Gespräch · · 44:37
Preview: die interne Eröffnung am Vorabend

Mitschnitt · 44:36 · 11 Kapitel
Kapitel 1 von 11Norina Quinte begrüßt zur internen Eröffnung
Norina Quinte
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Norina Quinte begrüßt zur internen Eröffnung
Norina Quinte0:00 / 44:36
Sprecher:innen
- Norina Quinte · sprichtato, künstlerische LeitungRedeanteil 30 %
- Susanne Rockweiler · sprichtImpulsRedeanteil 23 %
- Andreas Gerdes · sprichtKIT Innovation HUBRedeanteil 15 %
- Tina Becker · sprichtKIT Innovation HUBRedeanteil 12 %
- Moderation · sprichtRedeanteil 5 %
- Stimme aus dem Publikum · sprichtRedeanteil 0 %
Kurzfassung
Mitschnitt der internen Eröffnung am Vorabend. Norina Quinte (ato) stellt die Ausstellung vor und dankt allen Beteiligten, Susanne Rockweiler hält einen Impuls über Strukturen in Form einer Zugreise nach Karlsruhe. Tina Becker und Andreas Gerdes (KIT Innovation HUB) sprechen über Infrastruktur und gemeinsame Verantwortung von Kunst und Wissenschaft.
Transkript
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0:00Norina Quinte begrüßt zur internen Eröffnung
Norina Quinteato, künstlerische Leitung
Sieht das schön aus, wie ihr da alle sitzt, das ist richtig cool.
Soll ich anfangen, Steffi?
Eine Minute, okay.
Stimme aus dem Publikum
0:30Mal runter. Nein, nein, nein, das haben wir schon alle verstanden. Ach so, trinken? Ja, das haben wir dir alles drinnen.
Norina Quinteato, künstlerische Leitung
1:32Nein, ich kann auch stehen. Andreas, muss ich ja kurz passen. Oh, danke.
Stimme aus dem Publikum
2:01Wow, wir sagen die doch gar nicht. Diese tolle Drohne, die ich mitgenommen habe, ist wieder angekommen.
Norina Quinteato, künstlerische Leitung
2:10Also, jetzt öffnen wir mal. Also, jetzt machen wir mal ernst hier. Los geht's. Hallo, herzlich willkommen beim WERKstattPALAST, ja.
Das ist wirklich verrückt, weil es ist gleichzeitig, hört es sich für uns, wenn man WERKstattPALAST sagt, so selbstverständlich an, gleichzeitig auch super surreal, dass ihr hier alle steht oder sitzt. Ja, WERKstattPALAST, der WERKstattPALAST oder das WERKstattPALAST. Eine Initiative, die wir seit vergangenem Herbst gemeinsam miteinander, ich würde sagen, verfolgen. Jetzt stehen und sitzen wir hier und wir sind wirklich echt aufgeregt, mit euch heute Abend diese interne Eröffnung zu feiern. Dies war uns nämlich wichtig, da wir es auch alle, wir, ato, alle mitwirkenden KIT Innovation HUB, zum Ziel haben, dass wir euch alle miteinander vernetzen, ob ihr wollt oder nicht. Wir hoffen, ihr wollt.
Es war in jedem Fall ein Weg, also auch passend zum Thema, und zwar, der einige strukturelle Herausforderungen und Baustellen mit sich brachte. Hierzu gleich mehr. Ich darf vorher den künstlerischen Part und mich selbst vorstellen. Mein Name ist Norina Quinte und ich bin Teil des Kernteams von ato.
3:55Was ato ist und warum uns Strukturen interessieren
Norina Quinteato, künstlerische Leitung
ato ist eine Plattform für Kunstschaffende, Kurator:innen und weitere Akteur:innen aus dem Kunstbetrieb, die dazu beitragen, dass Kunst gesehen, erlebt, gekauft und auch vermittelt wird. Das ist sehr schön, Teil dieses Teams zu sein.
Uns interessiert die Struktur des Kunstmarktes, des Ausstellens und die Struktur des interdisziplinären Austauschs. Deshalb stehen wir heute hier.
ato besteht aus zwei Säulen, für die die ato noch nicht kennen. Zum einen ist ato eine wachsende Plattform, eine Online-Plattform, die sich zum Ziel gesetzt hat, einen transparenten Markt zu etablieren und ein faires Teilen bei Kooperationsprojekten und Verkäufen einfordert. Ihr findet in der Ausstellung unter anderem QR-Codes, die einen Einblick in atos Online-System ermöglichen.
Die zweite Säule ist, das Erleben von Kunst zu ermöglichen, da wir sie als essentiellen Baustein unserer Infrastruktur verstehen.
5:00Rund 30 künstlerische Positionen im ganzen Haus
Norina Quinteato, künstlerische Leitung
In den vergangenen Monaten entwickelten wir den WERKstattPALAST und das Ausstellungskonzept und zeigen heute künstlerische Arbeiten von rund 30 Positionen aus ganz Deutschland, die sich auf abstrakte, spielerische, politische oder ästhetische Weise mit dem Thema der Struktur befassen. Ich freue mich so sehr, dass ihr alle da seid. Was für ein Start in die Ausstellung. Im Gang unten, also unter uns, erstreckt sich eine 25 Meter lange Materialbibliothek, die einen Einblick in Material- und Werkstoffstruktur ermöglicht. Ein Kooperationsprojekt des KIT Innovation HUB, ato und der Künstlerin Verena Schmidt, Jannik Lang und dem Biodesign Lab der HfG Karlsruhe. Es eröffnen sich zwei Ausstellungscontainer, die sich zum einen mit Konsumstruktur, Stephanie Senge, und zum anderen mit organischen, natürlichen Strukturen, Maike Denker und Alex Bester, multimedial auseinandersetzen.
Drei weitere Arbeiten unten, die das Thema im wahrsten Sinne des Wortes beleuchten. Die Planstadtinstallation des Karlsruher Künstlers Axel Philipp, der Witterung und Zeit hat arbeiten lassen und eine neue Kartografie für unsere Stadt ersichtlich werden lässt. Die für den WERKstattPALAST konzipierte, beeindruckende Glasarbeit der Künstlerin Hannah Cooke. Die Arbeit Delta von SurrealLabor, eine Kugelbahn, bestehend aus selbstgegossenen Leuchtpunkten, die ihren Takt mit zunehmender Dunkelheit veranschaulichen wird. Filmische Essays und Videoarbeiten in unserem Viersitz-Kino angesehen werden. Dort zu sehen, 0 zu 0 von Milena Bühring und Judith Ehrhardt aus Berlin, 16mm-Film von Benjamin Breitkopf, Are We Human von Mustafa Büyükcoşkun, Agnes von Luise Peschko.
Läuft man auf das Gebäude zu, sieht man eine Wandinstallation der Künstlerin Constanze Zacharias über die gesamte Fassade hier unten. Klar, strukturiert und zart geht sie auf das Thema der Struktur zu. Stränge aus Hafenstruktur. Verlässt man das Gebäude wiederum, schlängelt sich eine blaue Gipsarbeit des Künstlers Daniele Dell'Eva, ehemals Balkenholschüler, über den Platz. Eine Schlange sieht zum Gang. Dort, in diesem Gang, den wir hier links haben, entdeckt ihr 21 für den WERKstattPALAST eingereichte Beiträge der ato-Künstler:innen zum Thema Struktur. Hier wird erneut deutlich erkennbar, wie perspektivenreich das Thema Struktur sein kann. Jetzt hier auf der Reling Platz für Wort und Fotografie.
Ersterem widmet sich Sibylle Wagner, die verschiedenste Personenbefragte, ihren eigenen Satz zur Struktur einzureichen und durch eigene Zitatsammlungen ergänzte. Impulse für eigene Ideen, Gedanken zum Festhalten diskutieren oder auch weiterziehen lassen. Auf der obersten Empore, also hinter euch allen, entdeckt ihr die Fotoausstellung der AG Lichtbild, die sich über die kommenden Wochen hinweg erneuern und weiterentwickeln wird und die auch in einem unglaublichen Elan hier dazu beitragen, dass wir so eine wunderschöne Außenausstellung genießen können.
8:29Die Strukturen haben uns zu den Inhalten gebracht
Norina Quinteato, künstlerische Leitung
Ich selbst bin dankbar, dass ich in den vergangenen Monaten so viele Gespräche zum Thema Struktur mit diversen Leuten führen durfte und nach einem dieser Gespräche schickte mir ein Künstler von Silberland ein Zitat von einem Musikproduzenten, über das ich jetzt wirklich seit ein paar Tagen nachdenke. Und das Zitat geht so, Sometimes the content comes first, other times the structure takes the lead. Also manchmal erst der Inhalt und manchmal bestimmt einfach die Struktur. Ja, wie war es hier, habe ich mich dann gefragt. In Bezug auf den WERKstattPALAST würde ich jetzt mal behaupten, dass die Strukturen uns zu den Inhalten gebracht haben und dass die Strukturen sowohl in Bezug auf Programm wie auch in Bezug auf das Projekt selbst uns irgendwie stärker gemacht haben.
Und teilweise, dass die Strukturen uns selbst in der Hand hatten. Wer Karlsruhe kennt, weiß zum Beispiel, dass es nicht üblich ist, den Rheinhafen über diesen Zeitraum kulturell oder wissenschaftlich bespielen zu können. Wer mich kennt, hat erlebt, was es bedeutete, in globaler Krisenzeit für die benötigte Infrastruktur hier vor Ort zu sorgen. So hat die Arbeit selbst wiederum Strukturen offengelegt, die interessant, herausfordernd, aber zum Teil auch nur bedingt nachvollziehbar funktionieren.
Oder die Finanzierungsstruktur. Was für ein Kampf. Wohin geht das alles, wenn wir uns Kunst- und Kulturschaffende immer weniger leisten können? Die Preise für Werkstoffe, für Baumaterial sind in den letzten drei Monaten um mindestens 35 Prozent gestiegen. Das war unsere Erfahrung, als wir auf einmal feststellen mussten, dass gewisse Dinge einfach ein Drittel teurer sind als kalkuliert. Zum Beispiel die Untergestelle, die Jannik rausgesucht hat. Wir wollten eine Biertischgarnitur entwickeln, die hochwertig ist und 20 Meter lang. Wir fanden das auch finanziell sehr attraktiv, weil wir diese Gestelle im Februar uns sehr einfach hätten leisten können. Als wir sie dann brauchten, haben wir festgestellt, dass der komplette Markt leer gekauft ist, weil diese Unterkonstruktionen ausschließlich in Weißrussland produziert werden.
Und dennoch, wir entschieden nach mehrfachem gemeinsamen Abwägen, dass wir weitermachen. Zu mir sagte mal jemand in einem Meeting in einer städtischen Einrichtung, als es um Vergütung von Kunst- und Kulturschaffenden ging, wissen Sie was, Frau Quinte, das Gute ist, wir wissen, Sie machen es eh.
Ja, Mist, das stimmt, aber zu welchem Preis? Zu welchem Preis genau? Ich denke, einen recht hohen, ehrlich gesagt, wenn man sich die Vergütung aller Beteiligten einmal genauer ansieht. Die genaue Finanzierungsstruktur legen wir in unserem Programm auf der Homepage und unten in der Rezeption offen. Ein Großteil der geleisteten Arbeit konnte nur durch wahnsinnig viel freiwilliges Engagement umgesetzt werden. Ein Beispiel ist der Bau, auf dem wir gerade stehen, und die Verschalung des Gebäudes, die wir neben allem anderen in den vergangenen zwei Wochen selbst gebaut haben. Es waren nicht nur die Kernprojektbeteiligten, die Tag und Nacht hier standen und bohrten, flexten, schweißten, sägten, bauten. Es waren engste Freunde, Kolleg:innen und nicht zuletzt alle unsere Ehemänner und Lebenspartner, die uns mit Herz, Energie und Tatendrang unter die Arme gegriffen haben.
Leider ist die Zeit zu knapp, um alle aufzuzählen, weil ihr alle gehört ja auch dazu. Das heißt, ihr solltet euch untereinander vorstellen, dann wisst ihr, wem jetzt der Dank gilt.
12:21Dank an alle, die mitgebaut haben
Norina Quinteato, künstlerische Leitung
Aber es geht ja auch um einen Ansatz, den möchte ich ganz kurz teilen, deshalb ist es wichtig, ein paar Leute zu nennen. Ich sehe ihn gerade nicht, aber danke Serkan, dass du deinen Urlaub auf der Baustelle verbracht hast. Danke Johannes, dass du Tische geschliffen hast.
Danke Nezha, dass du uns einen Kühlschrank und acht Kästen Bier vorbeigebracht hast, damit wir durchhalten.
Danke Sebastian, dass du Mutter und Vater zugleich warst. Das natürlich gilt auch für Tina, würde ich sagen.
Und danke, dass du jetzt eine Taufe umsonst fotografieren musst, weil wir Hilfe von der Schreinerei aus Rheinstetten in Anspruch genommen haben.
Danken dürfen wir auch Jugo, Krische, Martin, Frederik für euren Support, Elan, Milch und Kaffee auf der Baustelle.
Ein großes Dankeschön gilt Tim an der Technik, der uns über die zehn Wochen lang mit wahnsinnig hochwertigem Sound-Equipment zur Seite steht und unterstützt.
Danke an die Rheinhäfen Karlsruhe. Ich habe zumindest schon jemanden entdeckt. Herr Boch, da in der Mitte. Ah ja, natürlich, Herr Röther. Also um Gottes Willen, sie hatte ich noch nicht entdeckt, aber es war eine große Unterstützung, dass wir hier sein dürfen.
Danke für Wasser, Werkzeug. Ja, danke, danke, danke. Jede Person, die in den beiden vergangenen Wochen angepackt hat. Ich möchte allen aus dem ato-Team danken für die Geduld, die vielen Überstunden, die hohe Konzentration, ohne den Humor aus den Augen zu verlieren. Natürlich auch dem KIT Innovation HUB, mit dem wir viele Inhalte teilen, wenn wir sie auch ganz unterschiedlich bearbeiten. Ich danke wahnsinnig der Building Partners Group, die diesen ganzen Bau hier finanziert hat. Insbesondere Herrn Schaumlöffel, der hier vor Ort keine Mühe gescheut hat, uns sehr viele kuratorische Wünsche von den Augen abzulesen.
Vielen Dank an Deli Burgers unten für die Gastro-Kooperation. Ich freue mich, dass wir jetzt einen Hafen-Imbiss haben, wenn auch erstmal für zehn Wochen.
Und danke an alle Einrichtungen, Unternehmen, Sponsoren, die hier beitragen, dass dieses Projekt entstehen kann. Ich danke noch ganz kurz, danke, danke, ich weiß, aber es muss sein, geht nicht anders. Ich danke von ganzem Herzen Jannik Lang, da oben mit Dutt und apricotfarbenem T-Shirt, meinem Projektassistenten, der wirklich, wo ich die Freude habe, jetzt auch seit zwei Jahren mit ihm arbeiten zu dürfen und der Tag und Nacht gute Ideen eingeworfen hat, Stress ausgehalten hat und super akribisch arbeitet, was ich total genossen habe. Es ist eine Bereicherung für das Projekt, für ato, dass du dabei bist und ich möchte auch meiner Kollegin und Freundin Sophie Lichtenberg links daneben oder rechts daneben, wie man auch guckt, sehr, sehr herzlich Danke sagen.
Sie hat in den vergangenen Wochen nicht nur aus Projekt Großherzigkeit bei uns gewohnt und Tag und Nacht mit mir die Baustelle morgens aufgeschlossen und abends abgesperrt, sondern einfach mit unglaublich tollen Ideen, ästhetischen, aber auch organisatorischen bereichert und immer eine Lösung gefunden. Und das auch immer mit guter Laune, meistens.
Auch hier, also Riesenglück, dass wir uns kennen und du mit Jannik und mir die Raumgestaltung hier übernommen hast.
16:19Norina Quinte übergibt an Susanne Rockweiler
Norina Quinteato, künstlerische Leitung
So, jetzt aber wirklich, das musste mal gesagt werden, ich danke ein allerletztes Mal Susanne Rockweiler, die heute hier ist aus Berlin, der ich hiermit das Wort übergeben darf. Ja, Susanne, wir haben uns in den letzten Monaten auch öfter über den Zustand der Kultur unterhalten, auch mit der Frage von dir natürlich in den Raum geworfen, Kultur, was tun oder was nun? Susanne Rockweiler ist ehemalige Vizedirektorin des Martin-Gropius-Bau in Berlin und des Haus der Kunst München und hat während Corona auch stark darauf aufmerksam gemacht, wie wichtig es ist, dass Kunstschaffende gesehen werden und auch im Stadtbild präsent sind mit der Kampagne Miss You, die verschiedene Fotograf:innen in Berlin vor allem erstmal, also erster Schritt war Berlin, soweit ich weiß, in City-Light-Plakaten in der Stadt ausgestellt hat. Ich freue mich sehr, dass du hier bist und freue mich auf deinen Beitrag. Und jetzt, ja.
17:23Susanne Rockweiler reist im Zug durch die Strukturen
Susanne RockweilerImpuls
Wie cool ist das denn?
Ich finde, und nicht nur ich, ich glaube, es wird insbesondere in den nächsten Jahren allen bewusst werden, wie wichtig Kreativität ist und wie existent und systemrelevant Kultur.
Also, liebe Norina, liebes ato-Team, liebes KIT-Hub-Team, liebe Künstlerin, Expertin und Neugierige.
Sie trat ans Mikrofon vor ihr drei, vier Blätter mit Worten um und über das Thema Strukturen. Eigentlich ein abstraktes Thema, das an Schaubilder mit Pfeilen denken lässt, an Übersichten und neuen Einsichten, an ein Sortieren und Ordnen, um das Komplexe greifbar zu machen und aufzuzeigen, wer wo welchen Platz hat oder auch hilfreich, um das Leben in einen gewissen Rhythmus zu bringen. Bereits am Bahnhof in Berlin-Spandau bei der Fahrt nach Karlsruhe mit dem ICE 702 wurde sie mit der Praxis und der öffentlichen Infrastruktur konfrontiert. Wenn alles funktioniert, sind Strukturen unsichtbar, denkt sie bei sich.
Die Lautsprecherstimme am Bahnhof versteht sie nur zum Teil. Sie benennt als Grund der Verspätung, es sind 37 Minuten, das verzögerte Bereitstellen des Zuges. Dann versteht sie noch das Wort Reinigungspersonal. Ein Mitwartender spricht sie an. Es sei ja kein Wunder bei 11,79 Euro Mindestlohn, was auch oft für Kulturschaffende gilt. Da sah ein Tag am Wann sie mit den Kindern eine berechtigte Alternative, statt anderen den Müll wegzumachen und trotz Maloche sich kaum etwas leisten zu können. Er spricht über Corona und was die letzten Jahre gesellschaftlich mit ihm, seiner Frau und ihren Kindern alle schulpflichtig gemacht hätten.
Über Covid möchte sie wirklich nicht diskutieren und wendet sich ihrem Handy zu, kennt aber selbst einige Familien und Freundschaften durch die feine bis fundamentale Resigen, auch im Kulturbereich. Statt Dialog und einem Verhandeln unterschiedlicher Positionen gab es Streit, dann ein großes Schweigen, in den sozialen Medien Schlagabtausch als Einbahnstraße, anonym, reflexhaft, unreflektiert, oft genug fernab von Anstand. Respekt, Kultur und Inhalten, jeder in seiner Filterblase. Seit längerem beobachtet sie, dass in der Gesellschaft die Betonung der Individualität auf dem Vormarsch ist und zähnehmend auch der Egoismus, obwohl der Mensch ja eigentlich von Natur aus ein soziales Wesen ist.
Das Individuellsein und Coolsein ist Mainstream. Heftige Debatten und öffentliche Verurteilungen um gesellschaftliche Normen und Sagbarkeitsregeln kamen in den letzten zwei Jahren hinzu. Droht eine strukturelle Spaltung der Gesellschaft? Ist es nicht an der Zeit, Nähe und Distanz durch ein konstruktives, soziales, kulturelles, politisches und wirtschaftliches Miteinander neuen Aus zu balancieren? Der Mitwartende spricht sie nochmal an. Sie einigen sich darauf, wie wichtig Bildung ist, Bildung und Kultur. Dann verabschieden sie sich. Der Zug fährt ein, er geht nach rechts, sie nach links, ein Pfiff. Es ist der altbewährte Abfahrtspfiff. Die Türen schließen und los geht die Fahrt.
Sie klappt ihr Laptop hoch, drückt auf den On-Button und mit dem Hochfahren der Computerinfrastruktur von Systemeinstellungen, Programmen, Bildern und Texten, kommt der Zug nach etwa dreimündiger Fahrt ins Halten. Eine andere warm klingende und gut hörbare Lautsprecherstimme entschuldigt sich und spricht von einem kleinen technischen Problem. Sie stöhnt auf, so ein, doch aus ihrem Mund kommt kein Ton, sie ist gut erzogen. Auf dem Screen im Mittelgang des Großraumwagens steht mit weißen Lettern auf blauem Grund die Verspätung, 47 Minuten. Dann springt der Screen auf Werbung um. Zu lesen ist die Frage, wie verbringen sie ihre Zugzeit? Bebildert mit lachenden Paaren aller Couleur. Sie muss lachen, beschließt ihren theorielastigen Text für heute Abend mit Praxis zu ergänzen.
Eigentlich will sie ihre Worte zu Werk, Stadt, Palast oder Werk, Stadt und Palast heute Abend mit einem Gedicht beginnen. Es ist von der Georg Büchner Preisträgerin 2020, Elke Erb. Sie stellt sich vor, wie ihr Mund an das Mikrofon berührt und sie bei allen Ausführungen über Struktur und Infrastruktur ihre Worte durchknallen, schneizen, begleitet werden. Die Mikrofonanlage wäre defekt und die Zuhörerinnen könnten den berechtigten Eindruck gewinnen, sie zerschieße kurzerhand ihre Worte und damit etliche Strukturen. Vom Gedicht sind nur Fragmente zu verstehen. Eisscholle, klare Verhältnisse, Verrücke, Position, kein Fazit. Der Zug erreicht Wolfsburg. Alles in Bewegung.
Eine junge Frau mit grünen Haaren, schwarzem T-Shirt und schwarzer engen Hose setzt sich neben sie. Auch sie öffnet ihr Laptop. Auf ihrem Bild ziehen Eiskunstläuferinnen ihre Kreise auf einem Bein und zwei, dann in einem Art Spagat und manchmal sogar auf keinem, hoch in der Luft.
Sie denkt dabei daran, wie Kunst und Kultur die Herzen weich macht, wie Kunst und Kultur Dinge verändert und selbst Menschen, von denen man den Einstand hat, sie gehören nicht zusammen, doch zum Gespräch verführt. Sie sprechen miteinander.
Bei all dem Eis, was sie auf dem Bildschirm sieht, denkt sie an den Klimawandel. Beim Blick aus dem Fenster auf die vorbeirauschende Landschaft ist sie froh, dass die Farbe Grün noch dominiert. Sie erinnert sich an die Buschbrände in Australien, sie las in den Medien, dass dort in einer normalen Saison etwa 12 Hektar durchschnittlich der Waldfläche betroffen sind. 2019-20 verbrannten allerdings mehr als 12 Millionen Hektar, eine Fläche, die dreimal so groß ist wie die Schweiz. Die Bilder von verzweifelten Menschen und verkohlten Tiere zu sehen, schmerzen sie. Ihr Vater wollte einst nach Australien auswandern und zu Kängurus und Koalabären hat sie seit ihrer Kindheit eine besondere Affinität. Die Entfernung Australien-Deutschland liegt immerhin bei 16.000 Kilometer. Die Entfernung Australien-Deutschland ist weit weg. Doch der Waldbrand auf einem Sperrplatz im Berliner Grunewald vor wenigen Tagen ist gefühlt und faktisch nebenan.
Und die Überschwenung im Ahrtal mit den 133 verstorbenen Menschen liegt gerade ein Jahr zurück. Wie konnte es dazu kommen? Hildesheim, sie muss auf die Toilette. Die Schlange ist vier Personen lang. Sie, unsere Protagonistin, wartet. Sie wartet neben einem Vierersitz mit Tisch, zwei Frauen, zwei Mädchen. Das etwa Dreijährige fragt die seit Generationen beliebte Frage, wann sind wir da? Die Mutter blickt auf das kleine Laptop des Kindes, schaltet eine neue Flintstone-Serie an, nimmt das Mädchen auf dem Schoß und greift zu ihrem Handy. Die Kommunikation ist vorbei.
So widmet sich jede ihrer Welt. Sie, die Protagonistin, geht wieder zu ihrem Platz und zu ihrem Text. Da steht, die Welt verändert sich rasant und die Herausforderungen, von denen wir alle stehen, sind gewaltig. Ein Kulturwandel hat sich vollzogen und vollzieht sich weiter. Veränderungen nehmen zu, Verunsicherungen wachsen. Sie sind unter anderem bedingt durch die zunehmende und die alle Bereiche durchziehende Digitalisierung, durch neue Kommunikationswege und sich ändernde Welten. Die Corona-Pandemie, die sich auf vielen Ebenen und Gewohnheiten ausgebremst hat, macht seit längeren bestehende Missstände wie durch ein Brennglas sichtbar und verstärkt die Unsicherheit. Gleichzeitig zeigen Ukraine, Krieg, Pandemie und Klimawandel, dass wir alle betroffen sind und nur gemeinsam Lösungen finden können. Frankfurt am Main, Kopfbahnhof.
Sie fährt plötzlich nach vorn. Ihre Sitznachbarin mit den Eiskunstlaufvideos erzählt, wie sie erst jüngst auf das Ballett auf dem Eis gekommen ist und wie sehr sie diese Eisakrobatik fasziniere. Sie kommen auf Begriffe wie Wandel, neues Denken, neues Handeln, neue Wege und neue Allianzen. Kurz, auf einen Frischekick durch Veränderungen auch im eigenen Leben. Sie ist Psychotherapeutin und zu ihrem Job gehören, zuhören, experimentieren, interdisziplinäre Kooperationen, das Infragestellen von Mustern und Ordnungssystemen und das gemeinsame, ganz fleischige und analoge diskutieren. Hauptbahnhof Mannheim. Sie steigt aus.
Die mit den Eiskunstlaufvideos. In Gedanken ergänzt die Schreiberin und konstruktives Ausbalancieren. Wissenschaftlich, künstlerisch, sozial, politisch und wirtschaftlich. Immer wieder für eine kurze Zeit muss dafür jede und jeder sein gewohntes Terrain, seine gewohnte Eisscholle verlassen, zuhören und sich auf ein ihm bisher unbekanntes Gebiet begeben. Geh doch auf die Eisscholle. Klare Verhältnisse. Geh vom Unort. Fort auf die Eisscholle und dann die nächste, nach der ernst erwähnten, klare Verhältnisse. Verrücke die eigene Position, dort befindest du dich. Kein Fazit. Die Idee der Idee. Mondlicht, Feichenduft, eines Körbchens am Markt früh, in dem noch nasses Gras gepflückt unter feinen Federwolken.
Für passende Lösungen, das ist ganz einfach, aber system- und existenzrelevant. Karlsruhe, Ankunft 16.07.40 Uhr.
28:40Tina Becker über Infrastruktur als Rückgrat
Tina BeckerKIT Innovation HUB
Ganz, ganz herzlichen Dank, Susanne. Ich bin noch ganz in deiner Reise, glaube ich. Ich hoffe, ich finde jetzt auch wieder meine Brücke zurück zur Infrastruktur, um das Thema wieder ein bisschen enger werden zu lassen. Aber ich denke, deine Strukturen, die können wir alle sehr gut mitfühlen. Und vielen Dank für diese wunderschöne Rede.
Genau. Wie ihr gemerkt habt, habe ich direkt in einem meiner ersten Sätze eine der absolut weit verbreitetsten infrastrukturellen Bauwerke als Metapher vernutzt, die Brücke. Brücken und Straßen als Metaphern und Bilder sind in unserem Sprachgebrauch weit verbreitet. Umso seltsamer ist es, dass wir eigentlich der funktionalen Ebene der Infrastruktur doch sehr wenig Aufmerksamkeit widmen, außer sie funktioniert nicht. Aber solange alles funktioniert, wie wir gerade gehört haben, ist ja Infrastruktur unsichtbar.
Dabei ist das Leben und Wohnen, so wie wir das heute tun, in der Dichte und der Enge und auch der technischen Komplexität nur durch diese strukturierenden Maßnahmen der Infrastruktur überhaupt möglich. Zur Infrastruktur, wie wir sie vom KIT ursprünglich verstehen, gehört Verkehrsinfrastruktur wie Straße, Schiene, aber auch Wasserstraße, Energieversorgung, Wasserversorgung, Abwasserentsorgung, digitale Infrastrukturen, Mobilfunknetze, Glasfasernetze, aber auch Bereiche der sozialen Infrastruktur wie Krankenhäuser, Schulen, Parks, Schwimmbäder. Die Liste lässt sich noch groß erweitern. Auch unser Palast hier am Hafen zählt zur Infrastruktur.
Die technische Infrastruktur erscheint als Thema erstmal nicht besonders sexy, bildet aber das Rückgrat unserer modernen Gesellschaft und strukturiert nicht nur die menschlichen Grundbedürfnisse, sondern auch die sozialen Beziehungen und Bedürfnisse der Gesellschaft als Ganzes. Man kann sie also auch als kulturschaffende Struktur bezeichnen. Die Bauwirtschaft, die ja traditionell für den Bau, aber auch für die Planung dieser Strukturen verantwortlich ist, ist ein eher konservativer Wirtschaftszweig, dessen Innovationsdruck in den letzten Jahren vielleicht eher gering war. Durch den Klimawandel und die auf uns zukommende Ressourcenverknappung in Zeiten von Urbanisierung, Globalisierung und Digitalisierung verändern sich aber auch hier die Randbedingungen für die Bauwirtschaft in rasantem Tempo.
Die Pandemie hat uns, auch das haben wir eben schon von Susanne gehört, unter dem Brennglas gezeigt, wie wirtschaftliche Abhängigkeiten sich in kürzester Zeit nicht nur durch lückenhafte Lieferketten bemerkbar machen. Die Notwendigkeit und Dringlichkeit einer funktionalen und nachhaltigen Infrastruktur wird hierdurch noch weiter verstärkt. Sie ist nicht nur für die wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit von größter Bedeutung, sondern auch, wie schon gesagt, für kulturelle und soziale Entwicklung in jedem Land der Welt. Genau, was ich jetzt vergessen habe, ist tatsächlich, mich vorzustellen. Das hole ich noch mal kurz nach. Mein Name ist Tina Becker, ich bin wissenschaftliche Mitarbeiterin am KIT und als vom KIT Verantwortliche hier für den WERKstattPALAST darf ich eben auch heute unseren Hub vorstellen.
Und genau, der KIT Innovation HUB wurde 2016 ins Leben gerufen und beschäftigt sich seitdem mit Konzepten für nachhaltige und belastbare Infrastruktur in den Bereichen Verkehr, Energie, Wasser, industrielle, aber auch kommunale Infrastruktur. Und das machen wir auch schon seit Längerem nicht nur in kleinen wissenschaftlichen Blasen, sondern in enger Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern aus unterschiedlichen Forschungseinrichtungen, aber auch Experten aus der Industrie und Partnern wie Bauherren, Planern, Behörden.
Und der Transfer der Ergebnisse in die Anwendungen, wie auch der gegenseitige Austausch, war von Anfang an eigentlich, also von der Gründung des Hubs, ein sehr großes Anliegen, was auch nochmal unseren Bezug erklärt und warum dieser eigentlich aus der Bauchemie kommende Hub heute auch im Bereich Technologietransfer und Bürgerpartizipation in Infrastrukturprojekten forscht und warum auch dieses Projekt, das wir hier gemeinsam ins Leben gerufen haben, nicht nur von großem Interesse für uns ist, sondern warum wir auch denken, dass das hier entstehende und sich hoffentlich in den nächsten zehn Wochen entwickelnde eine absolute Notwendigkeit ist. Genau, ich wollte auch noch einer Person danken, der natürlich noch nicht gedankt wurde, weil sie allen gedankt hat, der Norina. Vielen Dank über deine Standhaftigkeit.
Und ja, es ist auf jeden Fall schön, mit dir Projekte zu machen. Und damit freue ich mich auch, dass ich jetzt unseren wissenschaftlichen Leiter und Gründerinitiator des KIT Innovation HUBs noch vorstellen darf, Professor Andreas Gerdes, der jetzt nochmal ein bisschen ausführlicher hinter die Infrastrukturen oder die technischen Aspekte der Infrastruktur blicken lässt.
34:14Andreas Gerdes über Verantwortung und Infrastruktur
Andreas GerdesKIT Innovation HUB
Also ich habe heute Infrastruktur hergestellt, nach langen Jahren wieder. Ich habe nämlich heute mitgeholfen, die Bierbänke zusammenzuschrauben. Und ich denke, wenn ich heute Abend ins Bett gehe, werde ich vor Sonntagmittag nicht wieder aufwachen, weil es eben sehr deutlich zeigt, dass nichts von nichts kommt. Und ich glaube, das ist eben auch, was hier gelungen ist, aus nichts etwas zu machen.
Und das ist etwas, was uns in diesem Land leider im Moment ein bisschen fehlt. Ich habe das gerade gerne aufgenommen mit der Initiative, mit dem, sagen wir mal, Denken, wie geht es mir, aber nicht den anderen. Wir sind soziale Wesen. Aber manchmal habe ich den Eindruck, dass wir nicht mehr in einer Gesellschaft leben, sondern, wörtlich gesprochen, in einer verantwortungslosen Gesellschaft. Weil niemand übernimmt mehr Verantwortung für die anderen und geht mehr Risiken ein. Und jetzt werde ich mal ganz kurz, zehn Sekunden politisch. Ich habe mich furchtbar geärgert, wie ich den Herrn Brudermüller von der BASF gehört habe, wie er große Tränen geweint hat, weil es kein Gas mehr gibt. Aber dass er 30 Jahre mit seinem Unternehmen wahnsinnig viel Geld dort verdient hat und dort sehr erfolgreich war und den Laden manchmal damit am Leben gehalten hat, das ist ihm nicht eingefallen.
Das heißt, Verantwortung, das deutet auch eben, Verantwortung nicht nur zu übernehmen, sondern auch zu tragen. Ich glaube, das hat das Team, was hier dieses Ganze erstellt hat, in wirklich herausragender Art und auch bemerkenswerter Art tatsächlich erreicht, Verantwortung zu übernehmen und diese Verantwortung auch tatsächlich in etwas Produktives umzusetzen. Viele haben mich gefragt, ja, KIT Innovation HUB, ihr seid Wissenschaftler, warum arbeitet ihr jetzt mit Künstlern zusammen?
Keine Angst, ich bin nicht aus der Vereinigung ausgestoßen worden oder irgendwie jetzt das schwarze Schaf, hoffe ich zumindest nicht, Herr Wöll, ich hoffe, Sie können das bestätigen, aber die Grundidee ist doch einfach, dass wir wieder mehr ins Gespräch hineinkommen müssen, dass wir wieder miteinander reden müssen, dass wir versuchen müssen, eben diese Verantwortung für die Gesellschaft zu übernehmen. Das macht die Kunst genau im gleichen Maße, wie es die Wissenschaft tut. Aber ich habe mal ein Erlebnis gehabt, was ich hier kurz schildern will, was das sehr deutlich macht. Ich saß in einer Runde, da ging es um Diskussionen über tatsächliche Probleme, Ressourcenverknappung und Ähnliches. Und da habe ich gesagt, wir sind letztendlich auch Bürger dieses Landes, als Wissenschaftler. Wir müssen uns mit dem, was wir einbringen, genau einbringen, wie die Künstler es versuchen. Und ich kann Ihnen versichern, die Wissenschaftler sind auch nicht so hervorragend bezahlt, wenn sie jetzt in der öffentlichen Hand arbeiten.
Aber lange Rede, kurzer Sinn, dieses Verantwortung übernehmen, kann ich nicht dadurch reduzieren, was ein Kollege dort gesagt hat. Ja, also mich interessieren nur meine Forschungsprojekte. Was da draußen passiert, will ich gar nicht wissen. Nein, wir haben eine wichtige Aufgabe, und das ist genau auch die Idee des WERKstattPALAST, dieses Zusammenbringen auf der einen Seite von Kunst und auf der anderen Seite Wissenschaft, nämlich Verantwortung gemeinsam zu tragen und diese Verantwortung tatsächlich auch in Aktionen umzusetzen und nicht zu warten und zu sagen, die anderen werden es schon tun.
37:37Brücken für 100 Jahre halten nur 25
Andreas GerdesKIT Innovation HUB
Und die Infrastruktur, um jetzt den Sprung zu machen, weil das war ja die Bitte auch von der Tina, dass ich ein bisschen was über Infrastruktur erzähle. Sie sehen gerade hier die Brücke direkt neben uns. Diese Brücken sind gebaut für 100 Jahre ohne Reparatur. Und wenn ich Sie frage, ob Sie so eine Brücke kennen, dann werden Sie sagen, nee, noch nie gehört. Gibt es nicht. Das ist tatsächlich auch so. Diese Brücken hier halten etwa 25 Jahre. Geplant sind sie aber für 100 Jahre. Und was passiert? Sie müssen repariert werden. Und jetzt wird es Sie vielleicht überraschen, aber wenn diese Brücke repariert wird, ist der Aufwand, was die Umweltbelastung angeht, dreimal so hoch, wie die Herstellung der Bau der Brücke mit sich gebracht hat. Also dieses bisschen Flicken und Reparieren ist dreimal so umweltbelastend wie der Bau der Brücke.
Jetzt fragen Sie sich wahrscheinlich, okay, wie sieht es mit den Kosten aus? Der gleiche Faktor. Aber niemand kann auf die Brücke verzichten, um in den Rheinhafen zu kommen. Also müssen wir sie reparieren. Und jetzt für Sie, auch wenn die Gehälter klein sind, müssen wir ja immer Steuern bezahlen. Dann nützt es ja nichts. Jetzt wird Sie das entsetzen, aber diese Sanierung halten wir zehn Jahre. Und dann geht das Spiel wieder von vorne los. Und da sehen wir jetzt eben tatsächlich im Bauwesen eine Transformation. Und das ist eben genau auch die Aufgabe des KIT Innovation HUB, diese Transformation voranzutreiben. Auf allen Ebenen, die uns zur Verfügung stehen. Wenn Sie so wollen, auf allen Kommunikationskanälen, die wir finden können.
Wir reden mit den Bürgermeistern, wir sprechen mit den Unternehmen. Und hier haben wir eine neue Kommunikationsebene aufgemacht, um auf diese Art und Weise das Wissen, was wir in der Wissenschaft zusammentragen, möglichst schnell hineinzubringen, um dort eben diese Nutzung zu finden und eine nachhaltige Infrastruktur zu erarbeiten. Denn niemand von Ihnen, behaupte ich jetzt mal, hat sich heute Morgen unter der Dusche Gedanken darüber gemacht, welche Infrastruktur in Betrieb genommen wurde, wie er den Wasserhahn aufgedreht hat. Vom Brunnen zum Wasserspeicher, zum Wasserwerk, zum Trinkwasserbehälter, über die Leitungen zu Ihnen hinein. Und die gleiche komplexe Infrastruktur haben wir, wenn das Wasser nach unten über die Kanalisation wieder zurückgeht. Und die ganzen Diskussionen, die wir jetzt im Kontext mit dem Gas führen, macht uns schon Angst, ob wir jetzt bei 19 oder bei 18 Grad sitzen müssen.
Aber ich denke, in dieser Diskussion, die mich auch manchmal ein bisschen ärgert, weil alle darüber jammern, was nicht geht. Ich verflicke es nochmal, wir müssen uns überlegen, was funktioniert und wie wir es verbessern. Dass diese ganzen Strukturen, die wir dort hier haben, uns erst bewusst werden, wenn wir an die Menschen in der Ukraine denken, denen man diese Infrastruktur davon gebombt hat. Die kein fließendes Wasser mehr haben, die keine Heizung mehr haben. Das bedeutet aber auch, dass die verantwortungslose Gesellschaft, und da zählen Sie im Bereich Infrastruktur leider auch dazu, sich darüber bewusst werden muss, dass wir diese Infrastruktur gemeinsam tragen müssen. Denn wenn wir sie nicht mehr haben, der Zug zu spät kommt, oder das tödliche Unglück jetzt dort in Bayern, da hat der Beton der Schwellen versagt, ich hoffe, die rufen uns noch an, dass wir denn da helfen können.
Aber letztendlich unterm Strich betrachtet, ist das ein Versagen der Infrastruktur. Und wenn wir das nicht einhalten, laufen wir auch dahin, dass die Gesellschaft versagt. Denn ohne Infrastruktur können wir nicht als soziales Wesen leben. Dankeschön.
41:34Dank an die Redner:innen und Ausblick auf den Abend
Moderation
So, und ich habe jetzt die Ehre, Ihnen und Euch zu sagen, wie es weitergeht. Und bevor ich das aber mache, wir hatten es jetzt schon ein paar Mal, aber kommt auch nochmal die Dankeschleife. Und zwar die ganz ausdrücklich ausgesprochene für unsere Rednerin. Und Redner. Steffi, darf ich dich bitten, die Sachen anzureichen, die da stehen? Ja, super. Und zwar einmal für Susanne Rockweiler. Vielen, vielen Dank für deinen Impuls und für deine Eindrücke, die du uns mitgeteilt hast aus dem Zug. Deine Reise nach Karlsruhe, deine Gedanken oder der Protagonistin. Herzlichen Dank.
Bitteschön. Frisch aus dem Elsass.
Dann möchte ich Christina, Tina Becker danken für deinen Impuls und deinen Eindruck, die Zusammenarbeit. Und ich bin echt froh, dass wir uns jetzt endlich seit zwei Wochen auch mal live kennengelernt haben.
Dann Herrn Professor Andreas Gerdes, auch nochmal vielen, vielen Dank für den wissenschaftlichen Unterbau und damit auch zeigt die Kooperation, die wir hier gerade starten und den wissenschaftlichen Part. Vielen Dank auch für die.
Ja, und zu guter Letzt, mein Gefühl war, das kam noch ein bisschen zu kurz, möchte ich nochmal der Norina Quinte, doch, meiner Freundin und Kollegin, das hast du vorhin so schön gesagt, unserer Freundin und Kollegin danken für, jetzt muss ich überlegen, deine feinfühlige Leitung des Projekts, deine wirklich wahnsinnig vorausschauende Planung, was du alles bedacht hast, ja, und für deine Fähigkeit, ich kenne keine andere Person, Leute zusammenzubringen, aus den unterschiedlichsten Bereichen zu diskutieren, zusammenzuarbeiten, an den Maschinen zu stehen. Vielen, vielen Dank, du bekommst ein Cremant und noch eine kleine Überraschung dazu, die du einlösen kannst, wenn es ein bisschen ruhiger geworden ist.
Und ja, jetzt ist das geschafft, jetzt können wir nach diesen tollen Vorträgen und Beiträgen runtergehen und unsere Essens- und Getränkegutscheine einlösen, ich hoffe, Sie haben die alle, sonst können Sie gerne mich nochmal ansprechen und im Anschluss gibt es noch ein ganz, ganz grandioses Konzert, wieder hier oben und es werden auch noch Platten dann im Anschluss aufgelegt von Sebastian Heck und ja, der Abend ist noch lang und ich freue mich mit Ihnen und euch allen ins Gespräch zu kommen







