irgendwie mit ein paar Klicks, also wir hatten einen Blogger, der das dann irgendwie beworben hat und mit ein paar Tests hatten wir dann so im mittleren fünfstelligen Bereich innerhalb eines Monats halt Umsätze für die Winzer generiert.
Dann haben wir null Prozent genommen, also es ging wirklich nur für die kleinen Winzerbetriebe, aber das hat uns geholfen, die ganzen Kinderkrankheiten rauszumerzen und dann haben wir ein Pilotprojekt gemacht mit der HBK Saar, also der Kunsthochschule in Saarbrücken und Weißensee, das kann ich euch mal zeigen, wir haben die Studierenden eingeladen, Brieffreundschaften zu machen quer durch die Republik, also mit einer Person, die sie nicht kennen und gesagt, ihr habt 13 Wochen Zeit, um irgendwas online zu verkaufen. Und ich, Naivling, habe gedacht, ja, das werden dann bestimmt irgendwelche schönen Goodiebags oder irgendwie Lesezeichen oder sowas und die hatten aber teilweise total lustige Ideen wie, ich verkaufe 1 Euro für 2 oder wir haben alle viel zu viel Zeug zu Hause, wir bringen Dienstleistungen, ich komme zu dir nach Hause und ich nehme eine Sache mit. Also auch so ein bisschen dieses kapitalistische, was ist Online-Shop und so, haben die echt interessant in Frage gestellt und die Studierenden haben dann beschlossen, dass sie mit 5% aller Einnahmen ein Stipendium ausschreiben.
Müsste ich mal gucken, was da inzwischen zusammengekommen ist. Also wir wissen nicht genau, ob es 5 Euro, 50 Euro, 5000 Euro sind. Immer wenn irgendwas online verkauft wird über diese gemeinsame Webseite, kriegt der Stipendiat oder die Stipendiatin 5% ausgeschüttet, so vollautomatisch.
Also diese Webseite haben dann die Studierenden designt und gleich geht es nochmal, das sind die Teilnehmer.
Hier genau, diese kleinen goldenen Knöpfe, das sind dann diese Buttons, die dann über unser System eingebaut worden sind.
40:58Kuration wird wichtiger: drei Beispiele
Sophia PompéryKünstlerin
Und zu guter Letzt möchte ich euch gerne drei Beispiele zeigen, dass neben Netzwerken auch noch ein zweites Thema ganz wichtig ist, und zwar, also in diesem unbegrenzten Überfluss gehe ich stark davon aus, dass Kuration zunehmen wird an Wichtigkeit, also dass man eine Auswahl trifft, also weil es gibt einfach so viel Zeug und ich bin der festen Überzeugung, dass das das Ding der Zukunft sein wird, irgendwie eine gute Auswahl zu treffen als Vermittlung.
Und wir sind in letzter Zeit drei Projekte über den Weg gelaufen, die da eine ganz hervorragende Arbeit machen, und zwar einmal Wunderkammer aus München. Das sind zwei Damen über 50, die irgendwie auch so die Kritik hatten, ja, wer nimmt mich denn in der Galerie so als Künstlerin? Ich bin ja, mein Haltbarkeitsdatum ist schon so over, also so eine sehr negative Erfahrung haben die machen müssen, so auf dem Kunstmarkt, und dann haben die gesagt, okay, gut, dann machen wir halt die Wunderkammer auf, und da geht es um eigentlich so ein, wie soll ich sagen, analoges Erlebnis, so Synapsenfeuerwerk, divers, also das sind die organisierenden Abende, wo Ausstellungen sind, aber wo auch ein Essen gekocht wird, und wo es eine gute Diskussionsrunde gibt, also die Leute nehmen teil, um sich geistig weiterzubilden, und den Austausch miteinander zu pflegen, und das hier und jetzt zu feiern, und dazu gehört natürlich das Visuelle auch, und sie sind Künstlerinnen, aber dazu bauen sie eigentlich eine ganze, ja, mir fehlen gerade die Worte dafür, aber es ist im Prinzip eine ganze Landschaft von Dienstleistungen, die sich dann darum etablieren, inklusive gemeinsamen Studienreisen, irgendwo hin unter einem ganz bestimmten kuratierten Aspekt, und Workshops und so.
Und eine ähnliche Tendenz hat auch Studio for Berlin, Moment, entschuldigt bitte, das sind vier Galeristinnen, die auch aus dieser tradierten Galerien-Szene kommen und feststellen, dass mittelständische Galerien es zunehmend schwer haben, und die haben sich zusammengetan unter diesem Format Studio for Berlin, also die sind zu viert, und es ist zeitgenössische Kunst, Antiquitäten und Mode, also auch so Lifestyle-Produkte, die, ich glaube, alle sechs Wochen, also in so einem Ausstellungsterminus immer ein anderes Thema haben und dann auch ein anderes Angebot, also auch dieses Online-Angebot, was dann da steht, ist immer nur ein temporäres, es lebt ein bisschen davon, dass dann nach einer bestimmten Zeit dann wieder andere Dinge vertrieben werden.
Und zu guter Letzt möchte ich gerne ein Projekt vorstellen, Daniel ist auch hier, es freut mich besonders, und zwar das Gute Leben Kandel, die für mich eine besonders erfreuliche Geschichte, […entfernt…] einen, ich weiß nicht, wie nennt ihr euch, ist das ein Projektraum oder ist das, nee, Denkerei, Galerie und?
Stimme aus dem Publikum
44:25Ja, hallo, ja, die Form ist irgendwie sehr fluid, deswegen wir sind irgendwie Projektraum, aber auch, also wir verkaufen auch, aber wir machen auch Projekte im öffentlichen Raum und arbeiten auch mit, in Kooperation mit Vereinen dort und mit der Stadt und mit der Verbandsgemeinde, also es ist, es gibt auch Workshops, es gibt auch Talks und klassische Ausstellungseröffnungen, es ist irgendwie schwer zu sagen, was es genau ist.
Sophia PompéryKünstlerin
44:53Ich finde das ein besonders schönes Beispiel, erstens, weil ihr etwas innerhalb von einem Jahr aufgebaut habt, was ihr so in Berlin nie geschafft hättet, glaube ich, also auch von der Reichweite her und vom Standing in der Stadt und das Zweite, was ich sehr interessant finde, ist die Frage, was ist denn Provinz oder also was ist der Standort und ich glaube, das ist auch eine weitere Chance zu dieser Digitalisierung, dass der Standort, ich sage nicht sekundär ist, aber Dinge auch an gewissen Standorten gleichwertig möglich sind, wie sie auch an anderen Standorten wären, also weil die Erreichbarkeit halt auch da ist, die digitale, weißt du, was ich meine?
Stimme aus dem Publikum
45:54Also es läuft recht wenig, weil digitale Kanäle tatsächlich jetzt in Kandel, also es ist schon sehr, unser Konzept zielt schon auch das kleinstädtische auch ab, aber es kommen jetzt auch Leute aus Karlsruhe öfters nach Kandel.
46:18Netzwerke statt Multikonzerne
Sophia PompéryKünstlerin
Genau, also so zu guter Letzt, danke. So Fazit, also ich hatte ja eingangs darüber gesprochen, dass vor 20 Jahren die bestdotiertesten Unternehmen Industriekonglomerate waren und Energiekonzerne und Banken. Und parallel dazu hat man halt in der Kunst so Superstars gesehen wie Jeff Koons, Damien Hirst oder Olafur Eliasson. Also wenn ich jetzt überlege, was das eigentlich für uns heute heißt, dann glaube ich, also ich habe eine steile These, ich hoffe, dass ich recht habe, dass das Zeitalter dieser Multikonzerne vorbei ist und Netzwerke an ihre Stelle treten werden.
Also Kuration ist tatsächlich das Stichwort in meinen Augen für die Zukunft und weil es gibt einfach viel zu viel Content und man muss halt diese Aufmerksamkeit irgendwie kanalisieren und während es früher darauf ankam, Dinge herzustellen und zu einem bestmöglichst hohen Preis zu verkaufen, geht in meinen Augen, ist also in diesem Zeitalter der Unknappheit, das wir gerade haben, ist eher darum, dass wir Künstler:innen Eigentum an den Märkten selbst haben, also dass wir selber Unstrukturen schaffen, wo wir selber die Marktplätze mit besitzen, weil meiner Meinung nach wäre das eine sehr wünschenswerte Zukunft. Ich wünsche mir, dass die Netzwerke mehr Teilhabe ermöglichen und im Gegenzug auch mehr Verantwortung an uns hat. Also wir brauchen eine Teilhabe, aber müssen auch mehr Verantwortung für unsere Sichtbarkeit und Selbstdarstellung übernehmen.
Genau, also während wir früher so eine Art Ein-Mann-Zirkus waren, also so Direktor und Dompteur und Jongleur und Seiltänzer und Zauberer und Löwe und Esel und Putzkolonne, kommt jetzt halt noch der Showmaster hinzu und das gemeinsam mit anderen. Das ist für mich so der Schlüssel für die Zukunft. Also die Frage am Anfang so, wie heißt du, was machst du, kann man davon leben? Sollte man eigentlich umformulieren in, wie heißt du, was machst du und erzähl mir von deinen Mitstreitern. Danke.
48:53Fragen aus dem Publikum
Stimme aus dem Publikum
Also, ich weiß nicht, ob man noch Mikro anschauen muss. Ist okay. Am Anfang waren doch diese hohen Prozent an Frauen, die online kaufen und ich habe mich, also mich beschäftigt das und frage mich, woran liegt das? Und könnte es vielleicht damit zusammenhängen, dass eben sonst in den klassisch konservativen Galerien, die Künstler und Künstlerinnen vertreten, eben prozentual einfach mehr Männer vertreten sind und dass deswegen quasi die weibliche Käuferschaft damit nicht befriedigt wird und jetzt quasi die Chance hat, über Online-Verkäufe direkt bei den Künstlerinnen oder eben bei so Office Impart. Ich glaube, die sind ja alle viel diverser aufgestellt oder achten viel mehr auf Gleichberechtigung. Deswegen vielleicht dachte ich, ist das ein Punkt, dass einfach jetzt die weibliche Kaufkraft, die es ja definitiv gibt und die immer stärker wird, jetzt einfach das richtige Format für sich gefunden hat.
Also nur so eine Vermutung, dass sie eben im klassischen Galerienwesen nicht befriedigt wurden. Das kann gut sein, ja.
Sophia PompéryKünstlerin
50:01Also ich finde diese Frage auch sehr interessant. Die Frage ist auch, wie repräsentativ diese Studie ist, weil es sind nur 380 Teilnehmer. Also das müsste man vielleicht nochmal unter diesem Aspekt nochmal genauer untersuchen. Aber das stimmt natürlich, wenn man sich jetzt irgendwie, es gab ja auch Studien so beim Gallery Week Berlin, wo jede Galerie das heißeste Pferd im Stall ausstellt, dass dann halt irgendwie 75 Prozent irgendwie weiße Männer sind und online hast du halt eine Suchmatrix, wo du entsprechend suchen kannst. Und ja, wenn man sich selbst kauft, dann will vielleicht auch die weibliche Käuferschaft auch weibliche Künstler haben.
Stimme aus dem Publikum
50:54Nur nochmal zu dieser Studie oder Umfrage. Weißt du an wen, also wer die 380 Personen waren? Waren die nur aus dem Netzwerk von Office Impart?
Sophia PompéryKünstlerin
51:06Nee, die haben das ein bisschen breiter aufgestellt und ich weiß nur, dass sie sehr darauf geachtet haben, dass unterschiedliche Alterssegmente oder, oh Gott, wie klingt das denn? Also Leute unterschiedlichen Alters teilnehmen, dass Männer und Frauen ausgewogen sind mit 48 Prozent auf beiden Seiten und 4 Prozent divers. Und dass ihnen auch wichtig war, dass die Leute unterschiedliche Sammlerprofile haben. Also wie einer konkrete Kunst sammelt und der andere irgendwie nur Internetkunst. Also die haben darauf Wert gelegt, dass es möglichst divers aufgestellt ist. Aber genau das kann ich dir zu der Studie nicht sagen.
Stimme aus dem Publikum
51:44Was mich ein bisschen gewundert hat bei der Studie, dass die digitale Kunst da quasi eigentlich nicht so eine Rolle gespielt hat, oder?
Sophia PompéryKünstlerin
51:51Ja, das war auch das erste Jahr der Pandemie. Und es gibt, ach so, das habe ich vergessen zu erwähnen, es gibt eine Folgestudie und zwar nur über NFTs. Also schaut euch gerne diesen Link an von Art & Tech Report, weil der aktuelle Art & Tech Report geht über NFTs.
Ja, ich habe noch eine andere Sache vergessen in Bezug auf NFTs zu erwähnen, dass wir immer so über Werke sprechen, die verkauft werden und bei NFTs auch zum Beispiel ganz interessante Modelle sind, die also eigentlich eine zusätzliche Einkommensquelle für Künstler sind, nicht nur Werk. Also zum Beispiel kenne ich jemanden, der seine Skizzen verkauft und dann hat man halt so immer zehn im Stück, so zehn in der Tüte und wenn man Glück hat, dann hat man eine Skizze zu einem künftigen Werk, was er dann noch schaffen wird. Also zum Beispiel sowas oder dass man so Collectibles draus macht, dass man sich damit so eine Fanbase baut, wenn du auf jeder meiner Ausstellungen warst, dann gibt es irgendwie einen NFT und es gibt so QR-Codes in der Ausstellung und dann kann man so Punkte sammeln, sowas, der zehnte Kaffee ist umsonst. Entschuldigung, das ist ein bisschen gemein, aber es gibt auch andere Modelle jenseits dieses Werkbegriffs, das finde ich irgendwie in diesem NFT-Bereich besonders interessant für uns Künstler.
Norina Quinteato
53:15Vielen, vielen Dank für deinen Vortrag erstmal, also voll spannend und du sprichst glaube ich auch vielen hier aus der Seele, wenn du sagst Netzwerk, wer die Zukunft oder auch das kuratorische Auswahl eigentlich auch eine Chance darbietet in diesem ganzen, in der Flut an Bildern oder Werken oder Eindrücken, die man täglich begegnet. Was ich mich nur frage ist, wie könnte man es dann schaffen auch quasi die Wirtschaft so zu schulen, dass das einen Wert hat, eine Kuration, weil was wir zum Beispiel erleben als ato-Netzwerk oder Plattform ist, dass wir ganz oft gespiegelt bekommen, wenn es eben um Finanzierungsmöglichkeiten geht oder Investments, das würden wir jetzt nur mit 4 Millionen fördern, wenn ihr Ebay Art seid oder wenn ihr eine Flut eben schafft, wo jede Person was finden kann.
Das entspricht ja leider dann irgendwo auch einer kuratorischen Arbeit. Also wie könnte das oder glaubst du, das kann finanziert werden?
Sophia PompéryKünstlerin
54:22Ich finde das eine total spannende Frage und ich glaube, wir sollten die fürs Panel, wir sitzen ja gleich auf dem gleichen Panel. Lass uns das doch auf dem Panel diskutieren. Gerne. Aber das ist eine sehr gute Frage.
Moderation
54:34Also wenn es keine weiteren Fragen im Moment gibt, genau, ihr habt ja gleich weiter die Chance mitzusprechen, würden wir eine kurze Pause machen und uns dann gleich wieder hier treffen. Vielen Dank.






