Gespräch · · 1:08:20
„Wozu der WERKstattPALAST?“

Mitschnitt · 1:08:20 · 12 Kapitel
Kapitel 1 von 12Norina Quinte und Andreas Gerdes stellen sich vor
Andreas Gerdes
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Norina Quinte und Andreas Gerdes stellen sich vor
Andreas Gerdes0:00 / 1:08:20
Sprecher:innen
- Andreas Gerdes · sprichtKIT Innovation HUBRedeanteil 66 %
- Norina Quinte · sprichtato, künstlerische LeitungRedeanteil 23 %
- Stimme aus dem Publikum · sprichtRedeanteil 4 %
Kurzfassung
Norina Quinte (ato) und Andreas Gerdes (KIT Innovation HUB) erzählen, wie aus ihrem Kennenlernen der WERKstattPALAST entstand, und vergleichen die Strukturen von Bauwesen, Wissenschaft und Kunstbetrieb: vom Sanierungsstau über Impact- und Künstlerfaktor bis zur Frage, wie sich Zeit für Prozesse einfordern lässt. Mit Fragen aus dem Publikum geht es zum Schluss um das Scheitern in Wissenschaft und Kunst.
Veranstaltung: Geregelte Visionen vs. visionäre Regeln – ein Streitgespräch
Transkript
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0:00Norina Quinte und Andreas Gerdes stellen sich vor
Norina Quinteato, künstlerische Leitung
Also genau, worum es jetzt geht in unserem Gespräch, das wir auch aufnehmen. Andreas und ich haben uns kennengelernt und wir möchten gerne den Rahmen abstecken, wieso dieses Kennenlernen auch gemeinsam mit Tina Becker zu meiner linken Seite dazu geführt hat, dass wir diesen WERKstattPALAST erbaut haben. Wir wurden in den letzten acht Tagen, glaube ich, beide oft kontaktiert und gefragt, könnt ihr da nochmal drüber reden? Wieso gibt es das und warum Kunst und Wissenschaft auf Augenhöhe? Ist das nicht schon immer so oder gab es das nicht noch nie? Und deshalb würde ich jetzt einfach mal einsteigen, Andreas, und dich fragen, wer sind Sie denn?
Andreas GerdesKIT Innovation HUB
0:47Okay, das ist schnell gesagt. Ich bin Andreas Gerdes, komme aus Ostfriesland, also ein bisschen weiter weg von hier und habe mich schon sehr früh mit dem Thema Chemie und Bauchemie beschäftigt. Seit dem 15. Lebensjahr begleitet mich das Thema. Das sind also mittlerweile 45 Jahre und gerade in den letzten Jahren ist mir immer deutlicher geworden, dass diese großen Aufgaben, die wir in Deutschland in der Infrastruktur haben und nicht nur hier, ein viel größeres Feld abdecken, als man es jetzt als Chemiker und in der Bauchemie vielleicht denken sollte, sondern dass Infrastruktur sehr viel mit Gesellschaft zu tun hat und sehr viel mit den Megatrends wie Klimawandel, Ressourcenverknappung, das Thema Globalisierung, das Thema Urbanisierung und nicht zum Schluss die Digitalisierung.
Und deshalb habe ich angefangen, eben vor etwa fünf, sechs Jahren den KIT Innovation HUB gemeinsam mit meinen Kolleginnen und Kollegen zu entwickeln. Und da versuchen wir heute eben Innovation ins Bauwesen zu bringen, um zu einer nachhaltigen Infrastruktur zu kommen.
Norina Quinteato, künstlerische Leitung
1:57Wenn man jetzt so Innovationen im Bauwesen hört oder auch den Bau von Infrastruktur.
Norina Quinteato, künstlerische Leitung
2:07Also ich bin Norina Quinte und meine Sprache stelle ich dann gleich.
Kunstwissenschaftlerin und Medientheoretikerin, wenn man so will, und Gründerin der Plattform ato, die ja tollerweise auch zu diesem Projekt mitgeführt hat. Und mein Interesse liegt schon immer darin, Strukturen zu beobachten und mit verschiedenen Disziplinen daran zu arbeiten, sie in gewissen Bereichen auch zu verändern. Das fing erst mal kulturpolitisch an. Ich habe 2013 mit anderen Leuten den Verein Die Anstoß gegründet. Da ging es uns damals darum, dass wir Karlsruhe als Raum wahrgenommen haben, der sehr viel Potenzial hat, aber andererseits die Vernetzung innerhalb der Disziplinen, obwohl so viele da sind, gar nicht gelebt wird und es keine Plattform dafür gibt.
Und so fing das an. Also aus stadt- und kulturpolitischem Interesse frei zu arbeiten. Und gleichzeitig das Thema Strukturen der Kunstwelt interessiert mich sehr, weshalb wir auch unter anderem ato gegründet haben, aber auch schon meine Magisterarbeit, die Inhalte Wissenschaft und Kunst, Art and Science sehr institutionskritisch beleuchtet hat. Das heißt, ich habe festgestellt, 2018 gab es eine Ausstellung im ZKM, die hieß Open Codes. Und diese Ausstellung hat die Arbeitswelt der Zukunft ausgestellt. Und worüber ich direkt gestolpert war, war, dass die Ausstellung kuratiert war von Vitra Design Möbel und Feko Federle, einem Einrichtungshaus für Büromöbel. Und dann dachte ich, sehr interessant, wer macht denn da alles mit und wie sieht die Ausstellung aus? Und dann stellte ich eben fest, dass vorwiegend Arbeiten, die entweder Partizipation zum Ziel hatten oder Arbeiten, die technologische Fortschritte ausgestellt haben.
Die waren ausgestellt und das war so die Kunst und die Arbeitswelt der Zukunft. Doch recht wenig kritisch beleuchtet und gleichzeitig war es aber so, dass alle Unternehmen und Sponsoren oder wissenschaftliche Institute, die dran hingen in den Museumsraum, für mich gefühlt eindrangen und auf einmal war es möglich, Amazon-Gutscheine in der Ausstellung zu gewinnen und ich dachte, was ist denn jetzt los und Gratis-Äpfel von irgendeinem anderen Brand und Ritter Sport gab es, also Snacks umsonst, das war so eine für mich sehr alibi-demokratische Haltung, an diese Verbindung Kunst und Wissenschaft heranzutreten und das ist auch ein Beweggrund, warum wir ja miteinander arbeiten, genau, um deine Frage zu beantworten.
Norina Quinteato, künstlerische Leitung
4:43Ich hatte, als du gerade vorgestellt hast, dass es um den Bau von Infrastruktur geht, also räumliches Bauen, wenn man da nicht so drin ist, das ist eine Frage, die mich auch nach wie vor beschäftigt, wer sind denn deiner Meinung nach die Akteure oder Akteurinnen, die im Moment Infrastruktur bauen? Wen siehst du am Bau beteiligt? Also noch nicht die Wunschvorstellung, sondern den Status quo, wenn man so will.
5:09Wer heute über Infrastruktur entscheidet
Andreas GerdesKIT Innovation HUB
Also Infrastruktur ist ja letztendlich immer mit Investitionen durch die, sagen wir mal, durch die Gemeinden, durch das Land, durch den Bund verbunden. Und deshalb sind letztendlich diese Investitionen zunächst mal sehr häufig erst mal auf der politischen Ebene auf dem Tisch, um darüber zu diskutieren. Ist das notwendig? Brauchen wir es? Dabei müssen wir unterscheiden zwischen Neubau, also die Schaffung von neuer Infrastruktur, eine neue Kita, ein neuer Kindergarten, eine neue Schule oder dem Erhalten des Bestandes, was also auch der Sicherung, wenn man so will, der Versorgungssicherung gilt.
Das ist in erster Linie, wenn wir an Infrastruktur im Bereich der Gemeinden und Kommunen denken, politische Entscheidungen. Im Bereich der Versorgung, wenn wir jetzt zum Beispiel an Tram denken, Verkehr und Ähnliches, sind da auch sehr häufig eben öffentliche Unternehmen beteiligt, wenn man die VBK hier zum Beispiel in Karlsruhe denkt oder an die Wasserversorgung, viele Wasserversorgungseinrichtungen werden von Unternehmen getragen, die wenigsten wissen es, die Wasserversorgung Stuttgart wird durch ENBW komplett gemanagt, das heißt, da hat der Bürgermeister nicht mehr sehr viel beizutragen.
Böses Beispiel Berlin, da war sogar der Verkauf, die Privatisierung und dann wieder der Rückkauf, ich habe das so ein bisschen mit am Rande betrachtet, konnte man also sehen, dass in der Zeit, wo es so eine Unternehmenskontrolle war, nichts investiert wurde und Berlin hat nicht nur teuer zurückgekauft, sondern musste diesen Investitions, Investitionsdefizit dann auch wieder auslösen. Das heißt also in der Regel sind das öffentliche Einrichtungen. Dann geht es zurück in die Ämter, die nach Lösungen suchen und von dort gehen diese Lösungen dann wieder in die Politik hinein. Und was mir manchmal auffällt, ist eben gerade auf der kommunalen Ebene, ist der Bürgermeister, die Oberbürgermeisterin ja Chefin, Chef der Verwaltung, dass es da durchaus auch Spannung geben kann zwischen der Verwaltung und dann eben den politischen Entscheidern, weil das nicht mehr ganz klar ist, auch bei den Entscheidungen oder den Plänen, wer da jetzt wirklich was mitverfolgen will, denn Infrastruktur ist immer eine wirtschaftliche Entscheidung und eine politische Entscheidung.
Norina Quinteato, künstlerische Leitung
7:34Was mich dann direkt im Anschluss interessiert, ist, welche Punkte du deutlich kritisieren würdest an dem Status quo des derzeitigen Baus und des präventiven Erhaltens von Infrastruktur, wo stimmen genau diese Strukturen für dich nicht?
7:52Saniert wird erst, wenn es zu spät ist
Andreas GerdesKIT Innovation HUB
Also für mich stimmen sie an verschiedenen Stellen nicht, aber ich glaube, ein Punkt ist, das muss man klar sehen, das ist praktisch eben, wie letztendlich entschieden wird, für was Geld, wo Geld reingesteckt wird. Das heißt also, für eine Sanierung, die treibt man gern bis nach hinten heraus. Das heißt, es geht noch, es geht noch, es geht noch und dann kommt dann der Zusammenbruch und da werden die Kosten eben sehr hoch, das gefällt mir überhaupt nicht. Im Vorfeld zu schauen, wenn die ersten Symptome auftreten, man also erkennt, dass es dort eine Verschlechterung gibt, dass es dann tatsächlich notwendig wird zu agieren. Deshalb der KIT Innovation HUB heißt ja nicht zuletzt Prävention im Bauwesen, weil wir in den ersten Arbeiten tatsächlich Anleihen aus der Medizin übernommen haben. Wir haben die Konzepte aus der Medizin studiert, wie wird dort Prävention angelegt. Und das waren die ersten Arbeiten, wo wir uns dann so Richtung Prävention im Bauwesen bewegt haben.
Das ist etwas, das findet in der normalen Planung nicht statt. Das ist nicht Teil. Man prüft, man prüft, man stellt fest, dass das Objekt kaputt geht, wartet aber so lange, bis es so kaputt ist, dass es saniert werden muss. Und dann explodieren die Kosten. Das Zweite ist, wir denken nicht in Lebenszykluskosten, und da meine ich nicht nur die finanziellen, sondern auch die ökologischen Lebenszykluskosten. Das heißt also, wir denken nur auf den nächsten Tag, wieder auf den nächsten Tag. Und das kann sich eben jemand, der Infrastruktur betreiben will, nicht leisten, zumindest nicht lange.
Norina Quinteato, künstlerische Leitung
9:28Und wenn man jetzt eben den Bau von dieser Infrastruktur oder die Prävention dessen oder den Erhalt als gesellschaftliche Aufgabe sehen würde, gibt es denn ausreichend Beteiligung, Verantwortung der Gesellschaft, wird die übernommen in deinen Augen? Oder ist es genau das, warum sich so ein Hub auch gründet, um da irgendwie einen Appell zu leisten, eine Art Aufruf, eigentlich sind wir alle verantwortlich und wir brauchen mehr Verantwortungsträger:innen, um überhaupt so nachhaltig denken zu können?
Andreas GerdesKIT Innovation HUB
9:59Ja, ich glaube, Infrastruktur, der Name sagt es ja schon, es liegt irgendwo drunter, es ist nicht klar erkennbar. Das heißt, wir konsumieren es im wahrsten Sinne des Wortes und zwar Konsum unter Verbrauch und nehmen es nicht wahr. Deshalb gibt es für die Infrastruktur in dem Sinne keine Lobby bis zu dem Augenblick, wo kein Wasser läuft oder die Heizung ausfällt. Auf der anderen Seite, weil da kein Druck durch den Bürger oder die Bürger:innen entsteht, haben wir auf der anderen Seite natürlich auch eine verzögerte Reaktion der Politik. Und was noch erschütternder ist, es gibt eben dort auch fehlendes Problembewusstsein. Ich habe einen Vortrag gehalten in der Stadt Leutkirch vom Stadtrat, um sie auf die Infrastruktur und die Probleme aufmerksam zu machen und habe ihnen dann berichtet, dass ihre Infrastruktur, die für 100 Jahre geplant ist, nicht länger als 25 Jahre hält.
Und dann stand ein Mitglied des Stadtrats auf, ging ans Mikrofon und sagte ganz trocken, Herr Gerdes, ist das wirklich so?
Und die Antwort war dann kurz und knapp, ja, mehr musste ich dazu nicht sagen. Das heißt also, dieses Problembewusstsein fehlt dort auch und dieses Problembewusstsein wird nicht geschaffen, sei es, es gibt eine Katastrophe wie in Genua, wo Menschen zu Tode kommen oder verletzt werden, weil der Bürger auch nicht diesen Druck erhebt. Er beklagt zwar, dass die Kita geschlossen ist, aber er beklagt sich nicht darüber, wenn die Kita offen ist, aber der Bauzustand der Kita schlecht ist. Und dann entsteht kein gesellschaftlicher Druck, dass die Infrastruktur so funktionieren soll, wie sie funktionieren muss und auch so enthalten wird. Wo langsam dort ein Druck entsteht, da gibt es ein Paradebeispiel, das ist die Deutsche Bahn. Die kommt jetzt zunehmend in Bewegung, weil der Druck durch die Bevölkerung größer wird. Verspätungen, Ausfälle, alles was da ist, das ist ein Versagen dieser Infrastruktur und da ist der Nutzer nicht mehr mit zufrieden.
Norina Quinteato, künstlerische Leitung
11:56Und ich meine, dieses Problem lösen dann am Ende nicht Politiker:innen oder die anonyme Masse der Gesellschaft, weil ihr seid ja auch im Hub, also im Innovation HUB, sehr fachübergreifend aufgestellt. Das heißt, du gehst ja schon davon aus, dass man sehr verschiedenes Know-how bündeln muss, um überhaupt so eine Bewegung in Gang zu setzen, oder?
12:19Vorausschau, Innovation, Ausbildung und Kommunikation
Andreas GerdesKIT Innovation HUB
Ja, ich glaube, das Erste, was wir erstaunlicherweise im Bauwesen nicht haben, das sind Vorzeitprozesse. Und so kommt ein Blick in die Zukunft. Für jedes Auto, was heute entwickelt wird, gibt es eine große Abteilung, die sich darüber Gedanken macht, was wir in zehn Jahren in diesem Auto haben möchten, was wir verlangen. Das sind die Bereiche New Business Development oder sie heißen auch im Vorzeit Vorausschau. In vielen gesellschaftlichen Bereichen, wo es gerade darum geht, heute zu antizipieren, was Dinge wie Klimawandel, Ressourcenverknappung für uns bringt, gibt es diese Vorzeitprozesse nicht. Interessanterweise gibt es die auch nicht in der Wissenschaft.
Wir aus der Wissenschaft gehen davon aus, dass wir wissen, was die Zukunft bringt, aber wir sind genauso Mensch wie die anderen und gucken genauso in die Glaskugel. Nur durch solche Prozesse sind wir in der Lage, eine Vorstellung darüber zu bekommen, was auf uns zukommt. Das findet im Bereich der Infrastruktur nicht statt. Klar gibt es Städteplanung, klar gibt es Überlegungen, wo Quartiere entwickelt werden sollen und so weiter. Aber wie wir jetzt diese Infrastruktur erhalten, unter den sich verändernden Bedingungen, da gibt es keine Betrachtung. Das wollen wir im Hub tun, um dann eben auch für alle Beteiligten irgendwo ein gemeinsames Ziel. Unsere Grundidee ist, wir bringen alle Akteure der Wertschöpfungskette Bau, also von Rohstoffherstellern, wie die Evonik bis zu den Bürgermeisterinnen und Oberbürgermeistern oder umgekehrt, um den runden Tisch, um gemeinsam zu überlegen, was ist in 10, 15, 20 Jahren die Herausforderung für unsere Infrastruktur.
Und wenn wir da ein gemeinsames Bild finden, dann können wir natürlich auch anfangen, gemeinsam zu planen und nach den Lösungen zu suchen. Heute sitzt jeder in seinem engen Kreis und fabuliert alleine darüber. Das Zweite, wir müssen sehr viel mehr Innovationen ins Bauwesen bringen. Wenn es uns nicht gelingt, mehr Innovationen hineinzubringen, sondern immer noch mit Technologien, die seit 30 Jahren nicht funktionieren, weiterzumachen, dann werden wir auch keine Lösung anbieten können. Der dritte Punkt, der wirklich sehr zentral ist, ist die Aus- und Weiterbildung. Unsere Ausbildung an den Universitäten und Hochschulen ist ausschließlich auf Neubau ausgerichtet. Heute macht der Markt für den Bereich Sanierung und Instandsetzung schon mehr als 50 Prozent aus. Und dann kommen unsere Studierenden raus, müssten eigentlich tiefe Kenntnisse über Physik, Chemie und Biologie haben, um diese Probleme zu lösen, und haben das nicht in ihrem Portfolio.
Deshalb geht das Spiel dann wieder von vorne. Aber das Wichtigste, und das ist auch etwas, was wir im Innovation HUB implementiert haben, und was sicherlich auch einer der Anknüpfungspunkte, die offensichtlich sind, es gibt viele, die infrastrukturell sind, die Anknüpfungspunkte, also nicht sofort erkennbar, das ist das Thema Kommunikation. Wir müssen diese Dinge, die ich auch versuche jetzt hier etwas gerafft darzustellen, nach draußen transportieren, um dann jedem damit vertraut zu machen, dass wir uns darüber Gedanken machen müssen. Denn die Wirtschaft hängt davon ab, unser Privatleben hängt davon ab, unsere Gesundheit, wenn wir in die Krankenhäuser, der Infrastrukturbereich geht sehr viel weiter, als wir denken. Und das Einzige, was wir eigentlich persönlich jetzt in unserem Hub ausschließen, ist das Einfamilienhaus, der Rest ist Infrastruktur, weil der nie dient dazu, etwas zu tun oder etwas zu liefern, was für unser tägliches Leben wichtig ist.
15:47Warum der Hub Fragen sammelt statt Antworten
Norina Quinteato, künstlerische Leitung
Du sprachst jetzt von Biologie, Bauchemie, Mathematik, Physik, aber worauf ich abzielte, war dein fachübergreifendes Team. Also du arbeitest mit Grafiker:innen zusammen, du hast an Bord Tina Becker, Produktdesignerin. Welchen Wert hat, sage ich mal, auch da für die Wissenschaft oder die Forschung dieses Denken outside the box oder dieses, ja, man sagt ja auch so, in diesen ganzen Pitching-Runden, die ich zum Teil stark kritisiere, aber man spricht von den Critical Creative Friends, die ja so dringend benötigt werden. Welchen Wert siehst du darin, dass man eben nicht nur mit Leuten zusammenarbeitet, die Biologie, Chemie und so, sondern andere Hintergründe mit einbringen in diesen Bau?
Andreas GerdesKIT Innovation HUB
16:30Ich glaube, das steckt schon ein bisschen in dem drin, durchaus, was ich gerade gesagt habe. Denn diese Themen, die ich hier gerade skizziert habe, Forschung und Transfer fehlt noch, dann ist es komplett, braucht natürlich Plattformen, braucht Tools, mit denen wir diese Dinge hinaustragen können, aber auch hineintragen. Hub bedeutet ja im Englischen Fahrradnarbe und unter einem Hub, den wir in der Nähe haben, den wir gut kennen, ist der Frankfurter Flughafen und auf dem Frankfurter Flughafen, wenn man sich ein Bild macht, was wir uns auch für den Hub machen, landet ein Flugzeug aus einer Gegend, lädt aus, das nächste Flugzeug lädt ein und transportiert es an einen anderen Ort. Und so verstehe ich auch unseren Hub, dass eben aus den unterschiedlichsten Bereichen Gedanken, Ideen, Impulse in den Hub hineingetragen werden, werden ausgeladen, werden vielleicht verarbeitet und dann durch andere, und das sind zum Beispiel die Politiker, die wir in diese Prozesse mit einziehen, dann wieder transportiert werden, weil wir dann eben diese Multiplikation erreichen, die wir gern hätten.
Und dafür ist es natürlich wichtig, dass man, wenn man so will, nicht nur ein Päckchen hat, mit einer Verpackung, sondern eben die Vielfalt, die die Infrastruktur liefert mit den ganzen Fragestellungen, müssen wir dann auch übersetzen, ich will gar nicht mal sagen in Disziplin, sondern in Fragestellungen, die von jeder Seite aus unterschiedlich formuliert werden. Es geht also nicht um die Antworten in erster Linie, die wir in dieser Interdisziplinarität herbekommen, sondern es geht in erster Linie, dass wir die richtigen Fragen stellen. Und dafür brauchen wir die unterschiedlichen Blicke, denn das ist auch ein beliebter Satz, wenn man mich ein bisschen näher kennt, wie die Tina weiß, der kommt eigentlich jedes Mal, wenn ich irgendwo was erzähle, wir stellen in Deutschland zu wenig Fragen und geben zu schnell Antworten. Und das ist halt das eigentliche Problem, denn wenn ich die Fragen nicht sauber formuliert habe, kann ich auch keine gute Antwort geben.
Und deshalb müssen wir anfangen, Antworten erst zu geben, wenn wir die richtigen Fragen gefunden haben. Und das können wir nur gemeinsam tun. Und das ist die Aufgabe des Hubs, in erster Linie Fragen stellen. Und das machen wir nicht nur untereinander, sondern das machen wir auch mit unseren externen Partnern, ob das jetzt aus der Industrie, aus der Wissenschaft oder aus der Forschung ist. Wir machen da Workshops, die wir als Sokrates-Workshops bezeichnen, wo es verboten ist, eine Antwort zu geben. Der muss fünf Euro reinstecken fürs Abendessen, wo es wirklich den ganzen Tag nur darum geht, zu einer Thematik Fragen zu suchen, diese Fragen nachher zu bündeln und aus den Fragen dann eben die Kernfragen herauszuarbeiten, für die wir dann die tatsächlichen Antworten dann suchen, nicht vorher. Aber wir fangen heute häufig mit den Antworten an und suchen uns dann die passenden Fragen dazu. Das ist der falsche Weg.
19:23Warum die Kunst keine Dienstleisterin sein soll
Andreas GerdesKIT Innovation HUB
Darf ich auch mal was fragen?
Okay. Norina, ich habe mich natürlich gleich zu Anfang nach unserem ersten Gespräch, wir waren gemeinsam bei einem Auftritt, wo wir gehofft haben, für den WERKstattPALAST die Unterstützung zu finden.
50 Prozent der Idee sah so aus, wurde praktisch gleich adaptiert. 50 Prozent haben dann gesagt, dass es aus bestimmten Gründen nicht geht. Wir sind dort herausgegangen und haben dann dort ja auch gestanden und gesagt, wurscht, weitermachen. Was war jetzt an dem Thema Infrastruktur und KIT? Hab, was ja auf den ersten Blick wirklich weit weg ist, trotzdem noch für dich so interessant, diese Diskussion weiterzuführen, sodass wir jetzt hier beim WERKstattPALAST gelandet sind.
Norina Quinteato, künstlerische Leitung
20:14Wie vorhin schon angesprochen, mich hat einfach oft dieses Gefühl der Künste beschäftigt, dass man irgendwie in eine Dienstleister:innenrolle schnell rutscht. Also sobald es Kooperationen gibt mit Firmen, Unternehmen, Instituten, musste, durfte ich oft beobachten, dass es so in Karlsruhe zumindest funktioniert. Ah, das KIT wünscht sich jetzt buntere Zebrastreifen. Wo sind denn die Künstler:innen? Oder wir haben jetzt eine wahnsinnige VR-Brille. Wer könnte denn kreativ damit umgehen? Also und dieser Spagat hat mich immer interessiert, weil ich glaube, ganz ohne einander geht es nicht. Auch weil die Kunst, wie ich jetzt immer mehr kennenlerne, auch die Wissenschaft, aber stark von natürlich solchen Finanzierungsmodellen auch zum Beispiel abhängig ist.
Aber da mein Interesse sehr stark war, weil wir beide herausgefunden haben, es gibt keine Plattformen, die möglichst ohne einladende Geste einer Partei funktionieren. Und das war wirklich der Moment, wo ich dachte, das klingt erst so naiv. Also ich habe mich selbst für naiv empfunden, dass ich meinte, wir brauchen jetzt Areale, Häuser, Plattformen, die weder Museum noch KIT sind. Und dann feststellen musste, so etwas gibt es gar nicht. Also Orte der Berührung, des Austauschs, das gemeinsame Ausloten von Sprachen. Und das war, glaube ich, so der Trigger für mich, dass ich dachte, da bin ich am Hub, erstaunlicherweise. Ich hatte nicht gedacht, dass ich mit dem KIT in der Form dann doch irgendwann kooperieren kann. Der Auslöser, wo ich dachte, das stimmt, weil wir da ein ähnliches Interesse haben.
Und das Thema Infrastruktur interessiert mich aus künstlerischer Perspektive auch, weil ich da einfach oft denke, wieso setzt man Künstler:innen nicht früher an den Tisch? Also es gibt Kunst am Bau Projekte. Natürlich gibt es ein paar öffentliche Gelder dafür, aber am Ende steht man auf einem betonierten Areal und sagt, hier muss eine Skulptur hin. Und das finde ich erstaunlich, dass man da nicht schon weiter ist und irgendwie versucht, einen künstlerischen, immateriellen, konzeptuellen Gedanken viel früher in den Bau dieser Gesellschaft mit einzubeziehen. Und das ist etwas, was ich gerne mitbewegen würde, weil ich glaube, manchmal kommt der kritische, reflektierende Moment vielleicht auch zu spät in dem, was wir da alle bauen, produzieren und so weiter.
Andreas GerdesKIT Innovation HUB
22:38aber ich glaube, wir streiten ja eigentlich, das ist mir vorhin auch durch, das kriegen wir gar nicht hin, sorry, also streiten werden wir uns, glaube ich, nicht, aber wir streiten mit unserem eigenen Umfeld. Und ich glaube, das ist eben der Unterschied, wenn man so will.
Und ich glaube, das ist auch das, was jetzt im Moment sehr deutlich wurde durch die Diskussion vorher und auch jetzt, wir streiten mit unserem Umfeld. Und jetzt ist etwas, was nicht so häufig passiert. Jetzt haben sich eben zwei, ich nenne es jetzt mal, Gruppen gefunden, die das Gefühl haben, dass sie miteinander streiten müssen, um dann doch mehr Bewegung ins Spiel zu bringen. Auch das ist heute selten, dass eben die Erkenntnis wächst, dass man gemeinsam mehr bewegen kann und es dann tatsächlich auch tut und das nicht als Absichtserklärung stehen lässt. Und das Bauwesen vielleicht nicht ganz zur Macht ist, weil dort die Strukturen eben 100 Jahre alt sind, verkrustet und nur schwer aufzubrechen, weil im Bauwesen es sehr schnell auch eben um Haftung, um Risiken, Verantwortlichkeiten geht und das ist das, was man dort scheut, wie der Teufel das Weihwasser.
Also ich habe schon tatsächlich Bausitzungen erlebt, da saßen um den runden Tisch mehr Anwälte als Ingenieure und wenn einer der Ingenieure was sagen wollte, dann kriegt er ja so einen Stoß an der Seite oder von unten mit dem Fuß, er soll ja ruhig sein und kein Wort sagen, weil das könnte dazu führen, dass dann seine Partei einen Nachteil hat.
24:05Künstlerfaktor und Hirschfaktor als starre Maßstäbe
Norina Quinteato, künstlerische Leitung
Aber ich glaube, dieses Problem der, wie du es auch beschreibst, eher rückwärtsgewandten, normgebundenen Geschichte, die sich da immer weiterentwickelt oder auch rückwärts entwickelt, gibt es auch in der Kunst. Also das ist tatsächlich auch von uns oder dem, was wir tagtäglich mit ato versuchen, schon ein sehr großer Punkt, den wir da als David gegen Goliath, natürlich Minis, ihr seid ja auch, dann gibt es das System, die Normen, die Regeln, die Gesetze, aber da ist die Marktstruktur ähnlich betroffen in der Kunstwelt, weil auch da wundere ich mich, über welche Normen von vor 100 Jahren, in welchen man sich festhält. Es gibt zum Beispiel ein Beispiel, was wahrscheinlich die Bauchemie weniger kennt, aber es gibt einen Künstlerfaktor. Ein Künstlerfaktor ist etwas, womit man den Wert einer Arbeit im klassischen Kunstmarkt im Galeriewesen berechnet. Der ist Höhe plus Breite mal X und damit wird heute auch zum Teil stark gearbeitet und je mehr man sich da rein begibt historisch, merkt man, ach, das ist ja im Impressionismus erfunden worden.
Und wir arbeiten heute, als würde es eine Salonkultur geben, als würden alle mit Öl malen und als hätten wir eine homogene Zielgruppe oder Käufer in Schicht. Und das ist tatsächlich eine starke Parallele, dass es unglaublich schwer ist, überhaupt darauf aufmerksam zu machen, dass man Strukturen auch mal brechen sollte oder den Mut zu entwickeln, Systeme halt, wenn es auch nur kleine Zahnrädchen sind, aber doch auf einen anderen Weg zu bringen.
Andreas GerdesKIT Innovation HUB
25:37Du wirst sogar lachen, wir haben das in der Wissenschaft. Und das ist letztendlich sogar das stärkste Korsett, was da ist. Als Wissenschaftler bin ich dazu verpflichtet, jedes Jahr zu Veröffentlichungen, das hört man immer aus Amerika, das ist in Deutschland mittlerweile mindestens genauso. Und wie du es jetzt gerade mit dem Künstlerfaktor gibst, gibt es bei uns einen Impactfaktor. Und dieser Impactfaktor bedeutet, dass jede Zeitschrift je nach Bedeutung einen unterschiedlichen Impactfaktor hat. Und ich als Wissenschaftler muss mich bemühen, in einer Zeitschrift mit möglichst höherem Impactfaktor zu veröffentlichen. Und daraus wird, und jetzt wird es richtig ähnlich, über die Häufigkeit der Zitate und all diese Dinge, wie das Ganze dann also auch zum Einsatz kommt, wird ein zweiter Faktor für jeden Forscher berechnet, das ist der Hirschfaktor.
Und interessanterweise wird das bei Google gemacht. Google gibt es als Google Scholar und auf dem Google Scholar sind diese Veröffentlichungen drin, die muss man da eingeben und muss dann eben dann diesen Hirschfaktor auswerten lassen. Und ich habe schon Veranstaltungen erlebt, wo wir evaluiert werden, wo wir unseren Hirschfaktor angeben mussten. Ehrlich gestanden, zu dem Zeitpunkt wusste ich noch gar nicht, was das ist, weil ich mich da nie so darum gekümmert habe. Aber da wurde der Wissenschaftler einsortiert nach dem Hirschfaktor, wer erfolgreich ist oder nicht. Von
Andreas GerdesKIT Innovation HUB
27:01Hirschfaktor ist letztendlich auch Teil des Belohnungssystems. Habe ich einen hohen Hirschfaktor, habe ich eine größere Chance, Professor oder Professorin zu werden, habe ich einen niedrigen Hirschfaktor, kann ich das knicken. Und das gilt nicht nur an, sage ich mal, generell, das gilt hier am KIT. Als erfolgreicher Wissenschaftler brauchen Sie eine entsprechende Veröffentlichungszahl und einen entsprechenden Hirschfaktor. Haben Sie den nicht, gelten Sie als gescheitert. Genau wie der Künstler oder die Künstlerin, über die wir vorhin gesprochen haben. Und das führt natürlich dazu, dass dieses ganze System dann natürlich sehr stark vorgegeben ist, das Belohnungssystem und das Bewertungssystem. Und das führt natürlich dazu, dass ein Wissenschaftler, der in der Akademie erfolgreich sein will, diesen Weg gehen muss.
Genauso wie in der Kunst. Also es
Norina Quinteato, künstlerische Leitung
27:54gibt auch gerade Thema Faktor und so, wenn man auch auf Ausschreibungen guckt, natürlich gewisse Themen, die sind sehr gefragt und da weiß man auch als Künstlerin, welche Buzzwords man in einen Antrag schreibt, um eher nicht überlesen zu werden. Und da ist aber auch eben, da kommt wieder die kritische Verknüpfung Kunst, Wissenschaft, Technologie, auch so, dass sich der Faktor nach dem, was ist gefragt, auf dem Markt richtet. Wahrscheinlich auch ähnlich wie in der Wissenschaft, was Gelder angeht. Und da eben super stark erkennbar wird, dass das modernste Material oder die modernste Technologie die vermeintliche Innovationskraft ist und das wird gefördert. Also künstlerische Perspektiven, die mit anderen Materialien analoger vielleicht umgehen, sind weniger gefragt als die, die sich gleich anschließen an dem technologischen Trend oder so. Und das wäre jetzt eine Frage, ob das auch ähnlich ist.
Andreas GerdesKIT Innovation HUB
28:51Absolut parallel. Also wir haben in der Wissenschaft, manchmal bin ich ein bisschen böse und sage, es geht mittlerweile teilweise für mich manchmal schon Richtung Wissenschaftspopulismus, weil dadurch, dass ich so einen hohen Drittmittelbedarf habe, muss ich mich natürlich daran orientieren, was für Ausschreibungen durch das BMBF oder durch andere Wirtschaftsministerien auf dem Markt sind, Deutsche Forschungsgemeinschaft. Was sind die Themen, die im Moment ganz groß sind? Und diese Vorgaben müssen natürlich von mir irgendwie berücksichtigt werden. Wenn ich jetzt ein Thema habe, das kein Mensch interessiert und man sagt, jetzt ohne neue Batterien kommen wir nicht klar und ich entwickle aus Beton keine neuen Batterien, dann sind bestimmte Programme nicht für mich zugänglich.
Das heißt, über die Gewichtung dieser Themen in den Fördermitteln steuere ich natürlich auch im Prinzip die Wissenschaft. Und wenn dann eben der Anteil an Drittmitteln in der Bewirtschaftung deiner Arbeitsgruppe so hoch ist, dann musst du eben sehr genau schauen, wo bist du letztendlich mit deinem Thema wirklich auch im Moment nicht nur aktuell, sondern du kannst dort auch formulieren. Und ich fand es vorhin so interessant, wie die Judith gesagt hat, ja und zum Schluss muss ich mir dann noch überlegen, was ich in den Förderantragsbericht reinschreibe. Das ist genau so. Also da gibt es dann ein Zusammentreffen von Wissenschaftlern, die für ein Format einen Antrag schreiben, sich denn dort hineinbewegen, ein Konstrukt bilden. Aber nicht selten ist es so, dass sie während des Projektes in ihre alten Themen zurückfallen. Und nach drei Jahren muss man dann überlegen, wie man dann den Abschlussbericht dann irgendwie deutlich macht, dass man doch die Aufgaben erfüllt hat, die man das dann hat.
Ich habe es vorhin ein bisschen böse formuliert, Forschungsanträge sind häufig Absichtserklärungen. Nicht unbedingt das, was dann hinten real rauskommt. Auf der anderen Seite muss die Wissenschaft die Flexibilität in den Programmen haben, um dann auch auf Erkenntnisse zu reagieren. Sonst ist es ein stumpfsinniges Abarbeiten. Aber nein, noch mehr Parallelen.
30:51Holz, Glas und Beton als innovative Materialien
Norina Quinteato, künstlerische Leitung
Also das ist mir auch aufgefallen, dieses Thema Innovation oder was ist gerade der neueste Trend? Wir haben zusammen diese Materialbibliothek hinter mir entwickelt und unter anderem, also eins von vier Narrative ist quasi Bauchemie, also euer Beitrag, acht Fächer sind aus dem Innovation HUB und dann kamen die Materialien an und ich durfte die zum ersten Mal sehen, habe von Tina erfahren und meine Reaktion war, wie Holz, Glas, Beton, ich dachte, ihr seid innovativ. Wieso sind das dann in euren Augen die innovativen Materialien, wo ich als Laie denke, innovativ, ihr müsstet mir wahrscheinlich irgendeinen high-end, molekularen, whatever, Kleber vorführen oder so. Hätten
Und dann hat man davor gestanden und hat gesagt, wow, wo wird das denn eingesetzt? Und dann hätte ich dir gesagt, gar nicht. Es ist innovativ entwickelt, aber gar nicht. Wir glauben, dass die Innovation im Bereich der Infrastruktur nicht unbedingt in der Wechsel der Materialien angeht. Es gibt einen sehr berühmten Kollegen aus dem Bereich Klimawandel und der hat formuliert, wir können ja alles aus Holz machen. Aber jetzt möchte man sich mal heute einen Eisenbahntunnel aus Holz vorstellen. So etwas könnte man bauen, wie Stollen im Bergbau vor 100 Jahren. Aber der Gewinn dadurch ist klein im Verhältnis zu dem Risiko und unterm Strich betrachtet hält es nicht so lange.
Unsere Innovation, die wir sehen, ist diese Bewerkstoffe, von denen wir wissen, wie sie funktionieren, neu zu bewerten, was ihre Nachhaltigkeit angeht. Generell bekommt Beton im Moment unterstellt, dass es der schlimmste Werkstoff der Welt ist, was Nachhaltigkeit angeht. Wenn ich es aber schaffe, Bauwerke damit, wie ich es an dem römischen Beispiel ja schon gezeigt habe, 2000 Jahre in der Nutzung zu erhalten, ist das der umweltfreundlichste Werkstoff, den wir uns vorstellen können. Und das ist eben genau die Herausforderung. Was ist Nachhaltigkeit im Bauwesen? Und was müssen wir darunter verstehen? Und der Trend, den ich im Moment dort sehe, und das wird sicherlich auch bei euch in der Kunst so sein, ist dieses kurzlebige Denken, wo man eben ein paar Wochen nach vorne schaut, sich das Produkt anschaut, aber nicht das, was dahinter kommt. Das heißt, Nachhaltigkeit hat automatisch auch etwas mit Zeit zu tun und nicht nur mit dem Tag, mit dem Blitzlicht, was ich heute auf irgendeine Sache lenke oder es unter dieses Blitz jetzt setze.
Und das finde ich tragisch, dass wir da uns eben häufig gar nicht die Zeit nehmen, sondern das Ganze kommt genau wieder, dass die Antworten generiert werden, ohne eigentlich die Fragen gestellt zu haben, die es vorher zu stellen gab.
33:41Wie man Zeit für Prozesse einfordert
Norina Quinteato, künstlerische Leitung
Das ist ja eben gerade im Bereich Wirtschaftsstruktur sehr stark spürbar. Also wenn man, wer einmal in den letzten Jahren versucht hat, irgendwas zu gründen, hat schnell verstanden, dass je höher der Golfschläger, also die Skalierungskurve gemalt ist, desto eher kriegt man Geld, weil in noch kürzerer Zeit mehr Geld da ist.
Wie geht man das denn jetzt an? Also wir haben das erkannt, aber wir reden von Prozesshaftigkeit, Entschleunigung von dem Wert einer Strecke, die man sich gemeinsam Gedanken macht. Aber wo gilt es das deiner Meinung nach einzufordern? Das wäre wahrscheinlich der erste Schritt.
Andreas GerdesKIT Innovation HUB
34:14Ja, ich glaube, wir müssen erst mal feststellen, dass es Inkompatibilitäten gibt. Das würde ich mal ganz gerne aufgreifen. Wenn man zum Beispiel ein Start-up in Amerika gründet und hört dann ja, die kriegen nach sechs Monaten drei Milliarden dafür, dann muss man sich darüber bewusst sein, dass dort nicht der Wert des Unternehmens am Umsatz festgemacht wird, sondern an dem Potenzial, was in fünf Jahren zu erreichen ist. In Deutschland haben wir eine ganz andere Kultur. Hier schaut man sich den Laden an, guckt, was für einen Umsatz der hat, multipliziert ihn mit 1,5 bis 2,5 und das ist der Wert des Unternehmens. Wenn ich jetzt anfange, zwei Kulturen dieser Art miteinander zu mischen, dann bekomme ich Inkompatibilitäten.
Inkompatibilitäten. Die vertragen sich nicht. Und diese Inkompatibilitäten, die sehen wir eben überall und die lösen wir sehr häufig nicht auf, weil das auch mit Aufwand verbunden ist. Und das Erste, was wir tun müssen in diesem Bereich, ist eben zu suchen, wo sind die Inkompatibilitäten, die zu identifizieren und sie dann zu beseitigen. Und das kann bedeuten, dass ich neue Werkstoffe entwickle, das kann aber auch bedeuten, dass ich neue Dienstleistungen entwickle oder aber auch ein neues Verständnis zu dem, was aus diesen ganzen Prozessen herausbekommt.
Das ist also eben etwas, wo sich auch die Kunst wieder, wenn man so will, mit der Wissenschaft im Bereich der Infrastruktur trifft.
Norina Quinteato, künstlerische Leitung
35:40Aber wie fordert man Zeit ein? Also es ist eine sehr persönliche Frage, ich habe sie noch nicht beantwortet, aber ich kriege auch mit, man schreibt einen Antrag, dann hat man so und so viel Zeit, das Geld auszugeben. Dann gibt man am Ende Geld für irgendeinen Quatsch aus, den man gar nicht in dem Moment bräuchte, nur weil das Wirtschaftsjahr abläuft und man dann noch Geld ausgeben muss, wobei man es im Januar viel besser hätte einsetzen können. Also wo fordern wir Zeit ein? Weil ich glaube, Zeit und Prozesshaftigkeit in der Entstehung von Dingen sind eigentlich das Essentielle bei der Beschleunigung, die wir erleben.
Andreas GerdesKIT Innovation HUB
36:13Das meinst du jetzt, sagen wir mal, auf ein Objekt oder auf den ganzen Umstand der Infrastruktur in Deutschland?
Andreas GerdesKIT Innovation HUB
36:23Okay, das ist letztendlich dann, wenn die Idee entsteht, Infrastruktur zu generieren. Da muss das entwickelt werden und da muss man beginnen. Da gibt es auch schon einen Bewusstseinswandel. Ich weiß nicht, ob ich es schon mal erwähnt habe, aber wir haben gerade ein Projekt mit der Stadt Kornwestheim, wo die Stadt Kornwestheim auf uns zugekommen ist und gesagt hat, wir haben gehört, ihr macht was mit Dauerhaftigkeit. Wir haben hier eine alte Brücke aus Gussstahl, die wird nach 115 Jahren ersetzt und wir möchten eine aus Beton haben, die ebenfalls 115 Jahre hält. Da hat sich also der Anspruch an das Bauwerk komplett verändert und das ist der eigentliche Prozess, den wir auslösen müssen in dem Denken, dass sowas überhaupt möglich ist. Für uns ist dann die Aufgabe, wenn wir dieses praktisch platziert haben, dann die Inkompatibilitäten entlang des Prozesses abzubauen, die dazu führen, dass wir eben nicht so weit kommen.
Zum Beispiel, dass wir Prüfzeugnisse haben für Produkte, wo die unter definierten Bedingungen nachweisen, sie funktionieren, aber niemand weiß, ob der Handwerker sie so anwendet, wie sie angewendet werden müssen, damit sie funktionieren. Das kann ich nur über eine Qualitätskontrolle überprüfen, wie wir es ja überall haben. Und das ist genau der Punkt, das Bewusstsein schaffen, dass man das tun kann und dann müssen wir die Prozesse addieren, dass wir es auch in der Praxis umgesetzt bekommen. Und das Erstaunlichste für die, und das sind meistens die Kolleginnen und Kollegen von den Ämtern oder eben auch eben aus der Politik ist, dass das für so eine komplexe Infrastruktur zwei bis drei Prozent der Bausumme kostet. Also vernachlässigbar gering. Also für eine große Brücke gibt es so eine Stadt wie Karlsruhe mehr für das Richtfeste aus und für die Eröffnung als das, was jetzt die Qualitätskontrolle kostet.
Und das ist eben genau das, was ich vorhin gesagt habe. Wir müssen in dem Sinn dieses Bewusstsein schärfen, um dann die Inkompatibilitäten überhaupt abbauen zu dürfen.
Norina Quinteato, künstlerische Leitung
38:20Ja, wem würdest du denn die Bewertung der Qualität zutrauen?
Andreas GerdesKIT Innovation HUB
38:25Gut, das ist ein technischer Prozess. Das ist ein technischer Prozess und dieser technische Prozess muss einfach in diesem Bauprozess implementiert werden. Das verrückt an der ganzen Geschichte, wir haben alle Tools da, da muss nichts entwickelt werden. Die werden zusammengestellt aus so einer Art Toolbox und dann sagt man, jetzt haben wir das gemacht.
Da gibt es auch schon ausreichende Erfahrung. Das ist alles nicht das Problem.
38:44Kunst-Bubble und Bau-Bubble gemeinsam aufknacken
Norina Quinteato, künstlerische Leitung
Aber wenn wir jetzt zur Intuition kommen, die du vorhin schon ansprachst, und zu einem anders denkenden Moment, den man mit einbringt, dann reicht es ja nicht, in der Bubble zu bleiben.
Andreas GerdesKIT Innovation HUB
38:55Nein, nein. Das ist aber, glaube ich, ja auch das, was wir in unserer Diskussion schon oft festgestellt haben, dass diese Bubble-Geschichte eben letztendlich für fast jede Bereiche in Deutschland gilt und damit auch eben für unsere beiden Bereiche. Die Kunst-Bubble, wenn man so will, und die Bau-Bubble. Das sind zwei Blasen. Was ich eben glaube, ist, dass wir mit den Fähigkeiten und Möglichkeiten jeweils die andere Bubble mit aufknacken können. Und das muss das Ergebnis eben dieser Zusammenarbeit sein. Diese Plattform, der WERKstattPALAST, das ist der Versuch, eben diese Bubbles aufzumachen und das Bewusstsein. Ich habe mich sehr gefreut, es sind ja viele Leute aus dem Kunstbereich da. Wie interessiert sie eben auf diese Bausache reagieren? Und dann denke ich auch immer an das Manifest zum Bauhaus von Gropius. Am Ende steht der Bau. Man merkt also, er hat recht gehabt.
Wir sind uns sehr viel näher. Nur, dass wir jetzt im Kontext mit dem Bauhaus eine weitere Facette dabei haben. Und das ist die Wissenschaft und nicht nur das Handwerk und die Kunst. Aber letztendlich ist es, wenn man so will, Bauhaus 2.0, was wir hier gerade versuchen, das Ganze nochmal zu erweitern, um das Thema Wissenschaft zu führen.
Norina Quinteato, künstlerische Leitung
40:06Wobei ich glaube, ich glaube, dass der Wert, also ich wurde auch in einem Interview gefragt, ja, wie schaffen Sie das denn mit dem WERKstattPALAST zusammen mit dem KIT eine gemeinsame Sprache zu entwickeln? Und ich war ganz erschrocken, weil das würde ich niemandem suggerieren. Es geht ja eben darum, nicht in einer Sprache zu münden, sondern irgendwie zu entdecken, dass es eben viele verschiedene Narrative gibt und mit denen weiterhin seinen eigenen Horizont auszubauen.
Und das müsste ja auch eine Forderung sein, also nicht diese Gleichschaltung, so jetzt sind wir alle an Bord und wir machen ein bisschen zusammen Infrastruktur. Das meinst du nicht, oder?
Andreas GerdesKIT Innovation HUB
40:45Nee, ganz im Gegenteil. Also meine Erfahrung ist, und wir haben schon mit ganz verschiedenen Bereichen zusammengearbeitet, heute entsteht das, was wir brauchen, das Neue, was wir auch brauchen für die Herausforderungen, die kommen an den Grenzflächen dieser beiden Themen. Das heißt, wir müssen Themen zusammenbringen, da gibt es ja die Begriffe interdisziplinär, transdisziplinär oder jetzt auch transformativ. Die können wir alle weglassen. Das Entscheidende ist, dass wir für unterschiedliche Themen, die auf den ersten Blick vielleicht nicht zusammengehören, irgendwie Deckungsbereiche schaffen, um festzustellen, dass eben an diesen Bereichen der Austausch wirklich zu Sprüngen führt. Es wird ja mal von Quantensprüngen gesprochen. Man muss sich darüber im Klaren sein, das Quant ist die kleinste Einheit, die es gibt.
Andreas GerdesKIT Innovation HUB
41:38das sind die Bauteile der Atome, aber ein Lichtquant zum Beispiel ist die kleinste Energieportion, die es gibt. Also wenn jemand von Quantensprüngen spricht, dann meint er eigentlich faktisch betrachtet genau das Gegenteil. Das ist nämlich gar nichts. Und was wir jetzt hier suchen, sind nicht Quantensprünge, sondern wir suchen sieben Meilenstiefel. Und diese sieben Meilenstiefel, die können wir eben dadurch generieren, dass wir uns auf den anderen einlassen.
Und das ist das große Problem. Ich erlebe das ja mit meinen jungen Doktorandinnen und Doktoranden, versuche ich es zu vermeiden. Wenn sie zum Beispiel in der Wissenschaft eine Promotion beginnen, kriegen sie üblicherweise vom Chef oder von der Chefin gesagt, jetzt recherchiere mal alle Paper, die in den letzten fünf Jahren erschienen sind, lese die dir durch und mache dir ein Bild. Bei mir haben die explizit Verbot, die ersten sechs Wochen Paper zu lesen. Weil wenn ich das tue, und das ist genau wie in der Kunst, nehme ich Ihnen die ganze Kreativität, die will ich ja gerade. Und wenn ich Ihnen gleich von Anfang an klar mache, was andere meinen, was nicht geht, dann schaffe ich einen sehr schmalen Tunnel, in dem Sie sich bewegen und wo Sie das Gefühl haben, da komme ich auch nicht mehr raus. Gebe ich Ihnen erstmal die Möglichkeit, völlig frei zu operieren, bevor Sie dann in diese Informationen eintauchen, dann haben Sie die Chance, vielleicht da und dort zu sagen, der hat sich geirrt, ich probiere es trotzdem.
Und ich mache es trotzdem. Und das sind häufig ja eben Dinge, wo bestimmte wirklich große Erkenntnisse herausgewachsen sind. Und das ist natürlich etwas, was man eben durch das Aufknacken an diesen Grenzflächen eher erreichen kann, dass man eben breiter denkt und nicht in diesen Wissenstunnel gerät, der wenig Möglichkeit nach links und nach rechts lässt. Und dann sieht man, dann schnurrt das da, wie auf einem Reißbrett. Da kommen die ersten Experimente, die ersten Ergebnisse, dann kommt der Chef, die Chefin, ja, da machen wir eine Publikation draus. Dann wird die Publikation geschrieben und dann beschleunigt er die Arbeiten und irgendwann mal nimmt die Zahl der Publikationen von einem Jahr auf drei zu. Und dann wirst du wirklich glashart, absolut, sage ich mal, teilweise sogar unmenschlich, genau danach beziffert, wie leistungsfähig du bist oder nicht. Und die Konsequenz ist, dass wir eben viele kreative Menschen auch in der Wissenschaft verlieren, die sich mit diesem System wirklich schwer tun. Und die Idee von mir auch in diesem Kontext ist, dass wir genau diese Talente nicht verlieren, sondern sie in diesem Rahmen einen anderen Weg gehen können.
Und dass die Zusammenarbeit mit Menschen aus dem Kunstbereich ihnen dann auch eben dieses erweiterte Denken und dieses erweiterte Arbeiten geben und sie erkennen, dass das eben etwas Positives ist und nicht das, was ihre Karriere einschränkt. Wir zertieren immer Leute, die in Amerika besonders erfolgreich sind.
Der Letzte ist jetzt unser Elektromobilbauer, da fällt der Name gerade nicht ein.
Ja, der ist alles andere als irgendwo, passt der irgendwo in der Schablone rein oder nicht. Und viele andere auch haben da Dinge gemacht, wo alle haben gesagt, die spinnen. Aber die Spinner, die sind hier in unserem System nur bedingt. Man spricht immer von Kreativität. Der Wissenschaftler soll kreativ sein, aber er macht es in einem Wissenstunnel, in dem er sich befindet. Und den müssen wir eben entweder größer machen oder ihm die Möglichkeit geben, seinen eigenen Tunnel zu bauen. Und ich glaube, da sind wir auch wieder nicht so weit weg von der Kunst, eben den Spielraum zu lassen, Dinge auf verschiedene Art und Weise anzugehen.
Norina Quinteato, künstlerische Leitung
45:15Dann starten wir jetzt damit die nächsten neun Wochen, die wir noch haben. Und ich fand das vorhin so schön, und vielleicht nehmen wir das als Abschluss, dass es uns allen, also auch Tina und allen, die mitgemacht haben, um dieses Thema der Fragensammlung geht. Mehr als dieses, also keiner von uns hat eine Antwort, sonst würden wir es gar nicht machen. Wir behaupten hier gar nichts, sondern fragen uns alle gegenseitig. Und das wäre, glaube ich, das Schönste, wenn uns Fragen erreichen, die wir auch nicht beantworten können. Und dann können wir weitergucken, was machen wir mit den Fragen und wohin geht das, fachübergreifend.
Andreas GerdesKIT Innovation HUB
45:54Das passt ja auch ganz schön in dem, was du gerade gesagt hast. Wie schaffen Sie es, eine gemeinsame Sprache zu finden? Die brauchen wir nicht suchen. Wenn wir aber Fragen finden, die uns gemeinsam interessieren, wo wir unterschiedliche Beiträge zu leisten können, dann ist das genau, denke ich mal, nicht nur der Sinn des WERKstattPALASTes, sondern wir streben auch an, danach nicht nur den WERKstattPALAST zu verstetigen, sondern auch diese Zusammenarbeit noch weiter zu intensivieren, um eben diese positiven Aspekte, die wir dort identifiziert haben, dann tatsächlich auch ein bisschen breiter aufzusetzen. Und da sind natürlich alle herzlich eingeladen, weil das ist ein partizipativer Prozess. Das ist jetzt nicht ein Prozess, wo wir jetzt den stillen Kämmerlein sitzen wollen, sondern wo wir genau dieses Format brauchen, um jetzt zu überlegen, was sind die richtigen Fragen.
Lassen Sie uns die gemeinsam suchen. Ja, super, danke dir. Danke dir auch, Norina.
Norina Quinteato, künstlerische Leitung
46:56Ein Schritt weiter zur Erklärung, was wir hier alle machen. Ja, ich habe es jetzt
47:08Fragen aus dem Publikum zum Scheitern
Stimme aus dem Publikum
Und dann die Frage, das ist so eine freige Art von Forschung, die man überspitzt darstellt. Und gibt es da irgendwas, wie der Mut geschürt wird, dass die wieder sich Frauen zu scheitern, auch wenn sie an den Hirschindex oder irgendwas gemessen werden? Also Sie machen das persönlich in Ihrem Institut, wie Sie gerade schön erläutert haben. Aber ist da eine Trendwende abzusehen? Oder dass da wieder mehr Mut zu scheitern ist, um darüber nämlich voranzugehen?
Andreas GerdesKIT Innovation HUB
47:37Die erste Frage ist natürlich, wie man in der Wissenschaft Scheitern jetzt definiert.
Scheitern ist auf jeden Fall, wenn man nicht genug Publikationen produziert.
Da ist man klar scheitern. Auch ich habe das schon bestätigt bekommen, dass ich gescheitert bin. Höchstamtlich. Also von daher gesehen, das liegt aber auch daran, dass ich mich irgendwann mal dem System ein bisschen entzogen habe. Das hat mir wahnsinnig viel Ärger gebracht. Auch viele Tränen und viel Druck und viel Kampf. Nachherin muss ich sagen, bin ich froh, dass ich mich dem System entzogen habe. Das war dann Technik.
Deckel zu, Seerohr einfahren, abtauchen. Und dann einfach nicht mehr mitmachen. Das kann ich machen, weil ich jetzt 60 bin. Ein Wissenschaftler mit 35 und eine Wissenschaftlerin mit 38 können das nicht. Keine Chance.
Deshalb, dieses Scheitern ist eben einfach die Frage, was unter Scheitern gemeint ist. Kein Ergebnis ist das Wort, ist auch ein Ergebnis. De facto ist es aber nicht so. Und Sie sehen es ja auch, verstärkt in den Vereinigten Staaten gratis wieder was aufgepoppt. Wenn Sie es mitbekommen haben, Forschung zur Alzheimer-Krankheit, die Wirksamkeit der Medikamente, dass da eben die Ergebnisse poliert wurden. Physiker, die Ergebnisse wurden poliert. Gerade in dem Augenblick, wo ich dann da sehr stark von diesen Mitteln abhängig werde, und das ist in Amerika ein bisschen deutlicher als hier, dann wird da mehr oder minder dann auch mal ein Wissenschaftler, im wahrsten Sinne des Wortes, straffällig, indem er eben manipuliert. Wenn es aber darum geht, Scheitern zu definieren, glaube ich, ist in der Wissenschaft das Scheitern für mich persönlich jetzt, wenn man anfängt, seine eigene Linie zu verlassen.
Und da sind wir wieder bei der Kunst, eben die Parallelen sind, dass man eben praktisch sagt, nee, ich glaube zwar dran, aber ich verlasse jetzt diesen Pfad, weil was anderes eben im Moment mehr gefragt ist. Da bin ich erfolgreicher, da sind wir auch wieder bei der Frage des Marktes. Auch für Wissen gibt es einen Markt, sei es von der Industrie oder sei es jetzt aus der wissenschaftlichen Community. Nein, es ist nicht zu erwarten. Das hat auch konkrete Gründe. Wenn wir schauen, wie sich die Universität, die Hochschullandschaft generell in Deutschland verändert hat, dann hat es strukturelle Veränderungen gegeben. Wir hatten, sagen wir mal noch so, einfach gesagt, vor 20 Jahren hatten wir an den Universitäten mehr oder minder ein parlamentarisches System. Der Senat, wo gewählte Vertreter drin waren, aus der Professorenschaft, von dem Mittelbau, von den Studierenden und auf der anderen Seite Mitglieder kraft Amtes wie ein Dekan oder ähnliches.
Und das Rektorat hatte die Funktion einer Regierung. Und da gab es auch eben dieses Spiel zwischen Parlament und Regierung. Und das Rektorat wurde gewählt durch die Professorenschaft. Heute ist die Situation ganz anders, wissen vielleicht nicht alle. Aber wir haben heute eher eine Konstruktion wie in einem Unternehmen.
Das heißt also, der Senat, den gibt es noch. Aber seine Entscheidungsbereiche, wo sie noch entscheiden können, sind stark eingeschränkt. Der Vorstand wird zwar vom Senat gewählt, und ich sage jetzt ganz bewusst Vorstand, weil es gibt tatsächlich Hochschulen, die jetzt dort vom Vorstand reden. Die bezeichnen sich nicht mehr als Rektorat, sondern als Vorstand. Rektorat oder Präsidium, das sind die drei Begriffe. Die werden jetzt im Prinzip nicht mehr gewählt, sondern die werden ernannt auf Vorschlag des Hochschulrates. Im Hochschulrat saßen vorher Honoratioerinnen und Honoratoren, die in dem Hochschulbereich tolle Unterstützung geleistet haben. Die wurden zweimal pro Jahr, jetzt bin ich mal ein bisschen böse, zum Kaffee eingeladen, ein bisschen informiert. Heute sind das mehr oder minder oft eben Leute aus dem BMBF oder aus der Wirtschaft.
Am KIT war sehr lange der Herr Quandt und der Herr Zetsche im Aufsichtsrat drin. Und dadurch bekommt das stärker auch den Charakter eines Unternehmens. Das heißt, da werden Strategien entwickelt, da werden Vorstellungen entwickelt, wie man was stärkt, wie man auch vielleicht etwas nicht mehr so ganz unterstützt. Und in diesem Bereich spielt Scheitern natürlich eine ganz andere Rolle als in einem System, was jetzt in dem Bereich vielleicht offener ist. Eine zweite Entwicklung, die dann eine wichtige Rolle spielt, wenn ich das noch erzählen darf, wenn Sie heute einen Forschungsantrag ausfüllen, dann kommt also das übliche Stand des Wissens, was habe ich vor, was will ich machen? Und vor diesen 20 Jahren gab es dann noch eine Frage, wie wird das weiterverwertet, die Ergebnisse? Und dann stand da dann einfach, ja, wir gehen auf zwei Konferenzen und veröffentlichen zwei Paper.
Das war okay. Heute müssen Sie da fast halbe Businesspläne reinschreiben, die sehr ernsthaft angeschaut werden, inwiefern jetzt da auch von diesen Forschungsergebnissen eine kommerzielle Verwertung zu erwarten ist. Das Thema Verwertung, Technologietransfer, hat selbst in Grundlagenthemen wie Chemie, Physik und Biologie mittlerweile so eine große Bedeutung bekommen, dass es in Instituten Strategiewechsel gibt, um eben dieses Thema zu stärken und dadurch eben zu zeigen, die Forschung, die wir mit Steuergeldern hier machen, hat auch einen wirtschaftlichen Wert. Wir werden, das KIT war zum Beispiel eines der ersten Universitäten in Deutschland, die explizit einen Vizepräsidenten für Transfer oder für Innovation hat. Das ist ein sehr guter Vizepräsident, der Professor Hirtz, der macht das wirklich ganz toll. Andere Universitäten sind nachgekommen.
Da hat man also klar gesagt, Forschung, Lehre, Innovation, das sind die drei Themen. Und das verändert natürlich dann auch die Anforderung, was ist Erfolg, aber auch was ist Scheitern. Und da verändert sich natürlich auch die Position des Wissenschaftlers. Da
Norina Quinteato, künstlerische Leitung
54:01hinten gibt es, glaube ich, noch Fragen. War die Frage gut beantwortet oder fehlt da noch was?
Okay, gut. Ja, ich suche
Andreas GerdesKIT Innovation HUB
54:09ja Erfolg, ich kann ja nicht scheitern. Deshalb muss ich jetzt ja fragen, ob das gut war.
Stimme aus dem Publikum
54:16Bin ich laufend? Ja, ja. Dank für den Freund aus der vorigen Diskussion nochmal an den Begriff des Scheiterns. Da ging es ja so ein bisschen darum, wer jetzt irgendwie Kunst studiert hat und hinterher dann in der Yoga-Klasse unterrichtet oder so. War das halt ein Studium, was umsonst war oder nicht?
Und ich finde, das ist jetzt gerade bei der Frage auch ganz interessant, weil die Erklärung aus der Wissenschaft war halt sehr stark in Richtung Publikation und so weiter gerichtet. Aber wenn man jetzt mal aus der Studiensicht her denkt, dann war es ja historisch, zumindest beim Diplom, auch so, dass man immer sehr stark ausgebildet hat für die Wissenschaft. Und das ist ja mitnichten so, selbst heute, wir hatten irgendwie zum Beispiel 10% der Wissenschaftler, können hinter davon leben. Unter, ja.
Ich weiß die genaue Zahl jetzt nicht, aber es ist ja mitnichten so, dass jeder Doktorand ein Professor wäre. Nein. Das heißt also schon alleine in dieser Vorstufe ist ja ein sehr persönliches Scheitern auch durchaus schon angelegt unter Umständen. Wobei, Klammer auf, natürlich auch dort heutzutage klar ist, nicht jeder, der jetzt ein Diplom hat, früher wollte ich in die Wissenschaft. Und so weiter. Das heißt, auch da ist es wieder relativ, ist das ein Scheitern oder ist das doch auch was, was indirekt dann wieder die aus einer anderen Brille gesehenen Gesellschaft verreichern kann, wenn es jetzt in der Systemlogik der Wissenschaft beispielsweise scheitert?
Andreas GerdesKIT Innovation HUB
55:32Nee, das ist absolut richtig. Nicht jeder wird Professorin oder Professor. Dann hätten wir mehr Professor und Professor als Studierende bei den jetzt abfallenden Zahlen.
Norina Quinteato, künstlerische Leitung
55:41Zum Thema der Kunst. Also ich finde das nämlich auch hochspannend. Ich war letztens bei der Talkrunde von Nezja und hier im Nordbecken, also der mit einziger Ort im Hafen, der kulturell bespielt wird, zum Glück. Und da ging es auch darum, dass wir das Thema der Vergütung hatten, des Scheiterns. Und ich will nicht zu weit ausholen, aber ein Punkt war doch interessant, dass quasi viele anwesende Künstler:innen als Scheitern wahrgenommen haben, in Unternehmen ihr Wissen nach dem Studium reinzubringen.
Also auch da diese Verbindung Kunst-Wissenschaft war interessant, da haben manche gesagt, sie arbeiten lieber bei DHL am Paketband und machen Kunst, statt dass sie an SAP ihre Ideen verkaufen. Und das war eine interessante Fragestellung, weil andere haben auch gesagt, wieso denn, da wirst du viel besser bezahlt, du bist ja ausgebildet, um kritisch zu reflektieren, um Gedanken einzubringen, aber da wurde das wie als das Scheitern wahrgenommen, dass man eigentlich seinen Kunst-Background, die Ausbildung mit reinbringt in einen anderen wissenschaftlich-unternehmerischen Kontext. Und das war, fand ich auch einfach nur spannend zum Nachdenken, wieso da so eine Scheu besteht, sich als Künstlerperson eigentlich sehr, sehr gut, genauso wie jeder andere Unternehmer oder Unternehmerin, dafür zahlen zu lassen, was man da leistet an Gedankenarbeit. Also da war wie eine Scheu, so lieber arbeite ich am Band als für ein Unternehmen oder so, obwohl das ja vielleicht eigentlich gar nicht scheitern wäre.
Stimme aus dem Publikum
57:13Weil SAP nicht im Gegensatz zu den Paket waren und ich versuche gleich nochmal deine wunderbaren Ausführungen über die Änderungen des Wissenschaftsbetriebs in den letzten 30 Jahren oder die Ökonomisierung, die Amerikanisierung anzukommen, weil SAP wieder die ultimitaristische Fragen an die Künstlerin hat und dem Paket war das ja scheißegal. Genau, die Produktorientiertheit ist das Scheitern eigentlich, so wie in der Wissenschaft man dann das Gefühl hat, wahrscheinlich. Und wir haben das schon erzählt mit eurem Hirschfaktor, der ja fast wie der Elchtest bei euch. Ja, kann man so sagen. Also, wir waren gerade noch in der Diskussion, was die Künste und die Wissenschaft noch gemeint haben, dass es in der Biomienkreise.
Und wenn wir jetzt den ganzen Blick ökonomisieren und andere rekanisieren, die Hochschulen dann irgendwie dann auch irgendwie jahrelativ sind, aber die können wir es dann auswerten, dann ist die Wissenschaft eben auch nicht möglich.
Andreas GerdesKIT Innovation HUB
58:22Absolut, absolut richtig, ja. Ich glaube, das ist gar nicht das Problem, das mit der freien Wissenschaft, da habe ich jetzt nicht das Gefühl, dass wir es da wirklich mit eingestellt. Nicht das Gefühl, dass wir es da wirklich mit eingestellt haben. Für mich war das Interesse am Werkstoffpalast, das ist vielleicht noch nicht so rausgekommen.
Werkstoffpalast, den brauchen wir auch noch. Werkstoffpalast, sorry. Den brauchen wir noch, den machen wir auch. Gut, das war jetzt wirklich eine freudsche Fehlleistung.
59:38Warum Andreas Gerdes beim WERKstattPALAST mitmacht
Andreas GerdesKIT Innovation HUB
Nein, der WERKstattPALAST war für mich von Interesse aus folgendem Grund.
Wenn wir heute schauen, auch diese Bedeutung des Technologietransfers, die ich gut finde. Ich habe es selber vor 14 Jahren ausgegründet. Unter anderem, weil ich mich dem System da das erste Mal entziehen wollte. […entfernt…] […entfernt…] jetzt gründe ich eine Firma. Und dann mache ich das so, wie ich es für richtig halte. Aber was mich im Moment ein bisschen irritiert, ist gar nicht die Freiheit von Wissenschaft oder dass wir da nicht diese Spielräume haben. Die sind da, aber sie müssen auf der anderen Seite auch genutzt werden. Das ist der eine Punkt. Und das, was mich jetzt ein bisschen viel mehr stört, ist, dass dieses System, was ich dir gerade beschrieben habe, da drin werden ja, und ich fange jetzt ganz bewusst bei den Doktoranden an, werden ja, oder Doktorandinnen, damit ich das mit dem Doppelpunkt noch dabei habe, also bei den Doktorandinnen beginnt das vom ersten Tag, dass sie in diesem System sozialisiert werden.
Und zwar, das ist ein knallhartes Geschäft. Das sieht man von außen gar nicht, wie knallhart das ist. Und wenn du denn in diesem System drei, vier, fünf Jahre sozialisiert bist, kommst du ja dann irgendwann mal genau an das Ende, wie die Frage gerade war, die wenigsten werden Akademiker, die meisten fliegen, wenn man so will, raus in die freie Wirtschaft. Und was wir im Moment noch zusätzlicher sehen, und da kriege ich dann Bauchweh, ist, dass man ihnen sagt, hey, das war ja eine tolle Arbeit, da können wir noch ein Patent draus machen, das lässt sich verwerten, willst du nicht ausgründen.
Und dann wird jemand, und das ist so ein bisschen wieder in die Richtung, die ihr auch vorhin diskutiert habt, der eigentlich in einem System, sozialisiert worden ist, wo es um die Forschung geht, soll dann noch ruckzuck auch noch gleichzeitig Unternehmer sein. Und ich bin fest davon überzeugt, dass in Deutschland mehr Start-ups daran scheitern, dass die Absolventen nicht clever sind, sondern die sind furchtbar clever, aber sie rutschen praktisch dort heraus und ihnen fehlt etwas. Das sind für mich immer die Steve Wozniaks, die produzieren wir waggonweise. Aber in diesem System verlieren wir die Steve Jobs und da sind wir dann durchaus auch eben im Kunstbereich, wenn du so willst. Die kreativen Leute, die anders denken, die vielleicht auch andere Wege versuchen, die verlieren wir in dem System. Und Apple ist nur erfolgreich gewesen, weil es den Steve Jobs und den Steve Wozniak gegeben hat. Jeder von ihnen wäre alleine gescheitert. Und da haben wir eben keine Kultur. Und da kommen wir wieder an diese Inkompatibilität, von der ich vorhin schon gesprochen habe.
Auf der einen Seite haben wir unser deutsches System, ist okay, aber dann versuchen wir zu kopieren, was Ausgründung ausgeht, Silicon Valley. Und das geht nicht auf. Ich habe ausgegründet. […entfernt…] [Passage zum Schutz der Persönlichkeitsrechte entfernt] Und diese Geschichte, dieses Deutsche, dann irgendwo zu sagen, ich habe das auf einer Podiumsdiskussion erlebt, wo dann ein Vertreter von einem großen Forschungszentrum in Deutschland, nicht in Karlsruhe, gesagt hat, ja, ich mache ja einen perfekten Businessplan für die Leute, aber ich will 52 Ausgründungen pro Jahr auf die Beine stellen. Die arme Sau, der vier Wochen vor Weihnachten kommt und der Herr, der ist 49, dem wird weiß gemacht, dass das alles easy going ist, dass das alles geht.
Für das erste Jahr kriegst du auch noch genug Geld, um da halbwegs klarzukommen. Und wenn du dann aber nicht die Kurve kratzt, dann scheiterst du denn dort und fällst auf die Nase. So, und dann heißt das, mach das wie in Silicon Valley, steh auf und sag, ich bin wieder da. Wenn du so zur Volksbank oder zur Stadt- und Kreissparkasse gehst, dann lassen die den Notfallpsychiater kommen, da wirst du gleich weggebracht, weil da stimmt was nicht. Und das ist der Krampf, den wir haben. Wir stellen uns nicht an der richtigen Stelle die Fragen. Wir entwickeln dort nicht unsere Kultur, wobei ich das jetzt nicht irgendwo mit deutscher Kultur, sondern einfach die Kompatibilität in dem Bereich, sondern wir lassen es zu, einen wilden Mix zu machen, der von Effizienz zu wünschen übrig lässt und Risiken birgt, wo wir dann diese Nachwuchswissenschaftlerinnen praktisch darauf zulaufen lassen. Und das ist das, was wir versuchen mit dem WERKstattPALAST auch, dass wir eben die Steve Jobs behalten, dass wir die nicht verlieren, sondern ganz im Gegenteil, dass wir wie das Licht die Motte an uns ziehen, um die dann zusammenzubringen, um dann dort eben Teams zu bilden, die dann in der Lage sind, diese Herausforderungen sehr erfolgreich dann zu bestehen. Und da sind wir dann eben auch, wenn man so will, bei der Frage vielleicht vorher, das ist das, was wir im Hub genau tun, in dem Bereich, wo es darum geht, Transfer, Ausgründung, Innovation und solche Dinge bearbeiten.
Wir machen also nicht nur die klassische Infrastruktur, sie dauerhaft zu machen, sondern wir entwickeln auch neue Formate, mit denen es uns gelingt, eben die Studierenden irgendwo dafür vorzubereiten. Und dafür ist die Kunst noch viel wichtiger als für die Infrastruktur. Open a mind, um dort eben auch zu suchen, wo ist jetzt derjenige, der das übernimmt, was ich vielleicht nicht so gut kann.
Norina Quinteato, künstlerische Leitung
1:05:06Ohne in ein Dienstleisterverhältnis zu rutschen, da bin ich ganz bei dir, weil die Sorge hat die, oder ich beobachte das auch, wie gesagt, diese Story am Anfang mit dem ZKM, das wird dann auch ja schnell rhetorisch verwenden. Super, wir brauchen die Kunst für, dann ist man wieder bei der Produktorientierung. Also es geht schon darum, dass man die Berührung nutzt und den Austausch. Also ich habe kapiert, da gibt es eine andere Sprache, also welche Seite, Wissenschaft oder Kunst auch immer. Und daraus, also ich behaupte, das reicht schon. Da müssen wir gar niemanden zusammen losschicken, eine Brücke bauen zusammen, sondern jeder, ja genau. Aber ich
Andreas GerdesKIT Innovation HUB
1:05:42glaube, das ist ja genau der Punkt, was du gerade gesagt hast. Wir wollen nicht die Wissenschaft, die Kunst zusammenbringen, sondern wir wollen den Mensch, der Wissenschaftler ist, zusammenbringen mit dem Mensch, der Künstler ist. Das ist der Unterschied. Keine Institution. Eigentlich
Stimme aus dem Publikum
1:05:58geht es ja um diese Pole, wo dann einer dazwischen entsteht und einer dazwischen ist ein Spannungsfeld, wo etwas produktiv sein wird. Und es ist auch mit den Sprachen, es gibt einen französischen Philosophen, der sagt immer, Babel war ein Segen für die Menschheit, weil diese ganzen Denkstile, in jeder Sprache ist ein anderer Denkstil. Und das ist da ja auch das, was man fruchtbar macht. Absolut, da
Andreas GerdesKIT Innovation HUB
1:06:19sehe ich auch eben den großen Vorteil. Und das sehe ich auch im Tagesgeschäft. Das soll nicht nur im Prinzip jetzt sozusagen die Kür sein, die wir mal machen, damit alle das sehen, und sagen, wow, die haben ja wieder einen coolen Gedanken gehabt und endlich was Innovatives und zwei Preise gibt es auch noch dafür. Nein, das muss Tagesgeschäft sein, das muss normal sein, das muss in diesen Institutionen etabliert sein. Und wenn uns das nicht gelingt, dann werden wir genau das haben, was wir im Moment haben. Die Spezialisierung nimmt immer weiter zu und die Interfaces zwischen diesen einzelnen Themen werden immer schwächer. Und viele der Fehler, die wir heute feststellen und beobachten, sind gerade in den fehlenden Schnittstellen begründet.
Wir haben keine Schnittstellen mehr oder die sind so schwach, dass der Austausch eben nicht erforderlich sein kann. Und der WERKstattPALAST ist letztendlich das Paradebeispiel für eine Schnittstelle.
Wenn keine weiteren Fragen wären, würde ich sagen, wir trinken ja alle mal.
Andreas GerdesKIT Innovation HUB
1:07:23Ja, wollte ich gerade sagen, können wir zum Trinken übergehen. Ich trinke ja
Vielen Dank.



