Gespräch · · 1:26:34
„Verkehrsnetze spinnen“

Mitschnitt · 1:26:34 · 12 Kapitel
Kapitel 1 von 12Andreas Gerdes stellt die Gäste vor
Andreas Gerdes
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Andreas Gerdes stellt die Gäste vor
Andreas Gerdes0:00 / 1:26:34
Sprecher:innen
- Andreas Gerdes · sprichtModeration, KIT Innovation HUBRedeanteil 31 %
- Walter Braun · sprichtLeiter Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt NeckarRedeanteil 19 %
- Ralph Holst · sprichtBundesanstalt für StraßenwesenRedeanteil 19 %
- Katrin Rohr-Suchalla · sprichtRechtsanwältin für Baurecht, CMS Hasche SigleRedeanteil 15 %
- Thomas Gamber · sprichtLeiter Technik S-Bahn Breisgau, DB NetzRedeanteil 9 %
- Stimme aus dem Publikum · sprichtRedeanteil 2 %
Kurzfassung
Andreas Gerdes (KIT Innovation HUB) spricht mit Walter Braun (Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Neckar), Ralph Holst (Bundesanstalt für Straßenwesen), Thomas Gamber (DB Netz, S-Bahn Breisgau) und der Baurechtsanwältin Katrin Rohr-Suchalla (CMS Hasche Sigle) über Wasserstraßen, Straßen und Schiene als Infrastruktur. Es geht um Nachhaltigkeit und Lebensdauer von Bauwerken, Innovation zwischen Regelwerk und Vergaberecht, den Fachkräftemangel und eine Ausbildung, die den Bestand stärker in den Blick nimmt; zum Schluss fragt das Publikum nach CO2-Preisen in der Vergabe.
Transkript
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0:00Andreas Gerdes stellt die Gäste vor
Andreas GerdesModeration, KIT Innovation HUB
Bevor wir dann jetzt gleich loslegen, ich würde Sie dann gleich kurz vorstellen mit der Funktion, ganz kurz, und dann würden wir einfach in den Talk einsteigen. Der Talk geht üblicherweise etwa eine Stunde. Ich habe mir tatsächlich ein paar Sachen überlegt, wo wir gerne eingehen wollen. Okay, gut. Dann nehme ich mal diesen hier, dann bleibt der Rest. Okay, und dann geht es noch ein bisschen darum, dass wir dann eben in das Thema einsteigen, Verkehrsnetze, danke, Verkehrsnetze spinnen. Und was wir heute versuchen wollen, sind eigentlich nicht unbedingt kontrovers zu diskutieren, ob wir jetzt die Schwellen bei einer anderen Firma bestellen.
Oder ob es jetzt wirklich 400 Brücken sind, die saniert werden müssen, sondern worum es mir heute ein bisschen geht, ist, dass wir in dem Gespräch mal versuchen, unseren Mitbürger:innen etwas deutlich zu machen, was Infrastruktur eigentlich ist und dass wir eben mehr als ein Verkehrsnetz haben. Die Straßen und die Bahnnetze sind bekannt. Ich freue mich auch, dass der Herr Braun da ist. Die Wasserwege sind jetzt durch die Trockenheit ein bisschen in den Blick geraten. Wir raten unserer Mitbürgerin. Wir haben sehr viele juristische Fragen. Das hat die kurze Diskussion gerade gezeigt. Da wollen wir mal ein bisschen abheben. Wo ich ganz dankbar wäre, damit da auch etwas Dynamik reinkommt. Jeder kann loslegen, wann er will. Also wenn er dann gerne einen Beitrag liefern will, das steuere ich nicht. Aber dass wir ein bisschen kurz bleiben, dass wir dann auch die unterschiedlichen Meinungen, weil wir sind jetzt mit fünf am Tisch, sonst wird das dann ein bisschen alles zu lang werden.
Wäre es okay? Gut, okay. Kommt nicht häufig vor, aber ich bin tatsächlich ein bisschen nervös, weil ich mich eben sehr freue, dass wir eben hier so eine illustre Runde zusammen haben und ich habe gerade schon zu der Kollegin gesagt, die kriegen wir nicht jeden Tag in dieser Form zusammen. Das muss man auch sehen. Okay, seid ihr bereit? Okay, dann starten wir mal. Also zunächst möchte ich meine Gäste hier begrüßen zu unserem heutigen Talk im WERKstattPALAST mit dem Titel Verkehrsnetze spinnen. Das heißt also, wir wollen heute über die Bedeutung der Verkehrsinfrastruktur für uns als Nutzerinnen, also als Bürgerinnen unseres Landes diskutieren.
Wir wollen versuchen, auch ein bisschen aufzutun, welche Aufgabe wir dort haben, diese Netze am Laufen zu haben, was die Herausforderungen heute sind, aber was vor allen Dingen auch die Herausforderungen der Zukunft sind, Stichwort Klimawandel. Und bevor wir dann überhaupt mit diesem Talk beginnen, möchte ich dann noch ganz gern meine Gäste vorstellen. Das wäre Ladies First, das wäre Frau Dr. Katrin Rohr-Suchalla. Sie ist Rechtsanwältin und Partnerin der Kanzlei CMS Hasche Sigle, die zu den größten Kanzleien nicht nur in Deutschland, sondern in Europa gehört. Und ihr Spezialgebiet ist eben genau Baurecht. Dann haben wir als weiteren Gast Herrn Walter Braun, Leiter des Wasser- und Schifffahrtsamts Neckar. Er ist also für die Schiffbarkeit des Neckars verantwortlich und alles, was dazugehört, bis hin zur Ausstellung von Angelschein, wie er mir berichtet hat.
Dafür muss ich jetzt aber erst noch wieder meine Sportfischerprüfung wiederholen. Der dritte, den wir im Bunde haben, das ist Herr Holst von der Bundesanstalt für Straßenwesen in Bergisch Gladbach. Die Bundesanstalt hat eine besondere Funktion, die ist nicht allen immer so bewusst. Die Bundesämter und Bundesanstalten sind letztendlich die Forschungseinrichtungen der Ministerien und sorgen dafür, dass dann eben neue Erkenntnisse möglichst zeitnah in die Branche hineingeführt wird. Und als letzten Gast möchte ich vorstellen, Herrn Thomas Gamber, der jetzt Leiter Technik S-Bahn Breisgau ist. Wir haben ein spezielles Verhältnis zueinander. Er hat nämlich damals seine Diplomarbeit bei mir angefertigt. Und deshalb freue ich mich auch besonders, dass er heute dann dabei ist.
Mein Name ist Andreas Gerdes. Ich leite den KIT Innovation HUB Prävention im Bauwesen und führe Sie dann heute hier durch das Gespräch.
4:43Was die Gäste als ihre wichtigste Aufgabe sehen
Andreas GerdesModeration, KIT Innovation HUB
Ich würde gerne mit einer sehr simplen Frage, wie gesagt mit der Bitte um eine kurze Antwort, diesen Talk beginnen. Und zwar mir gegenüber sitzt Herr Braun. Herr Braun, was betrachten Sie als Ihre wichtigste Aufgabe in Ihrer Funktion als Leiter des Wasser- und Schifffahrtsamts?
Walter BraunLeiter Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Neckar
5:03Das ist eigentlich ganz einfach, Neckar All-Inclusive. Das bedeutet im Prinzip von der Thematik Schifffahrt, Wasserweg, Wasserstraße, Infrastruktur bis hin einfach auch, was glaube ich auch heute so ein bisschen Thema sein wird, vergessene Infrastruktur, übersehene Infrastruktur und einfach was kann die Physik, die hinter dieser Infrastruktur Wasser liegt, eigentlich alles für die Zukunft bringen.
Ralph HolstBundesanstalt für Straßenwesen
5:39Vielen Dank. Herr Holst, die gleiche Frage an Sie. Ja, also ich beschäftige mich ja seit 20 Jahren sowohl mit dem Klima Bauwerksprüfung als Grundlage für alle Haltungsmaßnahmen und das Management selbst natürlich, weil die Straßen sind natürlich, wir hatten es eben diskutiert, gemäß Daseinsversorgung letztlich eine Grundvoraussetzung dafür, dass wir Personen, dass wir Güter von A nach B transportieren können, das möglichst sicher und möglichst schnell. Wir wissen, die Infrastruktur altert, alles altert, auch Häuser zu Hause, Autos, wir selbst altern auch, müssen wir uns halt immer Gedanken machen, wie wir das Ganze erhalten und da ist eine Menge Potenzial, was da nicht optimal ist und da sehe ich meine Aufgabe darin, in dieser Ressortforschungsanrichtung zu sehen, was gibt es schon für Möglichkeiten in der Forschungslandschaft und wie können wir das an die Anwender, in dem Fall Straßenbauverwaltung, Autobahn GmbH, heranbringen.
Und ich habe auch mal fünf Jahre lang ein Themenfeld geleitet aus dem Expertennetzwerk, wo es darum ging, Verkehrsträger übergreifend, also Schiene, Wasserstraße, Straßelösung zu entwickeln, weil die Fragestellungen sind sehr ähnlich und es macht wenig Sinn, dass alle parallel am gleichen arbeiten, sondern vernetzt.
Andreas GerdesModeration, KIT Innovation HUB
6:58Okay, vielen Dank. Herr Gamber, Ihre zentrale Aufgabe.
Thomas GamberLeiter Technik S-Bahn Breisgau, DB Netz
7:03Ich bin Mitarbeiter der DB Netz, also ich bin Mitarbeiter der DB Netz AG. Wir machen eine Schieneninfrastruktur soweit flott oder wir haben sie soweit zur Verfügung zu stellen, dass sie in Deutschland ergänzend zur Straße wie auch zu den Wasserwegen Transporte sicherstellt. Zum einen klar für Personenverkehr wie auch für Güterverkehr. Meiner Meinung nach oder allgemein ist es so, dass wir mit den vorhandenen Straßen und auch Wasserschifffahrts wegen, die Bahn als dritten Pfeiler auf jeden Fall brauchen und dass wir, wir hören es ja immer wieder in der Presse, mehr Schieneninfrastruktur benötigen. Und das ist das, was meine zentrale Aufgabe ist, Projekte, die von Landesregierung oder vom Bund im Ende installiert werden, die umgesetzt werden sollen, sei es Bundesschienenwegeausbaugesetz oder seien es GVFG, also landesgeförderte Projekte, diese umzusetzen, sodass wir ein besseres Netz für die Bürgerinnen und Bürger hinbekommen.
Andreas GerdesModeration, KIT Innovation HUB
8:01Gut, jetzt haben wir schon bei den Verkehrswegen oder bei den einzelnen Verkehrsnetzen gehört, zwei Dinge, glaube ich, die ganz wichtig sind. Zum einen, dass es notwendig ist, sie nicht nur zu erhalten, sondern auch zu entwickeln. Der zweite Punkt aber auch die Erkenntnis, nehme ich jetzt mal mit, dass bei Ihnen allen drei das Bewusstsein da ist, dass es dort eine Vernetzung geben muss zwischen den Netzen, dass man sie nicht getrennt betrachten muss. Jetzt haben wir natürlich noch als Viertes im Bund Frau Dr. Rohr-Suchalla und als Rechtsanwältin sind natürlich alle drei Netze jetzt für Sie Gegenstand Ihrer Arbeit. Was ist jetzt die besondere Herausforderung, wenn wir jetzt heute uns mal rumschauen für das Thema Recht und eben moderne Infrastruktur? Was ist da Ihre wichtige Aufgabe?
Katrin Rohr-SuchallaRechtsanwältin für Baurecht, CMS Hasche Sigle
8:54Ja, die Aufgabe besteht eben darin, den Mandanten bei seinem Weg zu einem aus seiner Sicht optimalen Bauvorhaben zu beraten. Das, was er unter optimal versteht oder nachhaltig versteht, das mag ganz unterschiedlich sein. Auch das, was man haben möchte, ob man nun Verträge oder eine Baubetreuung oder was auch immer hat. Wenn wir diese drei Themenfelder, die wir uns hier anschauen, näher in den Fokus rückt, ist es eben häufig so, dass die Frage da ist, kann ich nur nach Regelwerken bauen? Kann ich möglicherweise höherwertig bauen? Welche Möglichkeiten habe ich oder was muss ich beachten? Wo kann ich kreativ sein? Wo habe ich Schnittstellen? Wo habe ich Risiken? Das einfach vorher zu detektieren und abzustimmen. Was soll denn sozusagen auf welcher Seite geschehen?
9:44Was Nachhaltigkeit bei Verkehrsnetzen heißt
Andreas GerdesModeration, KIT Innovation HUB
Vielen Dank. Ein Begriff ist jetzt in der Runde schon gefallen. Und den möchte ich jetzt an dieser Stelle gern aufgreifen, weil die Grundidee des WERKstattPALASTes ist ja auch, dass wir versuchen wollen, gemeinsam Kunst und Wissenschaft in die Zukunft zu schauen. Und das genau mit dem Stichwort Infrastruktur. Nachhaltige Infrastruktur ist natürlich etwas, was wir uns wünschen. Aber der Begriff Nachhaltigkeit ist sehr vielfältig besetzt. Letztendlich findet man ihn ja mittlerweile, und jetzt bin ich mal etwas böse, schon aufs Toilettenpapier gedruckt, dass es dann eben nachhaltiges Toilettenpapier ist. Wir müssen also in dem Sinne versuchen, irgendwo für den Baubereich diese Nachhaltigkeit, diesen Begriff zu fassen. Und die Frage, die sich mir natürlich jetzt sofort stellt, ist das eigentlich abhängig von den jeweiligen Verkehrsnetzen, was wir da unter Nachhaltigkeit verstehen? Oder gibt es da tatsächlich eine gemeinsame Klammer, die wir natürlich auch nutzen können, um in Zukunft diese Infrastruktur den Gemeinsamen weiterzuentwickeln?
Walter BraunLeiter Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Neckar
10:49Herr Braun. Ja, ich würde mal sagen, die Wasserstraße hat da, ich will nicht sagen ein Prä, aber Thema ist, wir leben ja heute in Wasserstraßen, die es bereits 1870 gab, nämlich beim Deutschen Zollverein. Wenn man sich also den Deutschen Zollverein anguckt, die Karte der Gewässer, der Wasserstraßen, über die Gründungsmotive mal dahingestellt, haben wir heute bis auf die künstlichen Wasserstraßen, wie Main-Donau-Kanal oder westdeutsches Kanalnetz, haben wir eigentlich immer noch die gleiche Infrastruktur. Und auch in der Nachbarschaft, bei mir jetzt der Neckar, der ist vor 100 Jahren, 2021, letztendlich auf die Bauwiege gelegt worden, gebaut worden. Wir leben heute noch davon. Also ich würde mal sagen, das war nachhaltig, das ist nachhaltig. Ob das jetzt positiv oder nicht, keine Wertung, sondern einfach nachhaltig, dass da mehrere Generationen sind.
Wenn wir heute, meine Aufgabe, All-Inclusive, wieder neu nachdenken über den Neckar für die Zukunft. Wir planen heute mit Zeitrahmen 2080, das kann sich, glaube ich, hier am Tisch kaum, wenn ich so mal rumgucke, die Jugend noch nicht einmal richtig vorstellen, das lebensmäßig zu erreichen. Entschuldigung, aber das ist heute in 60 Jahren, das wird schwierig, da eine Vorstellung zu haben, eine Kreativität zu haben. Das ist, glaube ich, schon ein Nachhaltigkeitsthema in absoluter Herausforderung, völlig wertfrei jetzt betrachtet mit aktuell modischen Begrifflichkeiten, die in der Nachhaltigkeit sind. Und das ist für Bauingenieurwesen schon eine Herausforderung im Berufsbild, sich so einer Verantwortung zu stellen und so eine Verantwortung dann auch in der Entscheidung umzusetzen.
Andreas GerdesModeration, KIT Innovation HUB
12:30Das heißt also, die Zukunft ist bei Ihnen, fängt heute schon an, 2080, sind wir rund bei 60 Jahren. Das heißt aber, dass dann solche Dinge, und wir haben es jetzt ja gerade auch im Sommer gesehen, durch die Dürre, die wir dort hatten, der fehlende Regen, die fallenden Pegelstände auf den Flüssen, die jetzt ja auch gerade im Kontext mit der so vielbeschworenen Energiekrise eine wichtige Rolle spielen, dass das jetzt auch in die aktuellen Planungen schon eingeht.
Walter BraunLeiter Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Neckar
13:00Das geht in die aktuellen Planungen ein, ja, aber eben mit der Vorsicht, die man einfach sehen muss, was ist Nachhaltigkeit, was ist in 60 Jahren? Also meine Vorvordenker vor, ja, eben diesen 100 Jahren, nein, also ich sage mal, konkret wurde natürlich eine Staustufe im Raum Stuttgart, die 1958 fertiggestellt worden ist, die wurde nicht 1921 geplant. Aber auch damals hat man eben geplant, das Bauwerk, dieses Bauwerk muss funktionstüchtig sein, muss funktionsfähig sein für die nächsten Jahrzehnte. Kann ich da, das sage ich auch mal ganz bewusst, ich gucke mal nach gegenüber im Baurecht, was baue ich denn, was ist denn vertraglich, das soll. Stand der Technik, Stand der Forschung oder vielleicht eine altbekannte Regel, weil ich nicht weiß, ob das ganz Neue jetzt aus der Forschung, ob das 10 Jahre, 20 Jahre, 40 Jahre hält.
Also mein heutiger, ich bin da ein bisschen provokant, gebe ich zu, mein alter Kniehebel, das ist ein mechanisches Bauteil, um ein Schleusentor auf und zu zu machen, das funktioniert seit 60 Jahren. Ob der Elektrohubzylinder mit dem kleinen Chip 60 Jahre funktioniert und wenn er dann kaputt ist, ob dann aus Versehen, ich will das nicht polemisieren, aber dann vielleicht wieder ein Frachter im Ärmelkanal oder sonst irgendwo stecken bleibt und nicht nach Rotterdam kommt, weil er dann den Container unterwegs verloren hat und dann kriege ich das Bauteil nicht. Ich weiß nicht, ob das nachhaltig ist und ob das die richtige Tendenz für die Zukunft ist. Da bin ich kritisch. Als Besitzer von 27 Staustufen, die 60 Jahre alt sind. Heißt also, zu Ende denken ist da gar nicht so einfach, weil man eben nicht in die Zukunft reinschauen kann. Auch mit Klima, was Sie angesprochen haben, mit dem Flachwasser.
Ich bin seit 20 Jahren am Neckar, um es einfach ganz persönlich zu erzählen. Im zweiten Jahr habe ich 13 Mal Hochwasser am Neckar gehabt. Ich habe mir überlegt, was hast du dir da angetan? 13 Mal Hochwasser, da kommt überhaupt keine Schifffahrt zustande. Das war vor 19 Jahren eben jetzt. Seither haben wir im Winter keine Hochwasser mehr gehabt. Die Hochwasser kommen alle im Sommer. Jetzt weiß ich nur, ob meine persönliche Lebensstatistik der letzten 20 Jahre am Neckar Klimawandel repräsentieren. Aber wir haben uns umgestellt.
Andreas GerdesModeration, KIT Innovation HUB
15:26Herr Holst, wir haben ja die gleiche Problematik bei der Straßeninfrastruktur. Was die wenigsten Bürgerinnen nicht wissen, ist, dass unsere Bauwerke wie ein Tunnel auf eine Lebensdauer, eine instandsetzungsfreie Nutzungsdauer von 120 Jahren geplant werden. Und auch bei den Brücken sind wir ja mittlerweile bei 100 Jahren, die erreicht werden sollen. Und wenn ich Gespräche das manchmal formuliere, sehe ich dann oft große Augen, weil jeder überlegt, kenne ich eine Brücke, die so lange bis zur ersten Reparatur gehalten hat. Wie sieht es da jetzt aus mit diesem Thema Nachhaltigkeit? Was versteht die Bundesanstalt für Straßenwesen jetzt im Moment unter Nachhaltigkeit?
Ralph HolstBundesanstalt für Straßenwesen
16:08Ja, der Nachhaltigkeit, also wenn wir uns jetzt auf die bauliche Infrastruktur beziehen, weil wir könnten natürlich auch das ganze Thema Verkehr auch noch betreiben, aber ich bin ja eher aus dem Bereich baulicher Infrastruktur, ist es natürlich ganz klar, Sie haben es gerade angesprochen, die Nutzungsdauern, die geplanten Nutzungsdauern und die Nutzungsdauern, wie wir sie in der Realität haben, gehen sehr weit auseinander. Wobei man natürlich auch sagen muss, bei geplanten Nutzungsdauern von 120 Jahren wird davon ausgegangen und ist in der Vergangenheit auch davon ausgegangen worden, dass nach gewissen Zeiten, 30, 40 Jahren, schon größere Instandsetzungen durchgeführt werden und da müssen wir auch ehrlich sein, das hat in dem Maße so nicht, ist es nicht Erfolg letztendlich auch. Es waren lange Jahre in den letzten Jahrzehnten immer mehr bauen, Netz erweitern und da ist, denke ich, das Thema Erhaltung ein bisschen hinten runtergefallen, weil es natürlich auch unterschiedliche Aspekte hat.
Ich greife in den Verkehr ein, produziere Staus, habe vorher einen Verkehrswert zweispurig. Im Normalfall, wenn ich keinen Ausbau habe, habe ich hinterher den gleichen Verkehrswert, während bei einer neuen Strecke eine Ortsumgehung oder ähnliches kann letztendlich den Bürgerinnen und Bürgern auch neuer Verkehrswert präsentiert werden. Diese Denkweise ist zum Glück seit ein paar Jahren zumindest auf der fachlichen Ebene umgeswitcht, aber wir haben einfach den Erhaltungsstau. Und jetzt ist einfach auch die Frage, wie gehen wir mit der bestehenden Infrastruktur um? Und ein großes Thema ist letztendlich halt auch Nutzungsdauern verlängern. Nutzungsdauern verlängern, um letztendlich die Infrastruktur, die wir haben, länger nutzen zu können, dann weniger Schadstoffe zu produzieren, weil jede Baustelle erzeugt letztendlich sowohl vom Baustellenbetrieb her als auch von den Materialien, die neu gebraucht werden und die entsorgt werden müssen, immer einen sehr ungünstigen CO2-Abdruck.
Und wir haben leider im Bundesfernstraßenbereich, was heißt leider, es ist aber Stand, der Großteil unserer Brücken im Bundesfernstraßenbereich ist aus Beton, Zement, ich glaube, das wissen wir alle, was CO2-abdruckmäßig angeht, ist es ein Problem. Das heißt, wir müssen mit der Infrastruktur, die wir haben, bestmöglich umgehen. Das heißt, das sind dann wieder meine Themen, die ich auch seit langen Jahren bearbeite, Bauwerksprüfung, Zustandserfassung, möglichst früh Zustand umfassend zu erfassen, um den Baulastträgern überhaupt die Möglichkeit zu geben, frühzeitig zu agieren. Wenn wir so etwas, wir haben zum Glück in der Zeit, wo ich jetzt auch hier aktiv arbeite, auch in Deutschland keinen Brückeneinsturz gehabt, aber kurzzeitige Sperrung, das weiß jeder von uns, haben wir schon gehabt. Die Sicherheit ist noch gewährleistet, aber kurzfristige Sperrung heißt einfach auch, da ist irgendwas nicht so gelaufen, wie es geplant ist. Und der zweite Punkt, das Management, einfach auch sehen, wann kann ich was machen? Und da müssen ganz klar Nachhaltigkeitskriterien rein.
Die sind momentan, da sind wir wieder bei dem Thema Recht oder in den Verträgen, heutzutage noch nicht dort entsprechend vertreten. Es heißt zwar Wirtschaftlichkeit und man kann Wirtschaftlichkeit auch auslegen, aber ich würde halt gerne den Entscheidungsträgern vor Ort mehr Möglichkeiten geben. Deshalb arbeiten wir daran, mit Kriterien, Key Performance Indikatoren, das Thema zu belegen. Also wenn ich jetzt das mal kurz zusammenfasse, haben wir dort derzeit die Entwicklung, dass das Thema Nachhaltigkeit über die Lebensdauer der Bauwerke abgebildet werden soll.
Andreas GerdesModeration, KIT Innovation HUB
19:26Und das ist ja ein Trend, den wir jetzt generell haben, auch im Bereich des Hochbaus. Das sind zwei Begriffe, die im Moment sehr stark auch bei den öffentlichen Bauherren die Runde machen. Der eine Begriff ist embodied CO2. Also das, was ich irgendwann mal beim Bau an Kohlenstoffdioxid freigesetzt habe, ist letztendlich ein Erbe, das dieses Bauwerk hat. Und dieses Erbe möchten wir auf einen möglichst langen Zeitpunkt verteilen, damit die Bäume auch eine Chance haben, dieses CO2 wieder in Form von Holz einzubauen. Und die zweite Grundidee geht in die gleiche Richtung, eben die Energie. Denn so ein Bauwerk zu erstellen ist auch mit einem hohen Energieeinsatz verbunden.
Das heißt also, für den Brückenbau von morgen, dem Ingenieurnachwuchs, wird eine Konstruktion nach zwei Gesichtspunkten bewertet werden. Einmal natürlich die technische Leistung, aber auch den ökologischen Input, den ich dadurch, oder Output genauer gesagt, den ich dadurch generiere. Stimmt das?
Bedeutet aber auch, dass wir in der Ausbildung neue Kriterien im Prinzip mit einbeziehen müssen.
Nachhaltigkeit, wir haben gerade gehört, 100 Jahre, wenn man so will, die Nutzung der Wasserwege in Deutschland. Das sind ja auch Zeiträume, die für die Bahn recht vertraut sind. Was versteht die Bahn heute, wenn sie über ihre Verkehrsnetze nachdenkt, unter dem Begriff Nachhaltigkeit? Denn es würde mich jetzt überraschen, wenn jetzt der Vorstand, der Deutschen Bundesbahn, sich jetzt in dem Sinne keine Gedanken darüber machen würde.
Thomas GamberLeiter Technik S-Bahn Breisgau, DB Netz
21:09Das machen wir natürlich auch. Also die Bahn an sich muss sich auch Gedanken darüber machen. Ich denke, ein wichtiger Nachhaltigkeitsaspekt ist die Zurverfügungstellung der Infrastruktur für die Kunden. Also so, das ist ja bei der Straße ähnlich. Jeder, der ein Auto hat, wird auf der Straße fahren. Damit diese funktioniert, muss sie natürlich instand gehalten sein. Die Brücke auf dem Verkehrsweg, den wir nutzen, muss instand gehalten sein. Ähnlich ist es bei der Schiene natürlich auch. Also die Systeme Schiene und Straße unterscheiden sich im Ende nur an den Fahrzeugen, die darauf fahren. Das ist der wesentliche Unterschied. Die Zeiträume, die der Herr Holst gerade schon genannt hat, 100 Jahre. Natürlich ist für uns auch das Thema, dass wir versuchen oder diese Lebensdauern erreichen müssen oder wollen.
Und wir brauchen natürlich auch im Ausbau oder in der Instandhaltung die dafür notwendigen Mittel, damit wir die Infrastruktur dauerhaft und vielleicht dann das Wort anschließend nachhaltig auch für den Kunden zur Verfügung stellen können. Also das ist so ein Aspekt, den ich da als extrem wichtig finde. Und das Zweite, was ein Thema Nachhaltigkeit, denke ich, auch beschreibt, ist im Sinne der Bahn die Kapazitätserhöhung. Sie hatten es vorhin angesprochen, wir haben auch Stellwerke, die jetzt über 100 Jahre alt sind, die immer noch funktionieren. Das Problem, das aber ein Stück weit dahinter steckt, ist, dass Sie einfach zu lange brauchen. Also bis Sie eine Fahrstraße eingestellt haben, Sie kriegen die Zugfolge hin, die Sie vielleicht brauchen. Unter dem Deckmantel der Digitalisierung kann man vielleicht auch ein Stück weit Nachhaltigkeit oder Kapazitätssteigerung reininterpretieren, dass man auf vorhandener Infrastruktur einfach mehr Kapazität schafft.
Mit den Risiken, die der Herr Braun gesagt hat, natürlich, die muss man irgendwo mit bewerten. Wenn der Chip fehlt, funktioniert auch das neue digitale Stellwerk nicht mehr, keine Frage.
Andreas GerdesModeration, KIT Innovation HUB
22:59Aber man hat natürlich auch eine Chance, die irgendwo dahinter steckt. Man kann auf gleicher Infrastruktur mehr abwickeln. Okay, das heißt also, Kapazitätserhöhung ist eine Strategie im Bereich der Nachhaltigkeit, wenn man auf diese Art und Weise, ich sage es mal, mehr von der Straße auf die Schiene holt und davon ausgeht, dass das eben umweltfreundlicher ist bei der ganzen Geschichte.
23:22Wie sich Nachhaltigkeit im Bauvertrag festhalten lässt
Andreas GerdesModeration, KIT Innovation HUB
Jetzt haben wir aber an allen Seiten gehört, dass wir ein zentrales Problem haben. Wie definieren wir das? Denn Bauwerke, die Teil der Infrastruktur sind, sind große Investitionen, die sich dahinter verbergen. Da geht es um sehr, sehr viel Geld. Und ich habe praktisch bei jeder Aussage mehr oder minder direkt oder im Hintergrund schwingend mitbekommen, es ist gar nicht so einfach, das auch irgendwo zu definieren und zu überlegen, wie können wir das abfordern, wie können wir das vertraglich tatsächlich auch entsprechend fixieren. Wie sieht das aus, Frau Rohr-Suchalla, wie können wir Nachhaltigkeit in einem Bauvertrag fixieren?
Katrin Rohr-SuchallaRechtsanwältin für Baurecht, CMS Hasche Sigle
24:04Da gibt es sicherlich sehr weitreichende Möglichkeiten, dies zu tun. Da muss man zunächst unterscheiden, befindet man sich im Rahmen einer öffentlichen Vergabe, da gilt das Vergaberecht, da sind ganz andere Grundsätze zu beachten, als im Bereich des klassischen privaten Baurechts ohne öffentliche Vergabe. Da kann man letztendlich alles ausschreiben, was man möchte, was im Rahmen der rechtlichen Möglichkeiten gegeben ist. Jetzt mal völlig losgelöst von Vergaberecht und Anwendung oder auch Nichtanwendung ist der oberste Gesichtspunkt bei jeder Beratung, so wie ich sie verstehe und das sollte auch in allen anderen Bereichen der Fall sein, auch wenn man nicht juristisch tätig ist. Zunächst einmal muss man erarbeiten, was soll denn das Bau soll sein, das ist der Ausgangspunkt für die Frage der Nachhaltigkeit, was soll denn überhaupt gebaut werden und dann muss man die ganze Sache auch irgendwo definieren, damit sie irgendwo greifbar wird, weil erst wenn sie auf der technischen Ebene greifbar ist, dann kann sie irgendwo auch der Jurist greifen, weil wir bedienen uns ja immer sozusagen der anderen Wissenschaftsbereiche und Nachhaltigkeit muss man erst einmal auslegen. Ich glaube, wenn man das logisch auslegt, ich bin ja immer sehr für Logik, dann würde ich mir sagen, Nachhaltigkeit muss bei einem Bauvorhaben den Lebenszyklus betrachten.
Lebenszyklus bedeutet eben, was wende ich an Energie auf, wie lange soll das Bauvorhaben oder das Objekt halten und wie hoch sind meine Instandhaltungskosten bzw. wie oft muss ich überhaupt den Stand halten. Und ich glaube auch, dass das schon mal der Ausgangspunkt ist. Jetzt kann man allein sagen, das Bauvorhaben muss 50 Jahre, das Bauwerk muss 50 Jahre halten. Das würde einen Vertrag nicht ausfüllen und das kann man beispielsweise im Vergaberecht auch so einfach gar nicht machen. Da muss man nämlich produktneutral ausschreiben und im Grundsatz darf man auch keine Bauverfahrensweisen vorgeben. Dessen ungeachtet muss man einsehen, wenn es sachlich gerechtfertigt ist, dann besteht die Möglichkeit, dass man halt auch anders ausschreibt, dass man auch funktionale Eckdaten vorgibt, dass man eben auch als Bauherr für sich beispielsweise festlegen kann, es gibt Bauprodukte, die halten sieben Jahre, es gibt vielleicht andere Bauprodukte, die halten 30 Jahre oder länger und da gibt es Möglichkeiten, dass man es auch bei Anwendbarkeit des Vergaberechts entsprechend normieren kann.
Man muss dann Grundlagen schaffen, vielleicht auch mal ein Sachverständigengutachten einholen und es alles entsprechend dokumentieren. Also Ausgangspunkt ist, man muss erstmal festlegen, was möchte man haben und ich glaube, wenn man etwas Hochwertiges bekommen möchte im Sinne von nachhaltig, dauerhaft, dann muss man selber auch bei der Ausschreibung genau überlegen, wie komme ich da hin. Denn wenn man das nicht ausgeschrieben hat, dann funktioniert das nicht. Man muss letztendlich klare rechtliche Regelungen haben. Diese sind aber nicht so zu verstehen, ich möchte jetzt hier nicht sozusagen noch eine halbe Stunde reden, aber die sind nicht so zu verstehen, dass man mit einem juristischen Satz das Problem löst, sondern es ist hier die technische Fachkompetenz gefragt. Und in der technischen Fachkompetenz liegt meines Erachtens auch die Lösung. Das muss Gegenstand der Ausschreibung sein, das muss Gegenstand möglicherweise auch der Abgrenzung durch Gutachten, durch Grundlagen sein, warum auch ein öffentlicher Träger sagen kann, ich nehme nicht die Variante A, es hält nicht lang genug, ich nehme die Variante B.
Ich glaube, dass das einer der wichtigsten Gesichtspunkte ist, um es jetzt abzuschließen. Herr Braun, Sie haben das, finde ich, sehr gut gemacht. Sie haben nämlich genau darauf hingewiesen, dass man einfach mal eine Sache durchdenken muss und nicht nur sagen muss, das ist irgendwas technisch und das ist super, wir sind alle Techies, das möchte ich mal sagen, die in dem Bereich tätig sind, aber man muss einfach mal durchdenken, in welchem Bereich soll das eingesetzt werden, hat das die Nachhaltigkeit, hat das die Dauerhaftigkeit, wo sind da die Problempunkte in der wirklichen Welt.
27:53Innovation muss robust sein, nicht nur neu
Andreas GerdesModeration, KIT Innovation HUB
Vielen Dank. Ich glaube, wir sehen jetzt an dieser einen Stelle schon, wie wir langsam gemeinsam zusammenkommen, obwohl das in der Praxis nicht der Fall ist. Aber ein Stichwort, was mir jetzt aus diesen Beiträgen sofort ergibt oder mir auch durch den Kopf geht, und ich habe es schon erwähnt, ich leite den KIT Innovation HUB, uns geht es darum, Innovation ins Bauwesen zu bringen, wobei ich Herrn Braun schon schmunzeln sehe, was sind Innovationen in diesem Zusammenhang, das muss etwas sein, was auch funktioniert und nicht einfach nur neu ist und aus dem Neuigkeitsgedanken heraus, das als Innovation betrachtet wird. Die Dauerhaftigkeit spielt da sicherlich eine zentrale Rolle und die Sicherheit in der Funktion.
Aber ich glaube, wir sind jetzt ja genau an dem Punkt, wo wir eigentlich versuchen müssen, uns in Richtung Lösung zu bewegen, denn wenn wir in der Zukunft Herausforderungen haben, wo wir heute eigentlich unten sicher sind, wie sie sich entwickelt werden, was uns also eine gewisse Aufgabe stellt, flexibel zu bleiben und auf schnelle Veränderungen noch reagieren zu können, also nicht zu versuchen, in die Zukunft 60 Jahre zu schauen und zu sagen, so wird es sein. Da gibt es auch immer diese Begrifflichkeit, der Verkehr hat viel stärker zugenommen, als ursprünglich prognostiziert wurde und Ähnliches. Das ist was Unvorhergesehenes. Aber wie muss denn eine Innovation aus sein, dass sie denn ihre Gnade findet, Herr Braun?
Walter BraunLeiter Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Neckar
29:27Ja, wie muss eine Innovation sein, dass sie die Gnade findet, im Wasserbau, im konstruktiven Wasserbau einzugehen? Sie muss robust sein und vielleicht würde ich auch nochmal einen anderen Schwenk hinsetzen. Was heißt Innovation?
Innovation ist so ein Thema, das klingt gut, das klingt modern. Nehmen wir ja, also nichts gegen Ihre Institutsbezeichnung, sondern vielleicht ist Innovation auch, dass man nochmal ein bisschen anders denkt und etwas überdenkt. Also ich bin wie gesagt Besitzer beruflich von 27 Staustufen, der guten Mentalität lerne aus Fehlern. Das heißt, jede Staustufe ist etwas anders. Klar, von der Höhe her, das ergibt sich einfach, wenn man Fluss staut, von der Geografie. Ich kann nicht überall sechs Meter Stauhöhe haben, ich habe unterschiedliche. Aber ich habe teilweise in den Schleusenkammern links und rechts unterschiedliche Tortypen. Es gibt weltweit keinen Tortyp, den es nicht am Neckar gibt.
Gilt auch für Wehre. Die sind manchmal ein bisschen größer, ein Tor am Nord-Ostsee-Kanal ist größer wie am Neckar. Größeres Schiff, größeres Tor. Aber die Frage ist, ist es sinnvoll, dass ich gleichzeitig nicht nur Bauingenieur bin, sondern auch Museumsdirektor bin, weil der gesamte Neckar unter Denkmalschutz steht, um diese Ingenieurentwicklung zu haben. Eine Katastrophe der Ersatzteilhaltung, weil ich keine Ersatzteile bekomme, sondern sie selber herstellen muss. Wenn ich das fortplane mit neuen Tortypen, mit Innovationen in die Zukunft, wir denken uns was Neues aus, dann habe ich den 28. oder den 30. Tortyp. Ist das die Zukunft? Ich weiß es nicht. Vielleicht sollte man durchaus auch überlegen, und da gehe ich mal zurück von der Bautechnik ganz weg. Wir haben den Neckar als Wasserstraße. Er arbeitet gut. Er ist ein Arbeitsfluss. Er wurde so ausgebaut. Es wurde ein Fluss zum Arbeitsfluss ausgebaut.
Vor über 200 Jahren hat Just in Time, der König von Württemberg, gesagt, er will die Märkte Cannstatt, nicht Stuttgart und Heilbronn. Leistungsfähig, zuverlässig, verbinden. Er hat gesagt, ihr baut bitte sieben Bootschleusen. Und die älteste Schleuse am Neckar ist die in Heilbronn, wo man gucken kann, die ist 200 Jahre alt, die funktioniert immer noch. So, aber jetzt die Frage, ist das wirklich die Zukunft und die Nachhaltigkeit, die wir haben, dass wir unsere Verkehrswege immer leistungsfähiger machen, immer weiter ausbauen. Am Mittelrhein, ja, 20 Zentimeter kriegen wir noch rausgekratzt. Das sind 200 Tonnen pro Schiff mit der Niedrigwasserthematik.
Ist das wirklich das Thema der Zukunft, dass wir noch mehr exportieren, noch mehr importieren, noch mehr transportieren? Oder ist da vielleicht auch ein Thema Innovation? Wir gucken mal, was wir überhaupt bewegen können auf dieser Erde. Das ist eine Kugel, da kommt man nicht weg. Man kann nicht irgendwo hinfahren und ist nicht mehr da. Man ist irgendwo auf dieser Erde unterwegs. Und da zeigen uns, glaube ich, in der letzten Zeit sowohl Pandemie wie auch Unfälle oder Havarien im Suezkanal des Schiffes oder jetzt Pandemie, wo aus den asiatischen Räumen keine Transporte hierher kommen in dem Bereich, wo wir hängen, dass wir vielleicht da innovativ auch mal neu nachdenken sollten. Nicht nur über die Bautechnik und wie man da vertraglich eine Firma findet, dass die was baut, was dann etwas länger hält wie die Gewährleistungsfrist. Und wir dann auch noch in der nachfolgenden Generation was haben, wo die sich überlegen, kann ich das überhaupt noch rechnen, was haben die sich damals gedacht, sondern vielleicht auch da mal ein bisschen drüber nachdenken.
Also weniger kann mehr sein. Ja, oder effektiver. Und das mit dem, was wir als Bestand bereits haben. Ja.
Andreas GerdesModeration, KIT Innovation HUB
33:13Wie sieht denn da so ein typischer Tag aus, wo Sie diesen Anspruch, den Sie ja dort jetzt gerade formuliert haben, versuchen zu erfüllen?
Walter BraunLeiter Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Neckar
33:20Was tun Sie denn dafür, Herr Braun? Was ich da dafür tue, das ist momentan ganz einfach, dass wir eben jetzt konkret dabei sind, liest man ja hier allenthalben in den Medien die beiden Häuser, Bundesministerium für Digitales und Verkehr, also mein oberster Chef, Dr. Wissing, Bundesdigital- und Verkehrsminister, wie aber auch der Verkehrsminister von Baden-Württemberg, sich austauschen, wie sieht die Zukunft des Neckars aus in dem Bereich? Und ich als kleiner Amtsleiter, wir sind ja dreistufig, ich bin die dritte Ebene, also die örtliche Zuständigkeit für den gesamten Neckar in dem Bereich, deswegen Neckar Inclusive zum Beginn, eben Strategiemodelle entwickle, dass die Politik dann auch entscheiden kann, bewusst und verantwortungsvoll entscheiden kann.
Darf man erfahren, wie so eine Strategie aussieht? Ich kann mir jetzt darunter nicht so direkt versprochen. Die Strategie sieht als erstes mal aus, dass wir beispielsweise eben genau das Weniger ist mehr versuchen, standardisierte Tortypen entwickelt haben und uns den Tortyp angeguckt, der uns die letzten 60 Jahre am wenigsten Schwierigkeiten gemacht hat. Ganz einfach und handfest. Was waren die wenigsten Störungen, an welchem Tortyp? Das ist ein Tortyp der Zukunft, den sollten wir versuchen zu bauen, dass wir versuchen, andere Vergabe-Vertragsmodelle zu finden, um die Wirtschaft mit ihren Ideen, die muss es ja auch produzieren, dann entsprechend am Markt zu finden.
Und dann eben auch mit Kollegen aus dem juristischen Bereich, ich sage jetzt keine anderen Kanzleinamen, aber man sich auch unterhält, was sind Modelle, die vergaberechtlich zulässig sind, kann man wirklich auch ein Produkt dann nochmal vorschreiben, denn wenn ich heute baue, und ich kann ja nicht alles auf einmal bauen, ich will in fünf Jahren nochmal das Produkt bauen, nochmal den gleichen Antriebszylinder haben, kann ich dann nochmal dieses Produkt dann einfach fordern, über so einen langen Zeitraum hinweg, das sind so Modelle, die wir momentan diskutieren. Und da kann man schon einen Tag, ich sage mal, ernsthaft und produktiv gestalten. Vielen Dank für diese Einsicht.
35:29Autobahn GmbH, Regelwerke und Zustimmung im Einzelfall
Andreas GerdesModeration, KIT Innovation HUB
Herr Holst, Innovation, wir haben natürlich eine Innovation bereits in Deutschland dadurch, dass die Verantwortung von den Ländern auf eben die Autobahn GmbH übergegangen ist, das war ja auch eine langjährige Diskussion, bis das letztendlich Realität gefunden hat. Hat sich dadurch das Thema Innovation etwas verändert oder sind diese Ansätze, die wir jetzt schon seit längerem dort verfolgen, die gleichen geblieben?
Ralph HolstBundesanstalt für Straßenwesen
35:57Ich denke mal, die Autobahn GmbH ist ja erst seit Anfang 2021 im operativen Geschäft. Und wenn wir bedenken, dass aus 16 Straßenbauverwaltungen der Länder die kompletten Autobahnen rübergenommen wurden, wir reden, glaube ich, über 13.000 bis 15.000 Mitarbeiter, das ist enorm, was da geleistet wurde. Und wenn ich jetzt sehe, dass in Österreich die Asfinag mir ein Kollege dort mal gesagt hat, die haben ungefähr acht Jahre gebraucht, bis sie einigermaßen gut leistungsfähig waren, ist auch der Anspruch, den wir an die Autobahn gegeben haben, jetzt gerade stellt, enorm. Sie hatten vorhin das Thema 400 Brücken pro Jahr angesprochen. Das ist ganz klar. Und es gibt halt in der Zentrale, mit den Kollegen habe ich auch schon gesagt, extra eine Abteilung Innovationen. Und die Ideen, die dort da sind, sind schon sehr groß. Ob Sie die alle erfüllen können, weiß ich nicht. Aber halt in diesem Fall, diese große Organisation, so eine große Organisation für den Straßbereich, hatten wir bis jetzt noch nicht.
Da denke ich mal, da wird es eine Menge Möglichkeit geben. Und wir haben halt auch schon entsprechend Kontakt, sowohl mit den Niederlassungen als auch letztendlich mit der Zentrale in dem Bereich. Ich würde noch mal gerne zum Thema Innovation auch noch mal sagen, wir hatten Innovation und Regelwerke. Das ist ja so etwas, was sich ja im ersten Moment erst einmal widerspricht.
Ich denke mal, wir müssen beides letztendlich haben. Wir brauchen unsere Regelwerke, um da zu wissen, für die Standardbauwerke und um halt auch zügiger bauen zu können, dass wir auf diese Regelbauweisen zurückgreifen. Aber wir haben ja halt in unserem Bereich auch dieses Instrument der Zustimmung im Einzelfall. Das ist immer relativ aufwendig, wenn gerade neue Bauverfahren, Methoden in die Anwendung gebracht werden sollen. Und da wünsche ich mir, und das ist auch eine Aufgabe, die wir als BASt auch haben, einfach zu sehen, ich hatte es vorhin, Vernetzung über die Verkehrsträger gesagt, damit nicht alle das Gleiche parallel machen. Jetzt auch nochmal Vernetzung mit anderen Ländern in Europa und Ähnliches, um da auch zu sehen, selbst wenn die Regelwerke ein bisschen anders sind, aber wir haben die Eurocodes, also in Europa sind wir da schon sehr ähnlich, dass wir auch da einfach sehen, da ist etwas entwickelt worden, was nehmen wir in unserem Bereich.
Weil eins muss man bedenken, im Vergleich zum Beispiel zum Automobilbau mit den deutlich kürzeren Zyklen, wir haben ja halt so lange Zyklen und wir hatten eben das Thema Nutzungsdauer, das heißt Dauerhaftigkeit, das heißt ein Verfahren, was sich im ersten Moment als sehr vielversprechend innovativ zeigt, weil ich zum Beispiel schneller bauen kann, das heißt die Auswirkung auf den Verkehr, auf Dritte, auf die Umwelt ist weniger. Ich habe eine Innovation zum Beispiel im Baustoff, das weniger CO2 erzeugt wurde, muss ich immer im Vergleich dazu setzen, wie dauerhaft ist das und dafür müssen Versuche gefahren werden. Und da muss abgeschätzt werden, natürlich können wir jetzt nicht erst mal mit einer Innovation warten, 100 Jahre warten und dann sagen, die Innovation war gut, weil dann haben wir den Zug verpasst, in dem Fall, wenn ich mal auf die Schiene übergreifen darf. Das heißt auch lernen von anderen und aus anderen Bereichen Wissen transformieren. In der Digitalisierung sehen wir das ganz stark, dass da aus anderen Bereichen das übernommen wird.
Klar, beides müssen wir haben und wir müssen bereit sein, dann Innovationen auch früher in die Anwendung zu bringen und rechtliche Rahmenbedingungen, wir hatten es eben angesprochen, funktionale Bauverträge sind auch eine Möglichkeit, aber Sie haben es auch eben gerade sehr schön angesprochen. Dann müssen die Ausschreibenden sich aber auch im Vorfeld mehr Gedanken machen. Wir wissen es bei Forschungsprojekten auch. Ich muss mir dann mehr Gedanken über Bewertungskriterien machen im Vorfeld, damit ich, wenn ich Angebote, Innovationen auf dem Tisch habe, die auch qualifiziert bewerten kann. Sonst besteht wieder die Gefahr, nicht wirtschaftlich, sondern der Billigste kriegt den Zuschlag, weil in dem Moment diejenigen, die vergeben, keine andere Möglichkeit haben, wenn sie dann die Kriterien nicht vorher sauber und sehr durchdacht definiert haben.
Andreas GerdesModeration, KIT Innovation HUB
39:56Vielleicht noch ein Wort, eine kurze Erläuterung. Die ASFINAG ist praktisch das österreichische Gegenstück zur Autobahn GmbH. Sie hatten es schon erwähnt, Innovation innerhalb dieser GmbH als eigene Abteilung ist sicherlich eine Neuerung. Das haben wir in dieser Form bisher noch nicht gehabt. Aber ich glaube, es ist eben auch wichtig, dass wir uns vor Augen halten, dass die Veränderungen, die wir jetzt in der Umwelt erleben, sehr viel schneller sind als in den letzten 20, 30 Jahren. Und dass auf der anderen Seite dieses Thema Innovation kein Heilmittel ist. Das ist auch klar. Aber wir haben Zeiträume bei der Entwicklung von neuen Regelwerken, die durchaus auch 10, 12, 15 Jahre sein können.
Das heißt, die Trägerheit in der Entwicklung der Regelwerke passt meines Erachtens nicht mehr unbedingt heute dazu, mit welcher Geschwindigkeit sich jetzt die Umwelt, und damit meine ich die Umwelt nicht nur mit der tatsächlichen Umwelt, sondern auch in unserer Branche das erleben. Denn das Bauwesen in Deutschland, früher hat man immer von der Bauindustrie gesprochen, wir haben in Deutschland keine Bauindustrie. Wir haben eine Bauwirtschaft, und diese Bauwirtschaft besteht aus kleinen mittelständischen Unternehmen. Ich habe mir das mal angeguckt bei Statista, wir haben 75.000 Bauunternehmen, 80 Prozent davon haben weniger als 20 Mitarbeiter, und in ganz Deutschland gibt es noch 10 Unternehmen mit mehr als 1.000 Mitarbeitern. Das heißt also, dieser Wirtschaftszweig verwendet natürlich auch die Regelwerke als Tool für Innovation, weil das ist letztendlich dieses Medium, mit dem ich alle erreichen kann, weil jeder sich dort dran halten kann und muss.
Aber auf der anderen Seite müssen wir sehen, dass wir auch neue Plattformen brauchen, auf denen wir dieses Thema auch mit kleineren, mittleren Unternehmen diskutieren können, wenn wir nicht Gefahr laufen wollen, dass die nicht mehr länger wettbewerbsfähig sind. Und das, glaube ich, ist ja auch eine Herausforderung für die Bundesbahn, weil für die Deutsche Bahn, ich sage noch immer Bundesbahn, aber das ist meinem Alter geschuldet. Aber bei der Bahn haben wir ja genau das gleiche Problem. Es gibt ja nur sehr, sehr wenige Unternehmen, die überhaupt die Zulassung haben, für die Bahn zu arbeiten. Und dort muss man dann die Innovation erwarten. Welche Rolle spielt jetzt bei Ihnen täglich bei der Arbeit das Thema Innovation?
Thomas GamberLeiter Technik S-Bahn Breisgau, DB Netz
42:21Gut, wir sind im Ende ein sehr stark regelwerkgeprägtes Unternehmen. Das ist, denke ich, auch bei der Straße oder auch beim Wasser- und Schifffahrtsamt eine ähnliche Thematik. Wir haben Regelwerke, alle unsere Regelwerke werden in den Verträgen verankert und sind natürlich entsprechend umzusetzen. Und die Innovation, ich sage es mal so, wird vielleicht eher ein Stück weit auch bei den Strecken, die wir haben, eher pragmatisch müssten wir sie anpacken, meines Erachtens. Dass man eben versucht, ich hatte es vorhin schon mal gesagt, Thema Verfügbarkeit der Infrastruktur.
Was ich erlebe, ist, dass wir viel Stückwerk machen. Wir machen hier mal eine Brücke, dann machen wir ein Jahr später irgendwo eine Stützwand, dann machen wir wieder ein Jahr später irgendwo einen Durchlass. Und ich glaube, unter dem Deckmantel pragmatische Innovation wäre es vielleicht relativ sinnvoll, wenn man in dieser Richtung mal anpacken würde und sagen würde, okay, was muss ich tun, um vielleicht meinen Lebenszyklus noch ein halbes Jahr von der Brücke zu verlängern, um ihn dann zusammen mit der Stützwand, jetzt in meinem Beispiel bleibend, gemeinsam zu sanieren. Oder was muss ich tun, um am Ende die Brücke sogar ein ganzes Jahr zu verlängern und dann zusammen durch die Stützwand und Brücke, also die Verfügbarkeit der Infrastruktur eher herzustellen. Das wäre für mich so ein Stück weit Innovation, wo wir in den Rahmenbedingungen, die wir haben, also sprich diese regelwerksgeprägte Unternehmenskultur, einfach ein Stück weit innovativ sein könnten und die Verfügbarkeit für den Kunden oder für die Bürger einfach zur Verfügung stellen können.
43:54Die Idee einer Experimentierklausel im Baurecht
Andreas GerdesModeration, KIT Innovation HUB
Ich fasse mal ganz kurz zusammen. Wir haben eigentlich gesehen in dieser Runde jetzt letztendlich, dass die Innovationen schon eine Rolle spielen, dass sie aber trotzdem eben nicht vergleichbar sind in anderen Bereichen der Technik, sondern dass die Langlebigkeit der Objekte, auch was ist eine Innovation, kann nicht vielleicht ein 30 Jahre altes Konzept sich im Laufe der nächsten Jahre als der bessere Typ herausstellen, weil auch bei diesen veränderten Bedingungen es vielleicht durchaus besser mit dem geht, als mit irgendetwas total Neuem, Modernem und auf der anderen Seite versuchen wir es, aber wir haben eben die Regelwerke, die uns da auch ein bisschen einspannen.
Deshalb, wo wir intern sehr lange schon darüber diskutieren, ist, brauchen wir in den Bauverträgen und auch im Baurecht nicht vielleicht etwas wie eine Experimentierklausel, wo man jetzt durch die Verteilung der Verantwortlichen auf alle Akteure entlang der Wertschöpfungskette Bau, die bei so einem großen Bauwerk tätig werden, tatsächlich auch die Möglichkeiten schaffen, das Risiko so zu verteilen, dass man gemeinsam denn zu den neuen Erkenntnissen kommt. Eben vielleicht auch, Stichwort Verkehrsnetze spinnen, Verkehrsträger übergreifend. Gibt es da die Möglichkeit, das heute schon juristisch irgendwie abzubilden oder haben wir da keine Chance zu sagen, wir gehen jetzt mal ganz bewusst gemeinsam in eine Versuchsphase herein, direkt am Objekt, trotz der Regelwerke und schaffen dort jetzt auch die entsprechenden Räume, die wir brauchen, um solche neuen Technologien tatsächlich dann auch zur Anwendung zu bringen. Weil wir sprechen viel mit der Industrie und die Industrie sagt immer, warum sollen wir uns da engagieren?
Wir entwickeln innerhalb des Regelwerkes und wenn das im Regelwerk ist, haben wir keine Kopfweh, aber im Regelwerk zu entwickeln, das ist letztendlich keine Innovation, das sind Widersprüche in sich.
Katrin Rohr-SuchallaRechtsanwältin für Baurecht, CMS Hasche Sigle
45:52Also das ist in der Tat eine sehr schwierige Frage, weil wir uns hier im Wesentlichen mit diesen drei Bereichen öffentlich-rechtliche Infrastruktur, Straßenbau, Wesen, Brücken, hier den Bereich von Herrn Braun als auch hier DB eigentlich in vergaberechtlichen Bereichen befinden. Wenn wir außerhalb des Vergaberechts sind, ist das letztendlich jederzeit möglich, da kann man sich entsprechend verständigen. Das wird ja häufig auch von entsprechenden Bauchemieunternehmen gemacht, die neue Produkte entsprechend vermarkten wollen und Referenzen schaffen wollen. Das geht sicherlich. Wenn man aber letztendlich ein Vergabeverfahren als Pflicht hat und dann zu sagen, man hat eine Experimentierklausel, wird es ja gar nicht mal so einfach, weil diese Experimentierklausel jetzt mal in dem von Ihnen benannten Fall ja häufig so ist, dass es einen Produkthersteller gibt, der eine Idee hat und die versucht, da auf die Schiene zu bringen oder meinetwegen aufs Wasser und dann über ihre Straße und Brücken. Aber letztendlich ist es ja schon so, das ist meines Erachtens ein schwieriger Prozess.
Sobald er abgeschlossen ist und man sagen kann, dieses Produkt hat bestimmte Eigenschaften, die so herausragend sind, dass es sich im Ausnahmefall tatsächlich mal anbietet oder man tatsächlich mal ein Produkt ausschreiben darf, das kommt ja auch vor, ist ein denkbarer Punkt, wenn man zum Beispiel sagt, sieben Jahre Gewährleistung zu vielleicht möglichen 30 Jahren. Das ist, denke ich, gar nicht mal so einfach. Außerhalb des Vergaberechts ist das alles möglich. Häufig läuft das in der Praxis tatsächlich so nach meiner Wahrnehmung, Sie sind da viel tiefer drin, Herr Professor Gerdes, aber so, dass eben diese Unternehmen dann sich Referenzbereiche außerhalb der öffentlich-rechtlichen Vergaben suchen. Wenn ich noch kurz zwei, drei Sachen zur Innovation sagen darf, so aus meiner Sicht, ich glaube, das ist eine Frage des Blickwinkels, des Fokuses, was man tatsächlich als Innovation betrachtet, ja oder nein.
Und ich glaube, dass es auch ganz wichtig ist, was ja jeder von uns gemacht hat. Ich glaube, jeder von uns ist der Auffassung, man muss erst mal denken, ob das, was einem als Innovation verkaufte, tatsächlich in meiner Lebenswirklichkeit mit den Facetten, die ich sehe und die ich für wichtig erachte, tatsächlich eine Innovation ist. Und das ist eben immer die Frage, was macht der Bauchemiehersteller, der hat eine Innovation und sagt halt, das hält meinetwegen länger. Und ich glaube, dass wenn man tatsächlich etwas Innovatives haben möchte, ist es auch für uns Juristen immer eine Frage irgendwo des Ziels. Was möchte der Mandant als Ziel haben? Deswegen habe ich vorhin bewusst gesagt, nicht nur Bau soll, sondern welches Ziel wollen sie denn erreichen? Und dann ist es für mich eben eine Frage, möchte jemand oder muss er ökologische Grundsätze berücksichtigen, muss er wirtschaftliche Aspekte berücksichtigen oder wie ist überhaupt der Rahmen?
Weil der Rahmen ist ja häufig, wenn Sie sagen, es soll was digital ersetzt werden, man möchte Mitarbeiter einsparen, man möchte einfach sparen und denkt dann, wenn man nur auf den Knopf drückt, ist es günstiger. Das ist häufig auch so, nur nicht, wenn es nicht funktioniert. Das ist eben so sozusagen im wirklichen Leben. Juristisch ist, solange man keine Vergabeverfahren einhalten muss, darf man bis zur Grenze der Sittenwidrigkeit und des gesetzlichen Verbotes nahezu alles machen. Im Vergaberecht gibt es viele Möglichkeiten, höherwertiges Bauen einzubringen. Die werden so gut wie gar nicht ausgeschöpft. Es gibt viele Möglichkeiten. Das ist in der Vergabeordnung geregelt. Und man braucht halt einen rechtlichen, willkürfreien Grund dafür. Aber Experimentierklausel, so weit sind wir da, glaube ich, noch nicht.
Andreas GerdesModeration, KIT Innovation HUB
49:26Gut, als Wissenschaftler möchte man natürlich experimentieren, hätte er natürlich so eine Klausel ganz gern. Aber ich glaube, ein Begriff, das ist mir jetzt aufgefallen, das nehme ich auch gern mit, wenn man so will, nach Hause ist, wir müssen uns vielleicht nicht nur Verkehrsträger übergreifen über bestimmte technische Lösungen oder etwas zusammensetzen und daran zu arbeiten, sondern der Begriff, was verstehen wir unter Innovation, müsste irgendwo zusammengeführt werden, weil die Positionen sind da sehr unterschiedlich. Was Innovation angeht und ich denke auch für die Industrie wäre das sehr wichtig, um dort Motivation zu erzeugen, tatsächlich Innovation zu entwickeln, dass sie feststellen, was versteht denn letztendlich der Bauherr, der öffentliche Bauherr unter dem Thema Innovation.
Denn wir haben jetzt drei Varianten schon gehört und ich bin sicher, wenn wir jetzt noch drei Kollegen oder Kolleginnen aus dem gleichen Bereich hätten, dann hätten wir die sechste, siebte und achte Definition.
50:30Fachkräftemangel und immer die gleichen Firmen
Walter BraunLeiter Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Neckar
Sie schütteln den Kopf, Herr Braun. Ja, ich bin da so ein bisschen an der Zahl, die Sie hier vorhin in den Raum geworfen haben. Wir haben 75.000 Firmen, 80 Prozent davon kleiner 20 Mitarbeiter. Sie haben jetzt gerade gesagt, wenn wir jetzt zu viert oder zu fünft, Sie als Moderator mit dazu über Innovation diskutieren, haben wir fünf Meinungen. Wenn wir nochmal die Gruppe vergrößern kriegen, haben wir nochmal fünf dazu. Ich sage Nein vor dem Hintergrund, Sie werden keine weiteren fünf finden. Das Problem, was wir doch haben, ist doch auch, ja, es klingt auch wieder ein moderner Schlagwort, Fachkräftemangel. Aber doch auch das Thema, gerade Infrastruktur und die dazugehörigen Fakultäten, sprich Bauingenieur, Maschinenbauer, was so alles gebraucht wird, damit Infrastruktur funktioniert, ist momentan Mangelware. Das heißt, wir haben ja auch relativ wenig zum Diskutieren als Partner an der Zahl. Und da ist natürlich auch ein bisschen schwierig, so die Innovation in die Zukunft zu tragen, wenn gar niemand da ist, der mit einem diskutiert.
Und man nur letztendlich in dem momentan eingegrenzten Bereich, denn ich muss ganz einfach sagen, wenn ich an die Vergabeverfahren denke, in irgendeiner Form, ich sehe immer die gleichen Gesichter. Es sind immer die gleichen Firmen, die mit uns die Verträge machen, die teilweise auch dann gar nicht mehr mehr können.
Ein eingefahrenes Team, also so das Thema, was eigentlich auch so mit Vergabeverfahren, Wettbewerb so gedacht ist, mal drüber nachdenken, einen neuen Ansatz zu bringen, der findet gar nicht statt, weil einfach niemand da ist. Auch da ist es vielleicht so ein Punkt, wo man sich mit dem Thema auseinandersetzen kann, wenn wir weiterhin diese Situation, diesen Lebensqualitätsstandard hier in Baden-Württemberg haben wollen, als Land des Exportes in der Form mit hochwertigen Produkten, dann müssen wir auch den anderen Teil uns ein bisschen leisten, dass wir da jemanden haben, mit dem man diskutieren kann. Und der fehlt im Moment.
Andreas GerdesModeration, KIT Innovation HUB
52:26Ich nehme das gerne mal auf. Also Richtung Hochschule, Produktion von Nachwuchs. Lieber Herr Braun, das habe ich wirklich gut verstanden. Gut.
52:37Die Ausbildung ist auf Neubau ausgerichtet
Andreas GerdesModeration, KIT Innovation HUB
Deshalb war nämlich die Frage, die ich an den Herrn Holst richten wollte, genau in diese Richtung. Müssen sich die Hochschulen, müssen sich die Universitäten verändern? Ich spüre es natürlich am eigenen Leib. Ich stehe für das Thema Instandsetzung, Schadensvermeidung, Prävention usw. und da stehe ich sowohl an der Universität als auch an der Hochschule ziemlich alleine. Die Ausbildung ist einfach noch sehr stark in Richtung Neubau, Neuerstellung, erhaltene Infrastrukturen usw. ist gar kein Thema. Und was mir eben immer wieder rätselhaft ist, anders kann man es nicht ausdrücken, wir haben eigentlich in Deutschland nicht wirklich einen Master, wo Ingenieure, Ingenieurinnen ausgebildet werden in Richtung Infrastruktur, Instandsetzung und Ähnliches.
Das sind Themen, die im Prinzip immer noch nach der gleichen Struktur der Ausbildung mehr oder minder ausgebildet werden. Da gibt es meines Erachtens nicht wirklich Neuerungen. Wenn jemand einen Instandsetzungsingenieur braucht oder eine Instandsetzungsingenieurin, die jetzt eine komplette Ausbildung in dem Bereich hat, wird er sie nicht finden, obwohl heute der Markt mittlerweile 60% ist und dieses ganze Thema wird einfach negiert, da schaut meines Erachtens niemand hin. Bin ich da mit meiner Meinung alleine, Herr Holst, oder haben Sie eine ähnliche Beobachtung? Ja, da muss ich einfach sagen, habe ich die ähnliche Beobachtung gemacht.
Ralph HolstBundesanstalt für Straßenwesen
54:12Ich bin seit ein paar Jahren mittlerweile auch ein Lehrbeauftragter an der Hochschule, an der Universität in Weimar, weil ich genau dieses Thema, Bauwerksprüfung, Bauwerksmanagement, dort bis jetzt nicht vertreten sehe und auch, was man sonst oder ich sonst so sehe, ist es halt in sehr wenigen Bereichen bis jetzt wirklich in der universitären Forschung angekommen. Als ich studiert habe, bräuchte ich auch große Brücken und neu bauen. Und was macht man jetzt? Kleine Brücken instandsetzen. Oder wir ja noch nicht mehr, sondern die Forschung entsprechend dazu. Dass wir da halt auch entsprechend sehen müssen, dass wir auch das Thema mehr in die Hochschule bringen. [Passage zum Schutz der Persönlichkeitsrechte entfernt] Und der Professor Oeser hat halt als ein wichtiges Thema an die BASt-Akademie jetzt angefangen zu gründen, um gerade dieses Thema nachhaltiges Bauen bzw.
nachhaltiges Verkehrswert, also Straßenwesen in dem Fall, auch zusammen mit den Universitäten, mit bestimmten Universitäten, mit denen er einen sehr guten Kontakt hat, da auf die Schiene letztendlich zu bringen, weil wir das Thema immer mehr in die Leere bringen müssen. Wir müssen den Fachkräftemangel, es ist einfach, dass wir dann die Themen so adressieren müssen, die wir zukünftig auch haben. Und wir bauen einfach weniger neu, wir müssen mehr erhalten. Unterhaltung heißt halt ganz anders herangehen. Auf der grünen Wiese bauen ist völlig was anderes als unter Verkehr bauen, mit allem, was entsprechend da zusammenhängt. Und dann muss ich auch sagen, die Anzahl der Studiengänge, als ich noch studiert habe, ist jetzt auch 25 Jahre her, gab es halt diese klassischen drei Vertiefungsrichtungen, konstruktiv Verkehr und Wasser.
Ganz salopp gesagt, vor etlichen Jahren mal von einem ehemaligen Assistenten, den ich kenne jetzt Professor in München, der hat das mal aufgelistet im Ingenieurblatt, 71 Vertiefungsrichtungen allein im Bauingenieurwesen und bei der Hälfte der Überschriften wüsste ich nicht, wenn ich so jemand als Bewerber bei mir habe, was kann er oder sie überhaupt auch. Einerseits finde ich es gut, dass im Studium die Möglichkeit ist, Fächer auch anders zu kombinieren, weil klar, im Vergleich zu meinem Studium haben wir auch ganz neue Themen auch, aber es muss auch hinterher klar sein, was kann er oder sie denn hinterher auch. Da würde ich mir auch mehr Fokussierung wünschen oder dass es einfach klar ist, dass bei den Anwendern, sei Straßenbauverwaltung oder auch selbst bei uns als Forschungseinrichtung, dass auch ein gewisses Ziel vorgegeben wird bezüglich der Qualifikation.
Es ist ja schön, sich salopp ausgedrückt Fächer zusammenzusuchen, die alle interessant sind, die aber hinterher kein Gesamtbild ergeben. Das finde ich schwierig. Also Ausbildung, das ist ganz klar. Und dann müssen wir einfach in den Bereich Erhaltung, Lebenszyklusbetrachtung, Nachhaltigkeit.
Digitalisierung spielt überall mit rein. Aber das ist einfach da der Fokus. Materialkunde, da sind Sie natürlich ganz stark drin.
Andreas GerdesModeration, KIT Innovation HUB
57:20Also ich glaube, ein Punkt, den ich hier vielleicht jetzt genau zu diesem Zeitpunkt einbringen will, ist natürlich auch, wenn wir in die Hochschullandschaft und in die Universitäten hineinschauen, spielt natürlich die Forschung, auch wenn es um die internationalen Rankings, so weiter geht eine immer größere Rolle. Das muss man einfach sehen. Und was man dann sehen muss, ist, dass Thema wie Mobilität, Energieforschung, Informatik und solche Themen einen ganz anderen Stellenwert haben. Und wir spüren das, und wir können das auch an jeder Universität, würde ich jetzt einfach mal behaupten, spüren, dass bis auf ganz, ganz wenige Ausnahmen in Deutschland der Druck natürlich auch groß ist auf diese Fakultäten. Denn viele sind der Meinung, okay, Beton kann ich im Baumarkt kaufen, sackweise, gehe ich ein bisschen Wasser zu, dann kann ich da für die Oma dann die Veranda betonieren.
Das ist nicht unbedingt für Kolleginnen und Kollegen aus anderen Forschungsbereichen irgendwie Hightech. Mein Doktorvater an der ETH in Zürich sprach dann immer, wenn er über das Bauwesen sprach, er ist Physiker von Haus aus, nicht von Low-Tech, sondern von No-Tech. Und das führen wir einfach heute noch tatsächlich mit. Das ist sicherlich etwas, wo wir die Unterstützung auch von den Kolleginnen und Kollegen aus der Praxis brauchen. Denn wir kämpfen tatsächlich in der Wahrnehmung, denn in vielen Universitäten und Hochschulen hat, was jetzt das Wissenschaftliche angeht, die Bauingenieure, die Architekten, die rote Laterne und kämpfen letztendlich auch gegen diese Wahrnehmung.
Auf der anderen Seite, und da sind wir uns, glaube ich, einig, ohne High-Tech-Forschung in dem Bereich, werden wir die hohen Energie- und Massenströme, allein die Zementproduktion weltweit steht für 8-9% des freigesetzten CO2, das Bauwesen, insgesamt je nach Quelle zwischen 15 und 20%. Wenn es uns da nicht gelingt, dann werden wir auch das Thema mit den Zielen bezüglich des Anstiegs der mittleren globalen Temperatur, 1,52, immer häufiger taucht jetzt 2,5 Grad auf, nicht wirklich erreichen können, sind wir hoffnungslos. Aber da gilt genau, wenn man so will, Verkehrsnetze spinnen, gilt genau das Gleiche, dass auch ein Netz gesponnen werden muss zwischen den Akteuren, die in der Praxis stehen, und den Fakultäten, die an den Universitäten zunehmend unter Druck geraten.
Das war jetzt ein etwas längeres Statement, lag mir aber jetzt wirklich auf der Seele, weil ich halte das für einen ganz wichtigen Punkt. Aber kommen wir vielleicht nochmal eben wieder zurück. Wir haben jetzt dort eben diese zwei Anmerkungen zum Thema Nachwuchs.
Thomas GamberLeiter Technik S-Bahn Breisgau, DB Netz
1:00:05Wie sieht es denn beim Nachwuchs bei der DB, bei der Deutschen Eisenbahn, denn aus? Es ist natürlich klar, das, was jetzt die Vorredner gesagt haben, auch wir haben Nachwuchsprobleme, Nachwuchssorgen vielleicht ein Stück weit, Fachkräftemangel, ja, ist auch unser Thema.
Und mein Wunsch, oder ich glaube, was wir brauchen, ist eine zielgerichtete Hochschullandschaft ausgerichtet an unserem Bestand, so will ich es vielleicht mal sagen. Das Thema Neubau ist in allen Studien, also ich selber habe ja auch Bauingenieurwesen studiert, ist der Neubau im Fokus gewesen. Bei mir ist es jetzt noch nicht ganz so lang her, aber auch seit zwölf Jahren stehe ich jetzt im Beruf. Von daher sage ich, der Neubau steht im Fokus. Aber wenn ich mir die Landschaft draußen anschaue, sei es auf dem Neckar, sei es auf der Autobahn oder im Hochbau oder auch bei der Eisenbahn, wir reden von 100, 120, 150 Jahre alten Bauwerken, die wir da draußen haben.
Und davon gibt es wesentlich mehr, wie die, die in den letzten 10 oder 15 Jahren entstanden sind. Das ist das meines Erachtens, wo die Universitäten oder Hochschulen, dualen Hochschulen, in diese Richtung gehen müssen, in die Fachrichtung Bauingenieurwesen, dass sie den Bedarf, den wir draußen haben, auch abdecken können. Weil es ist ja nicht nur, dass wir als öffentlicher oder ehemals öffentlicher Auftraggeber die Leute brauchen, die das können, sondern die Baufirmen, die das dann für uns ja draußen umsetzen, im Ergebnis, die müssen ja auch wissen, wie eine Bauwerksinstandsetzung funktioniert. Also es hilft dem ja wenig, wenn er den Neubau beherrscht, aber eine Instandsetzung machen soll. Ja, das ist jetzt mal ganz platt gesprochen. Und das ist das, wo, glaube ich, schon ein Stück weit mehr in der Hochschulausbildung mitgenommen werden muss, weil der Bedarf am gesamten Markt, unabhängig jetzt öffentlich oder nicht öffentlich, auch bei den Häuslebauern zu Hause, das Haus ist 100 Jahre alt und soll saniert werden. Bringt der Neubau auch wenig.
1:02:08Warum das Bauwesen sich nicht verstecken sollte
Andreas GerdesModeration, KIT Innovation HUB
Ist der Anteil der Verfahren, wo es rechtliche Streitigkeiten gibt, höher bei der Instandsetzung als beim Neubau?
Katrin Rohr-SuchallaRechtsanwältin für Baurecht, CMS Hasche Sigle
1:02:18Das kann ich also verlässlich gar nicht beantworten. In meiner täglichen Praxis kann ich das nicht bestätigen.
Die Mandanten kommen ja, wenn es um Probleme geht, eben mit Problemfällen. Es hängt eben davon ab, kriegt man mehr Beufauden oder eben mehr Instandhaltungsbereiche.
Meine persönliche Wahrnehmung über die vielen Jahre ist, dass wir vom Prinzip her gesehen ein Geschonen über gute Fachkräfte verfügt haben immer. Ja, es werden immer weniger, das ist gar keine Frage. Ich glaube, ein großes Problem ist, dass die Geschwindigkeit des Bauens so zugenommen hat. Auf der anderen Seite eben das Fachwesen runtergefahren worden ist, weil man nicht mehr die Möglichkeit hat, sich in der Praxis zu erproben, sodass man eben bei vielen Neubauvorhaben auch viele, viele Mängel hat. Das muss man einfach mal so sehen. Eben umso besser man Sachen überwacht, das ist natürlich in diesen Spezialsegmenten, man denkt ja immer, so ein Straßenbauvorhaben merkt keiner was. Ich glaube, besser überwacht als ein Straßenbauvorhaben ist kaum irgendetwas. Da wird ja alles überwacht. Das stellt man sich dann, denke ich, noch anders vor.
Aber ich glaube halt, so wie es jetzt hier eben dargestellt ist, möchte ich mal aus meiner Sicht sagen, ich glaube, dass der Baubereich sich viel zu sehr versteckt. Wenn man einfach mal überlegt, dass ohne die Bauingenieure eigentlich die Welt nicht funktioniert, weil es gibt kein Industrieunternehmen ohne Industriehalle, was irgendwas machen kann. Es könnte auch ohne ihre Straßen auch nirgendwo irgendwas hinliefern. Es gäbe überhaupt keinen Wettbewerb. Es gäbe auch überhaupt keine Wirtschaftsstaaten. Und ich glaube, dass das ein wichtiger Punkt ist, den man auch mal jungen potenziellen Studierenden mit an die Hand geben müsste, weil ohne diesen Bereich läuft gar nichts, ist meine persönliche Meinung. Und das ist auch übergeordnet in der Logik so. Aber ich glaube halt einfach, dass das Ansehen des Bauingenieurs oder aller in diesem Segment nicht mehr ganz so ist.
Dagegen denke ich, kann man was tun. Und um den zweiten Teil jetzt mal eine Brücke zu schlagen, zur Nachhaltigkeit beziehungsweise zur Instandhaltung und damit Nachhaltigkeit. Also ich glaube, dass diese Nachhaltigkeitsthemen bei jungen Menschen sehr stark im Fokus sind. Und ich glaube, man müsste mal vor Augen führen, wie spektakulär eigentlich Instandhaltung sein könnte, wenn denn die Universitäten anfangen mit Wissentransfer. Und zwar diesen Wissenstransfer heute sicherlich zur Kunst. Das ist sehr spannend, aber auch Wissenstransfer innerhalb dieser Bereiche, die nämlich auch was für mich mit Ökologie, mit Klimawandel und ähnlichem zu tun hat, weil man nämlich, so wie das Herr Braun heute auch mehrfach, wie genauso Herr Holst und Herr Gamber das gemacht haben. Ich kann natürlich auf der Nanoebene schauen, ist das eine Innovation, ist eine Frage des Blickwinkels oder des Fokuses. Aber ich glaube, ich muss die unterschiedlichen Facetten, und heute ist der Klimawandel, glaube ich, nicht nur ein Werbekriterium, sondern für uns alle existenziell.
Aber ich glaube, dass das ein großes Zugpferd wäre, wenn man wüsste, was man mit der Instandhaltung da an CO2 einsparen könnte. Weil es gibt ja gar keine Alternativen. Also ich meine, keiner von uns möchte jetzt mit dem Zelt draußen schlafen.
1:05:34Schlussrunde: Infrastruktur ins Bewusstsein bringen
Andreas GerdesModeration, KIT Innovation HUB
Aber ich finde das ganz schön, weil da sind einige Punkte drin, weil ich würde jetzt gerne mit der Schlussrunde beginnen, die in diesem Kontext wichtig sind. Auf der einen Seite das Thema Infrastruktur schlummert und das war ja auch die Grundidee des WERKstattPALASTes, dass wir gesagt haben, wir möchten hier eben durch den doppelten Zugang von der Kunst her, aber auch eben von der Technik her, dieses Thema etwas in den Vordergrund rücken. Da nehme ich jetzt einfach mal mit, das kann der erste Schritt sein, aber definitiv müssen wir da noch viele weitere Schritte tun, damit uns das gelingt, damit es eben ein bisschen bewusster wird. Der zweite Punkt, denke ich auch, ohne Infrastruktur funktioniert es nicht, aber wie der Name schon sagt, drunten liegend, nicht sofort erkennbar, da müssen wir etwas tun, sowohl in den Hochschulen, in der Bildung, in der Nachwuchsgewinnung und so weiter, aber eben auf der anderen Seite auch, was jetzt eben die Darstellung ist, dass das wirklich ein spannendes Thema ist und nicht etwas, was langweilig ist oder wo man jetzt den ganzen Tag mehr oder minder nur am Schreibtisch sitzt und Zeichnungen macht.
Wenn wir jetzt nochmal die Schlussrunde beginnen, Herr Braun, was wäre denn jetzt ein Weg, um jetzt dieses Thema Infrastruktur ins breitere Bewusstsein zu bringen?
Walter BraunLeiter Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Neckar
1:06:56Was müssen wir da tun, damit uns das gelingt? Ich glaube, der erste Schritt wäre, das Thema bewusst neu zu denken. Welche Potenziale, welches Können im Bestand liegt? Denn die Welt neu können wir nicht erfinden.
Das Zweite ist das Thema, ich hasse eigentlich diese Anglismen, aber wenn ich so sehe, Bauingenieurwesen, wir haben es gerade im vorherigen Schlussstatement der Runde davor gehabt, was hat Bauingenieur in Deutschland für ein Bewusstsein, für einen Namen, wenn ich ins Englische denke, in diesen Anglismen heißt es Civil Engineering.
Es ist die Frage, wie übersetzt man Civil in Deutsch, aber so dieses Bürger- oder Gesellschafts- oder Grundsatzingenieurwesen, auch wenn das dann vielleicht 71 Vertiefungsrichtungen sein mögen, aber das ist einfach die Basis unseres Daseins. Nichtsdestotrotz sagt man ja, Baukunst ist so mit das älteste Gewerbe der Menschheit, wobei das andere älteste Gewerbe man sich überlegen kann, im Hinblick auf Sittenwidrigkeit darf man das nennen oder nicht. Aber das ist einfach so das Thema, Bauen haben wir schon immer gemacht, auch das Thema Mängel am Bauen und ähnlich ist genauso alt, das Thema. Also von daher, wenn wir uns da vielleicht ein bisschen mehr darauf fokussieren könnten, könnten wir, glaube ich, einen kräftigen Gewinn in der Zukunft draus haben.
Ralph HolstBundesanstalt für Straßenwesen
1:08:26Ja, ich denke auch, Sie haben es sehr schön eben auch gesagt gehabt, dass die Verkehrsinfrastruktur, alle drei Verkehrsträger, die wir hier haben, bilden die Basis, das wirtschaftliche Rückgrat in Deutschland schlechthin. Und das wird, glaube ich, einfach, weil jeder jederzeit in einen Zug steigen kann, jederzeit auf einer Straße, nicht immer auf der Wasserstraße unterwegs ist, aber auf jeden Fall, wenn man in Köln lebt, jederzeit immer den Rhein entsprechend sehen kann. Und dass dieser Wert einfach klar sein muss. Das wird halt, Daseinsfürsorge heißt dann immer so, ja, ist dann da und wir nehmen es hin und wir erwarten halt auch, wir haben es aber über Jahrzehnte, glaube ich, auch so ein bisschen geschürt, dass halt auch für die Wirtschaft und so weiter die Verkehrswege immer in voller Qualität da sind. Und wenn es mal nicht so ist, weil da eine Einschränkung ist, weil halt eine Maßnahme durchgeführt wird, ist das Geschrei immer ganz groß.
Da müssen wir, ich glaube, alle in diesem Bereich tätigen, ganz ganz das deutlich machen, was eben gesagt wurde, so ohne geht es nicht. Und gerade halt auch, was die Instandsetzung Erhaltung angeht, also gerade ich als Ingenieur finde das im Vergleich zum Neubau sogar spannender, weil ich weiß gar nicht genau, was ich dort vorfinde. Wenn ich Neubau salopp ausgedrückt, habe ich ein Regelwerk, das ist mittlerweile programmiert. Ob das alles sauber programmiert ist, da gibt uns keine Garantie dafür, aber sei es drum. So, und das war meine Erfahrung auch im Ingenieurbüro, so spannend die Projekte waren, aber ich wollte nicht 30 Jahre lang FEM vor dem Rechner machen und einfach nur das glauben, was dort berechnet wird, hier im Bestand. Das ist eine sehr anspruchsvolle und sehr reizvolle Aufgabe auch. Ich bin auch seit 20 Jahren auch in der BASt, in dem gleichen Referat und bis heute, natürlich hat man ja immer einen Tag, der nicht so klasse ist, aber immer spannende Themen.
Das müssen wir auch nach draußen tragen, zum Thema Nachwuchsförderung auch. Und wir müssen auch, das denke ich auch mal, und wir müssen auch ehrlicher sein, was das auch kostet. Weil das ist so ein bisschen mein Eindruck auch immer, wie oft wird dann auch immer gesagt, seien es auch Hochbauprojekte, die Bahn ist da so ins Kritik gekommen, Stuttgart 21, das ist ein super, aus technischer Sicht, super klasse und ein extrem notwendiges Projekt. Und es wird immer nur darüber diskutiert, ist wieder ein bisschen teurer geworden, ist wieder ein bisschen oder ein bisschen mehr teurer geworden, dass wir auch ehrlicher damit auch sind. Ich habe immer im Hinterkopf, ich glaube 2012 war das in London, und nur ein bisschen Spiele, dass dort alle Bauwerke oder alle Infrastruktur oder alles, was investiert werden musste, mit Risikozuschlägen versehen wurde. Und am Ende, so habe ich es gelesen, ist sogar Geld übrig geblieben von der ersten oder zweiten Schätzung.
Und in Deutschland fangen wir dann immer so niedrig an, weil wir dann sagen, ja, wir wollen in der Außendarstellung nicht sagen, dass es so teuer ist. Die Infrastruktur kostet, aber sie ist halt die Basis dafür, dass wir überhaupt wirtschaften können. Und da denke ich mal, sind wir nicht ehrlich genug. Und dann, wenn wir das so ein paar Punkte anpacken, glaube ich, haben wir auch eine bessere Wertigkeit in der Wahrnehmung nach außen.
Thomas GamberLeiter Technik S-Bahn Breisgau, DB Netz
1:11:37Herr Gamber. Gut, ich will das aufgreifen. Vom Grundsatz her, glaube ich, brauchen wir die Informationen auch oder das Verständnis unserer Mitbürger. Dass wir uns eine, sage ich mal, grandiose Infrastruktur geleistet haben und die müssen wir natürlich jetzt auch dauerhaft verfügbar halten. Und das gilt, glaube ich, für uns alle drei, Verkehrsträger, Wasser, Straße, Schiene. Und das kostet einfach Geld. Und der ehrliche Umgang, so wie Sie das jetzt gerade gesagt haben, ist, denke ich, wichtig, damit zum einen wir als Verkehrsträger nicht immer in Erklärungsnot kommen und die Bürger im Gegenzug auch verstehen, okay, wir leisten uns eine Infrastruktur, die halt auch einfach so viel kostet. Das ist, glaube ich, ein wesentlicher Fokus, den wir irgendwie auch setzen müssen. Und dann kommt natürlich weiter, wenn man jetzt das, was wir zuvor gesprochen haben, mit der Verfügbarkeit oder mit dem Interesse der jungen Akademiker, der Studenten, vielleicht auch der Handwerksberufe, kommt dann vielleicht auch wieder mehr, wenn die Infrastruktur mehr in den Fokus der Notwendigkeit gerückt wird. Das ist ja so, wie Sie gesagt hatten vorhin, wir machen das ja nicht, weil wir denken, das ist jetzt irgendwie schön, eine sechssporische Autobahn zu haben oder einen ausgebauten Neckar, sondern wir machen das ja auch mit dem Hintergedanken, dass die Wirtschaft floriert, dass wir exportieren, importieren können, dass wir Menschen transportieren können, dass jeder die Oma besuchen kann am Wochenende, egal wie er das macht, dass man auf dem Neckar mit der weißen Flotte mal schön nach Neckarsteinach fahren kann zum Beispiel.
Das sind ja alles auch so Punkte, die uns viel helfen. Und der Fokus sollte mehr auch in diese Richtung gesellschaftlich geschubst werden.
Katrin Rohr-SuchallaRechtsanwältin für Baurecht, CMS Hasche Sigle
1:13:19Gut, das möchte ich kurz halten. Also Blickwinkel ist entscheidend und ich glaube, dass man einfach sehen muss, ohne Infrastruktur gibt es keinen Wirtschaftsstaat. Weil man hat keine Straßen, man hat keine Brücken, man hat keine Wasserwege, man hat keine deutsche Bahn, man hat auch keine Häuser, man hat keine Fabriken, man hat nichts. Und ich glaube, dass das wieder mehr in den Fokus gerückt werden muss, wie wichtig das ist. Ohne geht gar nichts. Den zweiten Punkt, den ich sagen möchte, das ist Instandhaltung. Wer auch immer nachhaltig im Sinne von uns allen, aller Menschen, nicht nur in Deutschland tätig sein möchte, Instandhaltung im Baubereich, in der Infrastruktur, mehr CO2 kann man gar nicht sparen. Da gibt es keine einzige Technologie, wenn man sie logisch durchdenkt, die einem im Moment Glauben gemacht wird, die auch nur näherungsweise dieses Einsparpotenzial hat.
Das ist exorbitant.
Andreas GerdesModeration, KIT Innovation HUB
1:14:21Gut, vielen Dank für diese letzte Runde. Ich würde nochmal ganz kurz zusammenfassen, Infrastruktur muss mehr wieder ins öffentliche Bewusstsein, welche Rolle es spielt, was wir dafür tun müssen und auch eben gerade in dem Kontext, dass eine nachhaltige Infrastruktur auch ein wichtiger Baustein ist zu einer Gesellschaft, die mit deutlich weniger CO2 auskommt. Ich danke Ihnen für Ihren Beitrag, mir hat es jetzt sehr viel Freude gemacht. Ich denke, wir haben ja Aspekte gehört, viele davon waren mir auch nicht so ganz bewusst und das ist ja das Grundprinzip eines Gesprächs.
1:14:57Publikumsfrage zu CO2-Preisen in der Vergabe
Andreas GerdesModeration, KIT Innovation HUB
Ich würde jetzt aber am Ende gern noch den Zuhörern die Gelegenheit geben, die eine oder andere Frage zu stellen und würde die Diskussion dann eröffnen. Gibt es irgendwie eine Frage oder ein Kommentar?
Einer, nicht alle.
Ah, Entschuldigung.
Stimme aus dem Publikum
1:15:23Wenn ich darf, mache ich das natürlich gerne. Ich bin auch Mitarbeiter hier im KIT Innovation HUB und habe mich sehr über die drei teilweise unterschiedlichen, aber in den wichtigsten Punkten auch sehr ähnlichen Perspektiven der Gesprächsteilnehmenden hier gefreut, bezogen auf die Verkehrsteilnehmenträger. Wenn es darum geht, Ehrlichkeit von Kosten zu transportieren in die Gesellschaft, fände ich es ganz spannend, wenn wir auch über die Art der Kosten sprechen. Also sprechen wir über aktuelle Preise, sprechen wir über Preise, die zum Beispiel aber auch Emissionen berücksichtigen. Wie weit ist das? Also können wir über internalisierte Preise sprechen und inwieweit ist das zum Beispiel schon in den Bundesämtern oder bei den Verkehrsträgern angekommen. Ich nenne das mal zwei Zahlen vom Bundesumweltamt.
Wenn wir CO2-Preise von etwa 200 Euro pro Tonne haben, könnten wir einigermaßen generationengerecht bauen, in der Hoffnung, dass sich in der Zukunft einiges ändert. Wenn wir gleiche Lebensbedingungen ansetzen wollen, was die Einschränkungen der Wohlfahrt angeht, müssten wir mit knapp 700 Euro pro Tonne CO2 rechnen. Was natürlich ein enormer Hebel wäre, auch Bauträger dazu zu bewegen, CO2 ärmer zu planen, instand zu halten, zu bauen. Wie weit sind solche Zahlen schon in den aktuellen Projekten mit vertreten?
Also vielleicht auch ohne Zahlen, einfach nur der Gedanke über internalisierte Kosten.
Andreas GerdesModeration, KIT Innovation HUB
1:17:09Wir sehen jetzt hier ein Schmunzeln bei den Kollegen. Herr Holst,
Ralph HolstBundesanstalt für Straßenwesen
1:17:22wollen Sie mal anfangen? Schmunzeln weniger, weil das Thema ist dafür definitiv zu ernst. Das ist ganz klar. Ich habe ja gesagt, dass ich seit etwas mehr als 20 Jahren in der BASt arbeite und lange Jahre an einem Bauwerkmanagementsystem mitgearbeitet hatte, was gerade nicht nur die direkten Kosten und auch nicht nur die der Herstellung, sondern auch die Folgekosten und insbesondere die indirekten Kosten auch mit berücksichtigt hat. Das ist leider aus unterschiedlichen Gründen so nicht in die Anwendung gekommen. Und zu Ihrer direkten Frage zu kommen, bis jetzt kenne ich keine Regelungen, die diese anderen Kosten mit einbeziehen. Ob wir nun bei 200 Euro die Tonne oder 700 Euro sind, das wäre, denke ich mal, dann entsprechend zu klären, weil das ist nachher auch eine politische Entscheidung.
Nur wir müssen dazu kommen, Nachhaltigkeit, ich habe es vorhin mit Key-Performance-Indikatoren am Anfang gesagt gehabt, wir müssen das als Bewertungskriterien entwickeln. Da gibt es schon einiges, worauf man aufbauen kann. Und es muss definitiv in den Ablauf, in die Vergabeverfahren entsprechend mit rein. Und dadurch wird sich ganz einfach eine Verschiebung in der Art der Bauweise geben, hin, mehr zur Dauerhaftigkeit, mehr hin zu anderen Baustoffen, letztendlich auch hin. Da ist noch einiges zu tun von der technischen, von der wissenschaftlichen Seite. Da sind jede Menge Ideen da. Es ist aber auch, wir müssen auch da einen gesellschaftlichen Rückhalt dazu haben, weil wir reden hier dann über Anstiege von Kosten, die nicht Peanuts sind, wie irgendjemand so schön aus der Baubranche mal sagte, sondern das wird ganz erheblich sein.
Walter BraunLeiter Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Neckar
1:18:59Und das muss von allen mitgetragen werden wollen. Aber aus meiner Sicht müssen wir dahin. Also diese Fragestellung ist insofern nicht neu, weil beispielsweise im aktuellen Bundesverkehrswegeplan sind diese Kosten drin. Wir rechnen momentan nicht bei einer Maßnahmenplanung für ein Tor, wie viele Tonnen CO2 sind da mit dabei, wenn ich eine Tonne Stahl koche, um dann das Tor daraus zu bauen und mehrere Tonnen, in der Regel so 30, 40, 50 Tonnen, je nachdem, wie groß das Tor ist im Bereich. Das haben wir momentan nicht im Vergabeverfahren dabei, beispielsweise wenn wieder recycelter Stahl eingesetzt werden würde gegen neu gekochten Stahl.
Da sind momentan keine Vergabekriterien und keine Kriterien im Moment für einen Maßnahmenplan. Aber im Verkehrswegeplan, sowohl im Bundesverkehrswegeplan wie aber auch im momentanen Güterverkehrskonzept von Baden-Württemberg, das ist ja gerade relativ aktuell aus dem letzten Jahr, sind Verkehrsträger bepreist, einmal in den Investitionskosten, also was kostet Beton herstellen an sich, aber eben auch Folgekosten. Wenn ich verkehre, lenke, wenn ich verkehre beispielsweise Wasserstraße, Schiene, Straße, aber auch Luftverkehr gegeneinander haben, sind Folgekosten dabei, wie auch CO2-Kosten. Die sind also in der politischen Entscheidungsträgerschaft dabei, welcher Verkehrsweg kriegt Priorität, der in diesen Gesamtkosten, gesamtwirtschaftlich dann, gesellschaftspolitisch, die beste Bilanz hat.
Thomas GamberLeiter Technik S-Bahn Breisgau, DB Netz
1:20:43Gut, ich sage mal, aus Sicht der Bahn ist das auch ein Punkt. Wir müssen diese CO2-Bewertungen auch mit aufnehmen, weil wir ja unter ähnlichen Gesichtspunkten arbeiten müssen. Aber ich kann Ihnen die Frage konkret, die Sie gestellt haben, nicht beantworten. Also ich kann Ihnen nicht sagen, inwiefern in den Kosten, die wir als Basis für unsere Kostenplanung verwenden, das schon eingepreist wurde.
Andreas GerdesModeration, KIT Innovation HUB
1:21:08Wir haben gerade gehört, und das ist natürlich eine ganz spannende Frage, inwiefern das gegebenenfalls eben als Kriterium bei der Vergabe mit, wäre das so ein hartes Kriterium, was man dort einbauen könnte, eben diese CO2-Kosten und dass, wenn jemand jetzt eben weniger CO2 durch seine Bauweise oder Vorgehensweise freisetzt, dass das auch als Vergabekriterien herangezogen werden könnte?
Katrin Rohr-SuchallaRechtsanwältin für Baurecht, CMS Hasche Sigle
1:21:34Also das ist tatsächlich eine Frage, wo man mal näher darüber nachdenken müsste. Ich glaube, so einfach ist es wahrscheinlich nicht. Man könnte es wahrscheinlich implementieren, indem man eher eine Vorgabe macht, dass man sagt, dass ein bestimmter CO2-Wert nicht überschritten werden darf. Weil dafür kann man gute, willkürfreie Gründe finden. So rum, glaube ich, würde man ein juristisches Ziel erreichen und könnte man dann tatsächlich auch möglicherweise Produkte begrenzen. Und das wäre dann eine Grundlage. Aber dass man das so einfach vorgibt, dann müsste man wirklich mal darüber nachdenken, weil Nebenangebote sind ja immer sehr toxisch, möchte ich mal so formulieren, für die Dauer möglicher Vergabeverfahren, Einsprüche und ähnlichen. Das müsste man feinsinnig mal überlegen. Also ich könnte mir eher vorstellen, dass man das über eine Vorgabe machen kann und das, was nicht überschritten werden darf.
Walter BraunLeiter Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Neckar
1:22:30Also vielleicht kann man da ergänzen, das Thema. Baden-Württemberg hat ja eine eigene Vergaberegelung für sich getroffen. Es gibt ja in Baden-Württemberg eine Verwaltungsvorschrift für Beschaffung. Beschaffung versteht Baden-Württemberg dabei auch bauen. Also Bauprodukte dem Thema und da gibt es den ausdrücklichen Satz, wenn die Nachhaltigkeit, Umweltaspekte entsprechend gegeben sind, darf der Nichtbilligste den Auftrag bekommen. Also steht ausdrücklich drin, dass ich von diesem Thema der Wirtschaft, also Wirtschaft, was heißt wirtschaftlich gleich billig, ist ein ausdrückliches Thema in der Präambel des baden-württembergischen Vergaberechts.
Entsprechend, dass man hier abweichen darf und soll. Baden-Württemberg hat sich damals, das ist schon wieder drei Jahre her, sehr schwer getan, die Umsetzung der aktuellen EU-Richtlinien in nationales Recht, dann auch soweit es dann unterhalb des Schwellenwertes war, wo ich nicht EU-Recht unmittelbar anwenden muss in dem Fall, da Vergaberecht in Baden-Württemberg umzusetzen in dem Bereich. Wir haben das aber aus meiner Sicht sehr elegant und sehr gut gelöst und gerade auch diesen Aspekt Nachhaltigkeit, Umweltaspekte für die Zukunft deutlich hervorgehoben in dem Bereich mit Anlagen, mit Kriterien, mit Spielregeln dazu. Da steht auch das Wort CO2, also man kann da auch wirklich mit den Kriterien auch solche CO2-Themen reinbringen oder solche Nachhaltigkeitsthemen reinbringen in Baden-Württemberg, ist aber eben das Thema, man braucht Übung.
Auf beiden Seiten. Es braucht die Übung des Auftraggebers und es braucht die Übung des Dienstleisters, des Lieferanten, des Auftragnehmers, also der Vertragspartner miteinander und ich gebe davon aus, da wird es noch für Sie einiges an Arbeitsfeldern geben, wenn das mehr um sich greift.
Wenn ich immer im inneren Bereich so innere Seminare gebe, dann gucken mich immer alle, wie soll das funktionieren, das weiß ich jetzt auch noch nicht so ganz, es steht halt nur drin, probiert es aus und dann wird man sich finden und wird man sich finden müssen.
Andreas GerdesModeration, KIT Innovation HUB
1:24:54Gut, dann würde ich noch eine letzte Frage zulassen, möchte noch jemand hier einen Kommentar oder ähnliches abgeben, ein Lächeln im Publikum. Gut, dann danke ich nochmal allen hier, die heute zu Gast waren und dann Frau Dr. Rohr-Suchalla und den Kollegen für diese engagierte Diskussion. Ich glaube, wir haben da eine ganze Reihe von Punkten angesprochen, die zunächst mal gezeigt haben, wie komplex das Thema ist. Das ist nicht mit einem Ansatz zu lösen. Es gibt nicht die Innovation, die alles löst. Es gibt Nachwuchsschwierigkeiten. Wir müssen sehen, dass das Thema wieder attraktiver wird, sowohl das Thema Infrastruktur als auch eben die Attraktivität gegenüber dem Nachwuchs.
Und nicht zuletzt sind jede Menge Fragen, die jetzt auch rechtlicher Natur sind, die nicht so einfach zu lösen sind, die komplex sind. Deshalb sehe ich das heute mal als Start, nicht als Ende einer solchen Gesprächsrunde und hoffe, dass wir uns dann zeitnah, vielleicht an einem anderen Ort, aber wieder zum gleichen Thema mal zusammensetzen und zu überlegen, wie wir denn tatsächlich dann auch den Worten, Taten folgen lassen. Vielen Dank.


