Archiv · 13.08.–15.10.2022 · Ein Projekt von supermorgenArchiv 2022 · supermorgen

Gespräch · · 54:42

„Von Nano zu Makro“

Mitschnitt · 54:42 · 12 Kapitel

Kapitel 1 von 12Andreas Gerdes stellt seine beiden Gäste vor

Christian Holzer

Sprecher:innen

  • Christian Holzer · sprichtUnternehmerRedeanteil 31 %
  • Christof Wöll · sprichtInstitut für Funktionelle Grenzflächen, KITRedeanteil 30 %
  • Andreas Gerdes · sprichtModeration, KIT Innovation HUBRedeanteil 25 %
  • Norina Quinte · sprichtatoRedeanteil 6 %
  • Stimme aus dem Publikum · sprichtRedeanteil 3 %

Kurzfassung

Andreas Gerdes (KIT Innovation HUB) spricht mit Prof. Dr. Christof Wöll, Leiter des Instituts für Funktionelle Grenzflächen am KIT, und dem Unternehmer Christian Holzer über den weiten Weg von der Grundlagenforschung zu Ausgründungen und in die Gesellschaft. Es geht um Transfer, Bewertungsmaßstäbe, Scheiterkultur und das Silicon Valley als Vorbild oder Gegenbild; Norina Quinte (ato) bringt die Sicht der Kunst ein und spricht das Schlusswort.

Veranstaltung: Von Nano zu Makro

Transkript

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0:00Andreas Gerdes stellt seine beiden Gäste vor

Andreas GerdesModeration, KIT Innovation HUB

Ich habe zwei Gäste, über die ich mich sehr freue. Zu meiner Rechten sitzt Prof. Dr. Christof Wöll. Er leitet das Institut für Funktionelle Grenzflächen. An diesem Institut ist auch der KIT Innovation HUB angegliedert. Wir haben in ihm auch einen Unterstützer für diesen ganzen WERKstattPALAST, jetzt nicht nur heute durch seine Anwesenheit, sondern auch im finanziellen Bereich. Da wäre vieles nicht möglich gewesen, wenn er uns da nicht geholfen hätte. Und ich überlasse gleich den beiden Kollegen, die hier noch am Tisch sitzen, noch ein bisschen genauer vorzustellen, wie ihre Arbeit aussieht. Und auf der linken Seite ist Christian Holzer. Das ist ein Unternehmer, der kommt tatsächlich aus der Wirtschaft, hat schon einiges in seinem Leben auch erlebt.

0:58

Das wird er gleich mit seinen Stationen kurz darstellen. Und obwohl das Ganze so widersprüchlich im Moment aussieht, ist das etwas, was zusammengehört und in Zukunft noch sehr viel mehr zusammengehören wird. Und bevor ich das Wort jetzt noch übergebe, möchte ich eben nochmal darauf abheben, das war auch die Grundidee des WERKstattPALAST, eben diese Dinge zusammenzubringen, auf gleicher Augenhöhe miteinander zu sprechen, das war der Norina wichtig, als Künstlerin und der Tina als Zwischenglied und mir jetzt auch von der wissenschaftlichen Seite, dass wir eben anfangen, eben diese Blasen zu verlassen, die man eben vorhin in dieser Form diskutiert hat. Aber jetzt würde ich mal vorschlagen, Herr Wöll, dass Sie zunächst mal ganz kurz berichten darüber, was eigentlich Ihre Aufgabe ist, die über die Rolle des Institutsleiters ja deutlich hinausgeht.

1:52Christof Wöll über Grundlagenforschung und Transfer am KIT

Christof WöllInstitut für Funktionelle Grenzflächen, KIT

Ja, vielen Dank für das Wort. Ja, also ich will jetzt nicht zu weit ausholen, aber ich würde gerne nochmal herausstellen, dass also dieses ganze Thema, dem sich auch der WERKstattPALAST widmet, schon auch sozusagen professionell für mich sehr interessant ist. Also das Institut für Funktionelle Grenzflächen ist ja ein Institut des KIT. Und was vielleicht nicht alle wissen, das Karlsruher Institut für Technologie ist ja 2009 gebildet worden durch den Zusammenschluss einer Universität, der Technischen Universität Karlsruhe und eines, wenn man so will, nationalen Forschungszentrums, des Karlsruher Forschungszentrums als Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft.

2:32

Also wir sind jetzt eine Einheit, einzigartig in der Bundesrepublik. Was eine Universität ist, wissen die meisten. Ich sage vielleicht nochmal ein bisschen was zu unserer Mission in der Helmholtz-Gemeinschaft. Unsere Mission ist eigentlich anwendungsorientierte Grundlagenforschung. Also das ist unsere Mission. Also wir haben sozusagen die Lizenz zur Grundlagenforschung. Aber auf der anderen Seite sollten wir die Anwendung, also den Transfer jetzt in diesen Worten auch im Auge haben. Wir werden direkt vom Ministerium quasi finanziert, was uns auch gelegentlich evaluiert. Und das ist ein Spagat, der nicht so ganz einfach ist, also von Nano zu Mikro zu Makro. Also für meine eigene Forschung heißt das von Systemen, wo wir die Position einzelner Atome bestimmen, dann eben hinzugehen zu einem Prozess, der für die Industrie oder für eine Firma oder für die Gesellschaft relevant ist. Das ist ein ganz schön weiter Weg, aber diese Herausforderungen stellen wir uns.

3:37

Und vielleicht noch als letzten Satz, die Helmholtz-Gemeinschaft, auch das wissen viele nicht, ist die größte Forschungsinstitution in der Bundesrepublik mit einer Gesamtförderung, deutlich mehr als die Max-Planck-Gesellschaft und Fraunhofer beispielsweise. Und wir haben also schon Puste, würde ich mal so sagen, sowohl finanziell als auch von den Ressourcen her, als auch vom Können her, darf ich glaube ich sagen. Aber die Probleme, die ja auch in den einführenden Worten von Andreas Gerdes so ein bisschen klar werden, die gehen auch an uns nicht vorbei.

4:11

Wieder die Probleme zu sehen und dann auch zu realisieren, mit jungen Leuten zum Beispiel, die zu motivieren, mal über eine Ausgründung nachzudenken. Und das ist schon ein relativ weiter Weg, also von einer Idee dann bis zu einer Firma. Ich glaube, das KIT ist da gar nicht schlecht unterwegs, aber da interessieren wir uns sehr für weitere Anregungen.

4:34

Deswegen freue ich mich auch auf das Gespräch.

4:38Christian Holzer: gemeinsam lernen statt eigener Bubbles

Christian HolzerUnternehmer

Ja, danke schön. Christian Holzer. Ex-Googler und jetzt CEO von HUVI als Think Tank für Digital Innovations. Und ich beschäftige mich auch stark mit den Themen Trend- und Zukunftsforschung, vor allem im digitalen Bereich. Und erstmal danke, dass ich dabei sein darf. Und ich finde die Runde spannend, auch vorher die Diskussion sehr spannend. Und was mir so ein bisschen aufgefallen ist, gerade diese Blasen, diese Bubbles, aber auch diese Dialoge, die stattfinden, die sind ultra wichtig. Und wenn man das so sagen darf, gerade in der Digitalisierung, ist es, oder bezüglich, wenn man jetzt mal die Zukunft sieht, wird es immer mehr wichtiger, dass wir die Erwartungen von den einzelnen Stakeholdern, wie man es in dieser Start-up-Language auch spricht, also diese Beteiligten, die in diesem Ökosystem, aber auch gesellschaftlich, da tatsächlich mitwirken, dass da Dialoge stattfinden und dass man darüber eigentlich, und ich finde, das hat sich, obwohl ich Digital und Technologie über alles liebe, hat sich für mich irgendwo in den letzten Jahren da schon mehr gespaltet.

5:56

Also dieser persönliche Dialog ist irgendwo ein bisschen untergangen und ich glaube, das ist wichtig, dass wir sowohl die Wissenschaft sehen, aber auch dann tatsächlich die Gesellschaft, eben alle Stakeholder, um dann eben auch solche Projekte dann auch schließlich umzusetzen und ich glaube, das ist so die Herausforderung, die wir haben in Zukunft und ich habe zwei Zukunftsmöglichkeiten bzw. Lösungen oder gehe ich davon aus, entweder wir machen so weiter wie jetzt, dass jeder sein eigenes Thema macht, dann glaube ich aber, dann werden uns die größten Challenges nicht mehr gelingen oder wir lernen endlich wieder gemeinsam und ich denke, dann werden wir, glaube ich, alle Hürden in Zukunft auch gut meistern.

6:44Wie die Politik die Forschung stärker lenken will

Andreas GerdesModeration, KIT Innovation HUB

Danke, Christian. Ich würde mal mit einer Frage gerne beginnen, die sich an den Herrn Wöll richtet. Sie sind ja, genau wie ich, schon etwas länger in der Wissenschaftswelt unterwegs. Wenn Sie jetzt mal die letzten, sagen wir mal, fünf bis zehn Jahre Revue passieren lassen, was waren jetzt eigentlich die Umbrüche eben, die man jetzt als Institutsleiter oder als Leiter von einem großen Programm, das hat Herr Wöll noch nicht erwähnt, leitet ein großes Forschungsprogramm, was in den nächsten Jahren ein Budget hat von über einer Milliarde im Rahmen der Helmholtz-Gemeinschaft. Was hat sich da jetzt eigentlich grundsätzlich geändert in der, sage ich mal, in der Aufgabe, die uns gestellt worden ist, sei es durch das BMBF oder sei es auch durch andere Einrichtungen?

7:34

Das BMBF steht für das Bundesministerium für Bildung und Forschung. Das sind also unsere Brötchengeber, da kriegen wir unsere Schecks her. Ministerin im Moment ist Frau Stark-Watzinger, die auch hin und wieder mal in der Presse hervortritt mit Äußerungen. Auch die ist ja bis hin zu dem Grundschulbereich für alles zuständig.

Christof WöllInstitut für Funktionelle Grenzflächen, KIT

7:58

Ja, wenn ich vielleicht da zwei Punkte herausstellen darf als Antwort auf die Frage von Herrn Gerdes. Vielleicht erstens, also wir sehen schon, also verglichen vor zehn Jahren, gut zehn Jahre bin ich hierher gekommen, ist also gerade vom jetzt schon thematisierten BMBF, also aus der Politik, aus dem Ministerium, der Wunsch doch stärker geworden, zu verstehen, was wir tun, uns zu lenken und die Leine vielleicht etwas kürzer zu führen. Allerdings merkt man den Vertretern des Ministeriums an, dass sie auch gar nicht so richtig wissen, wie sie das tun sollen, weil die Fachkompetenz fehlt ihnen in der Regel, aber der Wunsch ist ganz klar da. Also ein Aspekt, der da jetzt gerade auch eingeführt wurde, ist, man will mehr Transfer sehen, dann ist aber nicht so ganz klar, wie man Transfer eigentlich misst. Also das Ministerium ist immer sehr stark daran interessiert, Dinge zu messen, also wie gut seid ihr, wie vergleicht ihr euch mit anderen, aber wie man Transfer misst, ist nicht so ganz klar.

8:55

Lizenzeinnahmen aus Patenten, Anzahl der Patente, Anzahl der Ausgründungen, also da entwickelt man gerade Transferbarometer, also da ist eine große Unruhe, weil das nicht so ganz klar ist. Und dann eben auch gerade auch als Antwort auf, was Herr Holzer ja gerade gesagt hat, der zweite Punkt, der in den letzten Jahren mehr und mehr klar wird, ist, dass diese Digitalisierung eine Dimension hier eröffnet, die, also ich selber bin Materialforscher, auch die Materialforschung direkt berührt, also ich sage immer, ich bin für ein Programm zuständig, was Materials Systems Engineering heißt, also wo wir uns für Materialsysteme interessieren, aber eigentlich der Untertitel müsste sein, Digitalisierung der Materialforschung, also das geht dann bis hin zur Entwicklung von digitalen Zwillingen, wo man also ganze Systeme modelliert auf verschiedenen Skalen, um die einzelnen Materialkomponenten dann eben separat zu optimieren, also das sind zwei sehr unterschiedliche Aspekte, die jetzt eben das eine aus dem politischen Raum kommt und das andere eben mehr aus der Wissenschaft selber.

10:05

Vielleicht darf ich noch eine Anekdote erzählen, wenn man zu Menschen redet, kommen Anekdoten immer ganz gut an. In der vorhergehenden Legislaturperiode gab es einen FDP-Mitglied im Bundestag, ein Herr Sattelberger, das sind alles Informationen, die alle öffentlich sind und Herr Sattelberger hat sich in der letzten ein bisschen auf das BMBF eingeschossen und auf die vier großen Forschungsinstitutionen, die vom BMBF gefördert werden, Fraunhofer, Leibniz, Max Planck und Helmholtz als Größte. Er hat dann den Begriff der vier fetten schwarzen Katzen geprägt, den sich das BMBF daran gezüchtet hat. Das hat er also in der letzten Legislaturperiode, also in mehreren Sitzungen des Bundestages, hervorgebracht und uns auch die ein oder andere Schramme beigebracht. Jetzt in dem neuen Ministerium hat Herr Sattelberger jetzt eine leitende Funktion übernommen und wir warten gerade noch auch auf seine ersten großen Würfe, was da kommen wird.

11:11

Das vielleicht noch so als Anekdote auf die Frage, was hat sich geändert? Also da ist schon natürlich von der FDP, die jetzt dieses Ministerium auch leitet, die kommen schon mit einer ganz bestimmten Erwartungshaltung rein, aber ich sage mal, so richtig ganz klar ist auch dem nicht, wie man das jetzt eigentlich umsetzt. So, damit bin ich fertig.

Christian HolzerUnternehmer

11:29

Lustig zur Anekdote, ich hatte vor anderthalb Jahren eine Diskussion mit Herrn Sattelberger, der die genannten Institutionen als Innovationsverhinderer betitelt hat. Ja, ich denke halt auch, dass da wieder Verständnisthemen sind und ich glaube, vieles wird einfach heutzutage auch viel oberflächlich gesehen. Das Gleiche mit Information, die ich im Internet mir holen kann, das ist halt nun mal auch nicht Wissen, weil Wissen ist Können und ich glaube, wir werden immer mehr zu der Gesellschaft, wo eigentlich mehr Information bekommt, aber nicht mehr ganz tief auch in die Untergründe geht und auch mal sieht, welchen Forschungseinsatz und welche Fortschritte da über Jahrzehnte teilweise auch erzielt worden sind und das hat ja auch immer mit Bedingungen zu tun. Auf der einen Seite fangen die dann an zu sagen, da geht nichts voran, aber wenn man ganz ehrlich sind, wir haben ja hier auch die schlechtmöglichsten Bedingungen, um teilweise Ausgründungen zu machen und wenn man einmal im Silicon Valley war und da dieses American Mindset mit hat und sieht, wie da schnell alles voranwächst und ich glaube nicht, dass wir hier in Deutschland ein Problem haben.

12:42

Nochmal, wir haben sehr, sehr gute Universitäten, wir haben kluge Köpfe, wir haben eine Multikultur, aber wir haben halt immer viel Pessimismus, die German Angst und wir hinterfragen immer sehr, sehr viel. Das ist gut, aber ich glaube, wir machen das teilweise auch viel zu komplex und lassen eben wenig Raum auf Fehlerraum und keine Scheiterkultur. Also Scheitern ist das Schlimmste, was in Deutschland passieren kann, vor allem auch wirtschaftlich, das spreche ich jetzt als Unternehmer, wenn man die Wirtschaft mal sieht, um das auch mal zum Spiegel, gibt es tatsächlich Unternehmer, die sagen, in Deutschland werde ich doppelt bestraft.

13:26

Einmal, wenn ich das Ding gegen die Wand fahre, dann bin ich in der Insolvenz und verliere mein Gesicht. Und das Zweite ist, wenn das Ding richtig rockt und ich richtig Kohle mache, dann zahle ich so viel Steuern, dass ich ein Problem habe, mein Business zu skalieren.

13:40Neue Anforderungen treffen auf alte Bewertungsmaßstäbe

Andreas GerdesModeration, KIT Innovation HUB

Ich glaube, man kann jetzt beide Punkte sehr schön zusammenführen. Auf der einen Seite sehen wir, wenn wir jetzt an die Forschung sehen, das Thema Evaluation spielt eine zunehmende Bedeutung und strategische Vorgaben. Das heißt also, auch wenn wir an die Strukturen denken, die Zeit, wo es ein Rektorat gab, was durch das Parlament, sprich den Senat kontrolliert wurde oder ähnliches, das ist anderen Strukturen gewichen. Wir haben heute eine Struktur, wo es ein Präsidium, ein Rektorat, manchen Hochschulen sprechen sogar vom Vorstand, der jetzt vom Hochschulrat kontrolliert wird, die Möglichkeiten des Senats jetzt eingeschränkt. Wir haben da natürlich auch insgesamt eine Neuausrichtung, die sicherlich stärker in Richtung Erfolg geht, aber da haben Sie ja schon festgestellt, Herr Wöll, niemand weiß so genau, was ist denn der Erfolg, wie sieht denn der Erfolg aus? Man möchte den Erfolg und man ist jetzt heute noch bei den alten, sage ich mal, bei den alten Bewertungsrichtlinien, Zahl der Veröffentlichung, Qualität der Journal und so weiter und da haben wir jetzt eine parallele Entwicklung.

14:48

Auf der einen Seite verändern sich die Bewertungsmaßstäbe praktisch nicht, aber die Forderungen an die Einrichtung, die verändern sich und das gibt Inkompatibilitäten und das lässt sich eben genau auch auf diese Richtung übertragen, Inkompatibilitäten. Wir wünschen uns eine Ausgründerkultur in Deutschland, schauen zu stark in Richtung, nach meiner Meinung, den Vereinigten Staaten, weil wenn ich heute als Ausgründer gescheitert bin, gehe zur Bank und sage, ich bin wieder aufgestanden, ich habe 200.000 Euro verbrannt, das Geld ist bei euch weg, ich brauche jetzt nochmal 200.000 Euro, dann wird der Notfallpsychiater verständigt und man wird dann abgeholt. Das heißt, wir haben unterschiedliche Systeme, die in einem Umbruch sind, die in sich noch nicht kompatibel sind und deshalb sehr häufig nicht funktionieren und da sind wir letztendlich auch ein bisschen wieder in der Diskussion, die wir vorhin geführt haben, wie evaluiert man und was sind eigentlich die Bewertungsmaßstäbe, die dort gelten müssen und wenn wir da nicht schnell daran arbeiten, dann werden wir letztendlich in Richtungen gehen, die vielleicht in diesem Zusammenhang nicht von Vorteil sind und diese Entwicklung sehen wir, glaube ich, sowohl an den Universitäten als auch in der Gründerszene.

16:07

Im Moment, dass jetzt eben dieser Bewertungsmaßstab, was ist wichtig und was ist nicht wichtig. Mir fällt in dem Zusammenhang auf, Herr Wöll, dass wenn wir eben heute schauen und diese alten Bewertungsrichtlinien mal zur Hand nehmen, Zahl der Veröffentlichungen, Publikationen, in guten Zeitschriften, Patente kommt ein bisschen dazu, war vor allen Dingen vor fünf Jahren noch kein Thema, jetzt kommt es dazu, wenn man jetzt auch noch ein bisschen Geld über die Patente einspielt, umso besser, aber irgendwo habe ich den Eindruck, dass dieses Thema, ich bin auch noch Bürger als Forscher und habe auch noch die Aufgabe, mich jetzt in der Gemeinschaft mit meinem Wissen zu engagieren, dass das noch nicht Teil unserer Ausbildung an den Universitäten ist, oder sehe ich das falsch? Vielleicht noch einen Satz dazu, viele beklagen, dass das Studium Generale letztendlich implodiert ist, dass da eigentlich nicht mehr viel passiert. Sehen Sie es ähnlich, oder gibt es da noch andere Aspekte, die wir berücksichtigen müssen?

17:14Wer mit Leuten reden will, muss zu ihnen gehen

Christof WöllInstitut für Funktionelle Grenzflächen, KIT

Ja gut, würde ich gerne direkt einhaken. Also natürlich der Weg von uns jetzt in der Grundlagenforschung bis zum normalen Bürger ist natürlich relativ weit. Ich fange jetzt erstmal mit einem konkreten Beispiel an aus den letzten paar Wochen. Also ich bin ja Mitglied der Fakultät für Chemie auch und neue Studenten für die Chemie müssen so ein Gespräch absolvieren mit einem der Professoren. Das haben wir jetzt alles online gemacht und ich habe also dann eben, was weiß ich, mit fünf oder sechs jungen Menschen gesprochen, die also gerade Abitur gemacht hatten und Chemie studieren wollen und habe halt mit denen so ein bisschen geredet. Da ging es so ein bisschen darum, die zu sensibilisieren, dass Sicherheit im Chemiestudium eine wichtige Rolle spielt. Aber ich habe dann immer so zehn Minuten versucht, allgemein mit denen zu reden.

17:58

Warum studiert ihr Chemie? Was sind denn eigentlich Probleme, die, ich nehme jetzt mal Chemie als Beispiel, könnte man für andere Fachdisziplinen auch mal, wo spielt denn die Chemie im Moment bei den Publikationen in den Zeitungen, in den Onlineportalen eine Rolle und wollte so ein bisschen ins Gespräch kommen. Und ich war eigentlich sehr verwundert, wie wenig da kam. Da haben viele gesagt, ja, ich will Chemie studieren, ich habe einen Chemiebaukasten mal geschenkt, das ist es. Aber es war eigentlich nicht möglich, in ein Gespräch zu kommen. Also gut, Umwelt ging immer, aber so wie es ein bisschen konkreter wurde, war eine große Unsicherheit. Manchmal wussten die Leute dann auch einiges, aber es war eine große Unsicherheit. Also selbst bei Abiturienten, die gesagt haben, ich will Chemie studieren, da so ein generelles Gespräch zu führen.

18:49

Und das ist natürlich mit dem normalen Bürger noch viel schwieriger. Und ich denke, da können so Veranstaltungen wie diese schon helfen. Der Weg ist extrem weit. Ich darf vielleicht noch ein letztes Beispiel sagen. Also vor vielen Jahren, da war ich noch in Bochum, hatten wir mal Geld gekriegt, auch vom BMBF damals, da gab es ja Wissenschaftsjahre. Und da haben wir was gemacht. Da haben wir keinen Tag der offenen Tür gemacht, sozusagen, weil da kommen nur wenig Leute, sondern wir hatten dann die finanziellen Ressourcen und wir sind in ein Einkaufszentrum reingegangen. Also wir sind in ein großes Einkaufszentrum da reingegangen und haben dann da so Modelle aufgebaut. Also wir hatten dann so ein Modell für so ein Rasterkraftmikroskop, sodass die Leute beim Samstagseinkauf dann da stehen geblieben sind und mal geguckt haben.

19:37

Und da haben sich, wir haben eben von Gesprächen geredet, da haben sich schon auch sehr interessante Gespräche entwickelt, wo klar wurde, dass da wirklich die Welten extrem weit auseinander sind und ja, wir haben auch Schülerlabore gehabt und so weiter, alles schön und gut, aber wenn man mit den Leuten in Dialog treten will, muss man zu den Leuten gehen. Man kann nicht erwarten, dass ich annonziere Tag der offenen Tür, hier sowieso und dann kommen die. Aber ich glaube, das ist eine große Herausforderung für uns alle und das Potenzial, was wir da schöpfen können, ist natürlich gigantisch letztlich, weil ich sehe heute viele Leute, Naturwissenschaften wollen sie nicht mehr studieren, sie wollen gleich BWL studieren, aber dann studieren sie BWL, ja toll, und was machen sie jetzt? Also ich glaube, wir brauchen diese Verbindung.

Andreas GerdesModeration, KIT Innovation HUB

20:27

Christian, direkt die Frage an dich, wir haben jetzt ja gerade so die Distanz gesehen, haben die Ausgründer, die du kennengelernt hast, genauso eine Distanz zu dem eigentlichen Thema, wie die Studierenden oder die Abiturienten die Chemie studieren wollen, auch eine ähnliche Distanz zu dem, was sie tun wollen, nämlich Ausgründen.

20:50Forschung verständlich und greifbar machen

Christian HolzerUnternehmer

Ja, ich glaube, das ist eine Verständnisfrage, auch wieder verschiedene Zielgruppen, aber das, was wir auch beschreiben, oder was Herr Wöll auch gesagt hat, ich sehe das auch als Generationenthema und Generationenproblem auch an, ob das jetzt von Generation XYZ dahin geht. Wir haben eben halt noch eine andere Art, wie man kommuniziert, andere Erwartungen, also ich bin jetzt 40, ich habe schon auch dieses Problem mit der neuen Generation teilweise zu kommunizieren.

21:26

Wobei es die auch nicht einfach haben, muss man ganz ehrlich sagen. Aber wenn man das mal alles weglässt, ich glaube es ist wichtig, dass man darüber spricht und das auch angeht. Wir hatten ja auch vor zwei Monaten, war auch die Diskussion, die Vorlesungen werden langweiliger. Dann hast du das ja eigentlich auch direkt angesprochen, dann sprecht es doch mit eurem Professor an. Wie soll man denn reagieren, wenn man keinen Dialog führt, sondern schlussendlich nur eine Kritik reinwirft und sagt, das ist alles schlecht. Und ich glaube, das ist das, wo wir auch wieder angreifen müssen. Ich glaube, wir müssen aber auch eine Verständlichkeit schaffen. Wenn man jetzt hier hochwissenschaftliche Prozesse bzw. hochwissenschaftliche Entwicklungen und Projekte da hat, die Bürger, denen das auch greifbar und verständlich machen, dass sie das ein Stück weit nachvollziehen können.

22:17

Und ich glaube, jeder ist mit seiner Bubble, es gibt schon allein das Wort Bubble wieder, jeder kommt mit seinen Fachausdrücken und ich glaube, es ist wichtig, dass wir das verständlich machen und greifbar machen. Also was hat jetzt die Forschung in den Fasern, was hat es für einen Bürger in der Zukunft für eine Auswirkung? Und wie kann man das einsetzen? Und ich glaube, da muss es aber auch hingehen, dass wir sagen, wir dürfen nicht forschen, weil wir nur forschen, sondern Forschung mit einem Ziel, so sehe ich das so ein bisschen, zu sagen, okay, diese Forschung ermöglicht uns eben in zehn Jahren, dass wir aufgrund dessen, weil sich das Klima stark verändert, oder das Thema, dass wir in 20 Jahren 68 Prozent der Bevölkerung alte Menschen sein werden, Megatrend, Silver Age, dass wir da Textilien brauchen, spezielle, also ich glaube, um das geht es.

23:14

Das erwarten, glaube ich, so ein bisschen die Bürger, dass man versteht, was da rauskommt, weil wenn man jetzt sagt, nur Fasernforschung, denkt man erstmal, ah toll, und ach was, jetzt schon wieder eine Million oder zehn Millionen in das Forschungsprojekt bekommen, was bringt uns das schlussendlich? Und ich glaube, da ist es ab und zu mal wichtig, und das finde ich auch bei Startups wichtig, ab und zu mal wieder da rauszugehen aus seiner eigenen Bubble und zu sagen, hey, wir machen hier was, das ist auch wieder greifbarer zu machen, und ich glaube, da sind, ich als Entwickler oder sowas, das kennt es selber, es ist halt vor allem, wenn es dann unternehmerisch geht, und ich glaube, und das geht es ja auch, auf der einen Seite, alles beginnt mit einer Idee, mit einer Forschung, aber schlussendlich möchten wir auch das Erforschte und das Entwicklte irgendwo einsetzen und wirtschaftlich gesehen, und da vergessen auch viele Startups, an die Wirtschaftlichkeit zu denken, zu sagen, okay, was erreiche ich da einfach gerade, und ich glaube, das ist ultra wichtig, Kommunikation und vor allem diesen Sprung, immer reinzugehen, wieder rauszugehen, also rein ins Chaos, raus ins Chaos, und ich glaube, das ist sehr, sehr wichtig, aber der Oberbegriff ist, glaube ich, schon Dialog und vor allem auch Zuhören und Erwartungen der anderen Zielgruppen oder demjenigen auch mal dann das anzupassen, gegebenenfalls.

Andreas GerdesModeration, KIT Innovation HUB

24:38

Gut, das bedeutet aber, ich habe ja vorhin schon das Transformative Institut kurz angedeutet, die Idee von Schneidewind, dass die Zusammenarbeit zwischen den Forschenden und den Bürgern, die jetzt eben die Vorstellung entwickeln, verknüpft über das Transformationswissen, dass das das Institut der Zukunft sein wird, dass irgendwo wir im Institut für Funktionelle Grenzflächen ein Büro haben, wo vier Bürger sitzen, die dann regelmäßig mit uns reden. Wird das in die Richtung gehen, dass dort der Austausch intensiviert wird oder bleiben wir noch in einer Struktur, die ja praktisch aufs 19. Jahrhundert zurückgeht und wenn man genauer hinschaut, eben an der einen oder anderen Stelle sich noch nicht so stark verändert hat, wie es vielleicht möglich ist.

25:28

Ich habe das vorhin schon kurz erwähnt. Herr Schneidewind ist eben ehemaliger Leiter des Umweltforschungsinstituts in Wuppertal und jetzt Oberbürgermeister der Stadt Wuppertal. Ich habe mal einen Artikel darüber gelesen, dem wird jetzt so langsam bewusst, was er sich da angetan hat. Seine Grundidee war eben zu sagen, jetzt habe ich es theoretisch gemacht, jetzt mache ich es mal praktisch. Und ich glaube, das wäre wahrscheinlich ein wichtiger Gesprächspartner, um zu wissen, was zwischen Nano und Makro möglich ist. Aber werden sich die Institute in naher Zukunft wirklich verändern in diese Richtung oder wird das letztendlich wieder ein frommer Wunsch bleiben?

Christof WöllInstitut für Funktionelle Grenzflächen, KIT

26:10

Wenn ich vielleicht wieder den ersten Aufschlag machen darf, weil ich glaube, der Normalbürger auf der Straße ist schon überfordert. Also ich habe ja vorhin dieses Beispiel gebracht, wo wir mal in die Einkaufszentren gegangen sind, wo dann der Enkel kam mit seiner Oma an der Hand im Schlepptau, wo er dann auf einmal die Oma anguckte, Oma, was ist das eigentlich, ein Atom?

26:30

Also ich glaube, wir sollten nicht sozusagen in die Extreme hier gehen. Also wir haben das in Bochum gesehen, ich habe schon gesagt, wir hatten ein Schülerlabor und übrigens da war der springende Punkt, wo man wirklich gemerkt hat, man bewegt was, als nicht nur die Schüler gekommen sind mit ihren Lehrern, das war dann so ein Angebot, sondern die mussten dann, da waren immer mal so Tage, ihre Eltern mitbringen. Also ich glaube, das ist ein ganz interessanter Weg. Nochmal, ich weiß das von dieser einen Erfahrung viele Jahre zurück, der Normalbürger auf der Einkaufsstraße ist davon überfordert und zieht sich dann auch, glaube ich, dann zurück. Man muss irgendwie einen Anknüpfungspunkt haben und der natürliche Weg wäre, über die Schüler zu gehen, Schülerlabore, dann über die Schüler, dann gegebenenfalls auch mal die Eltern mit einzubinden.

27:19

Es muss irgendwie eine Motivation sein, aber ich glaube schon, dass das ein Weg ist. Natürlich muss man immer wieder schauen, was die einzelne Mission ist. Wir sehen das am KIT relativ klar, weil wir eben Kollegen haben, die mehr die Universitätsaufgabe verfolgen und die Universitätsaufgabe ist halt eine Kombination aus Lehre, dann auch Ausbildung von Masterstudenten, Doktoranden und dazu kommt, dass eben an den Universitäten das Wissenschaftsfreiheitsgesetz gilt. Also die Kollegen dürfen sich im Prinzip mit ihren beschränkten Ressourcen frei aussuchen, was sie machen, während wir in diesem Großforschungsteil, in dem Nationalen Forschungsinstitutsteil, wir operieren entlang sogenannter programmorientierter Förderung, wo wir also schon so Rahmenlinien gemeinsam mit dem Ministerium setzen.

28:11

Aber ich glaube, die Motivation wäre, in der Tat in die Richtung zu gehen. Also wir haben nächstes Jahr, Herr Gerdes, da sind Sie auch gefragt, wie der Tag der offenen Tür am KIT Campus Nord. Da haben wir in den vergangenen Jahren, das ist so alle vier Jahre, wo dieses ganze Zentrum, was normalerweise ja für den Besuchsverkehr, für den öffentlichen Verkehr geschlossen ist, auf ist. Und da haben wir schon, also mein schönstes Beispiel, an das ich am liebsten denke, wir haben dann mit einem Lastwagen von einer Schiefergrube so Schiefer geholt und dann hingekippt vor das Institut, da ist eine größere Rasenfläche und dann hat man eine ganze Menge von so kleinen Hämmerchen und dann sehe ich noch vor Augen, wie die Kinder mit ihren Müttern saßen und die haben dann alle diese Schieferplättchen aufgeklopft, weil da teilweise Versteinerungen dann so drinnen zu sehen sind. Also das habe ich noch vor Augen und da gab es natürlich dann auch Gespräche, dann hat man noch andere Dinge aufgebaut, wo also dann was 3D gedruckt wurde und so weiter.

29:11

Aber ich glaube, der Kontakt sollte über die jungen Leute gehen, weil das unser Potenzial für die Zukunft ist. Kleine Kinder, größere Kinder, Schüler und dann eben auch die Studenten. Wir müssen an die Studenten ran. Wir müssen effektivere Wege finden, also gerade im Hinblick auf Ausgründungen, Studenten zu sagen, da hat auch Herr Gerdes hin und wieder mal schon Ideen entwickelt, den Studenten die Möglichkeiten an die Hand zu geben, mal was auszuprobieren und die finanziellen Ressourcen, die man dafür braucht, muss man eben sehen. Aber da sehe ich den Angriffspunkt. Aber nochmal, der Bürger auf der Straße, ich sehe ihn überfordert.

Andreas GerdesModeration, KIT Innovation HUB

29:49

Christian.

Christian HolzerUnternehmer

29:52

Spannend, was Sie jetzt gerade gesagt haben, weil das bringt mich so ein bisschen auf dieses Prinzip, was ich hier oder oft in vielen Stationen vermisse. Vorbilder. Also zu sagen, okay, klar, dass der Endbürger für den das zu komplex ist, bin ich d'accord. Aber ich glaube, es geht stark um Vorbild. Zu einer Generation zu motivieren, wenn das selbst die simplen Schieferplatten sind, ein Kind in die Faszination zu bringen, zu entdecken, zu forschen. Und ich glaube, wenn das der erste Auftakt ist, dann ist sowas ja super wichtig. Und ich denke, das fehlt in der Wissenschaft, das fehlt, diese Vorbilder nach draußen, wo man sagen kann, wow.

30:38

Das fehlt aber auch im Unternehmertum, diese Vorbilder, wo man sagt, okay, Unternehmer sein ist in meiner Ansicht nach 68% Bullshit und richtig heftig. Und die 2%, die, wo dann richtig toll sind, das sind die, die dich motivieren, jedes Mal aufzustehen, weil das ist ja nur mehr. Das heißt, nicht die eine Idee ist es, wo es dann ist, sondern es wächst an Struktur oder es wächst an Anforderungen, was schlussendlich wieder, wo ich wieder eine Struktur brauche.

31:10

Aber Vorbilder zu sein, ich glaube, das ist das Wichtige, zu sagen, hey, und ja, es gibt auch eine Alternative zum, also ich möchte jetzt nicht die Bildung ganz angreifen, weil das schaukelt sich bei mir sehr hoch, aber ich glaube, dass die Art und Weise, wie Bildung bei uns funktioniert, finde ich einfach auch schon wieder, also muss man hinterfragen, also zu sagen, wir prägen unsere Kinder irgendwo, klar, in einem Bildungssystem, das ist okay, aber nochmal, es gibt auch das Unternehmertum, ja, und das wird immer als schlecht dargestellt, Unternehmer sein ist schlecht und ich finde gerade, dass die Kombination über die Wissenschaft das ermöglicht, da eine Möglichkeit in einem Bereich zu forschen, ja, mich da auch in der Universität zusammenschließen mit anderen Fachbereichen und ich glaube, wieder dieses Gemeinsame und dann zu sagen, wieso denn, wieso soll ich denn jetzt wieder in irgendwelche Company gehen, weil wir das seit Jahrzehnten so machen, man muss nach dem Studium, muss man in irgendeinem Beruf oder irgendwo da tätig sein, aber vielleicht zu sagen, okay, ich kann mir hier mein eigenes Business gründen.

32:20Was sich vom Silicon Valley lernen lässt und was nicht

Andreas GerdesModeration, KIT Innovation HUB

Christian, vielleicht gleich als Ergänzungsfrage, weil du hast ja eben bei Google gearbeitet, du hast also Silicon Valley gesehen, vorhin hast du es schon kurz angedeutet, da läuft das alles ein bisschen anders ab. Was könnten wir denn konkret davon lernen? Was müsste bei uns anders sein? Wobei ich glaube, dass wir eine eigene Kultur entwickeln können. Viele scheitert daran, dass wir einfach kommentar- und kritiklos eben die Ideen von Silicon Valley auf uns übertragen und die sind einfach nicht kompatibel mit unserer Kultur, im Ganzen, aber auch in was Unternehmenskultur angeht. Das Beispiel mit der Bank, das zweite Mal hingehen, da findest du vielleicht noch einen Investor. Hier findest du keinen zweiten Investor mehr.

33:02

Aber was können wir Positives lernen von dort?

Christian HolzerUnternehmer

33:05

Also ich stelle das immer unter den Oberbegriff des Mindsets. Und wie gesagt, mich fragen immer viele, wie können wir das Silicon Valley kopieren? Und ich glaube, das müssen wir gar nicht. Weil wenn ich mal alles wegstreich vom Silicon Valley, ist es schlussendlich ein Mindshift. Mit welcher Art und Weise man dann da unten an die Art Technologie rangeht, um die Welt zu verbessern, um neue Dinge zu erschaffen, um zu probieren.

33:34

Aber ja, vor allem speziell in Deutschland, wir grenzen uns ziemlich stark ein, finde ich. Indem wir erstens mal alles ultra festketten müssen in hunderttausend Gesetze und Bedingungen und Abhängigkeiten und mit einer Komplexität, also mit einer so komplexen Struktur dahinter, dass es da oftmals, finde ich, Innovation und Idee schon im Keim erstickt wird. Und man muss im Silicon Valley 1 sehen, erstens mal finde ich allgemein in Amerika, die Universitäten sind untereinander sehr gut vernetzt.

34:13

Also ich sehe das, vielleicht findet das hier statt, das müssen Sie mir sagen, aber ich sehe es eigentlich nicht so wirklich. Die TUM macht da was, die machen da was, die machen da was, ihr macht das hier. Aber so diesen gemeinschaftlichen Output und das finde ich jetzt gerade, wenn man im Valley ist, die Stanford, alles was da an Innovation rauskommt, wird dann halt schlussendlich in einen Katalysator geschmissen, voller kreativer Menschen, die da wirklich schnellstmöglich und ohne Angst an die Sache rangehen und versuchen, da die Welt zu verbessern. Und selbst wenn es eben nicht geklappt hat, ist es nicht schlimm, aber man hat einen Versuch gemacht und man hat wieder neue Erkenntnisse dazu bekommen. Aber es ist das Gemeinschaftliche. Es ist tatsächlich das Gemeinschaftliche dort. Und was viele nicht wissen, man denkt immer diese ganzen großen Konzerne wie Google, Amazon, dass die kooperieren miteinander.

35:12

Das kriegt man halt nicht mit, aber da werden untereinander Erfahrungen ausgetauscht und vor allem da werden Ziele definiert. Da wird besprochen, was ist die Vision in fünf Jahren, was ist eure Vision als Google, um sich da wieder als Land, beziehungsweise dort als Standort, da auch ein bisschen so gemeinsam zu committen auf ein Ziel. Und ich glaube, das fehlt mir hier. Hier macht jeder so sein Ding und das fehlt mir tatsächlich. Und die Scheiterkultur. Und wenn man natürlich Angst hat, und das haben viele hier, und das fällt dort unten weg, natürlich kriege ich da auch Geld. Ich kriege im Silicon Valley an jeder Ecke Geld. Das ist einfach so. Aber warum ist das so? Ich habe auch am Anfang gedacht, wow, das ist verrückt.

35:59

Wisse ich mir da mal von so einem Venture Capital, das ist Horowitz gewesen, eines der größten VC-Companies, die es überhaupt gibt. Und der hat mir dann gesagt, weißt du, wir haben im Silicon Valley eine Quote. Ich sage, okay, und was ist diese Quote? Die sagt, dass 99% unserer Investments Bullshit sind, weil wir das wissen, aber genau ein einziges Prozent, das macht diese Einhörner dort aus. Und deswegen lohnt sich dieses Investment. Und vielleicht war Bullshit das falsche Begriff, aber allein die Startups, wo dort auch kommen, und ich glaube, wir müssen auch ein bisschen weg immer mit dieser Mentalität, wir müssen Einhörner schaffen.

36:38

Und vielleicht reicht es auch, wenn wir vielleicht irgendwie ein bisschen mal kleiner denken, aber mal wenigstens anfangen, erfolgreichere, kleinere Unternehmen wieder zu gründen, um dann die Chance auch wieder haben, am Weltwirtschaftsmarkt wieder teilzunehmen und nicht anfangen, unsere tollen Ideen und Innovationen einfach wieder zurückzuwerfen in Länder und sie dann wieder abgeben. Und ich glaube, das sehe ich schon als Riesenpunkt, warum wir jetzt auch wirtschaftlich das Problem haben werden. Also es werden Branchen wegkippen. Die Automobilindustrie durch die Thematik der E-Mobilität hat sich so stark verändert und da werden Technologien, die wir über Jahrzehnte geprägt haben, auch nicht mehr gefragt sein. Die brauche ich schlussendlich auch nicht mehr. Und ich glaube, das ist eine Riesenchance, diese Erfahrung, diese Technologien, dieses Wissen jetzt auch in die Zukunft einzusetzen.

37:35

Aber da müssen wir diesen Mindshift in Deutschland endlich anpacken und sagen, wir müssen uns von Abschieden von dieser Denkweise und wir müssen uns einfach neue Denkweisen aneignen. Und die heißt miteinander, die heißt aber auch, finde ich, wir müssen viel mehr fordern.

Andreas GerdesModeration, KIT Innovation HUB

37:54

Vielleicht nach einer Zahl, ich bin gleich bei dir, ich wollte nur eine Zahl im Kurzen nennen. Für die Anwesenden, das Arbeitsamt hier in der Region geht davon aus, dass wir ein Automobilindustrie 100.000 Arbeitsplätze in naher Zukunft verlieren und diese Verlust an Arbeitsplätzen läuft schon ab. Also da wird es neue Aufgaben geben müssen. Norina.

38:21Norina Quinte über Mut, Risiko und Investments

Norina Quinteato

Vielen Dank für den Input gerade oder den Vergleich auch mit Kalifornien und Kalifornien, wie auch immer. Also Karlsruhe hat ja auch politisch gesehen einen wahnsinnigen Druck als Technologiestandort mitzuhalten, was sich auch wiederum auf das Thema Gründungen und Investments ja total ausschlägt oder widerspiegelt und ich glaube, dass einerseits eben nicht nur die Risikofreude bei potenziellen Unternehmer:innen geweckt werden müsste, also auch eine spielerische Freude damit, auch nicht nur die Angst vor, oh Gott, Unternehmen, sondern wir ja auch hier in Deutschland oder zumindest habe ich jetzt eher Baden-Württemberg-Erfahrungen, was so Invest- und Start-up-Welt angeht, aber da man einfach so schnell gesagt bekommt, ja, hey, mal den Golfschläger noch höher, skalier die Kurve so, ah nee, du kriegst nur deine vier Millionen, wenn du nach anderthalb Jahren funktionierst, also der Blick auf den Markt so ziemlich schwierig ist für angehende Unternehmer:innen, weil nicht der Mut geschult wird oder auch dieses Thema Risiko, man hat auch keine Partner, die investieren in einen Weg, also mit Teil der Forschung, also diese Schnittstelle, Forschung, Unternehmertum, dass man erstmal eine Idee, die gerade wächst oder ein gutes Team fördert, sondern hier ist es immer nur gleich die Zahl in naher Zukunft, also es gibt keinen Weg, der begleitet wird und wie könnte man jetzt, wenn man das erkennt, praktisch, also wen müsste man adressieren, damit Geldgeber, Investoren, Leute, die junge Unternehmen pushen könnten, dass man die auch dazu bewegt, risikofreudiger zu investieren.

Andreas GerdesModeration, KIT Innovation HUB

39:57

Also ich gebe da gleich eine kurze Antwort drauf, ich habe die Diskussion vergleichbar mal geführt mit BASF und die allgemeine Meinung ist, dass die Unternehmen, die jungen Unternehmen manchmal nicht reif sind für die Zusammenarbeit mit BASF und ich musste feststellen, das ist genau das Gegenteil der Fall, unsere großen Unternehmen, die dieses Kapital hätten sowas zu tun, sind nicht in der Lage mit Startups zusammenzuarbeiten. Herr Wöll nickt, der hat da sicherlich auch etwas.

Christof WöllInstitut für Funktionelle Grenzflächen, KIT

40:26

Vielleicht nur ganz kurz zu dem, was gesagt wurde, zwei, drei Kommentare. Erstmal zum letzten, also ich arbeite auch gelegentlich mit großen Firmen zusammen und auch mit kleineren Firmen, es ist sehr schwer. Also bevor die überhaupt, wenn man denen guten Tag sagt, bevor die überhaupt zurück guten Tag sagen, muss man erstmal schreiben, ausfüllen, dass man nicht sagt, dass die einem guten Tag gesagt haben, so ungefähr. Also der Initiationsprozess ist extrem aufwendig und es kommt, so wie was Interessantes dabei rauskommen, lassen sie den Rollladen runter und machen selber weiter. Also die Zusammenarbeit mit großen Firmen, das ist kein gutes Beispiel hier.

41:03

Und ich glaube, da würde ich gerne darauf zurückkommen. Was wir brauchen, ist dieses mehr Spielerische, wo nicht gesagt wird, das ist jetzt schon gleich die ganze Existenz meiner Ausgründung, sondern das ist vielleicht parallel zum Studium. Also ich muss leider auch sagen, die jungen Leute, mit denen ich ja gelegentlich rede, ich habe ja vorhin dieses Beispiel gebracht, die haben als Idealfall, sie studieren, also in der Chemie muss man promovieren und dann heuern sie bei einem großen Unternehmen an, mit der Sicherheit, dass sie da auch pensioniert werden. Das ist das Rollenbild, das ist das Zukunftsbild, mit dem viele junge Leute, gerade auch von ihren Eltern und aus der Gesellschaft, an die Universität kommen. Also wir haben das ja im Moment auch in der Diskussion, die wissenschaftlichen Laufbahnen, die Leute wollen, kann ich auch irgendwo verstehen, möglichst früh haben, wann können sie ihr Haus kaufen und so weiter.

41:49

Und ich glaube, es wäre hier ein Weg, in die Richtung zu gehen, dass man dieses einfach mehr spielerisch macht, dass man eben sagt, also so eine Ausgründung ist jetzt nicht unbedingt die Existenz, wo dann auch in die Rentenkasse dann mal einbezahlt werden muss, sondern das ist ein spielerisches Element und da werden die Institutionen gefordert, dafür dann die Plattformen bereitzustellen. Da muss ein spielerisches Element rein, man gründet mal und dann schaut man mal, tut sich mit fünf Kollegen zusammen, wenn das wie so ein Projekt parallel zum Studium ist, geht es gut, wenn nicht, in dem Sinne auch ist es auch gut, aber nochmal, ich sehe bei vielen jungen Leuten, in dem Moment, wo man über ihre Zukunft geht, dann wechseln die die Mine und dann kommt das Thema Familiengründung und sie wollen also sehr genau wissen, wie sich das alles weiterentwickelt und ich glaube, das müsste man entkoppeln und da spiele ich jetzt mal den Ball an mich quasi zurück, da sind die großen Institutionen gefordert, zum Beispiel das KIT.

Andreas GerdesModeration, KIT Innovation HUB

42:48

Also danke für die spannende Antwort.

42:53Aus dem Publikum: Wo bleibt die Partizipation

Stimme aus dem Publikum

Mir ist das Format noch nicht so ganz klar von der Veranstaltung. Es hört sich, ich bin vom OK Lab in Karlsruhe.

43:06

Also ich befasse mich mit offenen Daten zum Beispiel. Es hört sich für mich so ein bisschen an, das Spagat zwischen Grundlagenforschung und Bürgern ist sehr groß. Das kann man vielleicht dadurch beheben, dass man jetzt bei den Grundlagenforschern so einen Lobbyrahmen für Start-ups und andere Wirtschaftsunternehmen einrichtet. Das wird dann irgendwie besser. Aber das ist mir noch nicht so ganz klar. Mir ist nicht ganz klar, ob im Silicon Valley wirklich mehr Probleme gelöst als erzeugt werden.

43:36

Und ich glaube auch nicht, dass es die wirtschaftliche Situation bei uns in der EU darin liegt, dass es zu wenig Start-ups gibt. Also was ich so ein bisschen vermisse, sind so Themen wie Nachhaltigkeit zum Beispiel. Und Partizipation ist angesprochen worden. Es kommt nicht richtig. Also Partizipation für mich wäre zum Beispiel, ich kann als Bürger hingehen, keine Ahnung, dann war ich nicht da. Ich kann hingehen an die Uni und sagen, ich habe da gelesen, ich habe ein interessantes Projekt gemacht, kann ich mal die Daten haben. Ich würde es gerne mal nachrechnen und losprobieren.

44:14

Und also die wirkliche Beteiligung von Bürgern mit einzubeziehen, da muss es sicherlich noch irgendwie neue Ideen geben. Es gibt ja auch vom KIT, es gibt diese, ich weiß nicht mehr, was es heißt, Sie haben doch die Exzellenzzuschlag nur gekriegt, weil Sie sich bereit erklärt haben, irgendwelche Bürgerdialoge da einzurichten, wenn ich mich recht erinnere.

Andreas GerdesModeration, KIT Innovation HUB

44:36

Wir haben schon auch mit ZKM zum Beispiel Projekte, da gibt es verschiedene Veranstaltungen, 3D-Drucken, da waren gerade Veranstaltungen auch angekündigt für Bürger.

Stimme aus dem Publikum

44:46

Also da muss man sicherlich was machen, aber ich weiß noch nicht so genau, wo wollen Sie eigentlich hin mit der Veranstaltung hier? Weil ich höre immer so ganz viel Start-ups, Wirtschaft.

44:59Kunst und Wissenschaft sollen aufeinander zugehen

Andreas GerdesModeration, KIT Innovation HUB

Die Veranstaltung hier insgesamt der WERKstattPALAST hat genau das, was Sie jetzt gerade angedeutet haben, zum Sinn. Mal, wenn ich jetzt gleich zum Ende des Gespräches komme, diese Partizipation mit den klassischen Methoden funktioniert nicht. Das ist Ihnen ja auch aufgefallen. Es ist Ihnen ja auch aufgefallen, dass eben diese klassische Partizipation nicht funktioniert. Wir haben Strukturen hier eben auf der einen Seite der Start-up, auf der anderen Seite die Grundlagenforschung. Da bemüht man sich auch, aber da kommen wir auch nicht richtig vorwärts. Silicon Valley wird uns immer als Vorbild vorgehalten. Da haben wir aber festgestellt, Sie selber auch, es ist kein Vorbild. Wir müssen unsere eigenen Kulturen entwickeln. Und diese Kultur, die wir entwickeln müssen, bedeutet aber, dass wir eben über die Grenzen dessen, was wir heute machen, hinausgehen.

45:49

Ich vergleiche das ganz gern immer mit einem Beispiel aus diesem Valley, was berühmt geworden ist. Wir haben den Steve Wozniak und den Steve Jobs. Ohne beide wäre Apple nicht das geworden, was es heute ist. Da sind wir uns sicherlich einig. Und ich habe das Gefühl, dass wir eben in unserer Umwelt, auch im universitären Bereich, primär den Steve Wozniak ausbilden und den Steve Jobs in dem System verlieren. Und deshalb funktioniert vieles eben nicht. Christian hat es gerade angedeutet, wirtschaftlich zu denken, Visionen zu haben, die Leute nach vorne zu treiben und nicht unbedingt eben ängstlich zu sein, ob jetzt was funktioniert oder nicht funktioniert. Und die Frage ist eigentlich, die wir hier mit dem WERKstattPALAST klären wollen, ist, ist es möglich, nehmen wir eben das Thema Kunst und die Kunstschaffenden, die ja in einer ähnlichen Situation sind, aus sich heraus was schaffen zu müssen in einem Umfeld, was auch nicht perfekt ist, das haben wir eben in der ersten Diskussion gehört, ob wir das wirklich schaffen können. Und das wäre jetzt auch zum Abschluss eigentlich auch meine Frage gewesen an die beiden Kollegen. Jetzt nach dem Eindruck, der gesammelt wurde von beiden jetzt schon länger, der Herr Wöll war schon, ist heute das zweite Mal da, der Christian ist das erste Mal da, wir haben aber viel darüber diskutiert.

47:06

Und da ist sicherlich jemand aus dem Kunstbereich auch noch gefragt, ob durch das Zusammenarbeiten der Kunst mit der Wissenschaft auf der gleichen Ebene wir eben zu diesen neuen Partizipationsformaten kommen, die sie dort einfordern, wie sie dann aussehen, das müssen wir uns überlegen. Aber letztendlich sind es zwei Zugänge zu einem Thema, nämlich wie machen wir die Gesellschaft nachhaltiger. Das ist ja letztendlich die große Aufgabe. Und wir werden sie ohne Technologie nicht nachhaltiger machen können. Denn wir haben die Umwelt so mehr oder minder vermurkst, dass wir sie ja rückvermurksen müssen. Und das Seine haben wir mit Technologie gemacht. Und das Rückvermurksen können wir eben auch nur mit Technologie machen. Anders wird es nicht gehen. Und da ist die Frage, Herr Wöll, kann diese Zusammenarbeit mit der Kunst auf gleicher Augenhöhe Impulse liefern, die uns vielleicht in der Wissenschaft auch ein bisschen weiterhelfen, durchaus eben neu zu denken, auch vor allen Dingen eben für den Nachwuchs breiter zu denken.

48:05

Das Paradebeispiel für Kunst und Wissenschaft hatten wir in der Geschichte mit Leonardo da Vinci. Brauchen wir wieder Da Vinci's?

Christof WöllInstitut für Funktionelle Grenzflächen, KIT

48:15

Mehr Da Vinci's kann sich ja nicht schaden. Also vielleicht da auch nur ein ganz kurzer Kommentar. Ich habe ja vorhin über den Abstand geredet. Also ich meine, wir haben die Wissenschaftler auf der einen Seite und die Künstler auf der anderen Seite und ich denke, da müssen sich beide Seiten ein bisschen aufeinander zu bewegen. Also ich bin gelegentlich bei Veranstaltungen der Deutschen Studienstiftung, wo eben auch ganz verschiedene Disziplinen vertreten sind. Wo es dann auch immer einen Abend gibt, wo die jeweiligen Dozenten dann Vorträge halten. Und ja, also nach meinem Vortrag war dann eine Kollegin aus dem Künstlerbereich, die sagte dann, oh ja, die Farben hatten ihr ganz gut gefallen in meinem Vortrag. Da wären einige Formen und Farben, das war natürlich völlig inhaltsfrei. Also ich muss sagen, es gab dann einen Vortrag aus dem künstlerischen Bereich.

48:58

Da glaube ich, habe ich dann mehr mitgenommen als umgekehrt. Also das ist schon ein weiter Weg. Aber ich glaube, was mir gut gefallen hat eben in der Ausführung auch, war dieses Spielerische. Und ich meine, das ist für mich auch ein bisschen, auch natürlich für die Kunst, dass man da spielerisch rangeht, sieht, was man schaffen kann.

49:17

Aber da wäre dann auch so ein bisschen die Forderung, eben an beide Seiten aufeinander zuzugehen. Und in den bisherigen Kontakten, die ich hatte, habe ich eigentlich mehr den Eindruck gehabt, dass die Wissenschaftler da mehr Schritte tun als die Künstler in die andere Richtung. Aber vielleicht liegt das daran, dass das meine Seite ist. Gut, aber ich denke, es wäre attraktiv, das weiter zu verfolgen.

Christian HolzerUnternehmer

49:43

Also ich schließe mich an, ich glaube, diesen spielerischen Ansatz, aber auch vielleicht Spielgeld zur Verfügung stellen. Und ich glaube, Innovation und Ideen brauchen Raum. Und ich glaube, den Raum haben wir oftmals nicht. Sie sind unter ihren Auflagen relativ eingegrenzt. Sie müssen KPIs bringen, Kennzahlen. Nur deswegen kriegen sie dann ihr Geld weiter, wenn sie dann eine Darfolge haben. Als Startup wird man gemessen, wie viel, oder wenn man eine App entwickelt, wie viele User ich auf meiner Plattform habe. Ich gebe Ihnen total recht, dass das ganze Zeug, was im Silicon Valley fabriziert hat, jetzt nicht unbedingt vielleicht weltverbessernd ist. Aber man darf auch nicht vergessen, dass diese Konzerne neben ihren Consumer Products auch Forschungen machen in neuen Technologien.

50:25

Und Digitalisierung, und das ist meine Erkenntnis oder den Standpunkt vertrete ich, Digitalisierung bedeutet für viele nur Technologie. Und ich sage, wir müssen von Soziotechnologie sprechen. Warum? Weil Digitalisierung und Technologie immer mehr in die Lebensräume von den Menschen eingreifen wird. Und das finde ich wieder spannend. Und da kommt Kultur zum Tragen, da kommt Kunst zum Tragen, da kommt so viel zum Tragen. Und deswegen sehe ich auch Infrastruktur in Zukunft. Ja, tatsächlich unter dem Thema und dem Aspekt. Und ich glaube, das schließt ja wieder auf meine Anfangsrede, zu sagen, wir müssen gemeinsam. Und ich glaube, nur so können wir auch tatsächlich was entwickeln und was reißen. Und wir müssen in Deutschland einfach selbstständiger wieder werden.

51:12

Die Erfahrung und die Expertise, die wir haben, und die haben wir, die müssen wir aber jetzt wieder nutzen. Und wenn es zum Thema Umwelt und Nachhaltigkeit geht, muss ich ganz ehrlich sagen, da darf doch Geld keine Frage sein, dass wir zu wenig Geld haben, um hier jetzt unseren Planeten zu retten. Also deswegen, das verstehe ich dann nicht, warum man dann immer von Geld spricht und sowas. Also das darf nicht die Frage sein, sondern es muss die Frage sein, wie schaffen wir es jetzt schnell. Und nochmal, wir werden uns kulturell verändern und das fängt aber auch erstens mal an mit unserem Mindset, wie jeder Einzelne hier in dem Raum denkt und wie wir es vor allem auch gemeinschaftlich schaffen, da einfach auch Dialoge und vielleicht gemeinsam zu denken.

51:55Norina Quinte spricht das Schlusswort

Andreas GerdesModeration, KIT Innovation HUB

Norina, ich fände es jetzt schön, wenn du jetzt ein Schlusswort findest.

Norina Quinteato

52:01

Ihr braucht nur eine weibliche Stimme in der Runde, gebt es doch zu.

52:06

Nee, ich finde das einfach einen spannenden Einblick und natürlich lässt sich, wie wir auch in der Runde davor gemerkt haben, nicht alles klären, zum Glück. Also wir haben das ja nicht geschaffen, um, wie schon ein paar Mal betont, mit den Antworten rauszugehen, sondern mit einem großen Katalog an Fragestellungen, die vielleicht eben gemeinschaftlich entstehen können. An die digitale Infrastruktur wird nächste Woche am Donnerstag sehr schön, werden zwei Beiträge darauf aufbauen zum Thema digitale Infrastruktur, zum einen auch wie andere Länder da schon weiterdenken und wie sich das auf eine Gesellschaft auswirkt, wie zum Beispiel Estland oder so, da gibt es ein spannendes Projekt aus der Architektur und auch einen anderen Beitrag, einen filmischen Essay zum Thema digitale Überwachungsstrukturen. Genau, da würde ich einfach nur gerne darauf hinweisen, dass wir da auch das Programm so aufgebaut haben, dass sich die Inhalte natürlich auch aufeinander aufbauen lassen.

53:04

Und ja, zu dieser Annäherung mit der Kunst und Wissenschaft, auch das ist ein guter Punkt, weil ich glaube, auch da ist es sehr wichtig, in Austausch zu kommen, weil ich sehr viele Künstler:innen kenne, die sich oft dann zu sehr wie die produktorientierten, eingekauften Dienstleister:innen fühlen und eben da auch wieder das Thema Freiheit eine große Rolle spielt. Weil wenn ich kenne, oder alle, die ich kenne, wenn ich wüsste, ich kann denen sagen, du wirst da mit reingesetzt und deine Meinung ist wichtig und deine künstlerische Ausbildung hat einen Wert und du kannst aber ruhig kritisieren, du musst dich da jetzt nicht gleichzeitig mit zum SAP-Fan machen, sobald du in der Runde sitzt, würde das auch schon besser greifen und funktionieren. Also ich glaube, wenn man da die gegenseitigen Hürden abbaut, sich Dinge auf Augenhöhe zu erzählen und die auszutauschen, dann wäre man schon einen großen Schritt weiter.

Andreas GerdesModeration, KIT Innovation HUB

53:54

Vielen Dank, Norina. Vielleicht nicht viel zu ergänzen, aber ich glaube, die Kernaussage von dir war gerade, was wir dringend brauchen, sind Plattformen, wo sowas eben geschehen kann und da muss es im Institut, am KIT eine Plattform geben, aber auf der anderen Seite auch bei den Künstlern, die wir dann zusammenschieben können. Danke zunächst mal den beiden Kollegen für das Engagement und auch den Teilnehmern, die ihre Beiträge dazu gegeben haben und freue mich dann, wenn noch Interesse besteht danach, wenn wir ein bisschen plaudern, vielleicht sogar bei einer Flasche Bier, was ein bisschen entspannter ist. Vielen Dank.

Fotos von diesem Tag · 27. August 2022

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