Archiv · 13.08.–15.10.2022 · Ein Projekt von supermorgenArchiv 2022 · supermorgen

Gespräch · · 54:24

„Beziehungshorizonte“

Mitschnitt · 54:24 · 10 Kapitel

Kapitel 1 von 10Andreas Gerdes begrüßt zwei Paare aus München

Nadine Rahner

Sprecher:innen

  • Nadine Rahner · sprichtModerationRedeanteil 22 %
  • Christoph Hahner · sprichtChemiker, BeraterRedeanteil 19 %
  • Ferdinand Leopolder · sprichtGründer von drymix.infoRedeanteil 18 %
  • Maureen Payne-Hahner · sprichtTheater- und FilmregisseurinRedeanteil 12 %
  • Andrea Funk · sprichtTheaterwissenschaftlerin und AutorinRedeanteil 11 %
  • Andreas Gerdes · sprichtKIT Innovation HUBRedeanteil 9 %
  • Stimme aus dem Publikum · sprichtRedeanteil 1 %

Kurzfassung

Nach einer Begrüßung durch Andreas Gerdes (KIT Innovation HUB) moderiert Nadine Rahner ein teils deutsch-, teils englischsprachiges Gespräch mit zwei Paaren, in denen Kunst und Bauchemie zusammenkommen: Andrea Funk und Ferdinand Leopolder sowie Maureen Payne-Hahner und Christoph Hahner. Es geht um gemeinsame Projekte wie den Kurzfilm „Broom“, um Arbeitsteilung, Selbstständigkeit, Neugier, Kritik und Stolz in der Partnerschaft; zum Schluss kommen Fragen aus dem Publikum.

Veranstaltung: Beziehungshorizonte

Transkript

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0:00Andreas Gerdes begrüßt zwei Paare aus München

Andreas GerdesKIT Innovation HUB

Okay. Auch heute, am Samstag Nachmittag, haben wir im WERKstattPALAST einen Talk vorgesehen und dieser Talk hat jetzt den Titel, jetzt muss ich Beziehungshorizonte, die Grundidee war Wissenschaft und Kunst. Das generelle Thema des WERKstattPALAST nicht nur in Form von Arbeiten oder Baustoffproben darzustellen, sondern auch wie in Beziehungen Kunst und Wissenschaft interagiert und sicherlich auch das Handeln des anderen beeinflusst. Und ich bin sehr froh und dankbar, weil die beiden Paare, die wir heute Nachmittag zu Gast haben, einen nicht unerheblichen Weg auf sich genommen haben. Aus München, der Hauptstadt Bayern, sind die Niederungen, Karlsruhe, das ist eine längere Strecke gewesen.

1:11

Deshalb vielen Dank, Maureen, vielen Dank, Andrea, vielen Dank, Leo und vielen Dank, Christoph. Die hier Anwesenden werden sich gleich sicherlich noch etwas persönlich vorstellen, auch ihr Umfeld. Sie kommen aber sowohl aus dem Theater- und der Filmwelt von Seiten der Kunst und die beiden Kollegen, das heißt, der Leo und der Christoph, die kommen aus dem Bereich der Bauchemie, sind mir also von daher thematisch sehr nah. Die Gesprächsführung wird jetzt aber Nadine übernehmen, die sich da schon sehr intensiv mit unseren beiden Paaren ausgetauscht hat. Und so wie Christoph es sich gewünscht hat, übergebe ich jetzt das Mikrofon und bin unter fünf Minuten geblieben.

1:58Vier Lebensläufe, ergänzt von den Partner:innen

Nadine RahnerModeration

Danke, Andreas.

2:01

Ja, ich werde jetzt auf Englisch weitermachen. Soll ich auf Deutsch weitermachen? Okay, okay, okay, okay. Also, hallo zusammen. Ich bin froh, heute hier zu sein beim WERKstattPALAST für einen sehr besonderen Talk. Denn wir fügen heute eine weitere Perspektive dem Thema Infrastruktur hinzu. Und zwar die zwischenmenschliche. Wir werden gemeinsam auf Spurensuche gehen. Und wir zwei scheinbar unterschiedliche Paarkonstellationen doch irgendwie Gemeinsamkeiten aufweisen können. Und wir möchten herausfinden, wie auch gerade diese zwei sehr unterschiedlichen Disziplinen so das gemeinsame Leben und den gemeinsamen Beruf denn befruchten können.

2:54

Welche Herausforderungen denn darin liegen und auch welche Synergien daraus sich ergeben. Ich bin sehr froh, unsere Gäste zum Talk Beziehungshorizonte vorstellen zu dürfen. Und ich fange an mit der Andrea Funk. Die Andrea Funk ist studierte Theaterwissenschaftlerin und Autorin für Hörspiele, Theater und Screenplays. Als Theaterschaffende hat sie viele Stücke entwickelt und entwickelt noch Stücke im Bereich Tanztheater und Theater. Und während Corona beispielsweise gab es ein sehr cooles Stück, wie ich der Presse entnehmen konnte. Und da ging es darum, mit der Theatergruppe Perlach mal ein bisschen improvisatorischer vorzugehen, weil Corona hat uns ja alle vor große Herausforderungen gestellt.

3:51

Und das Skript dieses Stückes wurde gemeinsam entwickelt, während den Videocalls, die du hattest mit deinem Ensemble.

4:03

Des Weiteren ist die Andrea Gründerin und Organisatorin der Fassbindertage in München. Und mehr möchte ich jetzt gar nicht sagen, sondern möchte jetzt auch mal die Partner zu Wort kommen lassen und dich, Ferdinand, fragen, was ich denn Besonderes in dem Lebenslauf von der Andrea vergessen hatte, was uns denn interessieren könnte.

Ferdinand LeopolderGründer von drymix.info

4:25

Ja, das, was man von außen nicht sieht, ist halt Beharrlichkeit und Intensität mit der Auseinandersetzung. Ich sage das jetzt deshalb, weil ich eher der flüchtige Typ bin und dann halt andere Wirkungen versuche zu erzielen. Und das sieht man natürlich dann wieder an den Theaterstücken, also die nie durchgehaltenen 50 Zoom-Sitzungen. Da werden wir wirklich eingeschlafen. Und auch Arbeitsweise ist besonders von der Andrea. Also ich weiß nicht, ob es noch etwas Besonderes gibt. Schön ist sie halt, aber ist ja meine Frau.

Nadine RahnerModeration

5:03

Danke, also das sind doch schon mal ein paar gute Infos, mit denen man auch arbeiten kann. Vor allem auch in Bezug auf den Beruf, dass da doch ein bisschen was anders da läuft.

5:13

Dankeschön. Dann als nächstes möchte ich vorstellen Maureen Payne-Hahner. Maureen ist eine internationale Theater- und Filmdirektorin und ihr aktuelles Projekt, das werden wir heute noch gemeinsam bestaunen können, das ist nämlich der Shortfilm Broom. Im Shortfilm Broom geht es darum, den Klimawandel in zwischenmenschlicher Perspektive, in einem zwischenmenschlichen Fokus zu betrachten, wenn ich das richtig ausdrücke. Und dieser Shortfilm, dieser Kurzfilm hat bereits einen Preis bekommen bei den Indie Short Awards New York und wurde jetzt vor einigen Tagen auch ausgewählt, um in Cannes bei dem Olympiacinema gezeigt zu werden.

6:06

Wir sind schon ganz gespannt auf den Film. Genau, und des Weiteren ist die Gründerin von WIN, das ist das Writers Innovative Network und das Ziel dieses Netzwerkes ist es, Skripte in mehr Perspektiven darzustellen. Also sowohl filmisch als auch über die Tonspur, genau, also man kann da auch die Webseite besuchen, ist sehr inspirierend. So Christoph, jetzt bist du dran, was habe ich denn Spezielles vergessen in dem Lebenslauf deiner Frau?

Christoph HahnerChemiker, Berater

6:46

Wenn es euch nichts ausmacht, mache ich das jetzt in Englisch, weil es ist schon wichtig, dass meine Frau weiß, was ich über sie sage und das zu 100% richtig verstehe, damit ich später keine Schwierigkeiten kriege. So the question was, what did she maybe forget or how can I enhance your CV? What Leo already said, resilience, persistence, keen eye for detail, very keen eye for detail, and never giving up. And I think other than that, it's just a very long way in art to get anywhere, and you have to have a very long breath. And she has shown this, and it was always interrupted. Her CV was always interrupted with me changing my job.

7:42

So I'm very thankful to my wife to always be on my side, and to support the family this way.

Nadine RahnerModeration

7:52

Thank you.

7:56

The next one is Ferdinand Leopolder. Oh, I'm German. Der nächste im Bunde ist Ferdinand Leopolder. Er studierte Germanistik, Theaterwissenschaften und Philosophie. Und wir sehen, da könnte man ja vielleicht in einem recht ähnlichen Bereich unterwegs sein wie die Damen. Aber nein, er hat dann seine berufliche Laufbahn auch etwas gewechselt. Nachdem er für einige Jahre als Videoproducer, Publisher und Theaterdirektor unterwegs war, hat er nämlich angefangen für die Chemiefirma Raschig zu arbeiten und wurde in dem industriellen Chemieprozess geschult. Und danach hat er dann bei Wacker Chemie angefangen und bei Wacker Chemie hat er auch den Christoph kennengelernt. Also Sie sehen, die Gäste kennen sich besser als ich die Gäste.

8:53

Und seit 2001 ist er Gründer und Präsident von drymix.info. drymix.info ist, wenn ich das jetzt richtig verstanden habe, eine Art von Trockenmischmörtel-Community. Genau, also das ist eine Community, die sich mit Trockenmischmörtel beschäftigt. Und für diese Community, die richtig groß ist, also sowohl in Asien, so scheint es mir, also zumindest international eine große Spannweite hat.

9:26

Organisiert er Events, gibt Schriften raus, wie zum Beispiel auch die Festschrift für Andreas Gerdes. Genau, so sind die Frauen in der Runde dran. Andrea, was kannst du denn noch zu dem Lebenslauf deines Mannes hinzufügen?

Andrea FunkTheaterwissenschaftlerin und Autorin

9:37

Also wir haben uns kennengelernt beim Studium Theaterwissenschaft und ich dachte, er macht Film und Theater. Und dann plötzlich war er in Amerika und baute eine Firma, auf die Straßenasphalt herstellte. Ich war sehr erstaunt. Und dann kam er zurück nach Deutschland und dann wurde er bei Wacker genommen und da war er dann mehrere Jahre und dann sagte er, er will jetzt kündigen. Und alle haben gesagt, Wahnsinn, warum willst du kündigen? Und ich fand es aber eine richtige Idee und dann hat er gekündigt. Und dann wollte er mit zwei Freunden ein Online-Portal zum Thema Schlafen aufmachen. Ich hoffe, ich erzähle das richtig.

10:21

Und dann stellte sich heraus, dass dieses Online-Portal überhaupt nicht drei Leute ernähren kann oder zwei. Und just in dem Moment kam unsere Tochter und wir saßen beide zu Hause und hatten kein Einkommen. Und das hat mich, glaube ich, am meisten beeindruckt. Ich habe heute Nacht darüber nachgedacht, dass er da saß und angefangen hat, Kinderbrei zu kochen und überhaupt zu kochen. Und sich keine Spur aufgeregt hat und so tiefenentspannt in dieser Situation saß. Dass ich dachte, okay, der Mann kann einfach alles. Das ist so mein Eindruck.

Nadine RahnerModeration

10:54

Vielen Dank für diese schöne Geschichte.

10:58

Der Letzte im Bunde ist Christoph Hahner. Christoph hat Chemie studiert und auch im gleichen Bereich promoviert. Er hat seine Karriere als technischer Direktor bei Wacker Chemie gestartet. Er hat dann die Firma als Senior Product Manager verlassen und wurde Vice President for Research and Development auf einem anderen Kontinent, und zwar in Amerika. Dort hat er für Laticrete gearbeitet. Danach ging es wieder zurück nach Deutschland. Da hat er für DAW SE, das ist eine relativ große Firma, vielleicht in der Lack- und Farbbranche. Vielleicht kennen es einige von Ihnen auch, Caparol-Farben wäre jetzt ein Produkt. Für diese Firma hat er relativ lang gearbeitet und war dort Chief Product and Innovation Officer.

11:53

Wir sind hier in einem sehr ähnlichen Bereich unterwegs, auch um die Transformation gemeinsam stemmen zu können. Es gibt ja unterschiedliche Bereiche, die darauf einwirken. Und hat sich dann Anfang dieses Jahres selbstständig gemacht mit der Beratung Transformed to Innovate. Genau, von 2020 bis 2022 war er noch Vorsitzender der Deutschen Bauchemie. So, Maureen, ist there any special thing that I have missed to mention about Christoph?

Maureen Payne-HahnerTheater- und Filmregisseurin

12:31

I think you covered it. Hello, you covered it. Thank you. I mean, do you have anything in particular that you've covered, of course, his...

Nadine RahnerModeration

12:45

Yeah, maybe it's something... His Chemie background. Genau, but I heard, but I know that there is also another background. Maybe you want to tell something about this background?

Maureen Payne-HahnerTheater- und Filmregisseurin

12:56

Yeah, to be very direct with me, it's... Gosh, we're both eminently very curious. We're curious people. And so I think that in his profession, as well as mine, there's always a story being told. You know how you were telling me earlier about the different things over here and the discoveries you've made. And also with filmmaking or telling stories through theater or writing or anything, you're always making discoveries. And you're always looking underneath the rock, or you're really pulling back layers and layers and layers of things and looking at the history of something or, you know, what is the purpose of this? What is the function of this? And so I think that's how a lot of our conversations actually, I think that's how we stay married, is that, no, truly, we're so curious and we can talk about just about anything.

13:52

So that's what I have to impart about Christoph and it helps that you're smart because there's a lot, I mean, we deal with big topics and climate change being one of them and just discussing how climate change is actually represented in this film. It's like we don't know what it could look like. I think it could have a different face at any point and I ask the question in Broom is what would happen if Mother Nature would just give up? She would just stop. Tornadoes, hurricanes, floods, wildfires. Just said, I've had it. You figure it out now. I've warned you enough. And so these are the kinds of conversations I can have with Christoph with his scientific background and he just, being a chemist, he understands how certain things work.

14:51

And that's kind of the magic.

14:54Der Kurzfilm Broom als gemeinsames Projekt

Nadine RahnerModeration

Thank you, Maureen. Right now we are going to see a joint project of both. Also wir werden jetzt gleich ein gemeinsames Projekt von den beiden sehen, wo sie, glaube ich, auch sehr viel drüber gesprochen hatten. Bestimmt auch morgens am Küchentisch, wo sie gemeinsame Verantwortungsbereiche hatten und auch getrennte. Und das ist der Kurzfilm Broom, den wir jetzt zeigen werden und über den ich vorhin schon kurz gesprochen habe. Genau, ich stelle noch kurz mich vor, ich bin Nadine Rahner, ich arbeite für die Unternehmensberatung Sieberwensor, Sieberpartner und wir setzen uns auch mit Transformation auseinander und zwar, wie man die Transformation denn mit partizipativen Ansätzen am besten meistern kann. Und ich bin sehr froh, heute hier zu sein, weil Beziehungen auch in unserer Arbeit eine Rolle spielen und da werde ich dann nach dem Film nochmal kurz drauf eingehen, bevor wir dann in den Talk einsteigen.

15:49Wer in gemeinsamen Projekten was übernimmt

Nadine RahnerModeration

Dankeschön. Hi, so, vielen Dank für diesen Kurzfilm, dass ihr den auch mitgebracht habt. Das waren richtig kurzweilige 24 Minuten jetzt auch, also das ging ja ratzi-patzi rum. Genau, also wir haben jetzt ein Projekt gesehen, also ich sage jetzt mal ein Beziehungsprojekt, wo zwei Personen aus unterschiedlichen Bereichen einfach an einem Strang gezogen haben. Und ich weiß, dass es nochmal so ein Projekt gibt und zwar die Fassbinder-Tage, wo auch der Ferdinand involviert ist.

Andrea FunkTheaterwissenschaftlerin und Autorin

16:39

Der ist nicht nur involviert, sondern wir machen das zusammen. Das ist unser beider Ding. Wir haben das jetzt schon drei oder vier Mal gemacht. Und da könnte ich gleich was innerlich dazu sagen.

16:52

Also wir haben da viel gelernt. Und ich finde, je weniger Zeit wir haben, umso besser sind wir. Und je besser wir unsere Gebiete abklären, umso besser sind wir. Also jeder weiß, was seine Sache ist und dann lässt er den anderen auch machen.

17:08

Vorab natürlich wird grundsätzlich was abgemacht und dann braucht jeder seinen eigenen Raum und seine eigene Entscheidungsgewalt und dann geht es gut. Oder? Wie würdest du sagen?

Ferdinand LeopolderGründer von drymix.info

17:20

Ja, es ist eigentlich eine Abgrenzung, die wichtig ist, weil wir haben schon beides gleiche gelernt, aber völlig andere Sachen gemacht.

17:32

Und jetzt kommt mir halt das Zeug wieder zu passen, was ich früher gemacht habe. Und auch in meinem Beruf habe ich so hinbogen, dass ich auch sehr viele Events mache und Veranstaltungen und Publikationen und die Druckvorstufe im Griff habe. Und das komplettiert halt dann Andreas Ideen. Und da haben wir auch ein Netzwerk, das machen wir ja auch nicht allein.

17:54

Und ja, es ist eine Abgrenzung der Arbeitsbereiche. Wenn es dann ernst wird, dann ist es eh dann vorbei mit Abgrenzen, aber dann läuft es eigentlich.

Nadine RahnerModeration

18:07

Vielen Dank. Ja, Abgrenzung, ich könnte mir vorstellen, dass es, bis es soweit dann auch mal kam, doch einige Aushandlungsprozesse wohl gab. Wie war das denn bei euch, Christoph und Maureen, jetzt beispielsweise bei diesem Film?

Christoph HahnerChemiker, Berater

18:24

So the question is, you know, who did what and who contributed what to the common project? Do you want to start?

Maureen Payne-HahnerTheater- und Filmregisseurin

18:34

I found the script through my company, Writers Innovative Network. And that came together because as a director, I was tired of being handed scripts that I didn't believe in. So I formed this initiative to find writers who had not yet been discovered and just started reading their scripts and workshopping them and developing them. And then during the pandemic, this is meant to be a feature. And I was just in New York and we were working on the feature version of the script that tells the bigger story. Because as you can probably see, there's a bigger story here. And this is a snapshot of the concept of Broom. And so my part was developing the short script along with the writer, casting it, finding the location, going to Denmark.

19:26

I chose Denmark specifically because I like how the Danes make films. I'm a big fan of Zentropa films. And, yeah, and then I, Christoph Googled production houses in Denmark, got an appointment for me, and I started talking to people throughout the community and asked, you know, about this person, this person, I'm meeting with this person, and Denmark is teeny tiny, so people were like, oh, that's good, they're not so good, maybe not them. And so I landed on this production house, Scandinavian Studios, who helped us produce it by working with our budget and making sure we had the right team, the right equipment, and it was a really great process.

20:15

It took a lot of work, but it was five days of just wonderful work with people who believed in the story, so I was really lucky. Thanks so much for watching it. I really appreciate it.

Nadine RahnerModeration

20:32

Okay.

20:35

Dankeschön, Maureen. Christoph, was war denn da zu deinem Verantwortungsbereich? Könnte man so denken, die Person, die im Hintergrund die Strippen gezogen hat?

Christoph HahnerChemiker, Berater

20:45

Yeah, a little bit. I would say, if we look at the real, I mean, Maureen really had the heavy end of the stick, you know, when we do projects together like this one or we did theater before together, Maureen always is 100% all over artistically responsible. So when anything then comes to maybe organizational things, this, that, and the other, that's where I typically come in and take care of that a little bit. So just like Leo said earlier, yeah, there is also a clear understanding of who's doing what. But for this particular film, Maureen had the development of the script that went to the first reading. This was originally meant for being for stage, and the first reading happened in 2019. So now we're having two, it's almost exactly three years now, because it was in October 2019.

21:36

And then the development of all that, then theater went down because of the pandemic. Then it had to be written from a theater play into a film script. Maureen was very instrumental together with the writer in that. And then, yes, getting it organizational, a little bit off the ground, and what Maureen just already mentioned, and finding the production house and all this. But then it was Maureen who went to Denmark. And so it's a 90-10, 90-10, 90% her, 10% me.

Maureen Payne-HahnerTheater- und Filmregisseurin

22:07

He's really humble.

22:09

He really is. It's the truth. You're really humble. You carried this thing. No, you made sure deadlines and things, and you communicated with the producer, and I was really lucky not to have to do that. Anyway.

22:25Schöpferisches Arbeiten verbindet Kunst und Chemie

Nadine RahnerModeration

Vielen Dank. Wenn wir jetzt mal von den gemeinsamen Projekten weggehen in die tatsächliche berufliche Sphäre. Was gibt es da denn so für Gemeinsamkeiten und Parallelen, die ihr als Partner eigentlich in beiden Bereichen findet? Und gibt es auch Themen, wo ihr sagt, okay, das ist eigentlich so einem beruflichen Feld vorbehalten, mit denen habe ich gar nichts zu tun?

Andrea FunkTheaterwissenschaftlerin und Autorin

22:48

Also ganz grundsätzlich, ich finde, ist es eigentlich die Herangehensweise an irgendwas. Egal, ob man einen Film macht oder ein Event macht oder eine Publikation. Ich empfinde es völlig leicht, welches Gebiet es ist. Ich finde, es gibt ein kreatives oder nennen wir es mal besser schöpferisches Herangehen. Und das fängt damit an, dass man irgendwie die Welt betrachtet oder was man da tut oder was man vorhat und dann darüber ja irgendwie auch erstmal spinnen muss. Und da brauchst du glaube ich so ein gleiches Verständnis von was ist schön, was bedeutet mir was und wo treffen sich auch unsere Werte. Und alles andere ist dann irgendwie Handarbeit und man muss das dann aushandeln. Wenn zum Beispiel Leo auch schon ein Projekt gemacht, wir haben ein Theaterstück gemacht, das war glaube ich unser erstes Projekt, die Hölle sind die anderen, dann waren wir uns selber die Hölle.

23:38

Weil ich meine, wir beide dann künstlerisch irgendwas, das geht, also das ging zum Beispiel gar nicht. Also ihr habt das jetzt schön getrennt, wir konnten das nicht immer trennen, wir mussten das lernen. Aber ich glaube, das fällt, das sagt doch auch Goethe, oder ist doch egal, ob du ein Gedicht schreibst oder forschst oder überhaupt, egal. Es gibt glaube ich eine kreative, schöpferische Herangehensweise an was. Da sieht man was und dann muss alles möglich sein. Aber da muss erstmal alles möglich sein. Und das ist das, was Leo und mich verbindet. Das kann Leo eigentlich noch viel besser als ich, finde ich. Dass da erstmal so ein Boden ist für, okay, könnte ja sein, gefällt uns oder so.

Ferdinand LeopolderGründer von drymix.info

24:19

When we talked this morning about your questions, I say this in English because it was a really funny moment, when Andrea said, oh shit, was heißt denn selbstständig auf Englisch? Und dann sagt sie, unemployed. And I like that as a picture of what I'm doing. I'm actually unemployed. I don't employ my brain with the usual things. Das ist das eine, was mich an der Arbeitsweise ausmacht. Und das andere ist auch das Glauben an die Möglichkeiten, an das, was man hier hat. Speziell in Deutschland, da muss man auch noch mal aufpassen, der globale Süden ist oder ausgesperrt.

24:58

Aber es ist also, da gibt es eine schöne Szene in den Känguru-Chroniken. Da passiert irgendwas nicht so ganz mittelmoralisches oder böse unpolitisches. Und dann fragt der Marco, wie klingt das Känguru und warum haben wir das jetzt gemacht? Dann sagt das Känguru, weil ich es kann. Das ist eine bösartig, süffisante Weise. Und wir können, wir haben wahnsinnig viele Möglichkeiten und wir können Sachen machen. Wir können zusammen Filme machen, wir können in der chemischen Industrie irgendwelche Tanzveranstaltungen machen. Ich komme gerade vom Schiff von Istanbul, da war Chemie weit weg. Also man kann, wenn man interdisziplinär denkt, wenn man über den Zaun schaut und jetzt nicht 9 to 5, employed ist und sich better unemployed brainfully, dann glaube ich, kann Kreativität auch wirklich was auslösen.

25:49

Und das habe ich bei Andrea immer ziemlich bewundert, dass das angestrengte Unemployed sein, das ist gut. Und ich bin auch irgendwie Unemployed. Also das ist ja vielleicht auch eine Maßgabe für die Möglichkeiten, die wir hier haben, global politisch sehen mit all den Alleinstellungsmerkmalen, die Deutschland so hat. Ein Alleinstellungsmerkmal ist auch, dass es nirgends so eine dichte Theaterlandschaft und Theaterförderungsstruktur gibt. Du brauchst in die Schweiz gehen, da gibt es keine Kunstakademie in der Schweiz, die müssen alle in Deutschland studieren. Und wenn man nach Frankreich geht, dann wird es halt alles in Paris ganz toll, aber da ist keine Flächenförderung. Und das ist zum Beispiel auch so etwas, was man als Künstler nutzen kann. Aber auch das Netzwerk kann ich auch, ich bin ja kein Chemiker in dem Sinn, aber in der Wirtschaft unterwegs, was man reinmischen kann in die Wirtschaft, in meine Vorgänge.

26:42

Und das ist immer sehr überraschend, was da für Reaktionen kommen. Aber es war ein bisschen lang, Entschuldigung.

26:48Premierentermin trifft auf operatives Geschäft

Nadine RahnerModeration

Danke. Also wir hören, es bedarf viel Kreativität eigentlich, egal in welchem Feld man unterwegs ist. Ich hatte die Möglichkeit, mit Maureen und Christoph schon im Vorhinein zu sprechen. Und da hatte Christoph eigentlich einen sehr interessanten Vergleich gezogen. Er hat nämlich gesagt, ein bisschen Unterschied gibt es dann schon noch irgendwie in der tatsächlichen Praxis, weil man ja als theaterschaffende, kunstschaffende Person meistens einem gewissen Tag X entgegenfiebert. Und dass das operative Geschäft ja doch nochmal ein anderes ist. Habt ihr beiden da auch so Erfahrungen oder nochmal so spezielle Ereignisse, wo ihr sagt, nee, tatsächlich geht da irgendwie doch ziemlich was stark auseinander, obwohl eigentlich die Grundlage, um zum Ergebnis zu kommen, das kreative Schaffen ja doch irgendwie recht ähnlich ist.

Andrea FunkTheaterwissenschaftlerin und Autorin

27:41

Also du meinst, weil man dann einen Premieren-Termin hat und dann ist man scheinbar fertig und fällt in ein Premieren-Loch und fängt dann am nächsten Tag das Nächste an zu überlegen. Ich finde das nicht, Leo. Findest du da was? Ich hätte kein Theaterstück ohne Leo machen können, das kann ich ja immer mal sagen, weil er der Mann ist, der alles strukturiert. Und was du mal gesagt hast, die Prioritäten setzen, das kann ich nicht. Da sagt Leo, stopp mal, fangen wir mal bei Punkt 1 an und nicht beim Problem 10 unten. Und das lerne ich von Leo ganz doll, also strukturierteres Denken. Vielleicht hat das was mit Wissenschaft zu tun, weiß ich nicht.

28:15

Leo, bitte sag du was.

Ferdinand LeopolderGründer von drymix.info

28:16

Also bitte, natürlich hat strukturiertes Denken was mit Wissenschaft zu tun. Hallo? Ja, also das fand ich immer sehr bewundernswert an dir, weil es hören tatsächlich Prozesse auf, wenn Andrea ein Stück gemacht hat. Zum Beispiel sagt sie dann, sie macht nie mehr ein Stück, das ist ja verbrieft und jetzt hat sie gerade heute, gestern einen Antrag wieder eingereicht fürs nächste. Also dass man das wieder ganz neu erfinden muss, das habe ich mir immer gespart, da war ich zu faul dafür. Ich habe schon immer eins aufs andere gebaut und letztendlich, was du vorhin gesagt hast, die Schlafkampagne, die wir da gemacht haben, die hatte eine Kampagnenstruktur, da habe ich die Datenbanken gelernt und das, was ich brauche, um mein Mörtelgeschäft dann darzustellen. Also das hat immer bei mir, kann man auf der einen Seite sagen, diese Karriere wie Blitzableiter, auf der anderen Seite hängt das aber von unten zusammen, das ist eine Basis da, die kommt dann über die Wirtschaftserfahrungen, kommen dann wieder Theatererfahrungen rein und bei mir ist das eher, würde ich sagen, kontinuierlich.

29:15

Wenn man das liest, das sieht ziemlich chaotisch aus, ich habe da den ganzen Vorlauf gar nicht geschrieben, was ich vorher gemacht habe, aber ab da sieht es schon ziemlich chaotisch aus und ist nicht stringent, aber ich glaube, wenn man die Augen offen hält, dann kann man eben auch nebendraus was machen, aber das ist eine Kontinuität, obwohl es ausschaut, als ob es total durcheinander ist.

29:36Welche Strukturen schöpferische Arbeit braucht

Nadine RahnerModeration

Also ich weiß nicht, wie es Ihnen und Euch geht, aber ich finde es ziemlich spannend, einfach zu sehen, man geht irgendwie am Anfang hin und denkt, okay, alles nimmt so seinen geraden Weg und seinen Lauf, aber dann sieht man mal, was man in alles Unterschiedliches machen kann, dass ein Chemiker nicht einfach ein Chemiker ist, sondern auch kreative Prozesse in kreativen Bereichen, wie zum Beispiel Theater und Film hat. Ich hätte jetzt noch kurz eine Frage zu den Strukturen, also Sie sind alle unemployed, sage ich jetzt mal, selbstständig. Andreas hat das auch noch rausgeschmissen. Was könnte man denn an den bestehenden Strukturen heute ändern, dass diese schöpferische Arbeit, von der er spricht, diese Muße, die man auch dafür braucht, dass die irgendwie auch in einem 9-to-5-Job vielleicht ein bisschen stärker zur Geltung kommen kann.

30:32

Vielleicht einfach nur jeder ein, zwei kurze Sätze dazu.

Christoph HahnerChemiker, Berater

30:41

So the question is, what structures would help us to not feel so unemployed as we are all the time, or we feel all the time, but to have more of a structured life from 9-to-5?

30:55

Quite frankly, I don't see anything in structures that would really help, because there's enough structures. If you want to work as the head of a theatre, you can try to achieve that, and you would have a job. Not necessarily from 9-to-5, but in a more structured environment.

31:13

We just all chose to do this kind of independently, which kind of speaks for the kind of spirit I think we have. I mean, I was 27 years employed, so I'm only unemployed for a short period of time. Leo is doing this much longer, Andrea is doing this much longer, Maureen is doing this much longer.

31:36

And there is something to be said about that because it comes with a freedom, but it also comes with this that you have to motivate yourself every day to go get going and to go get going at 9 o'clock. But sometimes you might have a 10 to 10 or a noon to noon or like today I don't want to do anything because it's a nice day and I want to take a walk in the park. So it comes with some freedom, but it also comes with a certain self-discipline obligation towards yourself because at the end of the day you can't sit there and say, well, I didn't achieve this and this goal and you were just enjoying the unemployed part. So you have to give yourself a structure. And I think it's probably people that like it to choose their own structure and not to be much structured from the outside. And sometimes you do sit there and say, gosh, would it be nice to be structured from the outside?

32:30

Of course. Of course you do. And you say, how great would it be like, okay, and then I think after two or three weeks, and again, for me, I would probably find back now in a structured environment much easier. But Maureen says sometimes, I mean, how great would it be if I run a theater or do this, that, and the other, you know, or whatever, you know, or produce film, yeah. So we're talking about the structured environment. So I don't, I don't see the societies in general, you know, I was shocked when in the pandemic art was not treated, I think, the way it should be treated. It was not being looked as being systemic relevant. And I don't know. I mean, something is, is, is, is we're missing something, you know, art can be from watching a cartoon all the way to going to the theater and going to the movies, you know.

33:28

But we all are surrounded every day when we watch television or whatever we do. It doesn't matter which quality level. We're always surrounded by art in a certain way, you know. Art is not only what's being framed and hangs in the louvre. Art is also, can be a terrible TV show for a lot of people that's art because they enjoy it. And that's the whole point. It brings joy to your life. So I'm not sure there's any structures really that can enhance that. But maybe 'm the only one with that opinion.

Maureen Payne-HahnerTheater- und Filmregisseurin

33:59

I disagree. I think there are structures. I do agree with what he's saying, but there are structures. And you figure out those structures. And those structures are, what do I want to do? How am I going to do it? Then you do it the first time as best as you can with other people who are supporting you. And you make sure you get a really great team so you can get a really good product. And then you put that structure in place. And then you say, this is the product of my first structure. Now I need funding from XYZ. And I think it builds in terms of funding for your independent projects. And what I'm having to do now is create my own structure as a freelance, script consultant, coaching, anything.

34:38

Anything in the area of working with actors or working with scripts or what have you. Or even just doing workshops. This is how you get your first film off the ground. Because it's doable. It's all doable. And I think that's the kind of structure I'm looking at. Is that you got to do it first. And do it as best as you can. And then all the other structures fall into place. That's what I'm hoping for. And for you.

Ferdinand LeopolderGründer von drymix.info

35:08

Sag ich mal was sagen? Yeah, yeah. Ich glaube halt, das war diese 9-to-5-Sache oder jetzt das Unemployed-Thema. Ich glaube, es ist wahnsinnig wichtig zu realisieren, dass man immer in irgendeiner Tretmühle steckt. Man macht sie sich halt auch selber und dass es nichts Negatives ist. Struktur ist nicht negativ. Wolfgang Herrndorf hat ein Buch geschrieben, das heißt Arbeit und Struktur. Der stirbt während dem Buch und sagt, dass man die Struktur nicht hat, dann habe ich mich gehen lassen. Das ist das eine, was ich glaube, was wichtig ist. Außerdem haben wir immer eine Diskrepanz, Andrea und ich, von wegen, jetzt müssen wir mal Urlaub machen und so weiter.

35:48

Ich sehe überhaupt keinen Urlaub für mich selber. Ich möchte mich nicht idealisieren. Ich glaube, das tägliche Leben, das ist ein sorgengeplagtes Leben. Du musst an deine Knete rankommen und dann musst du Arbeitslosengeld beantragen und du musst die Zeit rumbringen. Und das macht man normal in einer engeren Struktur und so weiter. Aber ich glaube, auch in dieser Situation, wenn man steckt, kann man sich befreien durch Neugier. Curiosity hast du vorhin auch, glaube ich, gesagt. Also Neugier ist für mich das treibende Element, was jeden aufwecken kann, dass er eben nachfragt, neugierig ist, auch politisch neugierig ist. Und das andere ist, this is an American thing, never stop learning. Ich kenne wirklich viele Senioren, auch Freunde meiner Eltern, die ja zum Teil jetzt gestorben sind, die rausstrahlen, sind die Neugierigen.

36:42

Also die spielen jetzt nicht mehr Neu-Tennis im hohen Alter, aber die haben Neugier in etwas anderem. Und ich glaube, Neugier ist das, was einen auch aus dem Trott rausreißt, was man nichts für selbstverständlich nimmt. Aber es ist für mich immer wichtig gewesen, dass ich erst mal nicht glaube, was gesagt wird.

Nadine RahnerModeration

37:02

Andrea, ist für dich Neugier genauso wichtig?

Andrea FunkTheaterwissenschaftlerin und Autorin

37:07

Ja, ich langweile mich schnell. Also ich weiß nicht, ob ich Neugierig bin, ich mache gerne, entwickle Sachen immer gerne weiter. Das ist es irgendwie, ich mache gerne Sachen zweimal, ungerne.

37:21Andreas Gerdes: Menschen geben mehr Halt als Strukturen

Andreas GerdesKIT Innovation HUB

So, jetzt ist es bei unseren Gesprächen so, dass man sich auch gerne von außen einmischen darf oder seine Kommentare abhängen. Und ich glaube, wenn wir jetzt über das Thema Struktur sprechen, ich bin natürlich Struktur als Beamter, höher geht es ja gar nicht. Der höchste Ordnungsgrad, der möglich ist. Aber auf der anderen Seite, glaube ich, müssen wir auch sehen, dass diese Struktur oft auch eine scheinbare Sicherheit bietet. Und diese scheinbare Sicherheit kann einen dann auch, eben wie du es gerade schon gesagt hast, Leo, in etwas führen, was starr ist, wo keine Bewegung mehr drin ist, wo man wirklich eine Art Zombie ist, der sich da drin bewegt. Und in diesem Augenblick hilft einem die Struktur auch nicht mehr wirklich weiter.

38:03

Wenn man diese Struktur verlässt, und das kann man tatsächlich sogar als Beamter, wenn man das tut, dann merkt man, glaube ich, eins, und das wird euch wahrscheinlich auch so gegangen sein, dass es viel mehr auf die Personen ankommt um einen herum als jetzt mehr auf die Struktur. Die Personen werden entscheidend. Und die Personen fangen an, eben eine Struktur zu entwickeln, obwohl es keine Struktur ist. Und die braucht man, um neugierig sein zu können. Denn wenn man niemanden hat, der einen neugierig macht, hat man sowas nicht. Sie geben einem Sicherheit. Das sieht man auch eben bei euch vieren sehr schön. Und sie zeigt auch eben, was Partnerschaft sein kann. Das ist jetzt so ein bisschen in die anderen gerichtet, die auch zum Teil ein bisschen jünger sind, als wir jetzt hier am Tisch sitzen, dass Partnerschaft nicht unbedingt bedeutet, irgendwie beieinander zu sein, die gleiche Adresse zu haben oder in entsprechenden Dokumenten den gleichen Namen zu tragen, sondern dass die Partnerschaft dann eben auf einer ganz anderen Ebene funktioniert, nämlich sie liefert Sicherheit und sie liefert Struktur. Und diese Strukturen, diese Sicherheit, die wir dann dort bekommen, das ist das, was wir brauchen, damit wir die Neugier tatsächlich auch umsetzen können in etwas, was wahrnehmbar ist und wirklich auch anzufassen ist.

39:21

Und das sieht man bei euch bei beiden Paaren, allen vieren eben sehr schön, wie dort eben diese Interaktion funktioniert, ohne viel Reden, mit einem Blick. Und das ist etwas, würde ich mal sagen, das ist ein Geschenk. Das ist jetzt nicht, was man sich verdient und wo man sicherlich auch oft darüber nachdenkt, dass es ein Geschenk ist. Also deshalb ist es manchmal wichtiger, keine Struktur zu haben und dafür eben die Personen, die um einen herum sind.

Nadine RahnerModeration

39:51

Dankeschön, Andreas. Das war eine sehr schöne Ausführung. Möchte denn jemand von euch bien was dazu sagen?

40:01

Nee, okay.

Ferdinand LeopolderGründer von drymix.info

40:02

Du hast halt ohne viel reden. Also bei uns geht es nur mit viel reden und mit viel Streit. Aber wenn man sich über etwas aufregt, dann fällt einem auch etwas auf. Also wir hauen das schon nicht, aber verbal sind wir nicht schlecht, streckenweise. Also ich finde, das ist alles so harmonisch. Mir ist das zu harmonisch. Man muss dann schon auch die Eckpunkte aushalten, dann muss man eine Zeit lang still sein, aber das sehe ich anders.

Nadine RahnerModeration

40:27

Wie war das? Reibung erzeugt Wärme?

Andreas GerdesKIT Innovation HUB

40:30

Da muss ich jetzt ja gleich darauf antworten, Leo. Natürlich erzeugt Spannung, erzeugt praktisch Potentialdifferenzen, dass es vorwärts geht. Aber egal wie viel ihr euch streitet, und da würde ich mich jetzt sehr täuschen, es gibt irgendeine Grundverbundenheit, die einfach da ist. Und die ist stabil. Wenn das nicht so der Fall wäre, dann würdet ihr eins definitiv nicht tun, an irgendeinem Projekt zusammenarbeiten. Also die ist da. Dass man sich über die Sache streitet, da bin ich bei dir, auch da habe ich eigene Erfahrungen, was das angeht.

41:05

Aber letztendlich diese Grundverbundenheit, die ist da. Die kannst du nicht wegdiskutieren. Oder? Willst du es probieren?

Ferdinand LeopolderGründer von drymix.info

41:17

Ich streite nicht mit jemandem, der mir nicht wichtig ist. Oder wie der Österreicher sagt, wenn das nicht wichtig ist, dann musst du es nicht einmal ignorieren.

41:27Fragen aus dem Publikum: Abschalten, Stolz und Kritik

Nadine RahnerModeration

Gibt es denn noch Fragen aus dem Publikum?

Stimme aus dem Publikum

41:33

Nee, ich habe mich nicht gemeldet. Aber mich würde interessieren, wie man das schafft, wenn man zusammenarbeitet und zusammenlebt, abschalten kann.

Andrea FunkTheaterwissenschaftlerin und Autorin

41:47

Es gibt so bestimmte Signale, da merke ich, der Leo will jetzt in Ruhe Zeitung lesen oder an seinem Computer sitzen und so. Das heißt, in dem Theaterstück von Klaus Mann, ich verreise jetzt mal, sagen die dann, die Protagonisten, das heißt, lass mich in Ruhe. [Passage zum Schutz der Persönlichkeitsrechte entfernt] Und dann muss er seinen Mund halten. Und es hört sich jetzt so ein bisschen hart an, aber ich finde, das ist ein ganz wichtiger Punkt, weil ich brauche zum Beispiel auch manchmal Ruhe und andere will dann irgendwas. Dann muss man, glaube ich, sehr genau aufpassen oder bestimmte Sachen ausmachen.

Stimme aus dem Publikum

42:37

Ja, ich glaube, ja. Ja, ich hatte noch eine Frage und zwar natürlich, man guckt ja auch so ein bisschen immer auf die eigenen Erfahrungen, die man so hat und wie geht man denn damit um, dass man ja in der Partnerschaft auch gerne mal also besonders stolz sein kann auf die Arbeit der anderen Person, aber auch besonders kritisch, also so. Und dass es da trotzdem vielleicht auch einen objektiven Austausch über die Sache hinkriegt und nicht vielleicht auch diesen besonders kritischen Blick. Genau, das hat mich interessiert.

Christoph HahnerChemiker, Berater

43:08

The question is, how can you arrange it within a partnership to be very proud of each other in what you do and at the same time to be very maybe critical with each other in what the other person is doing? How do you get that under one umbrella?

Maureen Payne-HahnerTheater- und Filmregisseurin

43:29

It's okay if I answer this in English to you. I found out when we were dating. I found out way in advance that the deal with me is I'm a creator. [Passage zum Schutz der Persönlichkeitsrechte entfernt] And I think it comes down to logistics, what kind of logistics you share, how you plan things forward. As individuals, but also how you experience life. So if you're passionate, we had similar passions. So I guess with shared logistics plus passion, then you always figure it out.

44:20

That's my answer.

Andrea FunkTheaterwissenschaftlerin und Autorin

44:24

Ich finde, das ist eine sehr interessante und schwierig zu beantwortende Frage, weil ich merke selber, wie ich innerhalb von kürzester Zeit meinen Standpunkt ändern kann. Ich kann sehr kritisch auf irgendwas schauen, was Leo macht. Und dann geht es ganz schnell, dass ich aber auch das ganz wunderbar finde. Also das hängt halt mit dem Inneren, mit dem persönlichen eigenen Inneren. Es hat gar nichts mit ihm zu tun. Es hat eigentlich nur darum, in was für einer Mut ich gerade bin, wie beurteilend oder wie verständnisvoll.

44:53

Das bin eigentlich ich und nicht der andere, glaube ich.

Christoph HahnerChemiker, Berater

45:00

Ich bin nur home jetzt für sechs Monate. Before das, ich war immer immer wieder in die Arbeit. So, living together und working together, yes, aber es war mehr für die Artistic Project. Maureen hat nicht mit mir zusammen, oder hat nicht mit mir zusammen in was ich. So, da ist ein klarer separation. Es ist nicht das, dass sie sich sehr kritisch über, was ich als Executive in eine Chemiker-Kompany. Sie würde sagen, was ihr arbeitet? Was ihr arbeitet? Ist das ethisch? Was das mit sustainability? Are you guys taking care of animals? Das wäre Maureen's driver, das ich sehr empfehle, weil jeder end-consumer in jeder Gesellschaft hat diese Gedanken, nicht nur heute, aber auch für die letzten Jahre, sehr prevalent heute.

45:54

It's more when we work on something like this film or we do a theater production together. Then there is more this like, how do you encourage and how do you criticize? And it cannot be neglected that we also grew up culturally completely different. Germans have a way of criticizing. It can be very harsh. I'm not saying Americans can't be harsh, but they're not on the spectrum as much direct as Germans are. And I really had to learn how I'm going to voice my criticism without hurting. Because for me, it's always about, not about the person at that moment, it's about the factual stuff.

46:47

And so I think that grew together quite all right. And it has become also much less criticizing. It's much more focusing not on the yes but, but more on the yes and. And that gets you actually way further and you don't even have to criticize. But I had to learn that the hard way. Maureen is much more wired like that. Much more.

Maureen Payne-HahnerTheater- und Filmregisseurin

47:10

I lived in New York and there's not a big difference between Germans and New Yorkers.

Christoph HahnerChemiker, Berater

47:15

But that's not the US, it's just New York. So

Maureen Payne-HahnerTheater- und Filmregisseurin

47:18

they're very straightforward. Honest with your opinions. And I like that.

47:25

Dankeschön.

Nadine RahnerModeration

47:26

Ferdinand, deine Sicht auf die Dinge?

Ferdinand LeopolderGründer von drymix.info

47:29

Es ging ja um das Wort Stolz eigentlich. Und das ist die Währung, glaube ich, die für jeden am wichtigsten ist.

47:38

Ich bin auch stolz, in der Kabelmetall damals, habe ich gearbeitet an so einer Presse als studentische Hilfskraft und habe dann tatsächlich den Schnitt geschafft vom Akkord. Da war ich da auch stolz drauf. Das Geld, vielleicht kann man stolz sein, man hat besonders viel Geld verdient, aber das ist sehr vergänglich, weil es nämlich dann keine Zinsen bringt und dann ist Inflation drauf und was weiß ich, da kann man bloß noch Angst kriegen, dann gibt man das bisschen Geld her und dann zahlt man sein Leben lang am Haus ab. Das Geld bringt dann nichts. Stolz kann man dann sein, zum Beispiel wenn das Haus dann ökologisch Selbstversorger ist, da kann man Spaß dran haben, weil es cool ist oder so. Und das Gleiche gilt auch für künstlerischen Erfolg oder auch organisatorischen Erfolg. Da gibt es halt gute oder schlechte Veranstaltungen. Und ich glaube, es ist immer wichtig in der Partnerschaft, das war bei uns immer so, wenn nichts auszusetzen war, dann ist man schon stolz gewesen.

48:36

Aber wenn was zu lernen war, ist man eigentlich noch happier. Also ich finde eher das Verständnis von dem gegenseitigen Arbeiten, weil wir machen wirklich komplett andere Sachen, der Andrea und ich. Das hat vorhin sich vielleicht zu angreifen, als ob wir alles zusammen machen. Das stimmt nicht. Ich glaube, der Stolz ist die Währung. Wirklich wahr. Und wie man gesagt hat, wenn man Abitur geschafft hat, kannst du jetzt stolz drauf sein, dass du da durch bist mit 2,7 oder so. Und das ist die Währung für uns alle. Und das hat natürlich in der Partnerschaft mit Respekt zu tun, mit Beobachtung, was vielleicht andere gar nicht gemerkt hat. Also jetzt das Publikum in dem Sinn, dass das wirklich besonders gut war. Da sagt man sich dann selber, dass es besonders gut war.

49:17

Ich hoffe, ich habe das beantworten können.

49:21Tipps für eine lange Partnerschaft

Ferdinand LeopolderGründer von drymix.info

Dankeschön. Gibt es sonst noch Fragen aus dem Publikum? Ja, wir waren ja jetzt schon bei Verständnis und Stolz und wie man dann Respekt, genau eigentlich solche Zutaten, die in so eine erfolgreiche Beziehung vielleicht so reingeworfen werden sollten und dann zusammen umgerührt. Jetzt zum Abschluss würde ich gerne von euch wissen, so ein Tipp, wie man denn so eine Beziehung in so einer Konstellation gut führen kann, dass das halt auch so ewig hält. Also vielleicht auch zum Thema Aushandlungsprozesse. Wer möchte nachher anfangen?

Christoph HahnerChemiker, Berater

49:57

She likes to have one good hit in the advice how we can actually, how we manage to be so long together and so healthy and so on and so forth. I'm not going to start.

Ferdinand LeopolderGründer von drymix.info

50:12

Ich kann nur gleich etwas Einfaches sagen, was auch mit Struktur zu tun hat. An die jüngeren Anwesenden kriegt Kinder. Das hilft strukturell extrem. Vielleicht kriegt sie zu dem Zeitpunkt, wo er sich so gut vertragt, dass er die ersten paar Jahre übersteht. Aber dann, ich habe das erst sehr spät. Ich bin der Großvater meiner Kinder sozusagen. Ich habe das erst sehr spät kapiert. Das bringt eine tolle Struktur und das wäre mein Tipp. Kinder kriegen und Spaß daran haben.

Christoph HahnerChemiker, Berater

50:34

Dann mache ich gleich, ja. I'd say live and let live.

50:40

Besides the fact that it is our daughter's name. So live and let live, I think is very important and show a true interest in what your partner does. There's this like, well, you know, there's this sometimes maybe that superficial, well, how was your day? Well, this and this and this and you don't really know what someone is doing and I think it's important that you are deeply interested in what the other person is doing and if you want to then do something together, it's inevitable. You have to kind of have an interest. I did not come from art. I would say my big bridge to cross was creativity because my big thing is innovation and Maureen, being an innovator in her own world, that was very inviting and very inspiring for me and I was more than happy to cross that creativity bridge but I had to learn everything about what she's doing from the bottom. I mean, I loved musicals at some point in time.

51:41

Maureen hates musicals so I ditched musicals. I'm not even watching them anymore but at the same time, it was for me, a world opened up, her world opened completely up to me and if you show that deep interest and have fun with it and see then, oh yeah, that's innovative or I often find myself saying, well, your business, your theatrical or film world could be sometimes a little bit more innovative and we have a conversation about that so there's a lot of touch points and for me the commonality, the bracket is the creativity and curiosity, what Leo said earlier if you're intrinsically curious and motivated to do new things and deeply, deeply interested in what the other person is doing then I think not only for us, I think that works in any partnership.

Nadine RahnerModeration

52:40

Thank you. Who wants to continue? Maureen?

Maureen Payne-HahnerTheater- und Filmregisseurin

52:52

Good food, good wine sharing things you like together we love being out in the outdoors we love film, we love analyzing film we love a lot of the same things I think that's where it starts and then the rest is gravy so you better laugh because you're going to need to Andrea?

Andrea FunkTheaterwissenschaftlerin und Autorin

53:14

Ja, Kinder geben Struktur aber Kinder, also für mich ich habe natürlich auch dadurch ganz klar Zeit verloren muss ich ganz ehrlich sagen wenn ich heute nochmal Kinder hätte würde ich mir professionelle Kinderbetreuung suchen das kann ich nur allen jungen Müttern empfehlen und dann sollen sie bitte weitermachen mit ihrem beruflichen Zeugs weil das kostet ich habe es gern gemacht, ich bereue es nicht aber es hat halt Jahre gekostet ansonsten würde ich sagen was sie alle sagt schauen wo der andere hin will und ihn unterstützen dieses yes and finde ich unheimlich gut also nicht yes but, sondern yes and und den anderen und wenn der das dann auch tut dann ist ja alles best da kann ja nichts passieren

Nadine RahnerModeration

53:57

vielen Dank für den interessanten Austausch mit euch

Maureen Payne-HahnerTheater- und Filmregisseurin

54:02

danke dir

Fotos von diesem Tag · 1. Oktober 2022

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