Archiv · 13.08.–15.10.2022 · Ein Projekt von supermorgenArchiv 2022 · supermorgen

Gespräch · · 1:17:04

„Wie fair teilen?“

Mitschnitt · 1:17:04 · 12 Kapitel

Kapitel 1 von 12Das Podium stellt sich vor

Anna Schiefer

Sprecher:innen

  • Anna Schiefer · sprichtKünstlerinRedeanteil 22 %
  • Leonard Schulz · sprichtModeration, KulturjournalistRedeanteil 18 %
  • Norina Quinte · sprichtatoRedeanteil 14 %
  • Stimme vom Podium · sprichtRedeanteil 10 %
  • Sophia Pompéry · sprichtKünstlerinRedeanteil 9 %
  • Antonia Marten · sprichtKunstbüro der Kunststiftung Baden-WürttembergRedeanteil 6 %
  • Stimme aus dem Publikum · sprichtRedeanteil 6 %
  • Stimme aus dem Publikum · sprichtRedeanteil 3 %
  • Stimme aus dem Kunstbüro · sprichtRedeanteil 2 %
  • Stimme aus dem Publikum · sprichtRedeanteil 2 %

Kurzfassung

Podiumsgespräch im Anschluss an den Vortrag von Sophia Pompéry: Mit Anna Schiefer, Norina Quinte (ato) und Antonia Marten vom Kunstbüro der Kunststiftung Baden-Württemberg spricht der Journalist Leonard Schulz darüber, wer im Kunstbetrieb Geld verdient. Es geht um kuratorische Arbeit, Ausstellungshonorare, Künstler:innen im öffentlichen Dienst, Instagram, Kollektive und Klassismus; später diskutiert das Publikum mit, vor allem über die Frage, was Qualität in der Kunst ausmacht.

Veranstaltung: Wie fair teilen?

Transkript

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0:00Das Podium stellt sich vor

Leonard SchulzModeration, Kulturjournalist

Wir sind ganz froh, das in Zusammenarbeit mit dem Kunstbüro Baden-Württemberg machen zu dürfen. Vielen, vielen Dank.

0:11

Und vom Kunstbüro Baden-Württemberg sind auch heute die beiden Leiterinnen da. Das ist einmal Antonia Marten und Regina Fasshauer. Herzlich Willkommen. Und damit ihr Bescheid wisst, das Kunstbüro setzt sich ein für das Empowerment und die Professionalisierung von Künstler:innen. Und diesen Panel ging gerade, falls manche nicht mitbekommen haben, einen Vortrag voraus von Sophia Pompéry, die zu meiner Rechten sitzt. Und für die, die es nicht mitbekommen haben, stelle ich sie nochmal kurz vor. Sophia hat in der Kunsthochschule Weißensee in Berlin Bildhauerei studiert und ihre Arbeiten waren schon in sehr, sehr großen Museen zu sehen, wie im Stedelijk in Amsterdam, im Hamburger Bahnhof und in der Neuen Nationalgalerie in Berlin und auch in der Kunsthalle in Baden-Baden. Und sie hat auch anschließend nach Weißensee an der UdK was gemacht, nämlich mit Olafur Eliasson beim Institut für Raumexperimente hast du studiert.

1:03

Und zudem leitet sie bei der Kunsthochschule Weißensee ein Programm für Absolvent:innen, bei dem sie auch empowert werden und das heißt C-Up oder C-Kick, das habe ich noch nicht ganz rausgefunden.

1:20

Ist dementsprechend auch sozusagen deswegen noch in der Materie drin. Und dann zu ihrer Rechten sitzt Anna Schiefer, herzlich willkommen. Anna ist ebenfalls Künstlerin und Kunstvermittlerin, sie ist im Vorstand des Künstlerhauses Stuttgart und Mitbegründerin des Stuttgarter Kollektivs Verlag für Handbücher, über was wir gerne auch gleich mehr erfahren wollen. Und zudem ist sie eine Doktorandin gewesen, sie hat ein PhD in künstlerischer Forschung. Dann zu meiner Linken sitzt Norina Quinte. Norina ist die Mitbegründerin von ato. Und bei ato ist sie sozusagen zuständig für Konzeptionen, für Inhalte, für die strategische Ausrichtung, denke ich auch. Also du machst eigentlich sehr viel und wie ich dich so erlebt habe, du bist ja auch Absolventin von der Hochschule für Gestaltung hier in Karlsruhe, agierst du so an der Grenze zwischen Theorie und Praxis im künstlerischen Bereich.

2:21

Und genau, das werdet ihr natürlich alle wissen, aber ato von Norina und den vielen Menschen hier sind natürlich diese tollen Menschen, die diesen wahnsinnigen WERKstattPALAST gebaut haben und diesen ganzen Sommer und Herbst hier betreiben. Und heute wollen wir zusammen darüber diskutieren, wie Kunst produziert wird oder welchen Verhältnissen, wie sie vermittelt wird und wer verdient eigentlich Geld dabei und was für neue Formen von Kooperation und Zusammenarbeit gibt es eigentlich, damit wir den Kunstmarkt und die Kunstbranche noch fairer gestalten können. Herzlich willkommen allerseits und ich finde, dass ihr einen Applaus verdient. Schön, dass ihr da seid.

3:04

Norina, wir haben ja gerade schon kurz angefangen zu diskutieren nach dem Vortrag von Sophia. Möchtest du einfach, wollen wir damit einsteigen und möchtest du deine Frage nochmal wiederholen, die dich sozusagen beschäftigt hat nach dem Vortrag von Sophia?

Norina Quinteato

3:18

Gerne, aber ich würde ganz kurz eine Rückfrage stellen. Du das. Wer du bist oder was glaubst du, warum du hier die Runde moderierst? Ah, das vergisst man immer, das vergisst man immer.

Leonard SchulzModeration, Kulturjournalist

3:28

Hallo zusammen, ich bin Leonard Schulz, ich bin freier Kulturjournalist aus Berlin und auch Redakteur beim Magazin CRISP von ato. Das ist ein Online-Kunstmagazin, was sich kritisch mit dem Kunstmarkt auseinandersetzt und diesen vermittelt und beleuchtet. Und ja, wenn ihr Lust habt Texte zu schreiben, ruft mich an oder sprecht mich an gleich.

3:50

Genau, aber das habe ich gerade vergessen, deswegen bin ich hier. Vielen Dank. Um nochmal in Kürze zusammenzufassen, worum es gerade im Vortrag ging.

4:01Kuratieren braucht Geld, gefördert wird Masse

Norina Quinteato

Du hattest tollerweise angesprochen, dass deiner Meinung nach in der Zukunft Netzwerk liegt und in der Zukunft eigentlich auch eine Auswahl, also die kuratorische Tätigkeit gewinnen sollte oder einfach zunimmt, weil man einer großen Bilderflut tagtäglich konfrontiert ist oder einer Masse an Inhalten und man auch Personen bräuchte, die an der Schnittstelle tätig sind oder diese eben auch auswählen, damit man überhaupt eine Möglichkeit hat, so habe ich es wahrgenommen, Dinge konzentrierter wahrzunehmen oder auch die konzentriert geschaffene Kunst zu finden. Und was ich dabei dachte, ist, dass ich da total mitgehe und mich auch immer über solche Aussagen freue, weil wir es auch versuchen, dieses Netzwerk zu stärken und auch kuratorische Arbeit, soweit es geht, demokratisch zu gestalten oder im Kollektiv und trotzdem die wahre, rohe Wirtschaftswelt, also wenn man da mal Geld braucht für solche Vorhaben, ganz anders aussieht.

4:58

Also es wird selten ermöglicht, dass eine konzentrierte Auswahl oder eine Reduktion von etwas finanziert oder gefördert wird, sondern ich erlebe es so, dass eigentlich doch in dem ökonomischen Bereich des Kunstfeldes die Masse gefragt ist, damit quasi jede oder jeder was finden kann. Also wir haben so oft gehört, wir werden dabei, wir organisieren ihnen dreieinhalb Millionen bis Ende des Jahres, aber nur wenn sie dann wie Ebay-Art oder Amazon Art werden, also wenn sie die Fülle auf die Plattform kriegen, wenn sie nur so skalieren, wie der Golfschläger am allerhöchsten und am schnellsten nach oben geht, Masse, Masse, welche Hebel könnte man in Bewegung setzen, um denen so ein bisschen entgegenzuwirken?

Sophia PompéryKünstlerin

5:42

Ja, also ich denke, dass kuratorische Tätigkeiten halt wertsteigernd sind für ein Kunstwerk. Also wir Künstler vergessen oft, dass die Kuratoren, die uns ausstellen, genauso prekär leben wie wir Künstler auch oder vielleicht noch prekärer, weil auf dem Markt eigentlich diese Tätigkeit, die aber enorm wichtig ist, der Vermittlung und das Platzieren eines Kunstwerkes in einem bestimmten Kontext, das wird nicht als wertschöpfende Tätigkeit wahrgenommen. Also wenn der Kurator die Kuratoren Glück hat, dann kriegt sie irgendwie 200 Euro für einen schönen Text, den sie für eine Galerie geschrieben hat und das war es. Und eigentlich wäre es aber viel besser, würden die Künstler:innen, die Kuratoren, zum Beispiel mit Prozenten mitbeteiligen. Also wenn es einfach Ausschüttungsmodelle gäbe, so Governance-Modelle, wenn ich jetzt mein Werk über dich verkaufe und du das promotest und du dazu auch eine…

6:39

Ja, ich spinne jetzt mal. Warum gibt es eigentlich sowas nicht wie einen täglichen Newsletter und dann ist Sommer und dann ist das Thema mehr und jemand stellt einfach die fünf interessantesten Kunstwerke vor in blau oder das ist ein total doofes Beispiel, also zu einem bestimmten Thema. Ich hätte gerne eigentlich einen Kurator, Influencer sozusagen, der täglich irgendwie gute Storys bringt mit guten Kunstwerken, auch Kunstwerke vergleicht miteinander und wenn dann dabei eins verkauft wird, finde ich es total legitim, dass die Person, die da diese Vermittlungsarbeit gemacht hat, auch honoriert wird natürlich, weil sie schafft in dem Moment einen Mehrwert, der klar messbar ist.

Norina Quinteato

7:18

Die Frage ist, also online hattest du vorhin ein schönes Beispiel genannt, da ist es messbarer wahrscheinlich als in diesen ganzen Offline-Kontakten, weil da tragen ja viele Personen an dem Verkauf, also tragen dazu bei, auch wenn es manchmal nicht mehr am Ende genau greifbar ist, war ich jetzt die Person, die den Verkauf ermöglicht hat oder war es die Künstlerin selbst, aber hätte sie das gekonnt, wenn ich ihr nicht vorher den Rücken stärke über einen Artikel zum Thema Blau oder so, also wie, genau, wie schlüsselt man das auf?

Sophia PompéryKünstlerin

7:45

Also ihr schafft einfach ein Vertrauen in das Werk, also wenn jetzt jemand einfach irgendwo Kunst sieht und es gut findet, ich glaube, das alleine reicht noch nicht für eine Kaufentscheidung bei vielen, sondern es gibt auch viele, die dann wissen wollen, ist denn das, warum kostet das so viel, ist es das auch wirklich wert und wenn jetzt dahinter ein Galerist steht oder eine Galeristin oder eine Kuratorin, dann findet es ja schon mal eine zweite Person auch toll, also muss es relevant sein, dann bin ich nicht mehr so quer mit meiner Meinung, also es hat auch etwas mit fehlendem Selbstbewusstsein bei den Käufern zu tun, finde ich, aber es ist einfach jedenfalls eine vertrauensbildende Geschichte, so eine Instanz dazwischen

Leonard SchulzModeration, Kulturjournalist

8:25

zu haben, die das bestätigt, ja, das ist wirklich interessant und relevant. Das würde auch so ein bisschen bestätigen, was in diesem Art Tech Report, den du auch in deinem Vortrag erwähnt hattest, dass es den Leuten so wichtig sei, dass die Preise wirklich dastehen und ich könnte mir vorstellen, dass das auch eine Sache ist, wenn man da ganz selbstbewusst einen Preis hinschreibt, dass die Leute das schon als eine sozusagen Wertanreicherung sehen, dass man sich überhaupt das traut, das da hinzuschreiben, dann glaubt man das sozusagen schon.

8:51Wer am Verkauf eines Werks beteiligt sein sollte

Leonard SchulzModeration, Kulturjournalist

Wir haben ja jetzt viel über so digitale und online Formen der Vernetzung und Projekten geredet. Anna, wie arbeitet ihr denn sozusagen bei eurem Kollektiv zusammen und wie habt ihr euch gefunden und was ist sozusagen eure Mission und wie geht ihr daran?

Anna SchieferKünstlerin

9:10

Ich wollte noch kurz einen Nachtrag sagen zu dem, was du gerade meintest mit dem Beteiligen der Kuratoren und so weiter. Das setzt ja voraus, dass eine Transaktion stattfindet und der Kurator erhöht natürlich, erhört den Wert aber auch der Kritiker beispielsweise, das ist ja eine ganz ähnliche Funktion des Besprechens des Werks und so weiter und würde man den auch, der jetzt in der Zeitung, übrigens kriegt man auch vielleicht, wenn es hochkommt, 200 Euro für den Artikel oder für die Besprechung, deswegen gibt es ja die Verhältnisse auch gar nicht mehr, müsste man den dann auch beteiligen und ich glaube, dass es in vielen Fällen, es mag solche Fälle geben, wo das Sinn macht, wo diese Transaktion, die dann stattfindet, die Ausschüttung, wo das dann eben erreichen könnte für alle, die daran teilgenommen haben oder daran mitgewirkt haben, dass dieser Verkauf irgendwie über den Tresen, den digitalen oder wie auch immer geht, aber sicher wird es dann immer noch Präsentationen und Arbeit geben, die eben nicht in diesem Transfer von Privateigentum quasi oder von dem Produkt des Kunstwerks mündet, sondern wo es andere Formen gibt, wo es dann vielleicht nicht verkauft worden ist und was ist dann, ist der Kurator dann nicht bezahlt, ist der Künstler dann nicht bezahlt, ist der, ja, und was sind die Strukturen, die wir aufbauen können, die dann greifen.

10:34

Das ist natürlich dann möglich beispielsweise über solche Formen vielleicht wie kollektive Galerien und so weiter, das ist, oder wie jetzt bei, auf der Documenta haben die jetzt auch eine Galerie gemacht, wo es eine Beteiligung gibt dann eben von größeren, von der ganzen Community dann, aber wo hört dann die Community auf und genau, das sind alle so diese Dinge. Was wir so ein bisschen, womit wir uns mehr beschäftigen, sind eigentlich öffentliche Modelle, also wie kann man, was sind die öffentlichen Strukturen, die die Kunst kaufen auch, das gibt es natürlich auch, aber ja, was sind da die Besoldungs- und Versorgungsmechanismen der Künstler:innen, wenn sie ihre öffentliche Aufgabe als Kunstproduzenten wahrnehmen sozusagen.

11:34

Also es gibt ja immer, auch in den Ausstellungen in Galerien beispielsweise, hat man jetzt auch gesehen, in der Pandemie, dass Galerien auch öffentliche Gelder in Anspruch nehmen konnten. Und auch die größten Ausstellungen in großen Museen finden mit öffentlicher Förderung statt und das ist häufig auch eine Public-Private Partnership. Ja, und genau, wie man da navigiert. Was jetzt deine Frage war, ist, meine eigene Praxis ist unterschiedlich.

12:06

Ich arbeite viel in Kollektiven. Das kommt daher, dass ich aus dem Theater kam wahrscheinlich, vor allem so ursprünglich. Genau, und da ist Kunst von vornherein, also glaube ich, habe ich dann nicht so als Produkt gedacht, sondern eher als Dienstleistung vielleicht, also als was Prozessuales, wo es eben eher einen Stundenlohn gibt als einen Verkaufswert.

12:30

Und das ist auch eine Unterscheidung, die wir vielleicht noch besprechen können in diesem Zusammenhang.

12:37Viele gute Künstler:innen, zu wenige Galerien

Antonia MartenKunstbüro der Kunststiftung Baden-Württemberg

Ja, da kann ich vielleicht auch mich anschließen. Als Kunstbüro unterstützen wir oder sind wir sozusagen im Dialog viel mit den Künstler:innen, die so im Übergang stehen von der Ausbildung in die Selbstständigkeit, aber auch sozusagen mit Career-Künstler:innen, die wir über eine längere Zeit begleiten. Und es ist schon so, dass ganz viele im Prinzip überhaupt nichts mit irgendeiner Art von Kunstmarkt zu tun haben, also die auch teilweise wirklich nur eine Arbeit verkauft haben, denen auch dieser klassische Kunstmarkt als völlig unzugänglich erscheint. Das Problem ist einfach auch, dass es insgesamt viel zu viele gute Künstler:innen gibt und viel zu wenig Galerien. Der Kunstmarkt ist ja auch viel zu klein und viele wollen da aber auch nicht so sehr rein. Viele produzieren auch eine Art von Kunst, also gerade in unserem Bereich ist es ganz oft Performatik oder mit Video, also eben auch oft nicht so objektiv, dass es sich so verkauft.

13:30

Aber natürlich kann man da auch über Verwertungsstrategien nachdenken. Und ich finde das eben jetzt wahnsinnig spannend, dass man jetzt im Prinzip sich auch eigene Modelle überlegen kann und sich das auch gewissermaßen selbst erfinden kann, was man verkaufen möchte oder welche Verwertungsmodelle man sich selbst befindet. Ist es jetzt eher ein Honorar, ist es eine Leihgebühr? Ich könnte ja auch mal ein Werkstatt Monate ausleihen. Und was gibt es für Plattformen oder welche Plattformen können wir selbst gründen? Das hängt natürlich ein bisschen damit zusammen auch, dass in Stuttgart die Galeriedichte jetzt nicht so hoch ist. Also da gibt es einen Notstand, muss man sagen. Es ist sehr viel schlechter als in Karlsruhe, die Situation beispielsweise.

14:13

In Karlsruhe gibt es auch nicht so viel. Also es gab mal, es zeigt noch mehr, es sind aber auch abgewandelt. Auch? Ja, egal. Das ist so die große Generation, da gibt es eben ato als anderes Modell, also ato viel mehr. Es gibt noch zwei, drei, aber es ist oft viel zu wenig für die Masse an Künstlerinnen. Aber es gibt sehr viele Projekträume.

Norina Quinteato

14:32

Genau, das ist auch die Frage, wie sehr wird sich ausgeruht auf dem Zwischenstand von Offspaces. Also das ist auch dieses Thema, oder wo ich im Vorhinein des Gesprächs viel darüber nachdachte, das wie verteilen, natürlich denkt jeder gleich ans Geld, also wie sollte man das transparent schaffen, aber ja auch andersrum, wie verteilt man seine Ideen eigentlich und wann macht es Sinn, sie zu teilen, auch vielleicht mit anderen Strukturen, wo man sich eine wirtschaftliche Beteiligung versprechen kann und wann ist das Teilen vielleicht auch genau eine Art Fehler des Dauernd Gratis anzubieten. Also auch diesen Spagat, man macht Teilen für eine Künstlerperson Sinn oder auch kuratorische Arbeit, dauernd wird man dann irgendwann ja eingeladen, um sonst mitzudenken, um Städteplanung zu machen oder irgendwie an Runden zu sitzen, schaufelt sich den Arbeitstag irgendwie frei und sitzt dann da und auf einmal fühlt man sich dankbar, dass man irgendwo etwas mitentwickeln kann und wann müsste man anfangen zu sagen, das mache ich aber nicht, ohne dass ihr euer Geld teilt.

15:36Woher das Klischee vom armen Künstler kommt

Leonard SchulzModeration, Kulturjournalist

Woher kommt denn eigentlich das Klischee des armen Künstlers oder der armen Künstlerin?

15:43

Du meintest ja vorhin in deinem Vortrag, es wird man eigentlich immer gefragt und dann war deine Pointe sozusagen, dass du immer zurückfragst, naja, ich sehe ja gar nicht so arm aus. Und ich glaube natürlich, dass viele Kunstschaffende auch von ihrer Kunst leben können, aber dennoch ist es ja so, dass auch gerade junge Leute und Absolventinnen und auch viele von meinen Freundinnen sich dann erstmal sowas entgegensehen und denken, scheiße, wieso habe ich mir das ausgesucht? Was mache ich hier eigentlich? Und ja, wenn jetzt die Antwort darauf ist, okay, ihr könnt euch doch selber eine Verkaufsplattform schaffen, also das ist natürlich irgendwo auch eine Chance, das sehe ich natürlich auch, aber es ist natürlich auch eines mal total gruselig, jetzt muss ich nicht nur selber Kunst machen, jetzt muss ich auch noch eine Plattform, jetzt muss ich auch noch verkaufen und jetzt muss ich noch vermarkten und dann muss ich auch die ganze Kommunikation übernehmen.

16:27

Ja, also was sind eure Gedanken dazu?

Sophia PompéryKünstlerin

16:31

Also es gibt ja Statistiken darüber, dass irgendwie, ich glaube, drei Prozent von Absolventen irgendwie fünf Jahre später immer noch im Beruf sind und da sind die Professoren aber auch mit drin.

16:43

Ich habe das Gefühl, es könnte daran liegen, dass die Hochschulen halt fünf Jahre eine Talentförderung sind und die Leute nicht darauf vorbereitet werden, dass sie danach aber im Prinzip halt in die Selbstständigkeit gehen und dass es halt auch wirtschaftliche Bezüge gibt.

17:01

Ich weiß nicht, ich sage das blöde Wort, das hört kein Künstler gerne, dass es so eine Art Unternehmergeist braucht und Mut. Und das ist natürlich was anderes, wenn ich irgendwie alleine bin, als wenn ich jetzt zum Beispiel drei Kinder habe und die auch noch ernähren muss. Also das sind dann halt auch ganz harte Realitäten, die dann auf einen zukommen. Und ich finde, es ist wirklich sehr verantwortungslos von vielen Hochschulen, die Leute so unvorbereitet einfach dann mit einer Mappe unterm Arm in die weite Welt zu entlassen. Und das liegt dann auch, Entschuldigung, ich sehe dann halt bei vielen Kollegen, dass es dann am Anfang auch so peinlich ist, einander zu fragen, wie geht es dir? Weil es ist so eine, also erzähle ich dem jetzt, dass ich gerade ein Stipendium gekriegt habe? Oder der hatte gerade so eine tolle, also da ist dann auch so eine Eifersucht untereinander und Stutenbissigkeit.

17:47

Und das hat ganz viele Gründe. Es hat auch was damit zu tun, dass die an den Hochschulen immer noch in so einem Genius-Ding erzogen werden, dass man alleine auf sein Genie hoffen muss und alleine das Genie ist und so. Und dann werden da lauter kleine isolierte Genies erzogen, die dann komplett alleine gelassen werden und dann derbe schlechte Erfahrungen machen müssen und dann einfach frustriert sind und aufhören. Also das ist meine feste Überzeugung, dass daher diese zwei Prozent kommen.

Anna SchieferKünstlerin

18:18

Das hängt natürlich auch damit zusammen, dass sie unterrichtet werden von Personen, die verbeamtet sind, die überhaupt nicht in der Situation sind, eben diesen Zirkus zu machen sozusagen.

Norina Quinteato

18:31

Absolut, oder dass auch Verkauf der eigenen Arbeiten gleichgestellt ist mit einem Qualitätssiegel. Also deshalb trauen sich auch viele Künstler:innen, mit denen ich auch spreche, gar nicht im Kollegium schon. Also das wird denen auch nicht beigebracht, wie du sagst, aber die trauen sich auch nicht untereinander, ehrlich zu sagen, naja, wenn wir mal in die Statistik gucken, 95 Prozent können davon nicht leben, aber alle tun so. Also ich höre selten aufrichtige Konversationen darüber, dass es wirklich den Brotberuf braucht. Und dann ist auch die Frage, womit könnte man denn Geld verdienen, wenn man als Künstlerin sich ausgebildet hat oder ausbilden hat lassen, welchen Wert könnte es außerhalb des physischen Werkes noch geben, den man sich da über ein Studium auch…

Sophia PompéryKünstlerin

19:13

Und das ist auch ein sehr deutsches Phänomen irgendwie, dass man so sehr über den Beruf identifiziert wird. Also die zweite Frage auf der Party ist, was machst du beruflich? Und ich weiß nicht, in Island ist es normal, dass der Postbote auch Musiker ist. Das ist auch so eine Kulturfrage, dass wir irgendwie die Leute sofort in so eine Schublade stecken. Ah, der ist Lehrer oder Ingenieur.

19:35

Und eigentlich kann man ja Ingenieur und was anderes sein, also elektronische Musik machen oder so. Das ist

Anna SchieferKünstlerin

19:43

ja im Endeffekt ein Fokus aufs Geld. Also weil natürlich bin ich Lehrer, wenn ich sobald ich irgendwie sozusagen irgendwas, was ich mache, erzähle, dann bin ich ja in dem Moment auch ein Lehrer. Also man kann das ja eigentlich gar nicht von allein trennen, aber dann wird immer das rausgepickt, womit man sozusagen sein Geld verdient.

Sophia PompéryKünstlerin

19:57

Und das ist vielleicht auch, weiß ich nicht, dieser Phänomenen vor Kapitalismus. Genau, und gleichzeitig heißt es ja immer, die Kunst soll experimentell sein und es ist die Spielwiese der Gesellschaft, wo man alles mal ausprobieren muss. Und es gibt keine Tabus und es stimmt auch, außer wenn man über Elternschaft spricht, dann ist es plötzlich ein riesengroßes Tabu in der Kunst. Und auch diese Geldfragen sind auch ein riesengroßes Tabu in der Kunst und die Lebensläufe, die sollen alle schön linear sein. Dass man da ausgestellt hat, bei dem Meisterschüler gemacht hat und dort, also das ist irgendwie, also der Markt ist auch ein blödes Wort, weil es gibt den nicht, es gibt Märkte. Aber wenn es um Juryprozesse gibt, dann sind die Toleranzschwellen bei Lebensläufen extrem gering. Also sehr konservativ.

Antonia MartenKunstbüro der Kunststiftung Baden-Württemberg

20:41

Ja, also dieses Geld, also es ist irgendwie so weitseitig Klischee behaftet, also dieses Geldverdienen ist eigentlich verkündet als Künstlerin und man hat auch wenig Möglichkeiten, also die Künstler:innen-Honorare werden ja so jetzt gerade debattiert und werden irgendwie kommen, aber wahrscheinlich in der symbolischen Form, also nicht so, dass man davon leben kann. Also was ist überhaupt künstlerische Arbeit und wie wird sie eigentlich bezahlt? Muss ich etwas verkaufen oder kann ich in der Gesellschaft sozusagen andere Funktionen einnehmen? Ach nee, ja. Also gibt es sozusagen gesellschaftliche Künstler immer noch andere Möglichkeiten, sich einzubringen?

21:21Ausstellungshonorare und Aufwandsentschädigungen

Antonia MartenKunstbüro der Kunststiftung Baden-Württemberg

Du hast gerade Honorare

Leonard SchulzModeration, Kulturjournalist

21:21

angesprochen. Kannst du kurz erzählen, was damit gemeint ist? Weil jetzt für sozusagen jemand Außenstehendes, kriegt man denn nur für ein Kunstwerk Geld, wenn man jetzt sozusagen das in der Galerie ausstellt und dann verkauft? Oder was ist mit Honoraren gemeint?

Antonia MartenKunstbüro der Kunststiftung Baden-Württemberg

21:36

Also ich meine jetzt im Prinzip diesen öffentlich geförderten Kunstkontext. Wenn wir es bei Ihnen ausstellen, war es eben bis vor kurzem so, dass alles bezahlt wurde, also die Produktionskosten, der Transport und so weiter, die Techniker, also das Personal. Aber es gab sozusagen in seltenen Fällen wirklich ein künstlerisches Honorar, wo man gesagt hat, diese Ausstellung trägt zur Wertsteigerung bei und du kannst es ja dann später verkaufen.

22:00

Und die Corona-Zeit hat eben hier auch so ein Brennglas draufgehalten, man hat es eben gesehen, wovon sollen die eigentlich leben? Und das ist jetzt schon auch verstärkt in der Politik angekommen, obwohl es eigentlich schon seit Jahrzehnten diskutiert wird, auch schon im Bundestag. Und es ist jetzt so, dass das Land gerade dabei ist, das einzuführen. Stuttgart hat sich da jetzt auch hervorgetan, wir werden das einführen. Aber es ist eben immer noch so, dass man davon nicht vollständig leben kann.

Norina Quinteato

22:30

Und dass es trotzdem meistens dann so ein Fake-Honorar ist, also Vergütung oder Aufwandsentschädigung. Klar, Stuttgart lebt das jetzt für manche vor, aber ja auch nicht für alle pauschal, die irgendwo ausstellen oder so. Und hier in Karlsruhe sagt man dann, ja Stuttgart kann das zwar, aber wir sind da. Sie wissen nicht, wie leer die Kassen sind. Dann hatten wir auch letztens hier einen Dialog, weil mit dem Kulturamt war hier. Und da habe ich gesagt, gab es seit 30 Jahren im Kulturamt arbeiten jemals die Situation, dass die Kassen denn gut standen für die Kultur?

23:00

Nee. Aber jetzt ist richtig schlimm. Wie lange sagen Sie das denn? Also quasi auch dieses, wer kämpft denn überhaupt Gelder? Und auch im Rahmen dieses Projektes hier war es schon erstaunlich. Also wir haben, glaube ich, über 35 Positionen eingeladen und es ging um lächerliche Beträge. Es ging um 500 Euro Vergütung, kann man so transparent nennen, inklusive Materialkosten, ohne dass wir jedem Hotel oder Anfahrt zahlen konnten. Und dann wurde ich angerufen und gesagt, Mensch, Sie sind ja ganz schön teuer. Können Sie das auf 200 runterdrücken? Das weiß doch noch keiner, dass Sie 500 in der Kalkulation hatten.

23:34

Und ich habe dann gesagt, nehmen diese 500 mindestens bitte. Was dann aber zur Folge hatte, dass nur die Hälfte der Honorare übernommen worden ist. Also das heißt, wir an anderen Stellen Klinken putzen müssen, um überhaupt auf lächerliche 500 Euro zu kommen. Dafür, dass Leute halt ein halbes Jahr überlegen, was sie hier machen. Und das ist dann immer so ein bisschen Alibi. Und dann wurde gesagt, Sie dürfen es auch nicht Honorar nennen. Sie müssen es Aufwandsentschädigung nennen.

24:02

Also landet man in diesen ganzen Alibi-Floskeln. Also es ist nicht gang und gäbe leider. Obwohl man sagen muss, Stuttgart hat da tollerweise auch was natürlich an Bewegung gesetzt. Was erkämpfenswert wäre für

Anna SchieferKünstlerin

24:18

alle. Da muss man natürlich dazu sagen, dass es eine feste Summe ist, die vom Gemeinderat jetzt bewilligt worden ist. Und jetzt muss man sich überlegen, verteilt man das durch die Anzahl der Künstler:innen, die in dem Jahr ausstellen. Also diese Summe oder macht man irgendwie einen Festpreis und dann bis Mai werden die Ausstellungen noch vergütet und wer danach erst die Eröffnung hat, der hat dann Pech. Weil natürlich kann das dann eben nicht an die Leistung gebunden sein, wenn von vornherein feststeht, was der Overall Amount ist.

Leonard SchulzModeration, Kulturjournalist

24:54

Das ist natürlich keine Marktsituation hier. Aber gut. Wir hatten so ein kleines Vorgespräch in dieser Runde und da hast du, glaube ich, von so einem Modell ähnlich wie so Stadtschreiber:innen erzählt. Möchtest du davon nochmal kurz erzählen, was sozusagen da der Gedanke dahinter ist?

25:14Künstler:innen im öffentlichen Dienst

Anna SchieferKünstlerin

Ach, das war so eine Idee, die hatte ich in der Pandemie. Es ist ja so, dass wir bildende Künstler, wir haben ja schon auch innerhalb der allgemeinen Künstlerschaft schon eine Sonderrolle. Dadurch, dass es ja außerhalb der Hochschulen überhaupt keine Stellen gibt, wo man angestellt arbeiten kann. Also wenn du Musikerin bist, dann kannst du ins Orchester gehen. Und wenn du Schauspielerin bist, kannst du in ein Ensemble gehen, am Theater arbeiten und trotzdem eben künstlerisch tätig sein. Und für Künstlerinnen gibt es das nicht. Es gibt keine Stellen an Museen für Künstlerinnen.

25:55

Warum eigentlich nicht? Und dann hat sich so ein Pamphlet geschrieben für Künstlerinnen im öffentlichen Dienst.

26:08

Das ist natürlich in allen möglichen Zusammenhängen, da habe ich dann gleich den Vorwurf gekriegt des sozialistischen Herangehens und so weiter, dass man dann ja den Leuten die Freiheit nimmt, wenn sie beamtet werden und so weiter. Aber die Idee war so ein bisschen in die Richtung, dass man die Gemeinden irgendwie so ausstattet, dass sie sich einen Künstler leisten können, so wie sie sich ja Polizisten, Feuerwehrleute und so weiter, also andere, die eben andere Berufsgruppen leisten können. Dann hätte man beispielsweise jetzt in Biberach, dann könnte sich alle zwei Jahre einen neuen Künstler leisten und das wäre eine ganz andere Verbundenheit auch mit der Bevölkerung und so weiter. Man könnte dann, also gerade in den Provinzen, wo die Kunst ja weit weg ist und auch wo der Online-Handel vielleicht auch nicht wirklich ankommt, so eine Art Lehr- und Wanderjahre vielleicht auch, wenn man von der Akademie abgeht.

27:05

Also ich habe einfach überlegt, was sind eigentlich die Möglichkeiten, weil es ist tatsächlich so, dass in den Akademien irgendwie der Diskurs beim Fertigstellen des Werkes aufhört. Und ja, wie wir jetzt auch sehen, ist eigentlich das, was das Werk zur Kunst macht, fängt ja dann erst an. Also seit Duchamp ist es ja nicht mehr so, dass das Werk das ist, weil es ist in der Produktion, sondern das ist, seit das Pissoir eben ins Museum gewandert ist, findet ja die Produktion des Werkes als Kunst eigentlich erst im Diskurs und in dem Kontext und in der Vermittlung und so weiter statt überhaupt erst. Und das heißt, an der Akademie hat das ja noch gar nicht stattgefunden. Man hat dann über die rechte obere Ecke noch lange diskutiert und formale Fragen beleuchtet, die alle sehr, sehr wichtig sind natürlich.

28:01

Aber was sind die Dinge, die man dann macht? Wie vermarktet man sich auf dem, was ist der Galerie? Deswegen gibt es ja diese Bezeichnung Galeriekünstler, Kunstvereinskünstler, Biennalekünstler und so weiter. Das heißt, das hat damit zu tun, dass bestimmte Formen auf bestimmten Plattformen besonders gut laufen.

28:24

Und was sind so Plattformen, die man machen könnte? Und da dachte ich, für die Breite wäre es eigentlich auch schön, die Gesellschaft könnte auch eine eigene Plattform für Künstler schaffen, die eben in der Gesellschaft arbeiten würden.

Leonard SchulzModeration, Kulturjournalist

28:45

Das ist natürlich auch viel von dem Widerspruch, der ja auch irgendwie die bildende Kunst umgibt. Das ist ja einerseits, was immer von der Politik oder auch oft betont wird, die Kunst, das ist das, was du vorhin meintest, da gibt es keine Grenzen, da muss über alles gesprochen werden. Und es ist eben auch ein Pfeiler der Demokratie, wo wir sozusagen erforschen können, wo die öffentliche Meinung ist und sowas. Und dann aber gleichzeitig ist es natürlich so, was so elitäres, dass sich manche Menschen auch gar nicht ins Museum trauen, weil sie Angst haben, das nicht zu verstehen. Und die Kunst ja, wie du sagtest, nicht nur in den Provinzen, ich glaube auch in Städten, in gewissen Vierteln oder in bestimmten Milieus sind sie ja total weit weg sozusagen von der Bevölkerung. Also steckt da natürlich auch so ein bisschen die Frage drin, wie kriegen wir die Kunst an die Menschen?

29:26

Und die müsste man vielleicht mitdiskutieren, wenn wir darüber sprechen, wie wird Kunst eigentlich, bildende Kunst eigentlich entlohnt? Oder wie werden auch die Ideen entlohnt und wo fangen wir an, sozusagen die Wertschöpfung und wie schaffen wir das eigentlich zu einer Branche werden zu lassen, von der Menschen wirklich leben können und die der Gesellschaft aber auch was zurückbringt.

29:47Instagram zwischen Selbstvermarktung und Kritik

Leonard SchulzModeration, Kulturjournalist

Als du gerade von Duchamp das Beispiel gegeben hast, dachte ich an einen Berliner Künstler, weil wir auch so viel über Online-Plattformen geredet haben und über Instagram und der hat es quasi ähnlich gemacht wie Duchamp und der hat dann einfach so Posts von sich bei Instagram einfach ausgestellt und hat einfach ausgestellt und gedacht, ja das ist jetzt auch Kunst und dann hat der dann damit natürlich so ein bisschen diese Frage aufgeworfen, wie sehr braucht man Instagram als Künstler oder so. Also diese Selbstvermarktung, die im Zeitalter der Plattformen und neuen Medien, in denen wir uns ja befinden, eigentlich dem Kunstschaffen, was wir vorhin schon diskutiert haben, total inhärent geworden ist. Aber natürlich steckt darin auch eine große Gefahr. Wie seht ihr denn Instagram und soziale Medien als Kunst- und Kulturschaffende? Ja, was ist euer Gefühl so dazu, zu Instagram und sich vermarkten?

Sophia PompéryKünstlerin

30:46

Zu allgemeine Frage, tut mir leid. Also ich glaube, es gibt Leute, für die das gut funktioniert und es gibt auch Leute, die quadratische Bilder gemalt haben am Anfang, als Instagram quadratisch war, weil man dann das irgendwie formatfüllend auf Insta irgendwie hochschieben konnte und es hat sich finanziell sehr für sie gelohnt.

31:07

Ich persönlich finde, man kann irgendwie nicht alles machen, Instagram, Twitter und LinkedIn und Facebook und wie sie alle heißen, also für mich persönlich, ich habe dann eher die Tendenz weniger zu machen, aber das mache ich auch, weil ich habe eine Newsletter und weiß, dass die Leute mir über eine Newsletter folgen, die mich schätzen. Also ich glaube, das muss jeder für sich selbst irgendwie entscheiden, welche Kanäle für ihn funktionieren. Ich hasse es einfach, das zu machen, also ich hasse einfach irgendwie dieses Geposte und es ist einfach nicht mein Medium und ich finde es auch irgendwie legitim, das nicht machen zu müssen. Also ich bin da auffindbar, aber es ist nicht besonders aktiv.

Anna SchieferKünstlerin

31:52

Aber ich habe da auch noch eine Frage an dich dazu. Du hast vorhin in deinem Vortrag auch gesagt, wenn man dann auf diesen digitalen Marktplätzen unterwegs ist, wie zum Beispiel eben auch auf Instagram, die Frage, die sich dann stellt, ist ja, dass man dann auch sein Netzwerk generiert oder eine Follower schafft. Und das ist ja eigentlich dann die große Frage, die ich mir auch stelle, wenn man als Künstlerin diese Medien nutzt, wie soll das funktionieren, also überhaupt diese Follower-Shop zu generieren und ein Netzwerk zu erschaffen, das man pflegt.

Sophia PompéryKünstlerin

32:28

Naja, auf Instagram kannst du es ja ganz gut über Hashtags, dass du bestimmte Themen bedienst und dann schaust andere, ob dir dieselben Themen bedienen, die du interessant findest und irgendwie über die gleichen Hashtags und es gibt Leute, die Hashtags folgen und die sehen dann auch deine Posts und können dir dann folgen, zum Beispiel.

Antonia MartenKunstbüro der Kunststiftung Baden-Württemberg

32:51

Entschuldigung, noch dazu, ich fand es irgendwie interessant, bei der letzten Diplomausstellung der Hochschule war ich sehr erstaunt, dass einige Leute in ihrem Namensschildchen zum Werk auch ihren Insta-Account drin hatten. Das war irgendwie eine interessante Entwicklung, oder auch so einen QR-Code irgendwo hingeklebt haben mit der Verlinkung zu ihrer Webseite.

33:10

Das ist echt eine Entwicklung, die kann man fast überall gerade sehen. Es passiert total viel.

Stimme vom Podium

33:18

Ich glaube, dass auch die Entstehung der Werke einen erheblichen Einfluss auf die sozialen Medien haben. Also man sieht ja sehr viele, Thema Partizipation ist ja was, wonach sich sehr viele Künstler:innen auch aus einer gewissen Not heraus mitrichten, weil Institutionen wollen nicht nur Technologie, sondern auch partizipative Arbeiten. Und das soll im besten Fall Selfie- oder Insta-tauglich sein. Und dann haben die Arbeiten mehr Spiegel auf einmal oder mehr Videos, weil sie witzig abzufilmen sind. Also das bedingt sich natürlich schon sehr stark. Und da finde ich es manchmal auch schade, dass stille Arbeiten, die wunderbar physisch live funktionieren, natürlich gar keine Chance haben online. Aber das ist, ja klar, irgendwo auch. Aber Entschuldigung, darf ich kurz darauf antworten? Also ich finde, es ist gut zu wissen, dass es diese Tools gibt, aber letztendlich ist ja die Wahl der Waffen frei in der Kunst.

34:11

Also wir können ja eigentlich aktiv mitgestalten, auf welchen Kanälen und auf welchem Parkett wir tanzen wollen. Aber wir werden natürlich, wir oder Künstler:innen werden natürlich auch weniger ausgestellt manchmal. Oder ich erlebe das schon, wenn Portfolios die richtigen Buzzwords haben und partizipativ drinsteht, dann werden viel mehr Anträge durchgewunken. Oder in Juries wird es auch viel interessanter. Ach cool, dann haben noch die Kids was. Aber die Leute, die wir nicht ins Museum kriegen, haben dann was im Museum, weil da kann man selber noch was mitmachen oder so. Also ich glaube, es hat schon einen Einfluss, diese Mitmachkultur. Und natürlich könnte man entscheiden, im besten Fall, dass man darauf auch verzichtet. Aber soziale Medien und Mitmachkultur, ich glaube, das sind nochmal zwei ganz verschiedene Sachen. Ich glaube, die haben damit stark zu tun, weil Museen mit ihren digitalen Kommunikationsstrategien unglaublich darauf angewiesen sind, dass sie Insta-Zahlen hochgehen.

35:08

Also ich glaube, das bedingt sich komplett, wäre ich in anderer Meinung.

35:31

Es gibt auch einen Schauspieler, der postet jeden Tag dasselbe Foto mit einem anderen Text von ihm. Also man kann es halt auch kreativ nutzen. Also das finde ich eigentlich eher interessant. Also dass man, nur weil es da irgendwie eine Möglichkeit gibt, irgendwas zu posten. Also ich finde, es ist interessant, wenn man sich das irgendwie bewusst macht. Was kann dieses Tool und wie kann ich das für mich, für mein Konzept nutzen? Und ja, vielleicht ist dann halt Twitter nicht das richtige Medium, sage ich jetzt einfach mal. Und es ist auch total, es gibt ja irgendwie, weiß ich, Tino Sehgal zum Beispiel, da hast du halt überhaupt keine Texte zu den Arbeiten und überhaupt gar keine Kommunikation und es funktioniert für ihn auch.

36:10

Also ich glaube, am Ende ist es eine Frage von bewusster Entscheidung und Konzept. Aber das hat sich vielleicht schon durchgesetzt, bevor es wichtig wurde, dass das auf Instagram gut läuft. Also das ist eine Generationenfrage auch ein bisschen, möglicherweise.

Leonard SchulzModeration, Kulturjournalist

36:29

Aber habt ihr wirklich das Gefühl, dass das für die Museen und so weiter gut funktioniert mit den digitalen Angeboten?

Stimme vom Podium

36:37

Also das war sehr schleppend. Und dann die ganzen alten Kuratoren haben sich dann gefragt, okay, stellen wir eine Studentin an, die soll das machen, weil ich habe gehört, das sei jetzt wichtig. Und dann hat man über den anderen geguckt, okay, Museum XY hat jetzt das und das gemacht, lass uns das doch auch ein bisschen vielleicht hier im Podcast oder so. Ich habe ein bisschen Anlauf gebraucht.

37:00

Am Anfang, also von der Corona-Zeit, habe ich das Gefühl, es hatte halt nur ein bisschen Luft an, also vor allem im Sehen, und dann kam es aber schon. Also jetzt geht es zum Beispiel Kunst vor, jetzt geht es ja eine Ministruktur, aber für uns war das eigentlich so gut, dass wir in diesen kleinen digitalen Formaten und haben das Gefühl, dass ihr das sehr viel besser gemacht habt als andere große Häuser.

37:25

Glaube ich auch, also ich weiß nicht, ob es aufgegangen ist, aber die Not war da, das fand ich auch teilweise schade während Corona, dass viele Häuser gleich behauptet haben, sie können digital genauso, statt mal zu sagen, seht ihr, was fehlt, wenn die Häuser zu sind. Also da war ich auch fast enttäuscht, dass auf einmal Millionen Gelder für Online-Formate da waren und am Ende hat man gesehen, das gucken gerade 29 Leute an. Für Wahnsinnsgelder. Also ich sage auch nicht, dass es aufgeht, aber dass es so eine Not spürbar ist, dass man es dann noch digital beweist, wie viele da waren oder dass die Eröffnung eben erfolgreich war, weil man es posten kann.

37:59

Ich weiß nicht, wie das mit den Museen ist, weil sie die Zahlen, glaube ich, doch nicht so krass veröffentlichen, aber die Theater haben zum Beispiel richtig Probleme, jetzt seit sie die digitalen Angebote und in Corona oder die Gewohnheiten sich geändert haben, überhaupt die Häuser voll zu kriegen. Also selbst in Stuttgart das Ballett, wo man eigentlich sozusagen schon mit der Taste da sitzen musste, wenn der Vorverkauf anfängt, kriegen das Haus nicht voll. Also so, das Analoge. Also da sieht man, dass vielleicht das Digitale nicht immer die Werbung ist für analog, sondern eigentlich eben was anderes.

38:36

Was ich so schade fand in der Pandemie, als die Museen geschlossen waren. Es hat ja eine Weile gedauert, bis die dann in Social Media irgendwelche alternativen Formate oder auf ihren Webseiten 3D-Visualisierung von der Ausstellung gemacht haben. Man hätte ja auch sagen können, okay gut, die Leute können nicht zu uns kommen, dann bringen wir die Kunst zu den Leuten und irgendwie einen Container mit Panzerglas versehen und dann den Rembrandt in die Provinz kamen. Das hätte man ja auch machen können.

39:06Kollektive und Hyperindividualisierung

Leonard SchulzModeration, Kulturjournalist

So wie sich Igor Levit irgendwie mit einem Klavier irgendwo hingesetzt hat und für die Nachbarschaft gespielt hat. Ja, wir haben ja vorhin in deinem Vortrag ging es ja auch viel um so neue Formen der Vernetzung und man hat jetzt ja in den letzten Jahren auch jetzt anlässlich der Documenta viel so vom Zeitalter der Kollektive oder von der sozusagen Ära der Kollektive gelesen. Und es ist ja schon eigentlich auch ein interessanter Gegensatz, dass einerseits in jeder sozusagen Ausstellungsplakette der Instagram-Name dazugefügt wird und bei Instagram geht es ja auch viel ums Selbstdarstellen und das Einzelne, ich positioniere mich selber. Also man hat ja meistens keinen kollektiven Instagram-Account, sondern einen eigenen Instagram-Account. Und da scheint es mir schon irgendwie interessant, dass das zwei Bewegungen sind, die gleichzeitig passieren. Einmal diese Hyperindividualisierung auf Instagram und gleichzeitig gibt es diese Bewegung hin in der Kunst zu den Kollektiven. Es ist jetzt vielleicht wieder so eine viel zu große und allgemeine Frage, aber habt ihr da irgendwelche Ideen, wie das zusammenpasst?

Anna SchieferKünstlerin

40:05

Ich glaube, dass es grundsätzlich so ist, dass die Räume heterogener werden. Also dass es eine auseinanderdriftende Tendenz ist in alle Richtungen, dass alles mehr wird. Dass das mehr Kollektive sind was und das Hyperindividuelle ist wieder was. Und genau, dass man gar nicht mehr, weil es ging jetzt auch immer wieder darum, was ist die Tendenz, wo geht es denn hin und so weiter. Und ich glaube nicht, dass es wirklich einen Vektor gibt oder eine Richtung, sondern es driftet auseinander. Ich weiß nicht, ob das große Lücken reißt oder Löcher, in die dann mehrere dann wieder fallen. Aber das ist das, was ich so wahrnehme.

40:48

Also so ein bisschen wie der Kinofilm, der neulich so erfolgreich war. Everything, everywhere, all at once. Quasi alle Entwicklung gleichzeitig und keine Entwicklung.

Antonia MartenKunstbüro der Kunststiftung Baden-Württemberg

40:58

Wir hatten hier nochmals vor zwei Wochen eine Johanna Kanzelgartenkünstler aus Stuttgart, die Direktorin der Liste in Basel. Und die hat interessanterweise auch gesagt, dass sie beobachtet hat, dass sie in der Corona-Zeit eben auch die Galerien zusammengeschlossen haben. Also dass es quasi auch ein bisschen so wie Galerienkollektive gab, weil man halt gemerkt hat, man muss hier irgendwie zusammentun. Und dann gab es ja auch so gemeinsame Plattformen. Und es fand ich interessant, dass sozusagen aus diesem offiziellen Kunstmarkt auch da wirklich Verbindung reingekommen ist.

Norina Quinteato

41:29

Und da aber auch viele Galerist:innen mir gespiegelt haben, dass sie diese Not auch verspüren, auch aufgrund der immer steigenden Marketingkosten. Also in dem Moment, wo ich online viel präsenter sein muss, kann ich es mir als einzelne Galeristenperson nicht mehr leisten, eine Künstlerperson bekannt zu machen. Also habe ich die Not, die nächste Publikation mit jemandem zu finanzieren oder eine Künstlerperson mit jemandem gemeinsam hochzukriegen. Und ich habe das Gefühl, dass die Galerist:innen, die schon lange im Business sind, erkennen das an und geben auch zu, dass da eine Veränderung nötig ist. Und es gibt trotzdem ein paar, die sich dem irgendwie noch auf so eine künstliche Weise oder denen das widerstrebt, auch Künstlerpositionen zu teilen.

42:12

Dass es sowas zum Thema Teilen noch gibt, finde ich sowas von daneben, statt dass man eben zusammen guckt, wie man Menschen stärkt, ob die Kuratorin oder die Künstlerperson, aber warum man das nicht zusammen macht.

Sophia PompéryKünstlerin

42:25

Naja, ich glaube, das ist halt noch so eine historische Sicht, dass das Kapital einer Galerie die Kontaktliste ist. Und mittlerweile ändert sich halt auch da das Kaufverhalten, dass Sammler alle drei Galerien des Künstlers anfragen und gucken, wo sie den meisten Rabatt kriegen. Am besten auch noch beim Künstler auch anfragen. Und ich glaube, das löst sich in dem Moment, wo es tatsächlich messbar ist. Also zum Beispiel bei einem Online-Verkauf, über wen kommt jetzt eigentlich dieser Kontakt zustande und dass dann die Ausschüttung passiert. Aber ich denke, ich gebe dir da vollkommen recht, das ist Quatsch. Und dass Galerien sich gegenseitig bekriegen um denselben Künstler.

43:06

Beide Galerien haben mehr davon, wenn die Künstlerin mehr Sichtbarkeit hat und mehr Ausstellungen.

Anna SchieferKünstlerin

43:14

Das macht mich halt vor den Museen. Ich war mal auf einer Veranstaltung und da ist ein Kollektiv angesprochen worden aus Rom, aus Mailand, ich weiß nicht, aus Norditalien irgendwo, so ein total basisdemokratisches Kollektiv, und dann hat eine Kuratorin eines großen Museums in Spanien gesagt, red nicht über die, das sind unsere, nachher nimmt sie noch einer weg, so ein anderes Museum quasi, weil wir arbeiten schon mit diesem Kollektiv, was wahrscheinlich kein Geld kriegt und was uns sozusagen als volksnah und so weiter darstellt und das soll jetzt nicht dieses andere Museum in Frankfurt auch noch die Möglichkeit, die uns abgreifen. Also ich habe gedacht, ich fall tot um, das Thema war total so socially engaged art und so weiter, also wie die Museen eben sich auch auf diese Netzwerke und auf die Gruppen und so weiter ja zubewegt haben und aber irgendwie ist da scheinbar, mindestens in Teilen auch ein Kampf um diese Aktivistengruppen, dass man die besetzt so als Institution, das sind jetzt meine Aktivisten.

44:29

Genau, die haben wir entdeckt und wir unterstützen diesen Kampf.

Norina Quinteato

44:38

Es ist natürlich auch eine Frage, inwiefern wir diesen Trend auch gerade schaffen aus einer westlichen Kultur- oder Ausstellungsperspektive oder eben weil gerade Documenta wird ja in letzter Zeit sehr oft hochgehalten als das Kollektiv und da sieht man, wie toll basisdemokratisch es ist, wobei ich da oft vermisst habe, dass man auch guckt, weshalb diese Kollektive mitunter, nicht alle, aber ihre Namen oder ihr Genietum nicht ausleben, weil sie in politischer Not sind und gar nicht ihren Namen preisgeben und wir machen daraus, das ist ja wahnsinnig basisdemokratisches Kollektiv und vielleicht würden die aber auch gerne ihren Namen schreiben, können das aber aus einem politischen Druck gar nicht. Also auch wie schätzen wir Kollektive ein oder ja cool, wir haben den Aktivismus im Haus, der darf uns nicht genommen werden von jemand anderem. Also es ist auch spannend, wer schafft die Erzählung rund um Kollektive.

Leonard SchulzModeration, Kulturjournalist

45:29

Absolut. Ich würde an dieser Stelle einmal einen kleinen Vorschlag machen, und zwar, dass wir die Runde so ein bisschen erweitern, nämlich dass ihr alle, die gerade kein Mikro in der Hand habt, die Möglichkeit bekommt, euch zu melden und mit uns mitzudiskutieren. Und dann würden wir euch ein Mikro geben und dann könnt ihr Fragen stellen oder Gedanken äußern.

45:52

Da hinten gibt es schon eine Frage. Sehr gut. Willst du?

Stimme aus dem Publikum

45:58

Zum Thema Instagram, sorry. Ich muss da Gott gut was sagen. Und zwar, mein Gedanke zu Instagram ist auf jeden Fall, ich muss kurz einen Schritt zurückgehen. Mir fehlt bei großen Institutionen und bei Ausstellungen oft ein Ort, wo man sich im Nachgang darüber austauschen kann, was man eigentlich gesehen hat. Also es gibt keinen Ort, wo man buchen kann, klatschen kann, die Reaktion, also wo man genau darüber spricht eigentlich. Und ich finde, das hebt Instagram gerade auch ein bisschen aus den Angeln.

46:34

Also es ist für mich ein Ort, wo gerade aktiv auch Institutionskritik geleistet wird. Und ich habe da unheimlich viel gelernt und andere Leute kennengelernt, die eigentlich genau den gleichen Gedanken haben, wie ich hatte, wo ich einfach nur dachte, ich war in der Ausstellung ein bisschen zu blöd, ich habe es nicht verstanden und ich glaube, das ist ein unheimliches Potenzial. Also auch, weil die Leute vielleicht versteckt hinter einem Usernamen sich mehr trauen, zu sagen, finde ich scheiße, finde ich gut, sich dazu zu äußern. Und ja, im Museum kommt man sich oft ein bisschen alleine vor damit oder nicht schlau genug, nicht gut, nicht genug ausgebildet, um sich irgendwie überhaupt dazu äußern zu können. Und es ist da im Internet vielleicht ein bisschen anders.

47:20

Und da sehe ich auf jeden Fall Potenzial. Und da ist CRISP Magazine zum Beispiel, was du vorhin, glaube ich, genannt hattest, als Institutionskritik ganz vorne mit dabei. Und es gibt ganz tolle Denkanstöße, finde ich.

Leonard SchulzModeration, Kulturjournalist

47:35

Ja, also ich glaube, Instagram ist natürlich auch ein Ort des Widerspruchs, weil es natürlich einerseits diese vielen Stimmen ermöglicht und überhaupt erst, glaube ich, viele Entwicklungen möglich macht, auch was so Diversität angeht und so, die wir jetzt gesehen haben. Andererseits natürlich auch immer die, weiß man immer nicht, wie radikal oder wie, ja, also es ist natürlich, irgendwie hat man immer das Gefühl, also widersprecht mir da bitte, ist jetzt eine These von mir, dass jeder politische Protest, der auf Instagram passiert, dann doch wieder in so einer gewissen Marktlogik passiert. Nämlich, dass man dann eben sagt, ja, wir brauchen Diversität oder so. Und das ist ja dann erstmal gut, aber es ist dann natürlich auch ein sehr liberaler Rassismusbegriff, der da verwendet wird und eine sehr, hallo, herzlich willkommen, ein sehr, ja, also, ja, ich glaube, ihr wisst, was ich meine, aber dass sich sozusagen dann auch gleich die Häuser oder die großen Konzerne dann darauf stürzen und sagen, ja, wir sind jetzt queer und wenn dann irgendwie VW oder irgendwelche Riesenkonzerne sich so eine queere Flagge oder so dann in ihrem Logo basteln, ist der Protest oder die sozialen Bewegungen auf Instagram werden natürlich auch wieder schnell vereinnahmt und ich denke, in der Kunst ist es nicht so... Und niemand spricht über die Stundenlöhne. Wie meinst du? Also, dass es halt zum Beispiel einfach schlechte Arbeitsbedingungen gibt in den Konzernen, es kann man halt einen Konzern, wo es schlechte Arbeitsbedingungen gibt, weniger kritisieren, wenn er so Regenbogenfarben ist.

48:59

Genau, das ist dann, ja, was es natürlich dann beim so Nachhaltigkeitsgibt, dann ist es immer diese Greenwashing und das machen sie dann auch mit irgendwie Diversitätswashing oder was auch immer.

49:10Klassismus im Kunstbetrieb

Leonard SchulzModeration, Kulturjournalist

Ich finde ja in dem Spektrum immer spannend, über Klassismus zu reden, also Klassismus als Diskriminierungsform, weil das natürlich das so ein bisschen dann aushebt, weil man, Klassismus ist Ausgrenzung von Menschen, und das ist auch spannend, das im Kunstbereich zu diskutieren, das ist Ausgrenzung von Menschen, die nicht viel Geld haben, also weil es passiert ja auch sozusagen eine kulturelle Ausgrenzung, wenn du halt eben nicht weißt, wie du dich an deinem ersten Tag in der Uni, wenn du halt aus einem Bildungsvereinhaushalt kommst, dann weißt du halt nicht, was sind jetzt die Codes, es ist irgendwie, dir wird schon jemand das akademische Viertel erklärt haben, wenn deine ganze Familie seit Generationen an der Uni war, wenn du das nicht hattest, dann fragst du dich erstmal, hey, wieso fängst du eine Viertelstunde später an, fühlt sich das total weird, und da werden natürlich viele, naja, aber das geht ja noch viel, viel weiter, also da sind natürlich viele sozusagen Zugänge einfach total schwierig für Menschen, die nicht viel Geld haben, und das Ganze wird auch viel kritisiert, diese Klassismusdebatte, weil man sagt, naja, wieso müssen wir über die Kultur von Ausgrenzung von armen Menschen reden, wir müssen ja eigentlich umverteilen. Das stimmt natürlich auch, ich glaube, man kann es auch beides zusammendenken, aber das ist so, ja, finde ich persönlich so einen Punkt, über den auch auf Instagram nicht viel geredet wird eigentlich, aber dass man da eigentlich, ja, mehr Zugänge schaffen kann dadurch, wenn man das eben mitdenkt und das müsste man eben auch in der Bildenden Kunst mehr mitdenken und sagen, naja, wieso erklären wir es denn nicht den Leuten mal richtig und schaffen da nicht irgendwelche noch vermetallisierte Ausstellungsformats, Vermittlungsprogramme, sondern erklären, also wie du sagst, schaffen den Rembrandt die Kunst und sagen den Leuten, erklären es mal wirklich so ganz direkt, warum das ein tolles Bild ist oder warum Kunst geil ist, so ganz simpel mal.

Anna SchieferKünstlerin

50:47

Ich glaube, wenn man eine Studie machen würde, wie die Künstler:innen nach der Ausbildung davon leben können oder nicht, also gerade auch im Galeriebetrieb ist, glaube ich, Klassismus ein ganz großer Faktor auch leider, weil nicht sehr selten kommt es vor, dass der erste Sammler dann doch irgendwie den kannte halt der Vater oder so, also dass man schon in anderen Kreisen irgendwie, also das ist natürlich nicht immer, es gibt verschiedene Wege da Das fängt auch beim Kunststudium an, Entschuldigung, dass ich da also, wer studiert Kunst das sind alles so Leute, die meisten sind irgendwie so aus gut situierten Mittelschichthaushalten, die also, nicht alle aber die anderen haben es dann auch schwerer häufig natürlich gerade auch in der Finanzierung, wenn nicht dann doch die Eltern ein bisschen was zahlen und so Ich

Stimme aus dem Publikum

51:39

würde gerne direkt daran anknüpfen und zwar auch aus anderer Perspektive und zwar von den Käufer:innen da ist es natürlich auch in dieser Debatte natürlich einmal die Preise, das ist klar aber auch, warum wird immer von Sammler:innen besprochen in der Kunstwelt also, wenn ich das höre, denke ich muss unendlich viel Budget haben, um überhaupt die Person zu sein, die Kunst kauft weil, bis ich sammle, also da muss ich wirklich Millionärin sein und warum sagt man nicht einfach mal, ja Käufer, ganz normal, überall anders warum ist es immer dieses Kollektor oder Sammler? Ja, es ist jetzt schon ein bisschen eher eine Aussage, aber vielleicht könnt ihr noch etwas dazu sagen wie ihr darüber denkt Ich

Anna SchieferKünstlerin

52:20

glaube schlicht, dass das daher kam ursprünglich weil Kunst dem Funktionskontext entzogen war oder das zumindest angenommen wurde das ist nicht zum Graben und so weiter und Gegenstände, also Einzelhandel für Gegenstände, die keine Funktion haben ist Collectibles und das finde ich ganz problematisch dass wir das so sehen, das glaube ich auch weil natürlich die Funktion, Kunst und Funktion ist schon lange nicht mehr so getrennt und der Begriff des Sammelns und der Sammlerin und Briefmarken Pokémon-Karten das ist ja so der semantische Bereich in dem man sich da bewegt oder Lamborghinis ich glaube das ist ein ganz ganz wichtiger Punkt und ich glaube wenn man das ändert dann glaube ich demokratisiert man da auch ganz

Norina Quinteato

53:25

viel Die Frage ist natürlich um auf dieses Thema wie wichtig ist Kuratieren auch eine Auswahl treffen weil wir haben natürlich wenn man dazu ausgebildet ist irgendwann Qualitätsanspruch also welchen auch immer es gibt in der Kunst wir wissen sehr sehr sehr viele gute Kunst oder schlechte Kunst und ich glaube das ist auch diese Klassismusfrage dem SammlerInn oder der Sammlerin gegenüber oder dem KäuferInn gleichzeitig aber auch also wie holt man die Leute ab und bleibt niedrigschwellig in der Kunstvermittlung sodass sie vielleicht auch selber mal Kunst kaufen wollen gleichzeitig aber erklärt dass es natürlich eine bestimmte Gruppe gibt die Kunst macht und sie selbst das vielleicht nicht sind also den Spagat finde ich super schwierig wir hatten letzte Woche auch jemanden hier der war 17, 18 hat sich hier das zweite Mal reingetraut war total dankbar, dass er nicht jetzt nur an der Hafentreppe rumlungert mit seiner Freundin, sondern hier sowas auf einmal steht und dann kam er eben wieder und hat gesagt, jetzt hat er es verstanden er macht übrigens auch Kunst und zwar ist er Handwerker und irgendwie eigentlich in einer Firma hier tätig er macht auch sowas wie Skulpturen und er bringt mal ein paar vorbei und stellt die jetzt mit in die Ausstellung und dann war ich, na klar also erstmal einerseits ja, warum nicht also weil wir wollen genau diese Offenheit Niedrigschwelligkeit, Nichtklassismus und so weiter gleichzeitig wusste ich aber dann sind 40 andere sauer denen ich gesagt habe, das Programm ist schon voll weil wir mussten eine Auswahl treffen oder haben uns auf was konzentriert und ich habe ihm das dann erklärt und gesagt, dass er super gerne mal Bilder schicken kann aber dass wir jetzt nicht ohne was zu sehen das so einbetten können und das hat er glaube ich auch verstanden genau, aber es war die Frage ohne was zu sehen da ist man als Kuratorin vielleicht auch oder wenn man eng mit Künstlern, deren Alltag das ist dann will man schon sehen was da steht, also vielleicht wäre es ja auch politisch daneben, also wissen wir ja nicht aber musste ich ihm halt erklären, dass das in dem Rahmen also wir hatten dann zum Glück am Sonntag einen Workshop, da ging es um hier zusammen Schmieden aus Hafengestalten, da habe ich ihn herzlich eingeladen, hier was zu produzieren und auch mitzumachen da konnte er dann nicht, also da kam auch nicht, aber es war, fand ich ganz unangenehm, weil ich einerseits ausgeschlossen habe, aber ich das ja auch nicht so irgendwie zum Ziel hatte jemanden auszuschließen Hallo, ich glaube der Begriff, den du

Stimme aus dem Publikum

55:52

gerade gewählt hast, Qualität ist natürlich für jemanden, der sowas kauft, auch nicht ganz so einfach wenn ich jetzt mich da hinstelle und sage, ich möchte das gerne kaufen und du sagst, ja, ist das jetzt Qualität oder nicht Qualität, ich stehe da vor und verstehe es nicht und das bringt automatisch eine gewisse Distanz, weil du nämlich verunsichert bist Als Käuferperson

Antonia MartenKunstbüro der Kunststiftung Baden-Württemberg

56:22

Was ich auch noch sagen wollte, also diese auch diese Vermittlung in die Gesellschaft hinein das ist eigentlich künstlerische Arbeit Das muss irgendwie auch einfach noch viel mehr Wir haben auch manchmal das Problem, dass Hobbyleute zu uns kommen und wir denen dann auch sagen müssen, ja, das ist nicht so eine richtige Anlaufstellung Das ist jetzt der Unterschied dass nun quasi die Professionellen und die Hobbykünstler Da denke ich halt auch zum Beispiel die Einbeziehung von Künstler:innen Aber das ist

Stimme vom Podium

57:09

auch wieder eine Frage des Stolzes die im besten Fall in den Akademien oder Universitäten auch nochmal mehr beigebracht werden sollte, schämt euch jetzt nicht wenn ihr in der Lehre landet oder wenn euch vielleicht sogar ein Konzern mal fragt, kritische Einblicke und ihr lasst euch saugut bezahlen und könnt davon dann Kunst machen oder so, also der Stolzfaktor ist ja auch dann wieder da, dass man sich dann gleich schlecht fühlen würde in der Lehre oder so

Leonard SchulzModeration, Kulturjournalist

57:34

Ja, ich denke, das hat auch mit zu tun mit dem Kapitalismus inhärenten System der Meritokratie, also dass wir alle daran glauben, dass man sich was verdienen muss, um es zu bekommen und das hat natürlich, also ich will es jetzt gar nicht hier irgendwie anarchistisch ankreiden oder so, aber das ist ja schon sehr präsent in unserer Gesellschaft, dass man bei jeder Sache sozusagen sich verdienen muss um Künstler sich nennen zu dürfen das ist ja erstmal nur ein Begriff, also wieso kann ich nicht sagen, ich bin Künstler, ich bin jetzt Journalist woher, also wer entscheidet eigentlich, wer sich wie nennen darf sozusagen und gleichzeitig ist es natürlich so, klar wird, heißt Klassismus überwinden heißt jetzt nicht, dass man jedes einfach sagt, okay, das hier ist auch Kunst, das hier ist Kunst, also es gibt ja trotzdem irgendwo eine Qualität, die es weiterhin braucht, deswegen ist es aber glaube ich ein spannendes Paradigma auf dem man sich da befindet, also wie schafft man es möglichst inklusiv zu sein und trotzdem aber in der Sache gut das war noch so ein Gedanke gibt es noch aus dem Publikum

58:53Was Qualität in der Kunst ausmacht

Stimme aus dem Publikum

mehr Fragen und Gedanken da nochmal, ja bitte ja ich möchte ja trotzdem nochmal drauf zurückkommen, was ist Qualität so wenn ich jetzt zum Beispiel mir irgendwas anderes anschaue ich gehe, sagen wir mal mir etwas kaufen und habe das Gefühl das eine hat Qualität, das andere hat nicht Qualität ich spreche immer von Qualität wie kommt ihr dazu zu sagen das ist qualitativ wertvoll und das leider nicht das ist Amateurklasse und das ist Profiklasse das ist eben für jemand der außen steht völlig intransparent, versteht man nicht so und dann müsst ihr akzeptieren, dass die Leute sagen, ja da halten wir lieber Abstand, weil das ist eine Sache, die wir nicht verstehen und kein Mensch, ja auch nicht als Künstler, hat gern mit einer Sache zu tun die ihr überhaupt nicht versteht und die auf euch intransparent wirkt also ganz klar und deutlich die Frage, was ist Qualität?

Stimme vom Podium

1:00:01

Nee, ich glaube du kannst es daran festmachen, wie bewusst jemand etwas tut, also ist es nur irgendwie willkürlich ausprobiert oder ist es eine bewusste Entscheidung, dass es so sein muss und dann diese Entscheidung das muss so sein, das ist dann die Geschmacksfrage und da musst du halt gucken, ob das deinen Geschmack trifft als Sammler ich weiß nicht, ob ich das irgendwie plausibel erklären kann, aber ich glaube es geht darum also man bastelt da nicht irgendwas vor sich hin was dann irgendwie so ist und dann ist auch okay sondern man beschäftigt sich intensiv damit und es hat einen Grund, dass es so ist also aber woher weiß man, dass es eine Auseinandersetzung gab?

Leonard SchulzModeration, Kulturjournalist

1:01:00

Ja, möchtest du direkt was dazu sagen?

Anna SchieferKünstlerin

1:01:06

Ja, ich würde da gleich mal also so eine Art Annäherung ist vielleicht, dass das ähnlich wie in der Musik für die, die sich schulen in optischen und visuellen Darstellungen durchaus nachvollziehbare Gründe gibt, Dinge als qualitätvoll und als weniger qualitätvoll zu bezeichnen, die man aber jemandem, der sich jetzt mit Musik beispielsweise nicht beschäftigt, auch nicht in ein, zwei Sätzen erklären kann. Also das ist einfach auch viel Erfahrung und Expertise, denke ich, das ist ein Teil. Die Ernsthaftigkeit spielt auch mit rein, natürlich. Das erkenne ich aber, wenn ich mich damit auseinandersetze. Und dann erkenne ich visuelle Bezüge auf unsere Gegenwartskultur oder auf historische kunstwissenschaftliche oder künstlerische Zusammenhänge.

1:01:56

Das sehe ich dann einfach, wenn ich visuell geschult bin und künstlerisch geschult bin. Trotzdem heißt es aber nicht, also ich bin jetzt nicht der Meinung, dass man dann zu sagen, ja, ich kann das jemand anderem sowieso nicht erklären, deshalb muss ich das auch gar nicht erst versuchen. Also ich glaube schon, dass es da eine große Lücke gibt und das hat auch mit diesem elitären, oft sehr elitären Ansatz zu tun in Kunsthochschulen, sich zu verschließen und sich mit der Kunst in so einem Luxussegment platzieren zu wollen. Das in den letzten Jahrzehnten eben auch oft zur Folge hatte, dass meine Rechtfertigung dafür, dass das Qualität ist und das andere nicht, eben in einem sehr internen Kreis aus Kunstwissenschaftlern, Kritikern ausgehandelt wurde, die ein sehr, sehr, sehr geschlossenes System verfolgen und alle großen Strömungen der letzten Jahrzehnte sind eigentlich und eben auch sehr männlich und sehr weiß und sehr westlich geprägte Zirkel gewesen, die Regeln aufstellen, die finde ich jetzt wirklich nochmal komplett neu umgeschrieben werden müssen, komplett anders betrachtet werden müssen.

1:03:03

Es gibt ganz andere vorlieben ästhetische Relevanz, die wichtig wird, aber und genauso gehört eben auch dazu, dass man viel mehr merkt, ja man muss es vermitteln, weil wir für die Gesellschaft da sind und eben nicht nur für einen Luxusverkaufsbereich der oberen zehn Prozent der Gesellschaft. Also und das ist aber alles sehr komplex und hängt, finde ich, sehr miteinander zusammen, wie diese Dinge, also wie das so ineinander spielt, was ich dann mit beigebracht bekomme an Kunsthochschulen, wie dort die Lehre ist, wie meine Kunst aussieht, wie ich mich selber verhalte, ob ich, wenn mich jemand fragt, bereit bin, das jemandem zu sagen, was ich mir dabei gedacht habe oder mir denkt, nö, das ist nicht mein Job und das muss ich gar nicht tun und das gibt es nämlich auch sehr oft, dass Künstler:innen sich dann auch da sehr verschließen, was ich überhaupt nicht nachvollziehbar finde und wirklich gar nicht gut finde und gleichzeitig finde ich gehört da auch dazu zu sagen also diese gerade Offspaces sind eigentlich die Orte, die wirklich super niederschwellig die Nachbarschaft erreichen, die Leute erreichen, wo ich dann eben nicht so wie im ZKM erstmal Linguistik studiert haben muss, um zu verstehen, was dort gesagt wird in der Eröffnung oder was auf den Tafeln steht oder man auch nicht sagt, hey für einfache Sprache haben wir einfach kein Geld, das muss so kompliziert da stehen, das ist ja klar, dass ihr dem nicht folgen könnt, natürlich brauche ich erstmal eine Stunde Einführung, um dann nach Schulklasse eine Arbeit da zu erklären, so das vermittlungstechnisch funktioniert das überhaupt nicht, ist aber so dieses Gehabe, dass man so sagt, nö, das muss einfach kompliziert sein, sonst ist es nichts wert und ich finde da, das ist aber wieder eine stadtpolitische Aufgabe zu sagen, Offspaces übernehmen einen extrem wichtigen Teil, sind auch professionelle Räume und müssen dann auch ausgestattet werden als Raum in der Stadt, der für alle Bürger zugänglich ist, um sich Kunst einfach auch auf sehr leichte Art und Weise anzuschauen und das verpassen aber auch sehr viele Städte und man setzt es eben nicht gleich mit der freien Szene im Theater, sondern man sagt, nö, das sind ja eigentlich eure Hobbyräume.

Norina Quinteato

1:05:23

Ich glaube, dass da auch das Thema von Beginn mit dem Vertrauen eine große Rolle spielt, weil das auch wieder zeigt, entweder kann die Künstlerperson selbst ihr eigenes Management sein und so weiter und schafft es auch noch, die Vermittlung anzugehen oder dringend wichtig, Personen, die sich zum einen die Zeit nehmen, nahbar sind und auch ein Vertrauen schaffen und da glaube ich, gibt es oft auch nicht unbedingt von Leuten, die sich selbst als also wie oft man das hört, ich verstehe nichts von Kunst, also kann ich nichts dazu sagen und das sind oft die, die am besten gucken und schon ein Gefühl haben, wenn die Arbeiten angucken, aber das Vertrauen in sich selbst und in der vermittelnden Person fehlt, warum auch viele Institutionen scheuen oder Galerien, weil sie dann gleich denken, ich bin ja keine Kaufkraft, da habe ich kein Vertrauen, dass jemand mir das nett erklärt oder Hallo sagt so, das ist total irre, also dieses Vertrauen schafft den Zugang zur Kunst, das ist mir hier die letzten acht Wochen so bewusst geworden, wie oft wir auch gestern wir haben noch Leute getroffen, die kamen auf uns zu sie waren noch nie an einem Ort, wo Kunst gezeigt wurde und jedem Hallo gesagt wurde Wahnsinn, also wenn man sich das nochmal so klar macht, so Hallo sagen, das tut niemandem weh, also auch keine Vermittlerperson, eigentlich kein Museum, da könnte man jeden nochmal zwar nie mehr in die Hand drücken zum Hallo sagen und die Leute würden gerne kommen, also diese einladende Geste schafft schon mal ein Vertrauen, dass ich mich hier wohlfühle und auch langsam mich rantasten kann an die Kunst Nochmal zu der Frage, was Qualität ausmacht, ich habe jetzt drüber nachgedacht und eigentlich ich glaube es sind zwei Sachen, das eine ist, dass man benennen kann, was

Stimme vom Podium

1:06:49

man macht oder wofür man brennt oder was einen interessiert in diesem künstlerischen Feld und das andere ist, warum ist das relevant, warum muss das existieren über das nette Bild jetzt hinaus, warum ist es relevant, dass das jetzt in unserer heutigen Gesellschaft hier so gezeigt wird, also diesen professionellen Anspruch habe ich eigentlich an uns Künstler:innen, dass wir darauf antworten können und das macht für mich halt einfach auch die Qualität aus und den Unterschied zu, ich weiß nicht, jemandem, der mal eben ein schönes Bild malt, also diese wirklich auch philosophische Reflexion darüber, wo das gesellschaftlich verortet wird. Die innere Notwendigkeit zu vermitteln, ich glaube.

Anna SchieferKünstlerin

1:07:35

Das mit der Meinung des einzelnen Besuchers ist, glaube ich, auch noch da drin problematisch, dass so unklar ist, wer eigentlich befugt ist mit der Kompetenz, also dass man erst, wenn man Geld verdient mit seinem Kuratoren-Kritiker-Job, hat man eine relevante Meinung und das ist so schon eingetrichtert, dass die Leute eben schon, sobald es nicht der Fall ist bei dir, dass du Geld damit verdienst, dass deine Meinung schon oder dass du ein Diplom hast oder so, ist die Meinung schon nicht mehr valide, auch wenn es die gleiche wäre oder wenn es, also das ist genau das, was in der Kunst ja der Fall ist, das kann das gleiche Objekt sein und Kunst oder Nicht-Kunst sein, so kann das die gleiche Aussage sein und eine wertige Meinung oder Einschätzung des Werkes sein oder eben nicht und in dieser Unsicherheit ist glaube ich das.

Stimme aus dem Publikum

1:08:31

Darf ich nochmal, Norina, oder? Habe ich schon überzogen. Einen nehmen wir noch. Wenn wir es jetzt mal den Gedanken, den ihr jetzt aufgenommen habt, konsequent zurückführt, dann möchtest du gern eben die Relevanz deiner Arbeit transportieren. Das heißt, du fungierst den Augenblick als Sender. Jetzt ist auf der anderen Seite aber eben der Empfänger und da sehe ich eben das eigentliche Problem drin.

Stimme vom Podium

1:08:57

Deine Nachricht irgendwie zu bekommen, ja, aber ich muss sie letztendlich als Empfänger auch verarbeiten. Nein, ich empfinde es so, dass ich nur die Hälfte des Jobs mache. Ich habe das Thema, ich setze es um, ich überlege, wie es ausgestellt wird, wird es gerahmt, kommt da Licht drauf, wie stelle ich es aus, kommt noch eine andere Arbeit daneben und so. All das ist nur die Hälfte. Und dann kommst du mit deinem Erfahrungsschatz und deinen Bildern im Kopf dazu und entweder gibt es dann, es ist eigentlich nur ein Angebot auf einen Dialog und entweder kommt da was und resoniert was und dann sagt dir die Arbeit was und dann freue ich mich und eigentlich ist das viel interessanter für mich als das, was ich mir dabei gedacht habe, weil das weiß ich ja schon.

Stimme aus dem Publikum

1:09:38

Das bedeutet aber, dass ich letztendlich irgendwie einen Schritt machen muss, von dem ich vielleicht gar nicht weiß, wie der aussieht und wie der funktioniert. Worum es mir ein bisschen geht, ist eben einfach, dass ihr euch erfreut, wenn mehr Leute dazukommen und sich für eure Kunst interessieren.

1:09:54

Und bin ich zu leise, da ist ja ganz was Neues.

1:10:01

Wenn ich jetzt auf dich zukommen möchte, dann ist das für mich ja vielleicht ein ganz, ganz großer Schritt, den ich mir vielleicht nicht zutraue. Auf der anderen Seite würdest du dir das wünschen, gehe ich mal davon aus, dass mehrere Leute diesen, oder ist es dir?

Stimme vom Podium

1:10:14

Aber das ist wie im Kino. Es gibt einfach Leute, die mögen Krimis und andere mögen Liebesfilme. Und ja, also das ist, also ich habe nicht den Anspruch, dass es allen gefallen muss.

Stimme aus dem Publikum

1:10:26

Nee, darum geht es nicht. Das meine ich auch nicht. Aber ich muss mich vom Sofa aufraffen und ins Kino gehen. Das ist eben die Geschichte, wo ich glaube, das gilt für mich zum Beispiel, was für mich dann schwer ist zu sagen, meine Frau wird das bestätigen, komme ich vom Sofa hoch und gehe ins Kino, um da in dem Bild zu bleiben. Das ist das. Und da würde ich mir eben einfach wünschen, dass man da eben praktisch eine Hilfe hat, zu sagen, jetzt stehe ich mal auf und gehe ins Kino. Und da finde ich jetzt jemanden, der mir den Film dann vorführt. Weil ich glaube, das ist genau das, was ihr euch, wenn ich es verstanden habe, wünscht, mehr Wahrnehmung, also generell jetzt, nicht nur du persönlich, mehr Wahrnehmung, mehr Auseinandersetzung damit.

1:11:09

Weil ihr habt ja eine Botschaft. Und eine Botschaft, die gesendet wird, aber nirgendwo ankommt, ist wirkungslos. Und wirkungslos ist niemand gerne mit seiner Arbeit. Aber da muss ich mir auch was überlegen, wie ich es schaffe, eben die Leute, die ich jetzt vielleicht nicht erreiche, dann irgendwie von der Couch runter zu kriegen und ins Kino zu bekommen. Und das ist eine Diskussion, die wir in den letzten Wochen hier sehr aufgeführt haben, eben das Thema Blase. Und diese Blase, die ihr in der Kunst habt, ist genau die gleiche Blase, die wir in der Wissenschaft haben. Eins zu eins. Ich forsche da, schreibe Publikationen und dann veröffentliche ich das, das lesen drei Leute in der Welt.

1:11:45

Der Impact auf die Gesellschaft ist praktisch null. Das ist für mich uninteressant. Ich möchte einen Impact haben, möchte was verändern. Aber dann muss ich auf die Leute zugehen und muss sie zwingen vom Sofa. Ob das jetzt Politiker, Verwaltungsmenschen oder der einfache Bürger ist.

Stimme vom Podium

1:12:00

Und wie machst du das in der Wissenschaft?

Stimme aus dem Publikum

1:12:03

Schau dich um.

1:12:06

Das ist genau das. Die Idee, eben hier sowas zu machen, ist genau die Sache raus, wie aus dem KIT, Campus Nord, mit dem großen Zaun drum zu und sich jetzt mit euch auseinanderzusetzen. Das war eben sozusagen das Aufstehen und loszugehen. Und deshalb halte ich das hier für so extrem wichtig. Und bin hier vielleicht öfter, als ich zu Anfang der ganzen Veranstaltung gedacht habe. Also ich hatte drei, vier Einsätze, aber ich bin jetzt regelmäßig da. Genau aus dem Punkt, weil mir hilft es ja auch weiter mit euch zu reden. Aber die Problematik ist, wir müssen verstehen, dass wir rausgehen müssen, auf die Leute zugehen, sie kommen nicht zu uns. Und wir dürfen nicht enttäuscht sein, wenn sie denn Dinge tun, die wir nicht für gut finden, weil wir uns einfach sagen, die haben es nicht kapiert oder die hatten nicht genug Energie.

1:12:55

Ist eben noch unser Job dazu, jedenfalls für mich jetzt aus dem Bereich der Wissenschaft heraus.

Leonard SchulzModeration, Kulturjournalist

1:13:02

Es gäbe noch eine allerletzte Frage aus dem Publikum, es sei denn, du bist ja kein Publikum. Möchtest du vorher noch einen Kommentar geben?

Stimme aus dem Kunstbüro

1:13:10

Ich wollte noch ganz kurz was dazu sagen, dass das, was du eben angesprochen hast, dass es von den Museen immer mehr gemacht wird. Also die Vermittlungsarbeit in den Museen, glaube ich, wurde in den letzten Jahren deutlich aufgewertet. Das war ja früher immer eher so ein Stiefkind. Auch die Hierarchien, ah ja, das sind die Kunstvermittler, die mit den Kindergartenkindern da ein bisschen rumkriegseln. Ich glaube schon, dass dieser Beruf der Kunstvermittlung aufgewertet wurde in den letzten Jahren. Und wenn man guckt, jetzt zumindest in Baden-Württemberg, das kann man schon beobachten, dass es auch politisch gewollt ist, dass die Vermittlung gestärkt wird. Also die gehen ja auch immer mehr, immer mehr Programme gibt es, sagen wir, für Kunst im öffentlichen Raum, dass die Kunst wirklich jetzt noch nicht im Anhänger aufs Land gekarrt wird.

1:14:02

Aber ich glaube, da gibt es schon positive Signale, dass da auch diese Schwellenbarrieren runterkommt.

Leonard SchulzModeration, Kulturjournalist

1:14:17

Wir führen den Dialog natürlich weiter, hier wird nichts abgekappt, aber genau diese Diskussion machen wir dann gleich sozusagen in der Runde ohne Mikrofone, sondern bei einem Glas Federweißer oder so. Aber vorher haben wir noch eine Frage aus dem Publikum.

Stimme aus dem Publikum

1:14:29

Ja, das ist vielleicht keine Frage. Ich wollte einfach ein bisschen über Kollaboration und Netzwerk was sagen, weil ich glaube, genau das, ich merke von meinen eigenen Bubbles, dass Leute irgendwie, oder vielleicht haben das Gefühl, dass allein als Künstler muss man so dieses Fight haben und irgendwie nicht zusammenkommen und das nur alleine schaffen. Und dann kommt genau diese Frage, kann ich das alleine für mitteilen oder bin ich der Künstler oder kann ich auch mich promoten auf Instagram gleichzeitig oder ja, oder muss man dann jemanden finden, der das für dich macht.

1:15:08

Und ich merke, mit diesen Hashtags auf Instagram habe ich das wirklich nie durchgemacht, weil ich merke ein Netzwerk, analoges Netzwerk, was man dann selbst aufbaut und wenn man in Ausstellungen geht und guckt, okay, wer ist heute da, oh, ich will mit denen heute connecten oder reden einfach und dann kommt man da hin und redet und einfach, ja, ein bisschen außer diesem Bubble, ob das jetzt Kunstbubble ist oder, da gibt es einfach so viele verschiedene Bubbles und auch in Kunstbubble kann man sich einsam fühlen und genau, dass es einfach zusammenkommt, zusammen machen, weil ich glaube, genau so wächst man dann, genau so wird man stärker und genau so kann man einfach viel schneller weitergehen.

1:15:54Dank und Einladung zum Workshop

Leonard SchulzModeration, Kulturjournalist

Das ist, glaube ich, ein gutes Schlusswort, oder?

1:15:58

Also, bevor wir jetzt applaudieren für diese gesamte Veranstaltung, müssen wir erstmal noch einen herzlichen Dank an Regina und Antonia für die sozusagen aussprechen und dafür dürft ihr applaudieren.

Stimme aus dem Kunstbüro

1:16:10

Und ein ganz herzlichen Dank an ato zurück, von Seiten des Kunstbüros und auch an den Medien.

1:16:25

Eine Sache noch, ich möchte auch eine ganz herzliche Einladung aussprechen, weil Sophia wird morgen einen Workshop geben, um 12 Uhr startet er.

1:16:36

Und alle sind herzlich eingeladen, jeder kann auch vorbeikommen.

Leonard SchulzModeration, Kulturjournalist

1:16:43

Wie cool, dann würde ich euch hiermit in den Abend entlassen und danke euch für diese wirklich geile Diskussion und wünsche euch viel Spaß bei dem DJ-Set und dem ganzen Abend hier und bis ganz bald.

Fotos von diesem Tag · 1. Oktober 2022

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