Gespräch · · 1:04:36
„Urbaner Metabolismus – Strategien für die Kreislaufstadt“

Mitschnitt · 1:04:36 · 11 Kapitel
Kapitel 1 von 11Norina Quinte stellt den Abend vor
Janosch Ottenschläger
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Norina Quinte stellt den Abend vor
Janosch Ottenschläger0:00 / 1:04:36
Sprecher:innen
- Janosch Ottenschläger · sprichtArchitektRedeanteil 84 %
- Norina Quinte · sprichtModeration, atoRedeanteil 5 %
- Stimme aus dem Publikum · sprichtRedeanteil 1 %
Kurzfassung
Der Architekt Janosch Ottenschläger stellt seine Arbeit zum urban-ruralen Metabolismus vor: Stadt- und Landkreis Karlsruhe als Kreislaufregion, in der Materialien vor Ort bleiben und immer wieder neu genutzt werden. Im zweiten Teil zeigt er einen realutopischen Entwurf, der den Karlsruher Rheinhafen bis 2050 zu einem gemischt genutzten Stadtteil und Herz der Kreislaufstadt macht. Moderation: Norina Quinte (ato).
Veranstaltung: Urbaner Metabolismus – Strategien für die Kreislaufstadt
Transkript
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0:00Norina Quinte stellt den Abend vor
Norina QuinteModeration, ato
... abgeschlossen und im Fachbereich Architektur und Stadtplanung – nein, ja, Architektur und Stadtplanung – und das Interessante ist, dass er sich auch sehr praktisch – können wir den Ton noch ausmachen? Cool – dass er sich sehr praktisch mit dem Rheinhafen auseinandergesetzt hat, als vielleicht auch Prototypen einer Kreislaufstadt. Ich weiß selber noch gar nicht so viel mehr als ihr, aber freue mich, das jetzt zu hören. Am Samstag werden wir da auch nochmal mit dem, was wir heute erfahren, in Diskussion gehen. Da geht es um das Thema Hafengestalten, also ganz konkret Karlsruher Rheinhafen, wer sind die Akteur:innen, was ist eigentlich im Hafen los? Keiner weiß zum Beispiel, dass es der zweitgrößte Binnenhafens Europas ist. Das haben wir auch alle erst in den letzten Wochen miteinander gelernt hier vor Ort.
Ich freue mich sehr auf den Vortrag und auf die Fortführung der Gespräche, sowohl heute, bis wir ja auch im Anschluss noch verfügbar für Fragen und auch am Samstag dann in gemeinsamer dialogischer Runde. Vielen Dank, dass du da bist. Ich freue mich sehr.
1:09Ein Vortrag in zwei Teilen
Janosch OttenschlägerArchitekt
Super. Vielen Dank, liebe Norina, für die Einführung. Ja, um den Abend jetzt auch nicht zu sehr mit Systemtheorie zu verbringen, habe ich den Vortrag so ein bisschen zweigeteilt. Es geht einmal quasi um diesen kryptischen Titel des urban-ruralen Metabolismus und im zweiten Teil dann mehr oder weniger um den Rheinhafen selbst, weil das war nämlich mein Beispiel oder mein Ort, an dem ich das ganze Experiment der Stoffkreisläufe ausprobiert habe.
Und genau was daraus geworden ist, das möchte ich euch heute zeigen und ich freue mich, dass ihr den Weg an diesen wunderschönen Ort gefunden habt, der in Karlsruhe doch leider recht unbekannt ist und auch für Fremde, die oftmals gar nicht wissen, dass hier der Rhein überhaupt entlang fließt oder eigentlich sprichwörtlich vorbei fließt. Genau, und das ganze Thema mal so ein bisschen auch von einer ganz anderen Ebene zu beleuchten, genau, da habt ihr jetzt heute Abend die Möglichkeit und Thema Beleuchtung trifft es, glaube ich, ganz gut.
Man sieht es an der geografischen Ausrichtung, dass jetzt die Abendsonne hier so schön hereinscheint und ja, ich denke, wir starten jetzt einfach und ich hoffe, dass man das meiste sieht und ja, vermutlich die Sonne wird sich wahrscheinlich senken, dann wird das wahrscheinlich mehr oder weniger ausgeleuchtet sein.
Vielleicht hilft es sogar diesen, ich weiß nicht, kann man das runter machen, diese Folie, das sieht dann zwar ein bisschen unschön aus, super, vielleicht hilft es ja an der einen oder anderen Stelle, auf jeden Fall fange ich schon mal an.
Genau, es geht zunächst um ein Zitat von Alexander von Humboldt, der gesagt hat, die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die Weltanschauung der Leute, welche die Welt nicht angeschaut haben und ich habe mir auf Grundlage des Zitats vorgenommen, besonders genau hinzuschauen und in einem besonderen Blickwinkel auch auf die Welt zu schauen, beziehungsweise auf verschiedenste globale Veränderungen.
Ich möchte euch zuerst ein bisschen was zu dem damaligen Anlass erzählen, der heute genauso dringlich ist wie damals. Der zweite Teil ist sozusagen der, oder der nächste Teil, der Hauptteil der Systemtheorie und wie das Ganze seine Umsetzung findet, unter anderem am Beispiel des Landkreises Karlsruhe und dann genauer noch hier am Rheinhafen ist dann der dritte Punkt. Und zum Schluss lade ich euch ja auch zu einer kleinen Diskussionsrunde ein. Da dürfen wir natürlich mit Fragen löchern und auch Dinge, die vielleicht ein bisschen unklar geblieben sind oder unscharf, können da nochmal beleuchtet werden.
5:06Warum Ressourcen knapp werden
Janosch OttenschlägerArchitekt
Genau, also was waren damals schon die Beweggründe? Die Beweggründe waren einerseits, leben wir in so einer globalisierten Welt, die sich sozusagen von verschiedensten Seiten verschiedene Ressourcen nimmt, an andere Orte bringt und dort verarbeitet.
Wir haben sozusagen den Fall auch, dass die Wirtschaft sich vorrangigen endlichen Ressourcen bedient, die eigentlich in naher Zukunft schon gar nicht mehr zur Verfügung stehen werden.
Und besonders auch durch meine Expertise aus dem Bauwesen spielen die Ressourcen eine ganz besondere Rolle und die globale Ressourcenknappheit und die damit verbundenen Herausforderungen sind vorrangig auch die Probleme, mit denen sich die zukünftigen Generationen beschäftigen werden müssen. Was man jetzt vielleicht nur ganz leicht unten sieht, es gibt sozusagen tägliche Erdbewegungen weltweit und das sind Erdbewegungen, die eigentlich, also die Zahl verdeutlicht das sehr, die ist quasi dreimal so hoch durch Menschenhand sozusagen bewegte Erde, die dreimal so viele Tonnen in Gang setzt wie natürliche Kräfte.
Und wir haben sozusagen ja auch, wir hinterlassen ja unseren Footprint an vielen Stellen, sowohl an der Stelle, wo wir Ressourcen entnehmen, aber auch wo wir Ressourcen verbauen und beziehungsweise einsetzen. Also vor allem eben in der gebauten Struktur.
Und eine weitere Komponente, die sich sozusagen auch auf diesem Spannungsfeld zeigt, ist eigentlich die zeitliche und räumliche Dimension sozioökonomischer Verflechtung von Urbanisierung. Also in einem Stadtgebiet sind wir sozusagen einem ganz komplexen Spannungsfeld ausgesetzt. Und insbesondere die Gesellschaften oder die Kulturgesellschaften, die sich darin ausbreiten, leben sozusagen von diesen ganzen Veränderungen und haben oder müssen mit den Veränderungen leben, aber haben gleichzeitig auch die Möglichkeit, ihre eigene Umgebung mitzugestalten.
Wie man in diesem, ich hoffe, man erkennt das einigermaßen, das ist sozusagen eine Stadt komprimiert in eine kleine Kugel und das ist für mich auch so ein bisschen immer so eine Symbolik, die sich sozusagen mit dieser ganzen Konzentration dieser Verflechtung auf kleinster geografischer Ebene auseinandersetzen muss.
8:25Städte verhalten sich wie Parasiten
Janosch OttenschlägerArchitekt
Es gibt so eine kurze Definition, mehr oder weniger kurz, zum Thema urban-ruraler Metabolismus, die ich kurz mal vorlesen möchte. Städte verhalten sich parasitär gegenüber ihrer Umwelt. Sie erzeugen mittels der über die Versorgung der in ihnen versammelten Menschen einen eigenen Organismus, der zwar in globale Stoffkreisläufe eingebunden hat, sich aber von seiner Umgebung, sprich Land, Wasser, Luft und lokalen Ressourcen ernährt und seine Ausscheidungsprodukte in der Umwelt ablädt. Die materiell-energetischen Austauschprozesse von Städten wälzen überkommende agrarische Strukturen um, greifen tief in natürliche Reproduktionsprozesse ein und treiben den Klimawandel weiter an.
Es fehlt nicht an Wissen über nachhaltige Produktion und umweltverträgliche Stoffkreisläufe, über Modelle selbstgenügsamen Wachstums und Konsums, über alternative Formen der Energiegewinnung und energiesparenden Bauens. Woran es fehlt, sind Realutopien, welche die Vielzahl von Aspekten, die in den städtischen Stoffwechsel hereinspielen, zu ganzheitlichen Konzepten und Modellen integrieren und den Spielraum des Machbaren aufzeigen.
Und so sehe ich auch so ein bisschen meine Arbeit, nämlich eine real utopische Betrachtung, die eigentlich, wie der Name eigentlich auch schon sagt, eigentlich ein Paradoxon ist. So real auf der anderen Seite, weil sie uns ständig umgibt und so utopisch auf der anderen, weil sie einfach, wie man jetzt auch gleich sehen wird, einerseits ziemlich komplex ist und sozusagen auch die Grenzen des Vorstellbaren auch überschreiten muss, um sich gewissen Dingen aus einer anderen Perspektive, aus einer anderen Sichtweise zu nähern.
Das Bild soll einerseits zeigen, dass es quasi so eine globale Verflechtung gibt, der wir unausweichlich ausgesetzt sind.
Und der Ansatz, den ich verfolgt habe, jetzt auch im Hinblick auf eine Stadtgestaltung oder auch eine Stadtplanung, eine Regionalplanung ist sozusagen, sich einem Organismus zu widmen, der insbesondere aus diesem Spannungsfeld, nämlich dem Stadt-Land-Organismus besteht und sich sozusagen auch an einem natürlichen Vorbild orientiert.
11:21Die Zelle als Vorbild für Stadt und Land
Janosch OttenschlägerArchitekt
Das natürliche Vorbild ist quasi eine Zelle oder der Typus der Zelle, die sich dann in verschiedene Zellgrößen aufteilt. Es gibt sozusagen immer den Zellkern und es gibt das Zellplasma, das ist sozusagen die Einbettung oder das, was die Zelle an sich umgibt und die lässt sich dann wiederum aufteilen in verschiedene Größenordnungen, also in der Parzelle. Die Parzelle kennt man sozusagen aus der Stadtplanung, die ist quasi ein Grundstück mit einem Haus drauf, plakativ gesagt, und das lassen sich verschiedene Dinge, wie die Mikrozelle, die eine Siedlung beinhaltet, oder die Superzelle, wie ich sie genannt habe, mit der Stadt sozusagen beschreiben.
Und dabei hat immer die Stadt eine gewisse Strukturfunktion, also sie ist sozusagen ein Zentrum und das umgebende Land übernimmt dabei die Schutzfunktion, ist die Hülle und damit ist immer die Stadt eingebettet in eine landschaftliche oder eine agrarische Umgebung und übernimmt sozusagen die, ja, so ein bisschen diese Pufferung und wie das Ganze genau aussieht, zeige ich euch im Folgenden.
Zunächst ging es mir darum, auch von eben diesem globalen Handeln oder globalen Wirtschaftsweisen auch mal eine komplette Umkehrung anzustreben und zwar ist es sozusagen, dass es kein lineares Handeln gibt, also dass ich sozusagen, wenn ich einen bestimmten Prozess auslöse, der sich an einem ganz anderen Ort auf der Welt irgendwo niederschlägt, sondern dass sozusagen der Handlungsimpuls immer wieder zu mir zurückkommt oder zu dem jeweiligen Ort sozusagen von einer konzentrischen Wirkung zu einer exzentrischen Wirkung wird und dadurch einerseits ein Bewusstseinswandeln ausgelöst werden soll, aber auch eine Auseinandersetzung beispielsweise mit der Materie selbst, die wieder zu einem zurückkehrt.
Und eben dieses Geflecht ist sozusagen jetzt am Beispiel des Landkreises Karlsruhe und des Stadtkreises Karlsruhe mal ausprobiert worden. Das ist quasi auch eine theoretische Arbeit darüber entstanden, die ich jetzt in der ganzen Komplexität heute Abend nicht vorstellen kann.
Dennoch möchte ich euch das, was grafisch dazu entstanden ist und was so ein bisschen den Kern auch symbolisiert, zeigen.
14:45Fünf Dimensionen für eine neue Weltanschauung
Janosch OttenschlägerArchitekt
Zunächst ging es mir darum, auch in einer gewissen Weise eine eigene Weltanschauung zu entwickeln. Und die Weltanschauung, die ich mir da vorgestellt habe, führte zu dem ersten Impuls, sich von bestimmten Handlungsweisen und Denkweisen zu lösen und neue Vorstellungskräfte einzuführen. Die habe ich unter anderem Dimensionen genannt und die teilen sich in fünf Dimensionen auf. Über jedes der Dimensionen ist ein eigenes Kapitel entstanden. Ich möchte die nur kurz hier nennen. Es beginnt eigentlich mit der fünften Dimension der Kultur- und Wertegesellschaft, in der ein ganz wichtiger Effekt oder von dem ich mir einen ganz wichtigen Effekt versprochen habe als Grundlage, nämlich einem kompletten Bewusstseinswandel. Dann gibt es die vierte Dimension.
Die nennt sich Ressourcenkataster und Wissensanwendung. Da geht es eigentlich um eine Überlagerung des physischen und virtuellen Organismus, der es ermöglicht, eine ganz neue Verflechtung von den Dimensionen, die danach folgen, beziehungsweise auch der fünften Dimension, zu veranschaulichen. Also nämlich über das Wissen, was wir über Jahrzehnte lang bereits gesammelt haben und sozusagen, indem wir das kombinieren mit anderen Einflüssen, es sich komplett neu konfigurieren lässt.
Die dritte Dimension, und da wird es dann schon räumlicher, ist sozusagen auch 3D. Also das ist sozusagen das Physische, alles, was uns an Materialien, an Ressourcen gibt. Und insbesondere deren Umgang damit. Die zweite Dimension ist davon abgeleitet, ist dann die Flächentypologie und Funktion. Also eine Fläche, die in dieser Vorstellung immer eine gewisse Funktion erfüllt. Nämlich die Funktion auch für die Zelle. Oder die übergeordnete Zelle, besser gesagt. Und die erste Dimension ist wahrscheinlich die, die das Ganze überhaupt zum Leben erwecken kann.
Oder zum Laufen bringt oder am Laufen hält. Das ist dann die Infrastruktur und die sich damit verbindende Logistik.
Hier mal das Symbolbild des Untersuchungsgebiets.
Ich habe mir damals zwei Thesen aufgestellt und anhand dessen versucht, über bestimmte Einflüsse der Dimensionen auch neue Konzepte zu entwickeln, die sich unter diesem Titel urban-ruraler Metabolismus dann zusammenfassen lassen.
18:04Karlsruhe als Vorreiter der Kreislaufgesellschaft
Janosch OttenschlägerArchitekt
Die erste These ist, der Stadt- und Landkreis Karlsruhe nimmt die Vorreiterrolle als Triebfeder der Kreislaufgesellschaft ein und nutzt dabei die Vorteile hinsichtlich gebündelter Ressourcen auf geringer geografischer Gebietsebene.
Es gibt sozusagen übergeordnet schon Rahmenbedingungen, die ich nutzen möchte, um sozusagen dieses Geflecht mal zu visualisieren. Und da hat sich insbesondere der Rheinhafen, der Landkreis Karlsruhe und die Stadt Karlsruhe besonders gut geeignet, also dass die Vorauswahl ist sozusagen nicht in der Theorie erst entstanden, sondern die war von Anfang an da, weil ich so ein bisschen das Gefühl entwickelt hatte, das könnte da ganz gut funktionieren.
Es ist jetzt sozusagen aufgebaut, auch nach den Dimensionen, insbesondere den räumlichen Dimensionen, die sich mit einer Analyse auseinandergesetzt hat und eigentlich majoriert hat, in was für einer tollen infrastrukturellen Umgebung wir uns eigentlich befinden.
Also es gibt eigentlich maximal im Landkreis noch ein Drittel der Flächen, die wirklich schlecht angebunden sind, in Anführungszeichen.
Und hingegen durch dieses super ausgebaute Schienennetz sich viele Bereiche im Hinblick auf Stoffkreisläufe, auf Personenkreisläufe, wenn man es so nennen mag, eignen.
Es gibt sozusagen auch flächenbezogene Rahmenbedingungen für Stoffkreisläufe. Das sind quasi die Flächen selbst, die zur Verfügung stehen und die teilen sich auf in ein Zehntel an überbauter Fläche, knapp der Hälfte an agrarischen Flächen und circa einem Drittel an Waldflächen.
Ein Ziel war da, die Zuordnung vorzunehmen, zumindest übergeordnet, für bestimmte Funktionen. Einerseits die Funktion der Fläche, andererseits auch die Funktion, die sich nachher mit einer gewissen Art der Verarbeitung auch auseinandersetzt.
Und das ist quasi auch in verschiedenen Zellkategorien dann erfassbar.
An Ressourcen ist eigentlich ganz interessant, das habe ich mal versucht insofern zu visualisieren, dass es agrarische Erzeugnisse gibt, forstwirtschaftliche Erzeugnisse und sekundäre Rohstoffe. Und ein vielleicht wichtiger Aspekt, der nochmal an der Stelle zu nennen ist, ist das Bild, was ich vorhin gezeigt habe mit der Glasglocke über Karlsruhe und dem Landkreis, ist sich sozusagen nicht mit äußeren Einflüssen auseinanderzusetzen, sondern wirklich den Fokus auf dieses Gebiet zu lenken und mal zu untersuchen, was steht uns denn eigentlich fiktiv zur Verfügung oder vielleicht auch zukünftig nur noch zur Verfügung, weil wir irgendwann unsere primären Rohstoffressourcen erschöpft haben.
Und dabei ist das jetzt ein Materialeintrag, also der setzt sich quasi zusammen aus der Statistik des Bundesumweltamtes, die besagt hat, dass circa 50 Milliarden Tonnen an Sekundärrohstoffen seit 1950 in ganz Deutschland importiert wurden, also wirklich nicht eigene Ressourcen sind, sondern wirklich von anderen Ländern, von anderen Kontinenten stammen. Und das, quasi runtergebrochen auf die äquivalente Einwohnerzahl oder auf die etwaige Fläche, entspricht eben diesen 500 Millionen Tonnen an Sekundärrohstoffen, die uns theoretisch zur Verfügung stehen.
Also was bedeutet das? Das bedeutet, dass sozusagen diese Ressourcen eigentlich visualisiert werden müssen. Also sie müssen eigentlich sichtbar gemacht werden, um sozusagen darauf zurückgreifen zu können, wenn sie dann aus ihrem Bestimmungskontext entrissen würden.
Und ein wichtiger Aspekt ist sozusagen die Dezentralisierung oder eine Art dezentrale Organisation, die sich immer damit auseinandersetzt, diese Ressourcen immer wieder aufs Neue zu reaktivieren und zu reorganisieren. Und damit erst bauen sich zirkuläre Beziehungen auf und ermöglichen Stoffkreisläufe.
Die konzeptuelle räumliche Transformation hat sich dann insofern zusammengesetzt, dass es diese Stoffe eben gibt, die sich fiktiv zumindest immer innerhalb des Landkreises befinden oder des Land- und Stadtkreises und sozusagen immer einer neuen Bestimmung zugeführt werden. Darüber hinaus gibt es Funktionen, die die lebensnotwendigen Organe der Kreislaufstadt darstellen.
Und es gibt sozusagen ein pulsierendes Netz, was sich insbesondere mit dem Transport und der Logistik auseinandersetzt, um diese Ressourcen überhaupt wieder zu reorganisieren. Und da liegt das Herz nicht ganz zufällig auf dem Rheinhafen, weil sich dann dort auch später in einem städtebaulichen Entwurf widerspiegeln sollen, wie so eine Struktur aussehen könnte.
Hier ist auch nochmal so ein bisschen diese Vielschichtigkeit und damit auch Komplexität irgendwo dargestellt, die sich so mit einer ganz kompletten oder dem Versuch auseinandersetzen sollen, was dann Zirkularität bedeutet. Die Zirkularität verschiedenste Akteure immer mit einbezieht und verschiedenste Dimensionen damit auch und damit so ein ganz, oder in meinen Augen zumindest, ein ganz engmaschiges Netz insbesondere aufbauen soll, was Stoffe zirkulieren lässt.
Das hat zum Beispiel zu tun mit der sortenreinen Materialtrennung bei dem Rückbau.
Das hat mit dem dezentralen Warenumschlag zu tun.
Das hat mit der Lagerung und Identifikation von Materialien zu tun und mit lokaler Energieerzeugung und Speicherung.
Damit bildet dieses Geflecht oder dieses Konstrukt die Verflechtung der anorganischen Kreisläufe dar.
Das Ganze lässt sich auch für organische Stoffe vollziehen. Der Ansatz war damals, dass es zwei Handlungsanweisungen gibt, die sich einerseits mit anorganischen Stoffen auseinandersetzen und einerseits mit organischen.
Das Geflecht überlagert sich im Prinzip aber und ist rein durch die Nutzbarkeit oder durch die Möglichkeiten der Nutzung, die wir heute vielleicht noch oder wahrscheinlich noch überhaupt nicht in ganzer Fülle erforscht haben, setzt sich das hier analog zu den anorganischen Kreisläufen fort.
Also auch hier geht es um die Redistribution von organischen Abfällen, der Rekultivierung von Nährstoffen und einer lokalen Kaskade von Lebensmitteln. Also auch immer diesem Willen, diese hundertprozentige Verwertung und Verwendung von Ressourcen anzustreben.
27:46Der Rheinhafen als Herz der Kreislaufstadt
Janosch OttenschlägerArchitekt
Und das leite ich mich wiederum zu meiner zweiten These und damit wird es schon hier am Ort konkreter.
Nämlich, dass der Rheinhafen im Sinne der Kreislaufstadt die Vorreiterrolle eines nachhaltigen, gemischgenutzten, attraktiven Stadtteils einnimmt und die Transformation zu einem Innovationsstandort hinsichtlich der Kreislaufwirtschaft erfährt.
Ich habe mir dabei hier aus der Luftperspektive ein Gebiet abgegriffen. Das ist aufgeteilt in ein erweitertes Betrachtungsgebiet und ein integriertes Betrachtungsgebiet. Das Erweiterte nimmt hauptsächlich die Freiraumbereiche rund um das Hafengebiet mit ein. Denn die spielen eine ganz wichtige Rolle.
Die grüne Membran, so habe ich es genannt, ist auch diese Einbettung. Und man sieht jetzt, das was ich vorhin mit der Zelle bzw. dem Zellkern und dem Zellplasma erklärt habe, das findet sich hier auch räumlich wieder, nämlich dass ich eine Einbettung habe eines mehr oder weniger überbauten Gebietes im Zusammenhang mit einer landschaftlichen Zone.
Die integrierte Betrachtung war da ein bisschen ernüchternd, denn die meisten Flächen sind nämlich versiegelt und 90 Prozent der Uferzonen sind auch unzugänglich.
Gleichzeitig gibt es auch eine mikroklimatische Besonderheit, nämlich die Wasserflächen, die für die oberflächliche Kühlung relevant sind. Und eine hervorragende Infrastruktur, die bereits existiert und leider auch gar nicht mehr in voller Gänze genutzt wird. Aber es gibt in dem Gebiet, das circa, ich glaube, von unserem Punkt bis zum Rhein sind das circa 2, 2,5 Kilometer. Und das Schienennetz erstreckt sich allerdings auf 40 Kilometer.
Und eine Besonderheit, die natürlich auch vorwiegend der Industrie geschuldet ist, sind die Nutzungsdiversitäten im stoffverarbeitenden und stoffaufbereitenden Gewerbe. Und hier sind eigentlich schon viele Akteure, die auch für die Funktionsfähigkeit in der Kreislaufstadt relevant sind, verortet. Und deshalb war das auch ein großes Argument für mich, diese Vielschichtigkeit einerseits zu untersuchen, zu erfassen und gewissen Gegenspielern auch gegenüberzusetzen, die sich unter einem städteplanerischen Aspekt eigentlich auseinandersetzt.
Und für eine Besonderheit der Funktionsfähigkeit auch beitragen soll.
Eine morphologische interessante Begegnung, möchte ich es mal nennen, ist natürlich die, dass sich auch eine gewisse Energieinfrastruktur durch eine besonders hohe Bebauung auswirkt. Und wie man später sehen wird, möchte ich denen auch gewisse Gegenspieler gegenüber setzen, die eigentlich sozusagen in diesen ganzen Wirkungsbereich eingreifen und sich behaupten sollen.
Also es gibt sozusagen ein großes Spannungsfeld eigentlich drumherum in Bezug auf die Grünen beziehungsweise die Freiraumbereiche, die einerseits klimatische Auswirkungen haben, also positive Auswirkungen und sozusagen dieses ganze Hafengeflecht schützen beziehungsweise auch den Dialog ermöglichen oder ermöglichen könnten, die umliegenden Stadtteile mit einzubeziehen.
Und insbesondere ist natürlich die Uferzone und der Bereich um die ganzen Landzungen bietet natürlich eine hervorragende Qualität, eine Aufenthaltsqualität, unter anderem die sich, wenn man jetzt mal den Blick zurücklenkt, auch einem ganz besonderen Licht erscheinen lässt. Und für mich haben sich da unheimlich viele Perspektiven ergeben und Potenziale, die sich eigentlich über das ganze Gebiet erstrecken, mehr oder weniger.
Und das zentrale Thema ist natürlich die Öffnung. Und die Öffnung nicht nur planerisch, sondern auch der Gesellschaft. Nämlich es gibt auch gewisse Themen, die Überlagerung der Produktion mit Wohnen etc., die natürlich in einem besonderen Spannungsfeld stehen, nicht zuletzt durch gewisse Vorschriften und Normen.
Und die habe ich erst mal beiseite gelassen, weil ich denke, es gerade bei einer Realutopie oder einer utopischen Betrachtung auch, sollte man über die Grenzen des Machbaren hinausgehen und sollte sich eigentlich eher visionär und offen gegenüber einer Struktur, also einer historisch gewachsenen Struktur insbesondere, vielleicht auch einer gewissen Art der Verhärtung widmen und öffnen.
Und es gab so drei, würde ich sagen, drei übergeordnete Zielstellungen. Das eine ist eben so ein bisschen diese Makrozelle, die sich als Rheinhafen auch als eigener Stadtteil nachher entwickelt und eben eingebettet ist.
Und ein besonderes Netzwerk Rheinhafen, das Nutzungseinheiten ausbildet, immer in dem Hintergrund, dass sozusagen eine gewisse Funktion gefunden wurde über die relevanten Funktionen der Kreislaufstadt und wie so ein Puzzle sich immer neu konfigurieren können, sich neu zusammensetzen können, je nachdem, was eben der Bedarf ist für die Funktionsfähigkeit. Und die Intermodalität ist sozusagen auch im städtebaulichen ein bisschen das Thema der Fortbewegung des ÖPNV, des individuellen Nahverkehr. Und für diese neue Perspektive war es unter anderem sehr einfach, bestimmte Dinge, wie man sie heutzutage machen würde, umzudrehen. Sehr passend.
Denn einerseits geht es um einen hohen Grad der Reaktivierung der Gleise.
Und verschiedenen Netzen, die sich da auch wieder überlagern. So war eigentlich die Ausgangslage, dass sich insbesondere über die Schieneninfrastruktur noch viel mehr lösen lässt. Sie bietet eigentlich schon das Potenzial, um Menschen an bestimmte Orte hier im Hafen zu bringen.
Normalerweise würde man ja in einem gewissen Planungsgebiet zunächst mal Straßen bauen und da sozusagen ein Idealbild auch zeichnen der Flächenaufteilung beispielsweise und sich dann anhand dessen dann Straßen abbilden oder sonstige Infrastrukturen. Und da das ja hier schon alles da ist, muss man da auch gar nichts groß bauen, sondern vielleicht viel mehr elektrifizieren. Aber ansonsten ist sozusagen die Ausgangslage schon perfekt.
Und so ein bisschen sind jetzt diese natürlichen Einflüsse, die die Arbeit auch hat, tauchen immer oder waren auf der Versuch, sich blicken zu lassen im Sinne beispielsweise des Wachstums, und zwar des Wachstums von Gebäuden. Nämlich auch, dass sich eine gewisse flexible Struktur einbetten lässt, die sich neben denen, die vielleicht sich für immer implementiert fühlen, die Möglichkeit lässt, eben des Austausches und vielleicht auch einer gewissen gesellschaftlichen Konfrontation oder auch einem gesellschaftlichen Wandel beugen kann.
Und die Definition von Nutzungseinheiten ist dann wieder die Verkleinerung eigentlich der komplexen Organe und die sind jetzt, wie man so ein bisschen in der unteren Zeichnung erahnen kann, anhand der Bestandssituation analysiert und womöglich eigentlich auch erhalten worden. Und sie werden später eigentlich nur überführt in eine neue Funktion, nämlich eine Funktion, die elementar mit der Funktionsfähigkeit der Kreislaufstadt zu tun hat.
Und somit dreht sich die lineare Wirtschaftsader des Rheinhafens um und es beginnt sozusagen der Motor der Kreislaufstadt zu brummen. Und vielleicht an der Stelle auch nochmal gesagt, also die Kreislaufstadt lebt nicht nur von der Stadt selbst, sondern eben auch von ihrem Umland.
Und so war sozusagen die Ausgangslage, also man sieht jetzt hier unter anderem die neue Kontur, ich habe die Folien jetzt übersprungen, also die neue Kontur des Stadtteils Rheinhafen, der sich auch von Mühlburg löst, weil sozusagen diese Verbindung über so eine ganz schmale, ich weiß nicht, wer es kennt, aber ich glaube, wir haben auch einen Stadtplan hier, da ist es vielleicht eingezeichnet. Genau, kann man nochmal gucken, wie das heute ist. So ein bisschen an so einer kleinen Linie gehalten wird und sich so vielleicht auch so ein bisschen dranklammert und jetzt ist es aber ein eigener prominenter Stadtteil.
39:35Eine neue Identität für den Rheinhafen bis 2050
Janosch OttenschlägerArchitekt
Genau, also im Prozess ist dann auch ein gewisser Zeithorizont entstanden, in dem sich das Ganze entwickeln soll. Das hat mit bestimmten Einflüssen zu tun, globalen Ereignissen. Dazu gibt es auch noch eine Folie nachher. Aber zunächst ist sozusagen eine Vision jetzt konkret entwickelt worden für eine neue Identität. Und was so ein bisschen vorhin auf dieser Folie schon mal aufgepoppt ist, ist eben der Rheinhafen als Herz der Kreislaufstadt.
Welcher wiederum eingebettet ist in eine gewisse Pufferzone, in diese grüne Membran.
Und sich wandelt zu einem Innovationsstandort hinsichtlich der Kreislaufwirtschaft und Kreislaufgesellschaft. Und diese Kreisläufe sollen sich insbesondere hier überlagern oder hier auch initiiert werden, entdeckt werden, verbunden werden und am Laufen gehalten werden.
Und da ist zunächst mal eine großmaßstäbliche Ebene entstanden, eines Konzeptplans, der auch wiederum insbesondere auf die Funktionen eingeht, die es heute schon gibt am Rheinhafen, die sich im meisten Fall mit dem Recycling auseinandersetzen. Aber die Besonderheit ist nun, dass kein Stoff mehr den Hafen verlassen darf. Also das war sozusagen die theoretische Grenze. Und man sich eben jetzt bewusst mit diesen Materialitäten hier auseinandersetzen muss an diesem Ort.
Und der Konzeptplan ist quasi als Endzustand zu verstehen. Und die Entwicklung lässt sich aber sicherlich auch in Phasen unterteilen, bis es dann 2050 eben so in dieser Fülle funktionieren könnte.
Dazu habe ich jetzt noch ein paar strukturelle Folien, die vielleicht auch interessant sind.
Zunächst habe ich immer gesagt, Autoverkehr brauchen wir eigentlich nicht mehr, sondern es soll vielleicht vielmehr ein pulsierender Ort sein, in dem man sich mit einer ganz anderen Geschwindigkeit begegnet. Und als Grenze oder als Schwelle stehen verschiedene Mobilitäts-Hubs zur Verfügung, beziehungsweise auch Schnittstellen, die sich wiederum mit dem öffentlichen Nahverkehr etc., Carsharing-Angeboten auseinandersetzen, an der Grenze eben zusammen.
Wie man sieht, also es gibt durch die Schieneninfrastruktur, gibt es eigentlich eine hohe Möglichkeit der Verbindung und es gibt eine hohe Frequentierung auch, also das sozusagen als Fingerzeig für eine gewisse Etablierung verschiedenster Personen, Gruppen, Gesellschaften und auch Bevölkerungsanzahlen, die sich später hier implementieren lassen.
Und wie schon erwähnt, gibt es eine gewisse Funktionszuweisung, die einerseits daher rührt, wo heute schon bestimmte Funktionen verortet sind. Wenn wir beispielsweise mal das Blitzzeichen nehmen, da ist ja heute das Kohlekraftwerk der EnBW verortet. Das würde sich unter bestimmten Bedingungen auch neu konfigurieren und sozusagen zu einer nachhaltigen Energieproduktion transformieren lassen.
Es soll auch Identifikationsanker geben. Das sind insbesondere Kräne, Kranbahnen, die auch so ein bisschen für diese Veränderlichkeit oder Veränderbarkeit des Stadtbildes sorgen sollen.
Dann gibt es natürlich gebaute Strukturen, die Sie vielleicht umnutzen ließen, beispielsweise diese Öltanks.
Oder es gibt große bauliche Strukturen, die sich insbesondere unter kulturellen Aspekten ganz anders nutzen ließen. Und ein gewisses Schmankerl, möchte ich es jetzt mal nennen, das ich mir ausgedacht habe, ist, da sozusagen der Prozess oder dieses Abkapseln in Anführungszeichen mit den Ressourcen erst 2030 beginnen soll, habe ich mir erlaubt, noch aus den Alpen zwei Seilbahnen zu importieren, die nochmal für eine ganz besondere Art der Verbindung auch von bestimmten Standorten aus den Hafen erlebbar machen.
Und gewisse Blickbeziehungen, die sich so ein bisschen wie so ein Widerhaken auch hier festsetzen sollen, damit es den ganzen Rheinhafen zu einem eigenständigen Stadtteil werden lassen.
Genau, und jeder Ort ist quasi für sich, hat seine Besonderheit und da gibt es die Möglichkeit, so ist es jetzt hier mal visualisiert, verschiedenste Möglichkeiten der Begegnung eigentlich auch auszuüben. Also neben dem Fokus der Nutzungsfindung bzw. gewerblichen Einheiten gibt es natürlich eine große Anzahl auch an Personen, die hier Platz finden könnten und die sollen sich in gewisser Weise überlagern, aber sie sollen sich auch ihre eigenen Freiräume und Plätze suchen. Und das ist jetzt hier mal visualisiert und findet sich gleich auch noch im Detail.
Kurz zu diesem Prozess, also wie man sieht, es ist quasi 2050 gezeichnet oder geplant von mir und auch dargestellt und so ein bisschen, was dazwischen passiert, ist wahrscheinlich auch noch das viel Interessantere. Es geht quasi auch im Zusammenhang mit globalen Veränderungen, insbesondere dem Auslösen von Kippelementen in klimatischer Hinsicht, aber auch vielleicht Ressourcen, die irgendwann nicht mehr zur Verfügung stehen, darum, dass wir unser Bewusstsein insofern wandeln, dass wir unser Handeln und Tun in einem ganz neuen Prinzip eigentlich unterordnen könnten. Und das im Hinblick auf die uns zur Verfügung stehenden Ressourcen innerhalb des Landkreises.
Denn ich bin ja echt davon überzeugt, dass wenn man sich damit erst einmal auseinandersetzt, dass man sich da, also man entdeckt so viel Neues und man kann das, glaube ich, gar nicht beschreiben, was dadurch alles entstehen könnte, aber es bietet eine gewisse Flexibilität und es bietet eine gewisse Art der Ergänzung, sich sozusagen diesen neuen Möglichkeiten zu bedienen und die lassen sich in einem Feld etablieren, was sich in einem ganz besonderen, wie soll man sagen, jetzt habe ich den Faden verloren, sich vielleicht in einem ganz besonderen Licht darstellen und in einem ganz besonderen Zusammenhang neu zusammensetzen können.
Diese Schlangenlinien stehen so ein bisschen für die Funktionsweise des städtischen Organismus oder der Kreislaufstadt, die sich sozusagen aus dem Output, also so einer gewissen Art Rebound, den Input eigentlich holt für das, was daraus entstehen kann.
49:00Ein Entwurf mit Stegen, Pontons und Seilbahn
Janosch OttenschlägerArchitekt
Und ich möchte jetzt noch kurz auf einen vertieften Entwurfsaufschnitt eingehen, der nochmal gewisse räumliche Situationen hier zeigt, die ich mir in dieser Konzeptplanung überlegt habe.
Dazu wurden verschiedene Flächen aktiviert, also es gibt eine neue Zusammensetzung auch, es wurden auch Grundstücke geteilt, es wurden Straßen ergänzt durch Plätze, es wurden Uferzonen auch geweitet, es wurde der Bezug vor allem auch zum Wasser hergestellt, es wurden privates Grün und öffentliches Grün geschaffen als geringe Add-ons zu diesem Grünpuffer. Immer im Hinblick auf, was ist schon da und was lässt sich vielleicht aktivieren.
Und ein paar Entwurfswerkzeuge sind eben Freiraumqualitäten, die sich ringsherum anordnen lassen, eine besondere klimatische Rücksichtnahme auch beim Bau von Gebäuden, eine gewisse Austauschbarkeit innerhalb von städtebaulichen Strukturen, aber auch von flexiblen Verbindungen, die ich beispielsweise Schwimmbrücken genannt habe, die sich auf Pontons ablagern, die gewisserweise auch veränderbar sind, die sich an neuen Verbindungsmöglichkeiten auch anpassen lassen, je nachdem, zu welchem Zeitpunkt wir sozusagen in dieses Stadtgebiet schauen.
Und das ist sozusagen das Bild, was sich im Maßstab 1 zu 1000 darstellt mit verschiedenen Funktionen. Also man erkennt, glaube ich, ganz gut, dass das Wegenetz, was adaptiert wurde, ergänzt wurde und sich sozusagen an einer gewissen Stelle mit einer nächsten Landzunge verbindet. Und einerseits diese Strukturen, also man kennt das vielleicht leicht, die auch schon vorhanden sind, wie insbesondere in dieser Perspektive mit den historischen Bebauungen, die darauf Rücksicht nimmt. Und sonstigen auch Bauteilen eben Funktionen der Kreislaufstadt wie Materialdepots, Recyclingsanlagen etc. bestücken lässt.
Und ein ganz besonderer Aspekt ist natürlich sozusagen auch die gesellschaftliche Einflechtung oder Verflechtung mit dieser komplexen gewerblichen Struktur. Und die lässt sich besonders auch unter der Hinsicht der Flexibilität etablieren. Und das ist insbesondere beispielsweise ein Kino, was sich auch auf einem Ponton anordnen kann, was sozusagen neue Stadtperspektiven eröffnen kann, was verschiedene Fassaden als Präsentationsbereiche nutzen kann, verschiedene Theater- oder Veranstaltungsorte.
Und diese, dadurch, dass sie eben auch auf Pontons gelagert sind, ließen sich immer wieder an neue Orte und an neue quasi Mikro-Bereiche innerhalb des Stadtgebiets positionieren.
Und so lassen sich natürlich auch viele weitere Funktionen einordnen und ermöglichen weiterhin eigentlich so ein ganz lebendiges Quartier oder ganz lebendige Orte immer unter der Berücksichtigung der Produktion.
Hier stellt sich auch nochmal die Konnektivität der einzelnen Landzungen dar, nämlich über diese Seilbahn, die etabliert wurde und genauso wohl als auch in Querrichtung, also Nord-Süd- und Ost-West-Verbindung sich hier unter anderem auf dem Energieberg verorten lässt.
Und hier sind jetzt nochmal in der nächsten Darstellung so ein bisschen diese Quartiere visualisiert, die man, wie man erkennt, so ein bisschen in diesem Spannungsfeld von Neubauten und neuen Strukturen, die sich übrigens, das ist vielleicht noch wichtig zu erwähnen, immer aus den Ressourcen eigentlich zusammensetzen sollen. Deshalb zeigt das so ein bisschen diesen Endzustand, weil man so saß die Realutopie vor und diese ganzen Materialien erst wieder neu reorganisieren muss und damit sozusagen eine neue Art des Bauens wahrscheinlich auch induzieren würde.
Es gibt beispielsweise, das Einzige, was natürlich in Zukunft ist, vor allem der organischen Stoffe, insbesondere Holz. Und in Kombination mit den Ressourcen, die schon da sind, sollen dadurch eben auch ermöglicht werden, diese neuen Strukturen zu bauen.
Also verschiedene Orte wurden auch genutzt, wie zum Beispiel diese Halle hier, die, glaube ich, gerade auch nur eigentlich ein großes Lager ist, die die Tore nach hinten öffnen kann und da bestimmte kulturelle Angebote schaffen kann. Und eine Besonderheit sind auch die Stege, die sich auf Wasserniveau anordnen lassen, die sich dann unter anderem durch den Höhen versprungen. Also ein bisschen diese, also diese nicht im Konflikt stehen mit der Privatsphäre, sozusagen diese einzelnen Blöcke und genau, also die Möglichkeiten des Erkundens und besonders der Perspektiven immer wieder neu einnehmen lassen.
Nochmal eine vertiefte Einsicht oder Einblick in so eine Struktur, die insbesondere immer einen Gemeinschaftshof auch hat und sozusagen auch sichtbar immer diese logistischen Strukturen, die infrastrukturellen Strukturen mit einbindet und sozusagen auch in einer gewissen Erdgeschossnutzung auch unmittelbar im Zusammenhang steht, nämlich mit dem Austausch oder mit der Produktion von bestimmten Waren und Gütern.
Und hier mal so ein Versuch einer atmosphärischen Darstellung, die so ein bisschen dieses pulsierende Leben hier im Rheinhafen darstellen soll.
Und ein Zitat, was so ein bisschen auch hängen geblieben ist, ist eines von Immanuel Kant, der gesagt hat, reich ist man nicht durch das, was man besitzt, sondern vielmehr durch das, was man mit Würde zu entbehren weiß. Und es könnte sein, dass die Menschheit reicher wird, indem sie ärmer wird, dass sie gewinnt, indem sie verliert. Und da steckt für mich sehr viel drin, was eben auch diese Arbeit angeht, nämlich insbesondere, dass wir uns in einer gewissen Weise von bestimmten Dingen lösen müssen, von Denkweisen, von Materialien und dadurch eigentlich ein ganz neues Bewusstsein schaffen können und eine ganz neue Art des Handelns und Tuns.
Genau. Es sich insofern äußert, dass hier nochmal ein paar Zahlen visualisiert sind und vielleicht ein Hinweis, wenn man sich das durchlesen kann, ist es, dass auch in einer gewissen Weise zum Thema Rohstoffe oder Bauabfälle eine bestimmte Anzahl entsteht schon heute, die das Ganze überragt, was man hier überhaupt baulich entwickeln kann.
Also das entspricht ungefähr einem Viertel, was man benötigen würde, um hier diese Strukturen, die in etwa von mir geplant oder erdacht wurden, zu realisieren und das ist, glaube ich, eine ganz besondere Zahl und die steht so ein bisschen auch natürlich für diesen ganzen Verlust von Ressourcen, den wir heutzutage pflegen. Und ich danke euch fürs Zuhören.
59:45Nachfrage aus dem Publikum und Ausblick
Norina QuinteModeration, ato
Herzlichen Dank. Ich hätte selber so viele Fragen und bin jetzt gerade aber unschlüssig in Anbetracht der Zeit, weil wir da schon jetzt eine Stunde aufmerksam zugehört haben. Und ich würde es so machen, dass ich ein bis zwei Fragen vielleicht noch oder die sich ergeben gerne zu Worte kommen lassen würde und den Rest auf entweder Zweier-, Dreier-, Vierer-, Zehnergespräche im Anschluss des zweiten Talks dann verschieben würde oder eben auf Samstag, wenn das für dich auch in Ordnung ist. Gibt es denn gerade eine spontane Frage, die jemandem auf dem Herzen, ja, gerne, vielleicht, ah.
Stimme aus dem Publikum
1:00:38Ja, eine ziemlich blub Frage, aber wie viel hat denn deine aktuelle Arbeit noch mit der Thematik zu tun? Zielt aber auch ein bisschen darauf ab, ja, inwieweit diese wichtige Thematik denn überhaupt jetzt so im realen Diskurs zumindest mal oder in der realen Bauwirtschaft oder Stadtplanung eine tatsächliche Rolle spielt?
Janosch OttenschlägerArchitekt
1:01:09Jetzt mal abgesehen davon, dass die Utopie realisiert werden könnte oder sollte. Da stecke ich momentan noch so ein bisschen im Dilemma, weil wir hier ja in dieser großmaßstäblichen Städte bei euch in der Ebene sind und ich beruflich momentan eher im Detail unterwegs bin, nämlich in der Architektur.
Mich zieht es aber dennoch immer wieder zu dieser Großmaßstäblichkeit und auch der Besonderheit, dass man natürlich einen viel größeren Einfluss hat. Man hat einen viel größeren Einfluss auf eine mögliche Bebauung oder auch eine Bewohneranzahl, die eine gewisse Gesellschaftsstruktur abbildet und damit natürlich einen großen Effekt auch erzielen kann von den Idealen, möchte ich es mal nennen, die ich hier in der Arbeit auch verfolgt habe oder überhaupt es entwickelt habe und deshalb hoffe ich, dass ich eigentlich da noch irgendwann in naher Zukunft dazukomme, mich dem Ganzen zu widmen, habe aber auch gemerkt, dass durch verschiedene Anfragen bzw. Diskursversuche, auch beispielsweise mit politischen Akteuren, da noch nicht so erfolgreich war und deshalb gerne natürlich auch der Einladung gefolgt bin, heute Abend hier in einem ganz unkonventionellen Rahmen darüber zu sprechen und euch alle so ein bisschen an dieser Vision auch teilhaben zu lassen.
Norina QuinteModeration, ato
1:03:01Also die Dinge müssen besprochen werden und nicht nur in Schubladen landen. Da waren wir uns ja schon die letzten Wochen einig und Samstag werden wir das nochmal anstoßen, zum Thema bereitwillige Gesprächspartner:innen in Karlsruhe zu finden. Das war tatsächlich sehr schwer für den Talk am Samstag. Also wir hatten vor ein paar Monaten noch Zusagen von Baubürgermeister, Ämtern, Institutionen, Museen, Rheinhäfen und in den letzten zehn Tagen kamen die höflichen, zurückhaltenden Absagen mit Distanz dazu, Stellung nehmen zu wollen und sich nicht diesem Talk anzuschließen. Jetzt haben wir gestern nochmal alle 48 Gemeinderäte kontaktiert. Es kamen zumindest schon mal zwei positive Rückmeldungen, dass es sehr wohl ein paar gibt, die mitreden wollen.
Also wir schauen mal, wie diese Runde am Samstag auch wird und hoffen, dass wir da unter anderem auch die Vision einer Öffnung des Rheinhafens Karlsruhe für die Stadtgesellschaft zumindest mal einfließen lassen können. Und darauf freuen wir uns sehr. Vielen Dank nochmal für deinen Vortrag. Ja, herzlichen Dank.
Und wir würden jetzt, weil sich auch gleich der zweite Vortrag anschließt, auf den wir uns sehr freuen, und zwar Schwimmen als künstlerische Praxis, zehn Minuten Pause trotzdem machen, sodass jeder sich eine Decke schnappen kann, wir die Heizstrahler anmachen können, das Feuer draußen anmachen können und einen Drink natürlich jeder holen kann und dann sehen wir uns gleich wieder.




